mini|hochkant|Joseph Urban, um 1900. Karikatur von Rudolf Swoboda Joseph Urban (* 26. Mai 1872 in Wien, Österreich-Ungarn; † 10. Juli 1933 in New York City) war ein österreichischer Architekt, Illustrator und Bühnenbildner, der nach seiner Emigration 1911 auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft annahm. Er gilt als Mitbegründer des American Art déco.

Leben Joseph Urban war eines von drei Kindern von Joseph Urban (1847–1917), Schuldirektor, später Bezirksschulinspektor, und Helene, geb. Weber (1851–1932). Er studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Karl von Hasenauer Architektur und wurde 1890 Gründungsmitglied des Hagenbundes. 1897 heiratete er Maria („Mizzi“) Lefler, die Schwester von Heinrich Lefler, mit der er zwei Töchter hatte: Margarete („Gretl“) (1898–?) und Helene („Elly“) (1900–1931). Von Mizzi ließ er sich 1918 scheiden, um 1919 die amerikanische Tänzerin Mary Porter Beeglearchitektenlexikon.at zu heiraten. Zwei Tage nach seinem Tod am 10. Juli 1933 wurde er auf dem Sleepy Hollow Cemetery in Tarrytown,Markus Kristan: Joseph Urban. Die Wiener Jahre des Jugendstilarchitekten und Illustrators, 1872–1911. S. 140.sleepyhollowcemetery.org im Norden von New York City beigesetzt. Seine Witwe Mary Urban überlebte 1956 den Untergang der Andrea Doria.

mini|hochkant|Die Ausstellungshalle des Hagenbundes in Wien Gemeinsam mit seinem Schwager Lefler illustrierte Urban einige reizende Bilderbücher und aufwendige Festschriften, die die Regierungsjubiläen Kaiser Franz Josephs feierten. Der Vielbegabte schuf auch zahlreiche Ausstattungen für die großen Wiener Bühnen. Die wichtigsten Bauten aus seiner Wiener Zeit sind der Rathauskeller (1898), der Künstlersaal des Restaurant Hopfner in der Kärntnerstraße, die in den 1960er Jahren abgerissene Ausstellungshalle des Hagenbundes in der Zedlitzgasse und die Kaisertribüne für den Huldigungsfestzug (1908). 1911 emigrierte Urban in die USA und wurde 1912 künstlerischer Leiter des Boston Opera House. Zwei Jahre später ging er nach New York City und wurde dort verantwortlich für die Kostüme, das Bühnenbild und die Plakatwerbung der Ziegfeld Follies und später der Metropolitan Opera.

Wie auch in Wien haben viele seiner Bauten in den USA die Zeiten nicht überstanden, mit Ausnahme des Mar-a-Lago in Palm Beach, Florida, der New School und des Unterbaus des Hearst Tower in New York City. Joseph Urban gilt als Mitbegründer des American Art déco. Ihm zu Ehren wurde das Color Gel Urban Blue (Roscolux #81) nach ihm benannt.

Für kurze Zeit – von 1922 bis 1924 – gab es in New York in der Fifth Avenue 581 / 2. Stock ein Verkaufsbüro der „Wiener Werkstaette America Inc.“, dessen Leitung Joseph Urban übernommen hatte. Weil sich nachhaltig keine Verkaufserfolge einstellten, wurde das Büro 1924 geschlossen.Herta Neiß: 100 Jahre Wiener Werkstätte – Mythos und ökonomische Realität. Wien 2004, S. 68.

Bauten und Innenarchitektur (unvollständig) mini|hochkant|alt=Marienbad Friedhof Max Halbmayr Josef Halbmayr Grab|Gruft der Familie Halbmayr in Marienbad mini|hochkant|Mar-a-Lago in Palm Beach, erbaut 1924–1927 Beteiligung an der Raumgestaltung des Radfahrfestes des Wiener Künstlerhauses, 1897 Innenraum des Rathauskellers, Wien (mit Heinrich Lefler), 1898/99 Grabmal für Adolph Freiherr von Pittel in Weissenbach an der Triesting, um 1900 Gruft für die Familie Halbmayr in Marienbad (mit Bildhauer Josef Heu), um 1900 Österreichischer Pavillon, Louisiana Purchase Exposition, 1904 Künstlersaal im Restaurant Hopfner, Wien, 1906 Villa Max Landau, Semmering, Südbahnstraße 83, 1907–1908Markus Kristan: Joseph Urban. Die Wiener Jahre des Jugendstilarchitekten und Illustrators, 1872–1911. S. 123. Villa Carl Redlich, Wien 19., Kreindlgasse, 1908 Sherman Hotel Tiger Room, Chicago, 1920 Wiener Werkstätte Showroom, NYC, 1922 Mar-a-Lago, Palm Beach, Florida, 1925–1926 Demarest Little Castle, Palm Beach, Florida, 1926 Paramount Theater, Sunrise Building, Palm Beach, Florida, 1926 Biddle House, Palm Beach, 1926 Bath and Tennis Club, Palm Beach, Florida, Juli 1926 Ziegfeld Theatre, 1926–1927 St. Regis Hotel Roof Garden, 1927–1928 Hotel Gibson Roof Garden, Cincinnati, Ohio, 1928 Bossert Hotel, Grill Room, Brooklyn, 1928 Bedell Department Store, New York City, 1928 William Penn Hotel, Pittsburgh, 1928, 1932 (Hearst) International Magazine Building, 1928–1929 Central Park Casino, 1929 Metropolitan Museum of Art 11th annual exhibition of American Industrial Art, 1929 The Gingerbread Castle, Hamburg NJ, 1929 New School for Social Research NYC, 1929–1931 Atlantic Beach Club, Long Island, NY, 1930–1931 Park Avenue Restaurant, 1931 Congress Hotel, Joseph Urban Room, Chicago, Illinois, 1932 Katherine Brush Apartment, 1933

Filmografie (Auswahl) 1920: The World and His Wife 1920: The Restless Sex 1923: Frauenfeinde (Enemies of Women) 1924: Das Heldenmädchen von Trenton (Janice Meredith) 1931: East Lynne 1931: The Man Who Came Back

Literatur

Markus Kristan: Joseph Urban. Die Wiener Jahre des Jugendstilarchitekten und Illustrators, 1872–1911 (= Veröffentlichungen der Albertina. 41). Böhlau, Wien u. a. 2000, ISBN 3-205-98650-4 (Voransicht Google Books).

Yann Rocher: Théâtres en utopie. Actes Sud, Paris, 2014, S. 208–217. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 8: T – Z. David Tomlinson – Theo Zwierski. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 108 f.

Weblinks

Liste seiner Bauten Cinema Treasures Columbia University Joseph Urban Collection Hearst Tower Fotos

Einzelnachweise

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