Notruf Niederösterreich oder im öffentlichen Auftritt 144 Notruf Niederösterreich ist die dienststellenübergreifende Leitstelle verschiedener Einsatzorganisationen, vor allem der Rettungsdienste in Niederösterreich. Diesen Namen führt die ehemalige LEBIG (Leitstellen-Entwicklungs-, Betriebs- und Integrations-Gesellschaft) seit Jänner 2008.
Mit dem Rettungsdienstgesetz aus dem Jahr 2016, einem Landesgesetz in Niederösterreich, wurde Notruf Niederösterreich als zentrale Alarmierungsstelle für Rettungs- und Notarzteinsätze festgelegt.
Organisatorisches
Notruf Niederösterreich ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Gesellschafter sind das Land Niederösterreich (66 %), der Landesverband Niederösterreich des Roten Kreuzes (26 %), der Landesverband Niederösterreich des Arbeiter-Samariter-Bundes (5,2 %) und der Christophorus Flugrettungsverein des ÖAMTC (2,9 %). Ihre Standorte hat die Leitstelle in Mödling, St. Pölten, Stockerau und Zwettl, dennoch agiert sie dezidiert als eine Leitstelle an mehreren Standorten. Für Österreich ist dies eine recht außergewöhnliche Form der Disposition von Rettungsdiensten. Die Technik ist im Wiener Arsenal und unter der Landespolizeidirektion in St. Pölten untergebracht.
Außerdem verfügt Notruf Niederösterreich über die Mobile Leitstelle LeoMobil, welche bei Veranstaltungen und Großereignissen eingesetzt wird.
Mit 1 Million Dispositionen pro Jahr, davon 166.000 Notfalleinsätzen ist Notruf Niederösterreich die größte Einsatzleitung Europas und zählt zu den fünf größten weltweit.
Aufgaben Die Aufgaben von Notruf Niederösterreich sind die charakteristischen einer Leitstelle für den Rettungsdienst, also im Wesentlichen Entgegennahme von Notrufen und anderen eingehenden Anrufen sowie die Disposition von Rettungsmitteln, Krankentransporten und weiteren medizinischen und sozialen Kräften. Des Weiteren vermittelt 144 Notruf Niederösterreich im Gesundheits- und Sozialdienst, im Ärztedienst und steht für Information der Bevölkerung im Katastrophenfall offen.
Die Leitstelle arbeitet eng mit dem niederösterreichischen Bergrettungsdienst (betreibt seit Gründung die Leitstelle der niederösterreichischen und Wiener Bergrettung) und der niederösterreichischen Ärztekammer (Technik und Arbeitsplätze für die Kurznummer 141) zusammen.
Mit Stand Dezember 2011 wurden 206 Rettungsdienststellen mit insgesamt 815 Einsatzfahrzeugen, davon 42 Notarztmittel betreut. Insgesamt wurden 2011 fast 1,7 Millionen Telefonate abgewickelt, davon mehr als 350.000 Notrufe über 144, 141 sowie 140. Während nachts mindestens 7 Personen Dienst versehen, sind es werktags bis zu 40 Mitarbeiter, welche zu Stoßzeiten an die 4.000 Fälle pro Tag bearbeiten, wovon etwa 16 % Rettungseinsätze betreffen, den überwiegenden Teil aber Krankentransporte bilden. Im Katastrophenfall kann die Leitstelle mit bis zu 67 Mitarbeitern besetzt werden.Geschäftsbericht 2011 S. 33–35.Zahlen/Daten/Fakten abgerufen am 9. September 2012
Nach der Installation des Systems wurden auch Leitstellensysteme in Dubai sowie anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Hamburg und Stuttgart unter Mithilfe von 144 Notruf Niederösterreich aufgebaut. Mit Moskau laufen ebenfalls Verhandlungen zur Übernahme des Systems.Lebensretter LEBIG - das potente System (PDF; 89 kB) in Gablitz Online abgerufen am 8. November 2010
Während sie für den Rettungsdienst nur für das Bundesland zuständig ist, hat sie die Alarmierung des Speziellen Rettungsdienstes, nämlich der Österreichischen Höhlenrettung für große Teile des Bundesgebietes übernommen. Aus diesem Grund gibt die Höhlenrettung den Notruf 144 mit der Vorwahl von Wiener Neustadt an, also 02622/144.Österreichische Höhlenrettung abgerufen am 29. April 2012 Daneben gibt es einzelne Landesverbände der Österreichischen Höhlenrettung, welche über andere Stellen alarmiert werden wie z. B. der Landesverband Tirol, welcher über die Leitstelle Tirol alarmiert wird.Alarmierung der Österreichischen Höhlenrettung - Landesverband Tirol abgerufen am 13. Jänner 2013 abgerufen am 13. Jänner 2013
Alarmierung und Kommunikation Die Entgegennahme eines Notrufs gliedert sich in zwei Schritte, die von unterschiedlichen Personen durchgeführt werden:
Der Calltaker erfragt gemäß dem Advanced Medical Priority Dispatch System Protokoll (kurz AMPDS) alle relevanten Informationen vom Notrufmelder. Anschließend betreut er den Anrufer weiter und gibt erforderlichenfalls Anleitung zur Ersten Hilfe.
Auf Basis der ermittelten Information leitet noch während des Gesprächs der Disponent die Alarmierung der notwendigen Rettungsmittel und anderen Notdienste wie Polizei oder Feuerwehr ein.
Bekommt der Calltaker über ein Mobiltelefon keine Antwort mehr, so kann unmittelbar mit einer Handyortung begonnen werden, um so den Standort des Notrufmelders zu bestimmen. Spitäler und Krankenanstalten werden über eintreffende Patienten avisiert.
Die Leitstelle arbeitet auf drei verschiedenen Kommunikationsebenen: Wie die Rettungsdienste selbst und andere Blaulichtorganisationen ist auch die Leitstelle am österreichweiten TETRA-Funknetz beteiligt. Der Funkbetrieb wird dabei auf mehrere Gruppen aufgeteilt.TETRA Gruppen Die Leitstelle setzt weiters selbst ein flächendeckendes Pager-Netz ein. Dieses arbeitet redundant mit einem POCSAG-Protokoll sowohl über TETRA als auch über Satellit. Als dritten Kommunikationsweg verwenden sämtliche Fahrzeuge auch GSM-Handys.
Apps und Onlineservices Zusätzlich hat Notruf Niederösterreich mehrere Apps für Tablets und Smartphones sowie Onlineservices entwickelt. Die iPad-Version ESApp FahrzeugESApp Fahrzeu abgerufen am 9. März 2024 (ES steht hier für Emergency Service) ist für Geräte gedacht, die in Rettungsdienstfahrzeugen beim Fahrerplatz befestigt werden, um Daten über Notfallort und -geschehen zu übermitteln und die Navigation zu übernehmen. Die für diesen Zweck befestigten iPads sind fix im Fahrzeug verbaut. Eine weitere App heißt ESApp PersonalESApp Personal abgerufen am 1. September 2017 und ist als iOS- und Android-Version verfügbar. Sie wird von Mitarbeitern der angeschlossenen Organisationen auf deren privaten Smartphones verwendet, um diesen Einsatzalarmierungen zu schicken, während sie im Dienst sind beziehungsweise als First Responder zusätzlich zum Rettungswagen alarmiert werden. Die neueste App, die sich derzeit in Entwicklung befindet, heißt LeoDOK. LeoDok läuft als Standalone Anwendung auf extra für diesen Zweck angeschafften iPads und ist in die anderen Apps und Onlineservies von Notruf Niederösterreich integriert. Ziel von LeoDOK ist es, die gesamte Dokumentation im Rettungsdienst zu digitalisieren. In einem ersten Schritt beginnen Testversuche, die Abrechnungsdaten mit den Versicherungsträgern über dieses System abzuwickeln ab Februar 2018. Ab dem 2. Quartal 2018 soll über diese App außerdem die Dokumentation der gesetzten medizinischen Maßnahmen an sich abgewickelt werden.
Zusätzlich zu den genannten Apps gibt es unter notrufnoe.com eine umfassende Informationsplattform, die verschiedene Bevölkerungsgruppen anspricht. Für Mitarbeiter der angeschlossenen Organisationen gibt es spezielle Webansichten, wo für den Dienst relevante Informationen eingesehen werden können.
LEA In Zusammenarbeit mit dem NÖ Landesfeuerwehrverband entwickelte Notruf Niederösterreich eine Leitstellen-Einsatzkräfte App (LEA) für eine verbesserte Kommunikation zwischen der Leitstelle und den Vorortkräften innerhalb des Bundeslandes. Diese ging im März 2025 in Betrieb und löste eine bisher verwendete Alarmierung durch ein System, über das schon eine SMS- bzw. Internetverbindung bestand, aber kostenpflichtig war.LEA-App ab sofort verfügbar am Portal des NÖ Landesfeuerwehrverbandes vom 31. März 2025, abgerufen am 31. März 2025
Betreute Organisationen in Niederösterreich Österreichisches Rotes Kreuz Landesverband Niederösterreich Samariterbund Österreich Dienststellen in Niederösterreich Christophorus Flugrettungsverein Sozial Medizinischer Dienst Österreich / SMD-Rettungsdienst Johanniter-Unfall-Hilfe Österreichischer Bergrettungsdienst Wien/Niederösterreich Ärztenotdienst der Niederösterreichischen Ärztekammer Österreichische Wasserrettung Landesverband Niederösterreich Rettungshunde Niederösterreich ÖHU Suchhundestaffel Akutteam Niederösterreich NÖ Landesgesundheitsagentur Notfallseelsorge Niederösterreich
außerhalb Niederösterreichs Österreichische Höhlenrettung SIMOS (Leitstelle für Sicherheit und Mobilität Stuttgart)
Geschichte Im Oktober 2001 erachtete es das Land Niederösterreich in einer Analyse für das Rote Kreuz und den Arbeiter-Samariter-Bund für nötig, den Leitstellenbetrieb, der bis dahin dezentral von den einzelnen Dienststellen oder einer Gruppe mehrerer Dienststellen selbst versehen worden ist, komplett zu reformieren und zu zentralisieren. Hauptargument dabei war, dass benachbarte Dienststellen effektiver arbeiten könnten, wenn sie gegenseitig über ihre jeweils aktuelle Auftragslage und Auslastung Bescheid wüssten.
Im Jänner 2003 einigte man sich beim Roten Kreuz auf zukünftig neun Leitstellenstandorte, im März des Jahres wurden die Geschäftsführer bestellt, im November stiegen der Samariterbund und der Flugrettungsverein des ÖAMTC bei der LEBIG ein. Anfang 2007 übernahm das Land Niederösterreich die Mehrheitseigentümerschaft an der LEBIG. Mitte 2007 schloss sich auch die Johanniter-Unfall-Hilfe Dienststelle Orth/Donau an die LEBIG an. Nach Mitteilung von 144 Notruf NÖ wurden die bisherigen Betriebsstätten Mistelbach und Tulln Ende Juli 2009 am Standort Tulln zusammengeführt. Als Gründe wird die verbesserte Wirtschaftlichkeit sowie die nunmehrige technische Machbarkeit durch den Digitalfunk genannt. Ende März 2010 geschah dies ebenfalls mit den beiden Standorten Wiener Neustadt und Baden am Standort Baden.
Seit 1. Jänner 2007 heißt das Unternehmen Notruf Niederösterreich.
Seit Herbst 2008 wurde an der Umstellung vom bisherigen analogen Funk auf den neuen Digitalfunk gearbeitet und die beteiligten Rettungsstellen wurden schrittweise umgestellt. Im Zuge dessen wurden auch per 1. Jänner 2009 allen Fahrzeugen neue Funknummern zugeteilt, siehe dazu auch Funksystem der BOS in Österreich. Die Umstellung auf Digitalfunk ist im Juli 2009 abgeschlossen worden.
Seit 1. Juli 2010 wird von 144 Notruf Niederösterreich auch die Notrufnummer 141 unter der neuen Bezeichnung „NÖ Ärztedienst“ (zuvor „Ärztenotdienst“ der Ärztekammer) mitbetreut, um Doppelgleisigkeiten zu vermeiden. Auslöser für die Übernahme waren Diskussionen nach einem Diagnosefehler bei der Notrufannahme von 141, der zum Tod eines Patienten führte.
Im November 2010 zeichnete das Landesstudio Niederösterreich des ORF ein Österreich Bild am Sonntag über den Betrieb der Leitstelle auf, das bundesweit ausgestrahlt wurde.
In den Jahren 2011 bis 2013 erstellte Notruf Niederösterreich gemeinsam mit der via donau und slowakischen Rettungs- und Brandschutzdiensten unter der Leitung des slowakischen Innenministeriums ein Notfallkonzept für Notfälle auf der Donau vor allem in den Grenzregionen. Das als Projekt CARESS@danube bezeichnete Projekt wurde mit einer Übung im Oktober 2013 bei Hainburg an der Donau abgeschlossen. auf Wien.at abgerufen am 26. Oktober 2013Medzinárodné taktické cvičenie záchranných zložiek Slovenska a Rakúska vom 25. Oktober 2013, abgerufen am 26. Oktober 2013 (slowak.)
Im Jahr 2013 begannen Pilotversuche, wobei die von Notruf Niederösterreich entwickelte Software auch für die Feuerwehren in Niederösterreich erweitert und von den Bezirksalarmzentralen verwendet wird. Erste Bezirke sind Amstetten, Krems inklusive der Stadt Krems und Mödling.Mödling und Amstetten testen Software (PDF; 5,0 MB) in BrandAus 12/2012, abgerufen am 12. Jänner 2013