mini|Johann Conrad Schlaun, Porträt von Matthias Kappers, um 1765 Johann Conrad Schlaun (* 5. Juni 1695 in Nörde als Johann Conrad Schluen; † 21. Oktober 1773 in Münster) war der bedeutendste Baumeister des westfälischen Barocks. Zu seinen Hauptwerken gehören das Schloss Nordkirchen bei Münster, das Schloss Augustusburg in Brühl, das Schloss Clemenswerth in Sögel, das Fürstbischöfliche Schloss, die Clemenskirche, der Erbdrostenhof, das Landhaus und das ehemalige Stadthaus Schlaun in Münster.

Leben Johann Conrad Schlaun wurde 1695 mit dem Namen „Schluen“ als Sohn des Patrimonialrichters des Klosters Hardehausen, Henrich Schluen, und dessen Frau Agnes Berendes in Nörde bei Warburg im Hochstift Paderborn geboren und besuchte zunächst das damalige Progymnasium Marianum des Dominikanerklosters in Warburg sowie nachfolgend das Gymnasium Theodorianum der Jesuiten in Paderborn, das er aber ohne Abschluss verließ. Anschließend trat er in hannoversche Militärdienste, wo er 1710 sein Fähnrichspatent erwarb und in den beiden folgenden Jahren seine Ausbildung als Vermessungsingenieur absolvierte.Elisabeth Korn: Woher stammte Johann Conrad Schlaun? Ein Forschungsbericht. In: Schlaun 1973. S. 287.

Danach trat er als Ingenieur in den Dienst des paderbornischen Infanterieregiments und wurde 1715 zum Leutnant und 1720 zum Kapitänleutnant der Artillerie befördert.Theodor Rensing: Johann Conrad Schlaun. Leben und Werk des westfälischen Barockbaumeisters. Deutscher Kunstverlag, München 1954, S. 6f. 1723, nach seiner Rückkehr von einer mehrjährigen Studienreise, die ihn durch Süddeutschland, Österreich, Italien, Frankreich und Flandern führte, erhielt er den Rang eines Titularkapitäns.

Ab 1725 änderte er seinen niederdeutschen Namen von „Schluen“ zu hochdeutsch „Schlaun“ und adoptierte gleichzeitig das Wappen der ausgestorbenen hessischen Adelsfamilie „Schlaun von Linden“, drei silberne Lindenblätter auf rotem Grund, ohne aber selbst die Nobilitierung anzustreben.Gerd Schaa: „Ich als Chef. Zur Person Schlauns“. In: Schlaun 1973. S. 311f. Erst sein Sohn Gerhard Mauritz von Schlaun, als Generalfeldzeugmeister in österreichischen Diensten, wird die Erhebung in den Adelsstand beantragen. 1726 wurde er zum Major, 1728 zum Obristleutnant, 1733 zum Oberst und Kommandant der münsterschen Artillerie, 1745 zum Generalmajor und 1750 zum Generalgouverneur von Meppen befördert.

Parallel dazu verlief in Schritten seine Karriere im fürstbischöflichen Bauwesen, so 1720 als Landmesser in Münster, 1725 als kurkölnischer Oberbaumeister und Ingenieur sowie 1729 als Nachfolger von Pictorius als Landbauingenieur des Hochstifts Münster. Die Höhe der ihm während des Siebenjährigen Kriegs auferlegten Kontribution von 842 Reichstalern belegt, dass „er absolut zu den Reichsten des Fürstbistums“ zählte.Peter Ilisch: Schlauns soziale Umwelt. Das Hochstift Münster im 18. Jahrhundert. In: Schlaun 1973. S. 301. Die graphologische Untersuchung seiner Handschrift attestierte ihm, dass „persönlicher Ehrgeiz, großes Geltungsstreben und soziales Ehr- aber auch Machtbedürfnis … für ihn starke Antriebe“ seien, „aber auch seine innere Unrast treibt ihn zum Schaffen. Sein Wirkungsdrang ist stark und überwiegend nach außen gerichtet.“Gerd Schaa: „Ich als Chef. Zur Person Schlauns“. In: Schlaun 1973. S. 324.

Welches Ansehen Schlaun zu Lebzeiten genoss, ist überliefert. So berichtet Ferdinand Graf von Schall, der zu diesem Zeitpunkt die Errichtung von Schloss Wahn plante, am 28. Oktober 1750 nach einem Besuch der von Schlaun um 1730 errichteten Großen Burg in Kleinbüllesheim, dass ein gewisser Baron von Schlaun, Brigadier der Truppen Seiner Hoheit, des Kurfürsten von Köln, es gebaut habe und dass dieser Kavalier die berühmtesten Architekten in Deutschland an Kenntnissen der Architektur in den Schatten stelle.Gisbert Knopp: Große Burg Kleinbüllesheim. In: Ulrich Schulze, Florian Matzner: Johann Conrad Schlaun. 1695–1773. Das Gesamtwerk. 2 Bände. Oktagon, Stuttgart 1995, S. 160f.

Schlauns bäuerliches Geburtshaus von 1656, das 1696 durch Schlauns Vater um einen rückwärtigen steinernen Wohntrakt erweitert und 1737 von seinem Schwager Levin Engelbert Thelen und seiner Schwester Anna Maria unter Verwendung des älteren Baumaterials als westfälisches Hallenhaus in Fachwerk erneuert worden war, wurde 1971 unter Missachtung des Denkmalschutzes abgebrochen. An seiner Stelle wurde die „Johann-Conrad-Schlaun-Halle“ errichtet.

Schlaun war zweimal verheiratet. Am 3. November 1725 ehelichte er die Tochter des Kölner Tuchhändlers und Ratsherrn Gabriel Bourell, Maria Katharina Bourell. Aus dieser Ehe Schlauns gingen hervor: Maria Anna Gertrud Maria Magdalena Clemens August Johannes Bernardus Erasmus Franciscus (* 27. Juni 1726)

In zweiter Ehe war Schlaun seit 1740 mit Anna Katharina Rehrmann, der Tochter des Textilfabrikanten Martin Rehrmann aus Eupen verheiratet. Aus dieser Ehe gingen hervor: Martin Conrad (* 1741; † 26. November 1809), Thesaurar von 1791–1809, Erbe von Haus Rüschhaus Gerhard Mauritz, österreichischer Generalfeldzeugmeister Maria Anna Catharina Maria AntonetteKlaus Scholz: Das Stift Alter Dom St. Pauli in Münster. Walter de Gruyter, 1995, ISBN 3-11-014533-2, S. 342.

Schlauns charakteristische Physiognomie geht wahrscheinlich stressbedingt auf die Hauterkrankung Rosazea zurück. Vielleicht zu deren Therapie hielt sich Schlaun 1768 zur Kur in Aachen auf. Am 21. Oktober 1773 verstarb Schlaun in seinem Haus in Münster und wurde zwei Tage später in der Überwasserkirche bestattet, wo eine Gedenktafel angebracht ist.

Werke

Johann Conrad Schlaun hinterließ ein umfangreiches wie vielfältiges Œuvre an Bauwerken, darunter Kirchen- und Schlossbauten, Adelspalais und Herrenhäuser sowie Kirchenausstattungen. Die Mehrzahl seiner Bauten liegt in Westfalen, dem angrenzenden westlichen Niedersachsen und dem Rheinland.

Forschungsgeschichte Die Forschungen zum Werk des Westfälischen Barockbaumeisters setzten 1910 mit dem Werk Heinrich Hartmanns ein.Heinrich Hartmann: Johann Conrad Schlaun. Ein Beitrag zur westfälischen Architektur des 18. Jahrhunderts. Coppenrath, Münster 1910. Das sechsbändige Kunstdenkmälerinventar der Stadt Münster von Max Geisberg stellte dann die Kenntnis der Münsteraner Bauten Schlauns auf eine neue Quellenbasis und erlaubte die klarere Scheidung gegenüber den Projekten seiner Zeitgenossen.Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen Bd. 44, Teil 1–6: Die Stadt Münster, bearb. Von Max Geisberg. Münster 1931–40.

Gleichzeitig setzten auch die intensiven Forschungen Theodor Rensings zum Thema Schlaun ein, der in seinem erstmals 1936 erschienenen Werk wie auch in zahlreichen nachfolgenden Aufsätzen dessen Werk einer größeren Öffentlichkeit bekannt machte.Theodor Rensing: Johann Conrad Schlaun. Leben und Werk des westfälischen Barockbaumeisters. Dortmund 1936 (2. Aufl.: Deutscher Kunstverlag, München 1954.)

Anlässlich von Schlauns 200. Todestag im Jahre 1973 sowie seines 300. Geburtstags im Jahre 1995 veranstaltete das Westfälische Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster jeweils eine umfassende Ausstellung seines zeichnerischen Nachlasses, jeweils begleitet von der Publikation eines alle Aspekte seines Schaffens erfassenden Aufsatzbandes.Johann Conrad Schlaun 1695–1773. Ausstellung zum 200. Todestag. (Schlaunstudie I). 2 Bd. Landesmuseum Münster, 1973 (nachfolgend zitiert Schlaun 1973); Klaus Bußmann, Florian Matzner, Ulrich Schulze (Hrsg.): Johann Conrad Schlaun 1695–1773. Architektur des Spätbarock in Europa. Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster 1995 (nachfolgend zitiert Schlaun 1995). Insbesondere nach der ersten der beiden Ausstellungen schuf die neubegründete Reihe der Schlaunstudien ein Forum für die Erarbeitung weiterer Aspekte des Schlaunschen Werks.

Ausbildung und Anfänge

In dem Rechnungsbuch des Klosters Hardehausen findet sich die Nachricht, dass der Vater Schlauns im Jahre 1713 den Betrag von 30 Reichstaler empfangen habe, welche er umb seinen sohn in der bawkunst weiter instruieren lassen hat anwenden wollen, die er dann im Verlaufe des nächsten Jahres schrittweise zurückzahlte.Elisabeth Korn: Woher stammte Johann Conrad Schlaun? Ein Forschungsbericht. In: Schlaun 1973. S. 292. Wo er diese Ausbildung erhielt, ist nicht belegt, doch scheint diese im Baubüro des Münsteraner Landbaumeisters Gottfried Laurenz Pictorius stattgefunden zu haben, der in dieser Zeit mit dem Bau von Schloss Rheder für den paderbornischen Minister Bruno Burchhard von Mengersen beauftragt war.Hans J. Böker: Vorläufer und Konkurrenten. Pictorius und Corfey. In: Schlaun 1995. S. 623–637.

Hier entstand gleichzeitig die noch ganz gotisierend gehaltene Pfarrkirche St. Katharina in Rheder, in deren Turm Schlaun den Auftrag zum Einbau eines Portals erhielt. Schlauns erster Förderer wurde in dieser Zeit der Paderborner Fürstbischof Franz Arnold von Wolff-Metternich zur Gracht, in dessen Auftrag er 1715 – damals erst zwanzigjährig – die Kapuzinerkirche in Brakel errichtete. Nach außen erhielt der Kirchenbau eine schlichte Werksteinfassade mit feinem Relief, betont nur durch ein kräftiges Gebälk, einen Dreiecksgiebel und ein barockes Portal, wobei Anregungen durch die 1692 fertiggestellte Jesuitenkirche von Paderborn nicht zu übersehen sind.Manfred Weiß: Die frühen Arbeiten Schlauns und ihre westfälischen Voraussetzungen. In: Schlaun 1973. S. 55–63.

Unter der Leitung von Pictorius war Schlaun 1719 am Bau des vom Fürstbischof gegründeten Jesuitenkollegs Büren beschäftigt, für welchen Bau er selbst einen eigenen Entwurf vorgelegt hatte. Als ein selbständiges Bauwerk führte er hier 1717 bis 1720 die oktogonale Sakramentskapelle aus. Für das Kloster Dalheim errichtete Schlaun während des gleichen Zeitraums den in einfachen Formen gehaltenen Dalheimer Hof in Paderborn.

Studienreise Für die Zeit 1720 bis zum März 1723 unternahm Schlaun im Auftrag des neugewählten Fürstbischofs von Paderborn und Münster und späteren Kölner Kurfürsten Clemens August I. von Bayern eine umfassende Studienreise, die ihn zunächst nach Würzburg führte. Hier war 1719 unter Johann Philipp Franz von Schönborn der Bau der Würzburger Residenz durch Balthasar Neumann und Johann Dientzenhofer begonnen worden. In diese Zeit fällt auch die Planungsphase für die 1721 begonnene Schönbornkapelle am Würzburger Dom, der Entwurf des Maximilian von Welsch modifiziert durch Neumann unter Verwendung einer Planung des Johann Lucas von Hildebrandt.Hanswernfried Muth: Schlaun und Würzburg. In: Schlaun 1995. S. 120–133.

Der nächste wichtige Aufenthaltsort Schlauns war Rom, wo sich gerade zuvor, 1717–19, Clemens August zu Studienzwecken am Collegium Germanicum aufgehalten hatte. Eine Generation zuvor hatte 1698–1700 Lambert Friedrich Corfey eine vergleichbare Studienreise über Frankreich, Italien und Österreich unternommen, über die wir anhand seines dabei verfassten Tagebuchs informiert sind.Lambert Friedrich Corfey: Reisetagebuch 1698–1700. herausgegeben von Helmut Lahrkamp (= Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Münster, Neue Folge, Bd. 9). Münster 1977.

Die Zeichnungen Schlauns belegen sein vorrangiges Interesse am Kirchenbau, wo er wohl im Baubüro von Giovanni Battista Contini und Antonio Canevari tätig war, deren Entwürfe für Santi Giovanni e Paolo, Santissime Stimmate di San Francesco er dokumentierte.Elisabeth Kieven: Schlaun in Rom. In: Schlaun 1995. S. 134–171. Daneben kopierte er Zeichnungen der Kirchen Sant’Agnese in Agone an der Piazza Navona, Sant’Ivo alla Sapienza und Sant’Andrea al Quirinale, also Kirchenbauten des mittleren 17. Jahrhunderts von Gianlorenzo Bernini und Francesco Borromini.