Die ukrainischen Seestreitkräfte (, ) sind die Marine der ukrainischen Streitkräfte. Seit der Annexion der Krim durch Russland 2014 sind die Angaben zu Mannschaftsstärke, Einheiten und Schiffen unklar.
Geschichte mini|Kanonenboot Donez der Ukrainischen Staatsflotte (1918) mini|Ukrainische Seeleute, Parade am 24. August 2008, dem Unabhängigkeitstag der Ukraine Zwischen 1918 und 1921 gab es bereits eine Ukrainische Staatsflotte der Ukrainischen Volksrepublik, die in der sowjetischen Schwarzmeerflotte aufging. Von 1921 bis 1991 waren die Seestreitkräfte Angelegenheit der Sowjetunion und nicht von deren Unionsrepubliken.
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 und der daraus resultierenden Unabhängigkeit der Ukraine befand sich die Schwarzmeerflotte der sowjetischen Marine nunmehr auf dem Territorium der Ukraine. Am 2. Januar 1992 verfügte der ukrainische Präsident Leonid Krawtschuk die Unterstellung aller auf dem Territorium der Ukraine stationierten vormals sowjetischen Truppen einschließlich der Schwarzmeerflotte unter ukrainischen Oberbefehl. Ausgenommen waren nur die strategischen Militäreinheiten. Am 2. August 1992 einigte sich Krawtschuk mit dem russischen Präsidenten Boris Jelzin im Konflikt um die Schwarzmeerflotte dahingehend, dass beide Staaten für eine Übergangszeit bis 1995 ein gemeinsames Oberkommando über die rund 380 Schiffe und Boote bilden. Am 17. Juni 1993 unterzeichneten Krawtschuk und Jelzin in Moskau ein weiteres Abkommen über die überwiegend auf der Krim stationierte Schwarzmeerflotte. Danach sollten bis 1995 die rund 300 Schiffe und Boote umfassende Flotte sowie die Gebäude und Hafenanlagen jeweils zur Hälfte aufgeteilt werden. Bis 1995 sollte die Schwarzmeerflotte weiterhin gemeinsam verwaltet und finanziert werden und unter dem gemeinsamen Oberbefehl der Präsidenten Russlands und der Ukraine stehen. Bereits am 3. September 1993 vereinbarten die beiden Präsidenten in Jalta, das bisherige Abkommen zu revidieren. Die Ukraine stimmte dem Verkauf ihres fünfzigprozentigen Anteils an Russland zu. Der auf ukrainischem Staatsgebiet liegende Flottenstützpunkt in Sewastopol wurde von Russland gepachtet. Die Pachtzahlungen wurden mit den ukrainischen Schulden bei Russland verrechnet. Diese Entscheidung Krawtschuks wurde in der Werchowna Rada heftig kritisiert.
Am 15. April 1994 wurde erneut über die Schwarzmeerflotte verhandelt. Der verbliebene ukrainische Anteil von 50 % der rund 300 Schiffe und Boote sollte nun auf rund 15 bis 20 % reduziert werden. 30 bis 35 % der Flotte wurden an Russland verkauft. Der Ukraine blieben über 60 Schiffe und einige noch nicht fertiggestellte Schiffsrümpfe. Der größte Teil davon befand sich in schlechtem Zustand und war nicht seetüchtig. Zudem fanden Verhandlungen zur Nutzung der Marinestützpunkte auf der Krim statt. Russland verlangte das alleinige Nutzungsrecht der Marinebasis in Sewastopol, das als Heimathafen der Schwarzmeerflotte in der Sowjetunion einen besonderen Status hatte, der auch während der Zugehörigkeit der Krim zur Ukraine von 1991 bis 2014 bestehen blieb. Am 9. Juni 1995 vereinbarte Jelzin mit dem seit 1994 amtierenden Präsidenten Leonid Kutschma in Sotschi, dass Sewastopol weiterhin Stützpunkt der russischen Marine bleibt und die militärische Infrastruktur der Krim von Russland genutzt werden darf.
Am 31. Mai 1997 unterzeichneten Jelzin und Kutschma erneut ein Abkommen über den Status der Schwarzmeerflotte. Russland pachtete die Militäranlagen in Sewastopol für die nächsten 20 Jahre und nutzte die Häfen in Sewastopol und der Karantinnaja-Bucht sowie die Einrichtungen in Streletskaja gemeinsam mit der ukrainischen Marine. Der Pachtvertrag wurde am 21. April 2010 durch den russischen Präsidenten Dmitri Medwedew und den ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch unter anderem gegen verbilligte russische Gaslieferungen bis zum Jahr 2042 verlängert.Schwarzmeerflotte bis 2042 in Sewastopol
Der Ukraine gelang es nicht, eine größere Anzahl von Schiffen seetüchtig zu machen oder zu erhalten. Reparaturen beschränkten sich auf das Nötigste oder wurden nur mit dem Ziel durchgeführt, ein Schiff verkaufsfähig herzurichten.Einziges Uboot nach 20 Jahren endlich fertig Somit war man nur schlecht auf die Annexion der Krim 2014 vorbereitet und konnte Verluste beim Material und Überlaufen von Personal nicht verhindern. In den nächsten Jahren wurden daher ein großes Neubauprogramm und zahlreiche Reformen beschlossen, die aber nur langsam umgesetzt werden konnten.
Organisation mini|Struktur der ukrainischen Marine im Jahr 2017 Die ukrainische Marine verfügte bis März 2014 über etwa 17.500 Soldaten, die sich in die Truppenteile Überwassereinheit, Unterwassereinheit, Marinestützpunkte, küstengestützte Raketensysteme und die Marineinfanterie mit 3.000 Mann gliederte.
Weiterhin verfügt die Marine über Abteilungen für logistische, technische und medizinische Unterstützung, Marineausbildungszentren und einen wissenschaftlichen Dienst. Die Marine ist mittelbar dem ukrainischen Verteidigungsminister unterstellt.
Die Marine war in die Bereiche West und Süd gegliedert.
Marineinfanterie
mini|200px|Flagge der ukrainischen Marineinfanterie Die Marineinfanteristen der ukrainischen Marine sind die amphibische und luftlande-amphibische Komponente der Seestreitkräfte. Ihre Aufgabe ist es, im Zusammenwirken mit den Landstreitkräften wichtige Landstützpunkte zu erobern und zu sichern. Im Zuge des Russisch-Ukrainischen Krieges wurde die ukrainische Marineinfanterie mit weiteren Einheiten zusammengefasst und als eigenständige Teilstreitkraft organisiert. Dafür wurde das 30. Marineinfanteriekorps gegründet, welches alle Elemente der Marineinfanterie zusammenfasst. Das Kommando der Marineinfanterie untersteht weiterhin dem Kommando der Seestreitkräfte.
Basen An der Mündung des Dnepr-Bug-Liman und des Beresan-Liman befindet sich der Stützpunkt Otschakiw, weiter westlich das aktuelle Hauptquartier Odessa und im Donaudelta der Stützpunkt in Ismajil. Nach der Besetzung der Krim begann man in Berdjansk eine neue Basis zum Schutz der ukrainischen Häfen im Asowschen Meer aufzubauen.
Krim Das Hauptquartier der ukrainischen Flotte befand sich bis zum 19. März 2014, als es verlassen wurde, in Sewastopol an der Westküste der Krim. Nach einem illegitimen Referendum beantragte die Krim die Aufnahme in die Russische Föderation, nachdem bereits vorher russische Truppen ohne Hoheitsabzeichen die Krim besetzt hatten. Weitere Stützpunkte an der Westküste der Krim waren Jewpatorija (Nowooserne / Myrnyj) und Saky. Die Marinebasis Feodossija liegt an der Südküste der Krim.
Werften In Balaklawa und Mykolajiw befinden sich Marinewerften. Die Werft in Balaklawa liegt nach der Annexion der Krim nunmehr auf von Russland beanspruchtem und kontrolliertem Territorium.
Ausrüstung Seefahrzeuge mini|Die Hetman Iwan Masepa beim Stapellauf. mini|190px|Yuri Olefirenko (U401), nach russischen Angaben am 29. Mai 2023 versenkt mini|190px|Perejaslaw (A512)
Die Schiffsnummern der ukrainischen Schiffe bestanden zunächst aus einem großen lateinischen „U“, gefolgt von der Nummer. Dieses Konzept wurde später durch das westeuropäische Schema aus Buchstaben für die Schiffsart und Nummer ersetzt. Die Schiffe führen die blau-gelbe Flagge der Ukraine bzw. die Dienstflagge der Seestreitkräfte.
Insgesamt verfügte die ukrainische Marine vor der Annexion der Krim über 40, nach anderen Angaben über 67 Schiffe, von denen nach Aussagen des Verteidigungsministers mindestens fünf nicht einsatzfähig waren – darunter der Kreuzer Ukrayina, der nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1992 von der Ukraine unfertig übernommen und nicht zu Ende gebaut wurde. Die zu 95 % fertiggestellte Ukrayina lag ohne Bewaffnung im Hafen von Sewastopol, während die ukrainische Regierung nach einem Käufer für das Schiff suchte. Russland bekundete großes Interesse an der Ukrayina, doch ein Ankauf für die russische Marine kam nicht zustande. 2010 wurde das Schiff in 1164 umbenannt, was auf einen möglicherweise geplanten Verkauf hindeutete.
Infolge der Annexion der Krim durch die russische Föderation wurden die meisten Schiffe zunächst von Russland bzw. der russischen Schwarzmeerflotte in Besitz genommen. Im April 2014 begann Russland damit, die Schiffe an die Ukraine zurückzugeben. Dabei sollte die Rückgabe der ukrainischen Militärtechnik nach russischen Angaben bis Juni 2014 abgeschlossen werden. Bis zum 21. April 2014 wurden 13 Schiffe zurückgegeben, bis zum 20. Mai waren es 28. Kurz darauf setzte Russland die Rückgabe ukrainischer Militärtechnik aus. Zudem wurden im Rahmen des Überfalls auf die Ukraine ab Februar 2022 weitere Schiffe durch Russland erobert.
In der Zeit von September 2021 bis August 2024 sind zwei Korvetten der Ada-Klasse in der Türkei für die ukrainische Marine gebaut worden. Diese befinden sich seitdem in Ausrüstung und Erprobung.
Zudem wurde 2023 bekannt, dass Großbritannien, Belgien und die Niederlande der Ukraine Minenabwehrfahrzeuge übergeben wollen, die man selber außer Dienst gestellt hatte. Noch im selben Jahr übergab das Vereinigte Königreich zwei Minenjagdboote der Sandown-Klasse. Diesen folgten 2025 zwei Boote der Tripartite-Klasse aus den Niederlanden und Belgien. Ein weiteres, aus niederländischen Beständen, soll ebenfalls noch 2025 übergeben werden. Die Schiffe sind in einem gemeinsamen Kommando zusammengefasst, das aktuell im britischen Hafen Portsmouth beheimatet ist.
Korvetten 2 Einheiten der Hetman-Iwan-Masepa-Klasse (Stand August 2024 noch in der Testphase)
Minenabwehrfahrzeuge 2 Einheiten der Sandown-Klasse 3 Einheiten der Tripartite-Klasse
Patrouillenboote 4 Einheiten des Projekt 58155 (Hjursa-M-Klasse) 3 Einheiten der Island-Klasse
Amphibische Einheiten 1 Einheit der Projekt 773 (Polnocny-C-Klasse) 1 Einheit der Projekt 1176 (Ondatra-Klasse) 1 Einheit der Projekt 58181 (Zentaur-Klasse)
Hilfsschiffe 1 Einheit der Projekt 1824B (Muna-Klasse)
Marineflieger mini|190px|Ukrainische Berijew Be-12 mini|190px|Eine Ka-27 bei Landeübungen auf der USS Taylor Die Seestreitkräfte haben einen Marinefliegerverband, die 10. Marinefliegerbrigade, mit der alle Hubschrauber und Flugzeuge der Seestreitkräfte im Dienst sind.
Stand: Ende 2021 vor dem Beginn von Russlands großangelegter Invasion Luftfahrzeuge Herkunft Verwendung Version Aktiv Bestellt Anmerkungen Flugzeuge Berijew Be-12 Tschaika Search and Rescue 0 10 Stück eingelagert Antonow An-26 Transportflugzeug mind. 2 Antonow An-2 Transportflugzeug bis zu 2 Hubschrauber Mil Mi-14 U-Jagdhubschrauber Mi-14PLMi-14PS ? Kamow Ka-29 Kampf- und Transporthubschrauber ? eingelagert Kamow Ka-27 BordhubschrauberTransporthubschrauber ? Kamow Ka-226 MedEvac 1 Mil Mi-8 Mehrzweckhubschrauber Mi-8MSB ? Mil Mi-2 Mehrzweckhubschrauber Mi-2MSB ? Westland Sea King Mehrzweckhubschrauber 2 3 von UK erhalten, mind. 1 zerstört Unbemanntes Luftfahrzeug Bayraktar TB2 Kampf- und Aufklärungsdrohne bis zu 6
Nach der Eskalation des Krieges durch Russland 2022 erhielt die Marine zunächst gebrauchte Helikopter des Typs Sea King aus Beständen von NATO-Partner.
Befehlshaber mini|190px|Oleksij Nejischpapa (2020) Borys B. Koschyn (April 1992 – Oktober 1993) Wolodymyr G. Beskorowajnyj (Oktober 1993 – Oktober 1996) Mychajlo B. Jeschel (Oktober 1996 – Mai 2003) Ihor W. Knjas (Mai 2003 – 23. März 2006) Ihor J. Tenjuch (23. März 2006 – 17. März 2010) Wiktor W. Maksymow (17. März 2010 – 27. Juli 2012) Jurij I. Iljin (27. Juli 2012 – 28. Februar 2014) Denys W. Beresowskyj (1. März 2014 – 2. März 2014) Serhij A. Hajduk (2. März 2014 – 6. August 2016) Ihor O. Worontschenko (6. August 2016 – 11. Juni 2020) Oleksij L. Nejischpapa (seit 11. Juni 2020)
Uniform