mini|Caboose (Way Car) der Santa Fe Als Begleitwagen, Dienstbegleitwagen, Güterzugbegleitwagen, Bremserwagen, Güterzuggepäckwagen, Fahrverschubwagen oder englisch Caboose, Cabin Car, Brake Van, Guard’s Van und Way Car werden spezielle Eisenbahnwagen bezeichnet, die (einzeln) einem Güter- oder Dienstzug angehängt werden. Sie dienen dem Zugbegleitpersonal als Aufenthaltsort. Während der Fahrt kann vom Wagen aus der Lauf des Zuges überwacht werden.

Es gibt und gab verschiedene Ausführungen von Begleitwagen. Die bekanntesten sind wohl die sogenannten Caboose der amerikanischen Eisenbahnen. Sie waren bis zum Ende der 1980er Jahre am Schluss jedes Güterzuges zu finden. Mittlerweile wurden sie durch ein elektronisches Kontrollgerät, das End-Of-Train-Device, ersetzt. In Europa liefen die Begleitwagen dagegen meist hinter der Lokomotive. Das vereinfachte den Rangieraufwand erheblich, da die Begleitwagen auf bestimmten Bahnhöfen stationiert waren und auch dorthin zurückkehren mussten. War ein Güterzug fertig zusammengestellt, holte sich die Lokomotive von speziellen Abstellgleisen einen Begleitwagen ab und setzte sich vor den Zug. Am Ende der Fahrt nahm die Zuglok beim Abkuppeln den Packwagen mit und stellte ihn auf den entsprechenden Abstellgleisen ab. Somit stand er gleich für eine Rückleistung zur Verfügung.

Deutschland Bis in die 1970er Jahre wurden Güterzüge in Deutschland regelmäßig von Personal begleitet. Außer dem Zugführer war das noch der Packmeister und Rangierer für das Rangieren in Unterwegsstationen. Vor Einführung der durchgehenden Druckluftbremse war der Wagen auch Aufenthaltsraum für die Bremser, die sich dort während der Aufenthalte aufwärmen und verpflegen konnten. Die traditionelle Gattungsbezeichnung der Begleitwagen war Pwg (Packwagen für Güterzüge).

Teilweise wurden für diese Aufgabe ehemalige Packwagen von Personenzügen verwendet. In Deutschland entwickelte Preußen ab 1885 die ersten speziellen Güterzuggepäckwagen. Sie verfügten über einen erhöhten Sitz für den Zugführer zur Zugbeobachtung. Der Zugang erfolgte über eine zunächst offene, später geschlossene Plattform mit beidseitigen Türen. Ab 1902 wurden sie nach dem Musterblatt IIc 13 gefertigt. In Sachsen wurden ab 1889 Güterzugbegleitwagen beschafft, dabei wurde die Bauart von den normalen Gepäckwagen übernommen, sie wurden nur einfacher ausgestattet. Insgesamt wurden in 30 Jahren 350 Wagen beschafft. 1891 wurden auch in Bayern Güterzugbegleitwagen gebaut. Hier konnte das Dienstabteil nur über den Packraum erreicht werden. Dieses hatte Dreh- statt Schiebetüren. Im gleichen Jahr wurden auch in Württemberg Beiwagen gebaut, auch hier in der Bauweise der Gepäckwagen für Personenzüge. Die Wagen hatten eine senkrechte Verbretterung und an jedem Ende eine Bühne. Die kleineren Länderbahnen beschafften meist nach preußischem Vorbild. Die Länderbahnbauarten wurden auch nach dem Ersten Weltkrieg weitergebaut, nach Gründung der Deutschen Reichsbahn nur noch der Pwg Pr 14.

Der häufigste Wagentyp in Deutschland war der Pwg Pr 14 (preußische Bauart), der von 1913 bis 1925 in 9752 Exemplaren gebaut wurde. Neben einem Arbeitsplatz und einer Beobachtungskuppel, die ca. ein Drittel der Dachlänge einnahm, hatte dieser Wagen einen Laderaum, der die Mitnahme von bis zu vier Tonnen Stückgut ermöglichte und über beidseitige Schiebetüren beladen werden konnte. Der Wagen mit einer Länge von 8,5 Metern hatte eine Dienstmasse von 10,8 Tonnen und eine Höchstgeschwindigkeit von 65 km/h. Die Wagen waren bis Ende der 1960er Jahre, zuletzt nur noch auf Nebenstrecken, in Betrieb und sind heute teils bei Museumsbahnen erhalten. Mit Pwg wurden auch Leig-Einheiten gebildet; dabei wurde ein Faltenbalg eingebaut, damit der gesamte Laderaum für das Personal zugänglich war.

Die Deutsche Reichsbahn benötigte Begleitwagen, die bis 100 km/h lauffähig sein mussten. Nach zwei Prototypen (Pwgs-35) entstanden in den Jahren 1938 bis 1942 die Bauarten Pwgs-38 (35 Stück) und Pwgs-41 (687 Stück) in Stahlbauweise, die von Gepäckwagen für Personenzüge abgeleitet wurden. Dachkanzeln verschiedener Bauformen waren nur teilweise vorhanden.

In den Jahren 1944 und 1945 entstanden 4700 Wagen der Kriegsbauart Pwgs-44, basierend auf dem gedeckten Güterwagen Gmhs Bremen. Der Wagen hatte keine Beobachtungskuppel und war von Güterwagen nur aufgrund seiner zusätzlichen Fenster und Türen zu unterscheiden. Die Wagen hatten keine Lichtmaschine und liefen stets direkt hinter der Lok.

In den 1950er Jahren beschaffte die DB ihre letzte Bauart Güterzugbegleitwagen, den Pwghs-54, basierend auf dem gedeckten Güterwagen Gms-54. Der Aufbau bestand aus Profilen und Leimholzplatten. Die Einrichtung bestand aus Teilen des Umbauwagen-Programms. (PDF; 54 kB) Neben dem Zugführerabteil gab es auch eine Toilette. Es wurden 1200 Wagen beschafft. Ab den 1970er Jahren wurden an die 800 Wagen in normale Gls205 umgebaut, andere Wagen wurden in Werkstatt- oder Gerätewagen umgebaut. Mitte der 1990er Jahre endete der Einsatz.

Wegen der niedrigen Höchstgeschwindigkeit der Güterzuggepäckwagen der Länderbahnbauarten und wegen Korrosionsschäden an denen der Kriegsbauart reichte der Bestand der Deutschen Bundesbahn in den 1960ern trotz Neubauten nicht mehr aus. Deshalb wurden ab 1964 im Reisezugdienst entbehrliche "Donnerbüchsen" der Einheitsbauart mit Arbeitsplätzen für die Zugführer ausgerüstet und bis zum Fristablauf mit entsprechender Beschriftung als Güterzuggepäckwagen der Gattung Pwghs eingesetzt. Diese sogenannten Behelfs-Pwg gingen in den 1970er Jahren außer Betrieb.

Die DR beschaffte ab 1956 neue zweiachsige Begleitwagen mit glattem Stahlkasten, Dachaufbau und Schiebetüren. Die ursprünglich als Pwgs 88 eingeordneten Wagen wurden später als Gepäckwagen in Personenzügen eingesetzt., größeres Bild Dafür wurden die als „Blechbüchse“ bekannten Wagen in Daa 93-26 umbezeichnet und mit Anschriften nach Reisezugwagennormen versehen. Übergangseinrichtungen erhielten sie jedoch nicht mehr.

Um den Begleitwagen einsparen zu können, baute die DB 735 Schlepptender der Baureihe 50 in Kabinentender um. Hinter dem Kohlenkasten wurde eine Zugführerkabine mit Schreibplatte und Klappsitz eingebaut, die über beidseitige Türen zugänglich war. Dabei reduzierte sich der Kohlenvorrat. Mit Diesel- oder Elektroloks bespannte Güterzüge führten meistens das Zugpersonal im zweiten Führerraum mit.

Ab den 1950er Jahren nahm die Zahl der Begleitwagen rapide ab. Waren 1957 noch 6045 Wagen im Bestand der DB, so waren es fünf Jahre später nur noch 2824. 1971 waren es dann 1495 Wagen.

Auf Schmalspurstrecken mit Rollwagenbetrieb blieben Begleitwagen im Einsatz. Hier waren sie zusätzlich zum Arbeitsplatz für den Zugführer Aufbewahrungsort für die Kuppelstangen. Verwendet wurden häufig, beispielsweise in Sachsen, ältere Gepäckwagen, die deswegen auch in reinen Güterzügen mitliefen.

Einzelne Bauarten Verschiedene Pwg-Bauarten Musterblatt DR-SkizzeFür viele preußische Bauarten wurden aufgrund von Änderungen der Innenräume, Türen, Aborte usw. und aufgrund von Neuauflagen der Musterblätter mehrere Skizzenblätter aufgestellt. Hier ist das für die meisten Wagen gültige Skizzenblatt angegeben. Erstes Baujahr Anzahl Einsatz bis Dachkanzel Abort LüP [mm] Kastenlänge [mm] Achsstand [mm] Bemerkungen IIa 13 Pwg Pr 121912 ca. 12001972 x 8500 72004700 IIa 13a Pwg Pr 141913 ca. 70001972 x 8500 72004700 Blatt 62 Pwg Bay 13/211913 ca. 4301971 x 8500 72005000 / 4700 Fwgä 7.01 Pwgs 381938 35 1983 x 10.300 90006000 Stahlbauweise Fwgä 8.01.101 Pwgs 411941 700 1995 10.300 90006000 vereinfachte Ausführung des Pwgs 38, Stahlbauweise KFwgä 11.01.1–4 (K)Pwgs 441943 ca. 45001973 10.000 87007000 Auf Basis des G-Wagens Bremen 560 Pwg 091943 ca. 350 1965 Erkerfenster 8375 73154039 Auf Untergestell von USATC-Wagen aufgebaut, zwei offene Plattformen Fwgä 552.01.000.0 Pwghs 541957 1200 1995 x 11.140 93405840 DB-Bauart auf Basis des Gms 54 36.001-01.001/002 Pwg(s) 881956 ca. 480 1994 x 8940 77004850 DR-Bauart, Stahlbauweise

Österreich Von den Vorgängerbahnen haben die ÖBB zahlreiche Begleitwagen verschiedener Bauarten übernommen, von der Deutschen Reichsbahn vor allem die Bauarten Pwgs-41 und Pwgs-44.

Beim Umbauprogramm der Spantenwagen entstanden auch zweiachsige Gepäckwagen der Bauart Diho. Nach ihrem Einsatz in Personenzügen wurden sie teilweise für Güterzüge adaptiert und als Dghos bezeichnet. Erkerfenster erlaubten dem Zugpersonal eine Beobachtung des Zuges; der Laderaum war über Schiebetüren zugänglich. Einige Wagen existieren für Fahrverschub- und Arbeitszüge auch heute noch oder wurden zu Generatorwagen für Museumszüge umgebaut. Für geschobene Nebenfahrten wurden einige Wagen mit Spitzensignal ausgestattet.Fahrverschubwagen auf dem Abstellgleis

Auch bei den ÖBB wurden Zugführerkabinen in Dampfloktender eingebaut, hier waren die Wannentender der Reihe 52 betroffen.

Schweiz mini|x120px|Zwei Kuppelwagen für die Überführung einzelner EW III; Rorschach, 2009

In der Schweiz gibt es keine eigentlichen Dienstbegleitwagen mehr, weil alle Güterzüge unbegleitet verkehren.

Ab 1957 bauten die SBB in mehreren Serien auf Untergestellen abgebrochener Personenwagen insgesamt 385 Stück des zweiachsigen Dienstbegleitwagens Db, von den Eisenbahnern in Anspielung auf den ebenfalls 1957 gestarteten, ersten künstlichen Satelliten „Sputnik“ (russ. „Begleiter“) genannt. Die BLS baute für den eigenen Bedarf ebenfalls sechs Sputniks. Wegen des kurzen Achsstandes von nur 5 Metern (Länge 9,24 m) und des geringen Gewichtes (10 t) wurde das Zugpersonal bei schneller Fahrt im Aufenthaltsraum und am Beobachtungsposten regelrecht durchgeschüttelt. Ausgestattet war der Wagen mit Einrichtungsgegenständen ausrangierter Personenwagen. So fand man in dem auf ein Wagengestell aufgesetzten Häuschen eine WC-Kabine ohne Spülung, aber mit einem Wasserkübel, eine doppelte Holzbank aus der dritten Klasse und einen Gasofen mit Ofenrohr. Die Gasflaschen befanden sich auf einer der Plattformen in einem Kasten, welcher dem Zugpersonal auch als Sitz an der frischen Luft dienen konnte. Der Wagen lief grundsätzlich am Zugschluss. Mit dem Abbau der Begleitung von Güterzügen wurde der Bestand reduziert und Anfang der 1990er Jahre endete der Einsatz.Hans Schneeberger: Niedergang und Wiedergeburt des „Sputnik“. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. 9/1992, S. 386–397. Sputnik-Wagen wurden auch für andere Zwecke adaptiert, beispielsweise als Kuppelwagen für die Überführung einzelner EW III mit Mittelpufferkupplung.

Die umgebauten Personenwagen für die rollende Landstrasse werden auch als Begleitwagen bezeichnet, und auch sie sind als Db angeschrieben. Im Gegensatz zu den Güterzugbegleitwagen sind sie aber hinter der Lok einzureihen, da nur an dieser Stelle eine Sprechverbindung über UIC-Kabel möglich ist und sie über die Zugsammelschiene mit Energie versorgt werden, mit der die niederflurigen Tragwagen nicht ausgerüstet sind.

USA miniatur|Caboose der Burlington Northern im Jahr 1993

Funktion Begleitwagen dienen in den USA wie in Europa auch als Aufenthalts- und Versorgungsraum für das Begleitpersonal des Güterzuges sowie als Lager für Werkzeug und Ersatzteile, z. B. Lagerschalen für während der Fahrt heißgelaufene Achslager an den Güterwagen.