K’gari (bis 2023 Fraser Island, auch Great Sandy Island genannt) ist eine zum Verwaltungsgebiet Fraser Coast Region im australischen Bundesstaat Queensland gehörende Insel. Mit einer Fläche von 1840 Quadratkilometer ist sie die größte Sandinsel der Welt. Sie liegt etwa 190 Kilometer nördlich von Brisbane vor der Ostküste Australiens.

In der Sprache der Aborigines bedeutet K’gari „Paradies“ – diesen Namen erhielt die Insel im Jahr 2023 offiziell zurück.Aus Fraser Island wird K’gari Tagesspiegel, aufgerufen am 8. Juni 2023 Sie gehört seit 1992 zum UNESCO-Weltnaturerbe.Australia’s Fraser Island officially restored to Aboriginal name K’Gari 20. September 2021 (auf Englisch) CNN, aufgerufen am 6. Oktober 2022

Geographie K’gari ist 124 Kilometer lang, durchschnittlich 15 Kilometer breit und umfasst 1840 Quadratkilometer (im Vergleich: Rügen ist etwa halb so groß). Im Südwesten liegt die 70 Kilometer lange Great Sandy Strait, eine Meeresenge, und im Nordwesten die Hervey-Bucht. Im Osten grenzt K’gari an den Südpazifik. Die höchste Düne der Insel ist der etwa 240 Meter hohe Mount Bowarrady. Die touristisch erschlossene Insel ist Teil des Naturschutzgebiets Great-Sandy-Nationalpark.

mini|links|„Coffee Rock“-Gestein am Strand der Insel Auf K’gari gibt es fast 200 Süßwasserseen (z. B. Lake McKenzie, Lake Boomanjin) verschiedenen Typs, die ein extrem sauberes und klares Wasser aufweisen. Bei Teilen der Seen handelt es sich um solche in einer Schicht aus schwebendem Grundwasser: Wasser, das über einer wasserundurchlässigen Schicht aus Coffee Rock (einem komprimierten Material aus Sand und organischen Bestandteilen) liegt. Die anderen Seen auf K’gari entstanden entweder, wenn Sanddünen Wasserwege blockierten oder wenn eine Senke darunterliegendes Grundwasser freigab. Der Lake Wabby wird in den nächsten Jahrtausenden von einer Sanddüne verschüttet werden.

mini|links|Strand an der Ostküste An der Ostküste der Insel liegt der 75 Mile Beach. Er gilt als offizieller Highway, ist durch Fahrzeuge mit Allradantrieb befahrbar und dient zugleich als Flughafen für Kleinflugzeuge.

Nach der Volkszählung von 2011 lebten auf K’gari nur noch vier Aborigines bei einer Gesamtbevölkerung von 182 Personen.

Geologie mini|links|Die Gesteinsformation Indian Head (aus Süden) Bis auf einige Gesteinsformen vulkanischer Herkunft, zum Beispiel Rhyolithgestein in Indian Head im Nordosten der Insel, besteht K’gari aus Sand. Dieser Sand ist ein Erosionsprodukt der Great Dividing Range, des Gebirges, das sich längs der gesamten australischen Ostküste zieht. Er wurde durch die Flusssysteme des nördlichen New South Wales zum Meer und von dort durch die vorherrschenden Südost-Passatwinde und Meeresströmungen entlang der Küste Richtung Norden transportiert.

Bis vor 10.000 Jahren war K’gari ein Teil des Festlands. Das Ende des australischen Kontinentalschelfs verlief etwa 25 Kilometer vor der heutigen Ostküste der Insel. Die Hervey Bay westlich der heutigen Insel war trockenes Land; bei der Mulde an der heutigen Insel Big Woody Island wurde der Mary River nach Südosten abgelenkt und entwässerte in die heutige Great Sandy Strait, einen Meeresarm. Der Mary River und seine Nebenflüsse gruben tiefe Täler in die damalige Landschaft. Nach der letzten Eiszeit stieg der Meeresspiegel um bis zu 120 Meter an. In diesem sich langsam vollziehenden Prozess waren die Aborigines gezwungen, den Veränderung ihres Lebensraums zu folgen.A History of Aboriginals of Fraser Island, auf fido.org.au. Abgerufen am 25. April 2016 Der Mary River mit seinen Nebenflüssen bildete weite flache, sandige Mündungsgebiete, die von Salzwasser geflutet wurden.

Winde trieben aber auch den abgelagerten Sand voran, der an einigen herausragenden Felsnasen und Erhebungen hängen blieb. Der Sand baute sich zu Dünen auf und wurde vorerst von Sandpflanzenbesiedlungen stabilisiert. Im Laufe der Jahrtausende erhöhten und überformten dann immer neue Dünen das Land. Dieser Landbildungsprozess hält bis heute an.

Gliederung Zusammen mit einigen Nebeninseln vor der Südwestküste wie Slain, Tooth, Roundbush, Moonboom, Gardner, Dream, Stewart Island, und die Reef Islands, die zur südlichen Parish Talboor gehören, bildet K’gari das County of Fraser, einer von 322 Katastralbezirken von Queensland. County of Fraser gliedert sich in sechs Parishes:

Parish Bemerkungen Koordinaten Carree Wathumba mit Orchid Beach Bowarrady Moonbi mit Happy Valley Poyungan mit Eurong und Kingfisher Bay Talboor mini|hochkant=1|zentriert|Parish-Karte von 1913mini|hochkant=1|zentriert|Parish-Karte von 1913 (Südteil)

Geschichte Aborigines der Butchulla

Wie archäologische Funde ergeben haben, wird K’gari seit mindestens 5500 Jahren von den Butchulla, einem Stamm der Aborigines, bewohnt. Es wird für möglich gehalten, dass die Insel bereits vor 40.000 Jahren besiedelt wurde. In frühen europäischen Reiseberichten wird eine sehr dichte Bevölkerung von 2000 bis 3000 Bewohnern geschildert. Nach Ansicht der Wissenschaftler ist aber von einer permanenten Bevölkerung von lediglich 400–600 Ureinwohnern auszugehen, die jedoch saisonal sehr stark schwankte. Ausschlaggebend hierfür dürfte das reichhaltige Angebot an Meeresfrüchten während der Wintermonate gewesen sein: Muscheln, Schildkröten, Fisch, Dugong und Vögel gehörten ebenso zum Nahrungsangebot wie Beeren, Honig, Bungwall-Farn-Wurzeln und der Nektar der Banksien (Banksia).

1897 errichtete Protector of Aborigines Archibald Meston eine Aborigines-Missionsstation in der alten Quarantänestation bei White Cliffs an der Westküste, in der 61 Aborigines von der Insel und vom Festland untergebracht wurden. Ihre Zahl stieg bis 1901 auf 147 an, daraufhin wurde die Missionsstation in ein Gebiet etwa 15 Kilometer weiter nördlich verlegt. Die Verhältnisse in der von den Butchulla genannten Bogimbah-Missionsstation waren unmenschlich. Die Sterberate war hoch: Die Hälfte der dort Untergebrachten starb an Krankheiten und Unterernährung. Ferner gab es in dem Gebiet eine Stechmücken- und Sandfliegenplage. 1904 wurde die Station aufgegeben, und die Überlebenden wurden in die Missionsstation bei Yarrabah deportiert, etwa 50 Kilometer nördlich von Cairns auf dem Festland. Ende des Jahres 2014 legten Angehörige der Butchulla zwei Friedhöfe an den früheren Niederlassungen der Missionsstation mit insgesamt 70 Gräbern frei.

Am 24. Oktober 2014 hat die Butchulla Aboriginal Corporation RNTBC, die die Landrechte der Butchulla vertritt, vor Gericht einen Native Title zugesprochen bekommen.

Ihren ursprünglichen Namen erhielt die Sandinsel im Jahr 2021 zurück, nachdem bereits eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Australiens, der Uluru (vormals Ayers Rock), seine ursprüngliche Benennung zurück erhalten hatte. Bevor die Insel (ab 1836) Fraser Island genannt wurde, trug sie bei Europäern, aufgrund ihrer Beschaffenheit, lange den Namen Great Sandy Island. Den Namen K’gari trug die Insel dagegen schon rund 60.000 Jahre.‘Fraser Island’ to be dropped in favour of Indigenous name K’gari under Queensland proposal vom 3. August 2022 (auf Englisch) The Guardian, aufgerufen am 6. Oktober 2022

Traumzeit In der Traumzeit der Butchulla wird in leichten Abwandlungen insbesondere die Rolle des weiblichen Wesens K’gari unterschiedlich wiedergegeben.

K’gari ist ein Geist. Der Weltschöpfer Beeral sandte zwei Boten aus, die den Auftrag hatten, die raue Erde in ein Paradies zu verwandeln. Das männliche Wesen Yindingie und das weibliche Wesen K’gari schufen ein irdisches Paradies. In einer Darstellung fiel K’gari erschöpft an einer Bucht in Schlaf, daraufhin verwandelte Yindingie ihren Körper in die lang gestreckte Insel. Während sie schlief, zog er ihr die Regenwälder als Kleider an und bemalte ihren Körper in den Farben des Regenbogens, ihren Augen verlieh er den Glanz und Glitzer der Seen auf der Insel. Den Himmel über ihr dekorierte er mit wundervollen Vögeln. Damit sie nicht allein blieb, übergab er die Insel den Butchulla.

In einer anderen Erzählung wachte K’gari nach dem Schlaf auf und bat Yindingie darum auf der Erde bleiben zu dürfen, da sie im Paradies angekommen sei. Da sie ein Geist sei, so Yindingie, müsse er sie vergegenständlichen, damit sie auf der Erde bleiben könne und schuf aus ihrem Körper Frazer Island.Rob Lennon: Fraser Island – Aboriginal History & Legends (part 2), vom 15. November 2013, auf emeraldene.com.au. Abgerufen am 5. Mai 2016

Spirituelles Zentrum der Butchulla sind die Coloured-Sand-Dünen.

Erste Kontakte mit Europäern Auf Hood Point auf K’gari wurden Objekte aus Blei gefunden, das entsprechend einer Materialanalyse in Spanien abgebaut worden war. Es wird angenommen, dass es von der Expedition des portugiesischen Eroberers Cristóvão de Mendonça von 1521 bis 1522 stammt. Schriftlich belegt ist diese Annahme nicht, da die Unterlagen von Mendonça in Lissabon verbrannt sind.

Zwei Pfeifen aus Ton wurden in einer Muschelsammlung in der Nähe von Indian Head gefunden. Aufgrund der Form lässt sich darauf schließen, dass sie aus dem 17. Jahrhundert und von holländischen Seeleuten stammen könnten. Inwieweit es zu Kontakten mit Aborigines gekommen ist, bleibt unsicher.

James Cook sichtete K’gari von Bord der Endeavour, als er in Richtung Norden in einer Entfernung von etwa fünf Seemeilen vorbei segelte. Durch sein Fernrohr sah er mehrere Menschen auf der Landspitze Indian Head und vermerkte dies in seinem Logbuch.

Als Matthew Flinders im Jahr 1799 nachts entlang der Ostküste Australiens segelte, sah er mehrere Feuer an der Küstenlinie von K’gari. Auf seiner zweiten Schiffsreise von 1802 bis 1803 umsegelte er den gesamten Kontinent Australien. Dabei landete er mit der HMS Investigator in der Nähe von Sandy Cape. An Bord diente Flinders Bungaree, ein Aborigine aus dem Gebiet von Port Jackson, als Dolmetscher. Dies war der erste schriftlich belegte Kontakt zwischen der indigenen Bevölkerung und Europäern auf K’gari.

Inselname Ein Schiffsunglück im 19. Jahrhundert führte zur Umbenennung der Insel. Im Jahre 1836 brach das Schiff Stirling Castle unter Kapitän James Fraser von Sydney mit dem Ziel Singapur auf. Am Great Barrier Reef wurde der Rumpf des Schiffes am 21. Mai 1836 beschädigt und das Schiff sank. Die überlebenden Schiffbrüchigen, darunter Kapitän Fraser und seine Frau Eliza, ruderten in Richtung der Sträflingskolonie Moreton Bay. Eliza soll hochschwanger gewesen sein und auf einem Rettungsboot ihr Kind geboren haben, das kurze Zeit später starb. Ein Rettungsboot mit den Frasers landete schließlich auf der Insel, die damals noch Great Sandy Island genannt wurde. Während der mehrmonatigen Wartezeit auf Rettung von der Insel verstarben einige der Schiffbrüchigen. Eliza Fraser und weitere Seeleute überlebten dank der Hilfe der Ureinwohner. Eliza bezeugte später, dass ihr Mann durch einen Speer der Aborigines getötet worden sei.

Eliza wurde später gerettet. In Sydney und anschließend in England gab sie sich als verarmte Witwe aus, obwohl sie am 3. Februar 1837 den Kapitän Alexander John Greene geheiratet hatte. Eliza berichtete vor Publikum und in Zeitungen über die angebliche Grausamkeit, Brutalität und Wildheit der Aborigines und verdiente damit Geld. Obwohl ihre Erzählungen von vielen bezweifelt und widerlegt wurden, war die Wirkung für die australischen Ureinwohner fatal, denn viele Siedler wurden dadurch in ihrem Verhalten gegenüber den Aborigines beeinflusst. Eliza wird in der Literatur als widersprüchliche Persönlichkeit geschildert. Wahr ist allerdings, dass viele Aborigines, die ihr in ihrem Überlebenskampf geholfen hatten, bei Massakern von Europäern umgebracht wurden.