miniatur|Regelmäßiges Schichtenmauerwerk aus Elmkalkstein in Königslutter miniatur|Irische Trockenmauern als Weidebegrenzung Natursteinmauerwerk ist Mauerwerk aus Naturstein, im Gegensatz zu Mauerwerk aus künstlich gefertigten Steinen wie Lehmziegeln oder Backsteinen. Natursteinmauern sind aufwändiger in der Herstellung und teurer als Mauern aus Beton oder Ziegelsteinen, dafür langlebig, optisch attraktiv und oft ortsbildprägend.
Varianten Zu allen Zeiten wurden Trockenmauern aus in der Landschaft gesammelten unbearbeiteten Lesesteinen errichtet. Trockenmauern werden ohne Mörtel aufgeschichtet und dienen einer wärmeliebende Flora und Fauna als Habitat, wenn sie regelmäßig von der Sonne beschienen werden. Stützmauern aus trocken versetzten Steinen heißen Futtermauer oder Schwergewichtsmauern. Schwergewichtsmauern dienen zur Böschungssicherung. Sie können aufgrund ihrer Masse dem Erddruck widerstehen, ohne eine Auflast (Einspannung), Bewehrung oder Rück-Verankerung zu benötigen. Stützmauern aus großen Steinblöcken, die mit mechanischen Hilfsmitteln (Hydraulikbagger) versetzt werden, heißen Blockschichtung, Blocksteinmauer oder Quadermauer.Anwendungshinweise - "Naturstein für Trockenmauern zur Böschungsabstützung, Hang- und Dammsicherung" (pdf-Datei), Ausgabe November 2013, Landesamt für Bau und Verkehr, Freistaat Thüringen Als Friesenwall werden in Norddeutschland Trockenmauern und Schwergewichtsmauern aus Findlingen bezeichnet, die zur Einfriedung von Grundstücken dienen.
Das Aufschichten von unterschiedlich großen Steinen zu einer gleichmäßigen Trockenmauer ist mühsam und langwierig. Heute werden häufig Käfige aus robustem Drahtgitter als Grundstücks- und Stützmauern verwendet, die mit Schotter, grobem Kies oder größeren Natursteinen gefüllt und als Gabionen bezeichnet werden.
Lesesteine werden auch als Feldsteine bezeichnet. Feldsteinmauerwerk besteht aus unbearbeiteten Lesesteinen mit gerundeten Kanten. Demgegenüber wird Bruchsteinmauerwerk aus im Steinbruch gebrochenen und grob zugehauenen Natursteinen (Bruchstein) errichtet.
Im Gegensatz zu regelmäßigem und unregelmäßigen Schicht- oder Quadermauerwerk aus Steinen mit parallelen Flächen besteht Zyklopenmauerwerk aus polygonen Steinen mit eher kompaktem Format.
Um gleichmäßige und feiner strukturierte Wandoberflächen zu erhalten, werden Steine mit bearbeiteten Sichtflächen verwendet. Besonders massiv und monumental wirkt Bossenmauerwerk aus großformatigen Buckelquadern.
Zur Herstellung von dekorativem Verblendmauerwerk vor einer tragenden Schale oder als Vorsatzschale vor einer Wärmedämmung werden flache Natursteine verwendet, die mit einer Diamantsäge aus größeren Quadern gesägt wurden.
Wird eine Wand aus Ziegeln oder andere künstlichen Steine gemeinsam mit Naturstein aufgemauert, spricht man von Mischmauerwerk.
Begriffe mini|Stoßfugen senkrecht, Lagerfugen waagerecht, gleichmäßige Schichthöhe
Die Ansichtsseite eines Mauersteins wird Haupt genannt. Die Rückseite ist das hintere Haupt. Einhäuptiges Mauerwerk hat nur eine bearbeitete Ansichtsseite (ein Haupt) während zweihäuptiges Mauerwerk zwei gleichmäßige Ansichtsseiten (zwei Häupter) hat.
Das untere Lager ist die Bezeichnung für die horizontale Auflagefläche eines Mauersteins. Auf dem oberen Lager wird Mörtel aufgetragen und die nächste Schicht Steine verlegt. Horizontale Fugen werden entsprechend Lagerfugen genannt.
Senkrechte Fugen heissen Stoßfugen. Die Schichthöhe definiert die Höhe von nebeneinander liegenden Mauersteinen in einer Reihe. In der Schichthöhe ist nur ein einmaliger Höhenwechsel, bzw. es sind keine Wechsel der Steinhöhen in einer Schicht je nach der Art des Natursteinmauerwerks, möglich. Den oberen Abschluss einer freistehenden Mauer bezeichnet man als Mauerkopf oder Mauerkrone. Die Mauerschräge, also die Neigung einer Natursteinmauer, nennt man Dossierung oder Anlauf.
Historische Mauerwerke mini|links|Nuraghe als Trockenmauer aufgebaut mini|hochkant|links|Griechischer Dioskurentempel aus Mauersteinen
Vorgeschichtliche Zeit Das älteste bekannte, mit Kalk gemörtelte Mauerwerk befindet sich in Süd-Jordanien. Es wird auf zirka 6.000 v. Chr. datiert.Die irischen Mauern sind ein bekanntes Beispiel für die ursprünglichste Form des Mauerbaus der Menschheit. Lesesteine, die auf den Feldern gesammelt und ohne Mörtel aufeinandergeschichtet sind, bilden eine Begrenzung von Weideflächen und sind Eigentumsmarkierungen. Teile der irischen Steinmauern werden auf ein Alter von über 5.000 Jahren geschätzt.
Die Ägypter in der Antike schufen vor 5.000 Jahren nicht nur feingliedrige Mauerwerke für Tempel, sondern riesige Pyramiden aus Naturstein. Über die Bearbeitungsmethoden und den Aufbau der Mauerwerke in der Ägyptischen Antike gibt es weitestgehend gesicherte Theorien. Über die Aufbautechnik der Pyramiden herrscht bis zum heutigen Tage keine letztendliche Klarheit.
Die Achäer und Mykener schufen vor 4.000 Jahren mit polygonal behauenen Steinen beachtliche zweischalige Mauern aus Kalktuff- und Kalksteinquadern, sodass von einer eigenständigen Architektur gesprochen wird. Eine der bemerkenswertesten Leistungen der Mykenischen Kultur ist das Löwentor, das etwa 1.250 v. Chr. entstand. Es besteht aus vier einzelnen Megalithen einschließlich des mehr als 12 Tonnen schweren Sturzsteins mit dem Löwenornament.
Historische Bruchsteinmauern dienten ferner als Fundamente für Bauwerke oder als Gebäudemauern. Beispiele sind Beobachtungstürme, wie der Nuraghe auf Sizilien und Talayot auf den Balearen oder Broch in Schottland, die vor etwa 3.000 Jahren aufgebaut wurden.
Bei den Etruskern in Italien und Hethitern in der Türkei und bei weiteren Völkern im Mittelmeerraum oder auf der Osterinsel war das Polygonal- oder als Bruchsteinmauerwerk verbreitet.
Altertum In der Antike wurden sowohl Quader- als auch Polygonalmauerwerk verwendet, wobei letzteres – nach Regionen unterschiedlich – etwa um Christi Geburt außer Gebrauch kam. Beim einfachen Quadermauerwerk, das mit und ohne Mörtel verarbeitet wurde, wird zwischen isodomem und pseudoisodomem Mauerwerk unterschieden. Beim isodomen Mauerwerk sind alle Quader in etwa von gleicher Größe, beim pseudoisodomen sind nur die Steine jeweils einer Schicht gleich.
Im Antiken Griechenland finden wir etwa ab 800 v. Chr. eine bemerkenswerte Mauertechnik. Die Natursteine wurden rechtwinkelig zugearbeitet, ohne Mörtel versetzt und mit Eisenankern und in Bleivergusstechnik befestigt. Bei nachrangigem Mauerwerk wurden kleinformatige Steine verwendet und diese mit einer dünnen Kalkschicht überzogen, um mit aufgemalten Fugen größere Marmorsteine vorzutäuschen.Josef Maier: Handbuch, S. 18. siehe Lit.Die Römer in der Antike übernahmen die Technologie der Griechen und perfektionierten sie weiter, indem sie ein zweischaliges Mauerwerk mit in Mörtel versetzten Steinen hochzogen. Die Innenschale war mit Ziegelsplitt oder zertrümmerten Natursteinen verfüllt und die Außenschalen mit Eisenankern in der Innenschale verankert. Sie wurde damit erheblich stabilisiert. Ferner kombinierten sie Ziegel- und Natursteinmauerwerk bei hohen Mauern, um die Steifigkeit des gesamten Mauerwerks zu verbessern. Darüber hinaus entwickelten sie in großer Vielfalt mit unterschiedlichen Steinformaten und Mauerwerksverbänden das sogenannte römische Mauerwerk.Josef Maier: Handbuch, S. 19f. siehe Lit.
Mittelalter Europa miniatur|links|Qalat Yahmur, Syrien Schalenmauerwerk aus Kalksteinquadern, gefüllt mit Bruchsteinen/Mörtel, 13. Jh. miniatur|Wernshausen/Thüringen, Burg Frankenberg, An der sichtbaren Seite sind die Steine exakt Quaderförmig zugehauen, innen ist die Quaderform nur grob zugerichtet, wenig Füllmauerwerk., 13. JH In der romanischen Zeit wurde sowohl Quadermauerwerk als auch Schalenmauerwerk verwendet. Man richtete sich nach dem zur Verfügung stehenden Material und den finanziellen Mitteln. Beim Bau von Klöstern und anderen Zweckbauten kommt es zur Ausführung von massivem Mauerwerk aus einzelnen Steinen.Die Gotik verfeinerte die Technik des massiven Steinbauens mit feingegliederten Bausteinen mit reichhaltiger Profilierung. Die Profilierungen, die sogenannten Dienste, dienten zunächst der Ableitung der statischen Kräfte des Bauwerks, in der Spätgotik wurden sie auch zum gestalterischen Element. Die tragenden Teile wurden entweder durch nichttragende Wände aus Naturstein verbunden oder als leuchtende Glasfenster ausgeführt. Natursteinmauerwerke werden häufig verputzt, weshalb das Natursteinmauerwerk in der gotischen Zeit oft nicht mehr sichtbar war. Die Natursteine der nichttragenden Natursteinmauern, sofern sie verputzt wurden, wurden ohne Sichtflächenbearbeitung verbaut.
Außereuropäische Kulturen mini|12-Kantenstein im Zyklopen-Mauerwerk der Inkas in Cuzco. Eine Leistung, die immer wieder Anlass zu Diskussionen bietet, ist das fugenlose Zyklopenmauerwerk der Inkas, das vor 500 Jahren entstand und zwischen dessen Fugen keine Messerklinge passt (siehe Abbildung). Der bekannteste Mauerstein zeigt zwölf Kanten in seiner Ansicht, an die sich weitere Steine passgenau anschließen.
Neuzeit In der Renaissance finden wir historische Mauerwerksformen, die sich an den griechischen Baustil mit dem massiven Steinbau anlehnen. Die sichtbaren Steinoberflächen der Außenmauern werden in einem neuen Formenkanon gestaltet, wie z. B. Bossenwerk (auch Rustika genannt) oder als Diamantquader.
In der Renaissance wird erstmals das Mischmauerwerk ausgeführt, dabei wird die Außenschale aus Naturstein und die nicht sichtbaren Mauerwerksteile aus Kostengründen im Backstein ausgeführt. Ferner wird teilweise die Außenschale mit Terrakottaplatten, Sgraffitoputz oder in bemaltem Putz ausgeführt.Josef Maier: Handbuch, S. 33, siehe Lit.
Im Barock wurde das massive Natursteinmauerwerk, bis auf wenige Ausnahmen wie z. B. die Frauenkirche Dresden, weitestgehend aufgegeben und nur noch die Lisenen und Pilaster, die Gesimse, die Fenster- und Türverdachungen wurden aus Naturstein angefertigt.
Der Klassizismus erbrachte erneut die Hinwendung zur Antike und das Natursteinmauerwerk in massiver Form wurde vermehrt erstellt. Mitte des 19. Jahrhunderts kommt die Skelettbauweise mit Stahlträgern auf und das Natursteinmauerwerk wird zum Verblender.
mini|hochkant|Mischung von geborgenen historischen und nachgefertigten Mauersteinen an der Frauenkirche Dresden Nach dem Ersten Weltkrieg wurde massiver Mauerstein aus Naturstein vor allem durch Kunststein ersetzt, der auch Stampfbeton genannt wurde. Erstmals in den späten 1920er Jahren verblendeten Natursteinplatten in Deutschland Fassaden. Die produktionstechnischen und industriellen Voraussetzungen für die Herstellung dieser Natursteinplatten wurde durch die Entwicklung von Gattersägen möglich, deren Sägeblätter mit Wasser gekühlt wurden und deren Sägewirkung durch die Beigabe von Stahlsand optimiert wurde. Das massive Natursteinmauerwerk für Großbauwerke wurde zur Geschichte.Deutscher Naturwerkstein-Verband e. V. (Hrsg.): Naturwerkstein. Anspruch und Verpflichtung. 100 Jahre Verbände der Naturwerksteinindustrie. (Festschrift vom Mai 2000). S. 15. Der bislang letzte Großbau aus massivem Naturstein in Deutschland, unter teilweiser Verwendung von historischen Werksteinen, war der Wiederaufbau der Frauenkirche Dresden, der 1996 begann und 2005 fertiggestellt werden konnte. In der modernen Architektur wird die klassische, massive Mauerwerksoptik zunehmend durch den Einsatz von Naturstein-Verblendern (insbesondere aus Travertin oder Marmor) realisiert. Um den authentischen Charakter eines massiven Mauerwerks zu wahren, werden die Sichtseiten der Verblender mittels Rockface-Bearbeitung (Spaltflächen-Optik) rustikal und reliefartig gestaltet. Für die fachgerechte Montage wird die Rückseite der Rohstücke glatt aufgesägt, wodurch ein homogenes und materialschonendes Mauerbild im Innen- und Außenbereich entsteht.Petry, F.: Der Atem der Erde – Das Travertin Buch, 2025, ISBN 978-3-00078174-2, S. 35.