Der Verlag Sauerländer wurde 1807 von Heinrich Remigius Sauerländer (1776–1847) in Aarau (Schweiz) gegründet. Zusammen mit seinem Hauptautor Heinrich Zschokke (1771–1848) verbreitete Sauerländer fortschrittliches liberales Gedankengut im ganzen deutschsprachigen Raum. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist der Verlag vor allem wegen seines Kinder- und Jugendbuchprogramms, aber auch als Schulbuchverlag bekannt. Das Lehrmittelgeschäft wurde 2001 an die Cornelsen-Gruppe verkauft. Das Kinder- und Jugendbuchprogramm ging 2013 an den S. Fischer Verlag (seinerseits Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck), der es seit 2024 unter der Marke Fischer Sauerländer führt.
Geschichte mini|Das Verlagshaus Sauerländer war ab 1834 in der Laurenzenvorstadt 89 in Aarau ansässig.
19. Jahrhundert 1803 zog der ursprünglich aus Frankfurt am Main stammende Buchhändler, Drucker und Verleger Heinrich Remigius Sauerländer von Basel nach Aarau. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Samuel Flick gründete er hier eine Buchhandlung mit Druckerei und Verlag. Ziel des Unternehmens war, in der liberalen Hauptstadt des neu gegründeten Kantons Aargau eine Zeitung herauszugeben und eine qualitätsvolle Buchhandlung einzurichten. Am 4. Januar 1804 erschien die erste Nummer der Wochenzeitung Schweizerbote, die bald als liberale Zeitung im ganzen deutschsprachigen Raum bekannt war. 1807 trennten sich Flick und Sauerländer. Letzterer übernahm das Aarauer Unternehmen, während Flick das Basler Stammhaus behielt. 1807 gilt deshalb als Gründungsdatum des Aarauer Verlagshauses Sauerländer.
Das Ziel des Verlagsprogramms war in der Gründergeneration eng mit den Begriffen Volksaufklärung und Volksbildung verbunden. Hauptautor war in dieser Phase der aus Magdeburg stammende Heinrich Zschokke, der auch den Schweizerboten redigierte. Das Blatt erschien zunächst als Wochenzeitung, später zwei- bis dreimal und schliesslich sechsmal wöchentlich. Zeitweise hatte es zwischen 2'000–3'000 Abonnements. Zschokke war bis 1842 sowohl Herausgeber als auch Chefredakteur, sein Nachfolger wurde Sauerländer. Nach dessen Tod im Jahr 1847 wurde die Zeitung von wechselnden Redakteuren geleitet und 1878 eingestellt.
Nach dieser Phase der politischen Volksbildung im Sinne der liberalen Demokratie begann im späteren 19. Jahrhundert eine Konzentration auf Mundartdichtung und Volkstheater. Ab 1847 leitete Heinrich Remigius’ Sohn, Carl Sauerländer (1806–1868), den Verlag. 1872 bis 1919 leitete Heinrich Remigius’ Enkel, Karl Heinrich Remigius Sauerländer (1848–1919), das Unternehmen.
20. Jahrhundert Im 20. Jahrhundert stand zunehmend die Kinder- und Jugendliteratur sowie das Schulbuch im Fokus des Verlags, wiederum mit demselben Zweck der Bildung und Aufklärung der Bevölkerung in den Krisen der Weltkriege, des Ost-West-Konflikts und der Umweltdiskussion. Der Verlag blieb sechs Generationen in Familienbesitz: Zuletzt stand Hans Christof Sauerländer (1943–2016) von 1972 bis 2001 an der Spitze des Verlagshauses.
21. Jahrhundert
Schulbuchverlag unter Cornelsen Seit 2001 gehört Sauerländers Lehrmittelprogramm zur Cornelsen-Verlagsgruppe. Seit 2013 wird Sauerländer Schulbuch als Cornelsen Schulverlage Schweiz AG geführt.
Kinder- und Jugendbuch Sauerländers Kinder- und Jugendbuchprogramm gehörte von 2002 bis 2010 als eigenes Label zu Patmos (damals im Besitz der Cornelsen-Gruppe). 2010 bis 2012 erschienen die Bücher von Sauerländer beim ebenfalls zu Cornelsen gehörenden Bibliographischen Institut. 2013 übernahm der S. Fischer Verlag Sauerländers Kinder- und Jugendbuch, 2024 wurde die Kinder- und Jugendbuchsparte unter dem Namen Fischer Sauerländer Verlag vereinigt. 2026 wurde bekannt, dass Fischer Sauerländer seinen Sitz nach München verlegt.
Autoren des Verlags
19. Jahrhundert 1857 erschien die von Edmund Dorer verfasste Biografie von Hrotsvit („Roswitha, die Nonne von Gandersheim“) bei Sauerländer.
20. Jahrhundert Bei Sauerländer erschienen Jugendbuchklassiker von Kurt Held und Lisa Tetzner (u. a. «Die rote Zora und ihre Bande», «Die schwarzen Brüder») sowie von Jörg Müller und Jörg Steiner (u. a. «Alle Jahre wieder saust der Presslufthammer nieder», «Hier fällt ein Haus, dort steht ein Kran und ewig droht der Baggerzahn oder Die Veränderung der Stadt», «Aufstand der Tiere oder die Neuen Stadtmusikanten»). Eine Millionenauflage erzielte Hans Limmers «Mein Esel Benjamin». Wesentlich am Erfolg des Verlags beteiligt waren auch Lizenzausgaben von Autoren wie Josef Lada, Norma Fox Mazer, Sam McBratney, Cynthia Voigt oder von Künstlern Lucy Cousins, Roberto Innocenti oder Martin Handford («Wo ist Walter?»).
Archiv Es existiert ein bis auf die Gründerzeit zurückreichendes historisches Firmen- und Familienarchiv und ein historisches Bucharchiv mit allen produzierten Titeln ab ca. 1830. Diese Archive befinden sich heute im Staatsarchiv Aargau und in der Aargauer Kantonsbibliothek.
Literatur Hans Sauerländer, Heinz Sauerländer, Charles Bornet: Hundertfünfzig Jahre Haus Sauerländer in Aarau. Aarau 1957. Verena Rutschmann: Pädagogischer Anspruch, konfessionelle Botschaft und literarischer Markt: Die Kinderbuchproduktion von drei Schweizer Verlagen im 19. Jahrhundert. In: Heidy Margrit Müller (Hrsg.): Dichterische Freiheit und pädagogische Utopie. Lang, Bern 1998, ISBN 3-906757-56-0, S. 9–39.
Weblinks Website von Fischer Sauerländer Walter Hess: "Erinnerung an Sauerländer: Bauarbeiten an der Geisteswelt", Blogbeitrag vom 18. Februar 2007
Einzelnachweise
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