mini|501x501px|Umzug beim schwäbisch-alemannischen Fasnacht mit historischen Kostümen und Holzmasken in Rottweil, Baden-Württemberg Als schwäbisch-alemannische Fastnacht wird die Fastnacht im südwestdeutschen Raum und Teilen der Nordost- und Zentralschweiz bezeichnet.Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte: Landschaften Dort heißt sie in der Regel Fasnad, Fasnet, Fasnacht oder Fasent. Sie grenzt sich vom rheinischen Karneval ab, ist jedoch erst seit dem ersten Viertel des 20. Jahrhunderts als eigenständige Form etabliert. Während der Karneval im 18. Jahrhundert eine neue Form der Fastnacht entwickelte und auch die schwäbisch-alemannische Fastnachtslandschaft darauf einschwenkte, besann sie sich im 20. Jahrhundert auf ihre Traditionen der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Fastnacht.

Charakteristisch ist die Vermummung der Teilnehmer mit „Larven“ oder auch „Schemen“ (Masken), die meist aus Holz, in Ausnahmefällen auch aus Stoff, Papier, Ton, Blech oder Draht (sog. Drahtgaze) bestehen. Die Kostümträger (in schwäbisch-alemannischen Gebieten Narrenhästräger) wechseln ihre Verkleidung (Häs) nicht von Jahr zu Jahr, sondern behalten sie immer bei. In manchen Gegenden ist es sogar üblich, sie über Generationen zu vererben. mini|Hopfennarr aus Tettnang (Der Entwurf zu Häs und Maske stammt aus dem Jahr 1953 und lehnt sich thematisch an eine Figur des späten 19. Jahrhunderts an.) mini|Narrentreffen Riedlingen 1974 Die schwäbisch-alemannische Fastnacht wurde im Dezember 2014 in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes im Sinne des Übereinkommens zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen.Pressemitteilung der Kultusministerkonferenz.

Ablauf der Fastnacht Beginn am 6. Januar

In den meisten Orten des schwäbisch-alemannischen Raumes finden die ersten Fastnachtsveranstaltungen nach Ende der weihnachtlichen Festtage am 6. Januar, dem katholischen Feiertag Dreikönigstag statt.

Nach altem Brauch werden an Dreikönig die Schemen (Larven) abgestaubt. Von da an „goht’s degege“ (schwäbische Mundart: es geht dagegen oder es geht weiter), es beginnen die ersten Veranstaltungen und Umzüge. Die eigentliche Fasnet startet allerdings erst mit dem Schmotzige Dunnschtig (der Donnerstag vor Aschermittwoch, schmotzig= altdeutsch „fettig“) dem Höhepunkt der Fasnet. Von diesem Tag an finden vermehrt Umzüge und Veranstaltungen statt, und es werden Spezialitäten wie Fasnetsküchle (schwäbisch) bzw. Scherben (badisch), ein Fettgebäck, zubereitet. Entsprechend gilt der Fastnachtsbeginn vielen schwäbisch-alemannischen Narren als wesentliches Unterscheidungsmerkmal zum Karneval.

Der Beginn der närrischen Tage wird in vielen Orten lautstark gefeiert. In Überlingen, Weingarten, Pfullendorf oder Markdorf schnellen die Narren mit ihren Karbatschen, in Rottweil klepfen die Buben in den Gassen mit einer Fuhrmannspeitsche und verursachen damit einen markanten Peitschenknall. In Villingen werden die Glocken der Häser, die sogenannten Rollen, so lange unter lautem Getöse geschüttelt, bis sicher ist, dass sich auch nicht das kleinste Staubkörnchen mehr darin befindet. Überhaupt legt man am 6. Januar großen Wert auf Sauberkeit. Im Gebiet des oberen Neckar gehen schwarz befrackte Abstauber von Haus zu Haus, um die eingemotteten Narrenkleider vom Schmutz zu befreien. In Rottenburg am Neckar unterziehen die Hexen an Gästen und Einrichtungsgegenständen der Wirtshäuser eine ähnliche Behandlung. In Lauffen ob Rottweil gibt es deshalb auch die sogenannte „Fiaßwäsch“ (Fußwäsche), bei der der Narrenrat seine Füße im eiskalten Wasser eines Brunnens wäscht. Zum gleichen Zeitpunkt erhält die Fastnachtsmaske in Immendingen und Möhringen einen Ehrenplatz im Wohnzimmer. Aber auch die Schramberger Narren zeigen ihre Ehrerbietung gegenüber dem Narrenkleid, indem sie es feierlich segnen: „Sei mir gegrüßt, du edles Kleid der Narren. Tritt nun hervor aus Deiner Jahresbleibe. Und erfülle mit Freude die Großen und die Kleinen. Dir sei geweiht die Fasnet im Jahre des Heils 20..“.

Die wichtigste Rolle der Feierlichkeiten am und in der Zeit nach dem 6. Januar spielen allerdings die geselligen Zusammenkünfte der Narren. So wird in Bad Saulgau und Bonndorf bei öffentlichen Versammlungen das Programm der kommenden Fastnacht verkündet und in anderen Orten wie Waldkirch oder Löffingen werden bei Narrenversammlungen auch letzte organisatorische Details geklärt. Mit Abstand am populärsten sind aber seit einigen Jahrzehnten die Narrentreffen, große Zusammenkünfte tausender Narren, die in den Wochen nach Dreikönig beinahe jedes Wochenende an wechselnden Orten stattfinden.

Lichtmess Mit dem vierzigsten Tag nach Weihnachten, Lichtmess am 2. Februar, nimmt die Zahl der Fastnachtsveranstaltungen in allen Orten nochmals merklich zu. Fast überall ist ab diesem Tag das Maschgern (Oberschwaben), Strählen (Villingen), Schnurren (Schwarzwald), Welschen (Schömberg), Hecheln (Oberndorf) oder Aufsagen üblich. Dabei werden bemerkenswerte Ereignisse des vergangenen Jahres von den Narren aufgegriffen und den Bürgern in unterhaltsamer Form dargeboten. Früher war man dazu maskiert und es waren verschiedenste Darstellungsformen üblich, beispielsweise die Moritat. Auch wurden die Taten der Mitbürger häufig in kleinerem Rahmen oder am Straßenrand glossiert. Heute hingegen finden sich die Menschen meist zu festgesetzten Zeiten in den Gaststätten eines Ortes zusammen und die Narren ziehen unmaskiert in Gruppen von Wirtshaus zu Wirtshaus. Als Darstellungsform werden häufig Vierzeiler gewählt, die durch einige Lieder ergänzt werden.

Auch wenn die schwäbisch-alemannische Fastnacht im Wesentlichen eine Straßen- und Wirtshausfastnacht ist, beginnt mit Lichtmess eine Phase der Saalveranstaltungen. Häufig leisten die örtlichen Vereine mit jeweils eigenen Bällen ihren Beitrag zur närrischen Saison.

Mittwoch vor Fastnacht Ursprünglich war der Mittwoch vor Fastnacht kein traditioneller Festtag der schwäbisch-alemannischen Narren. Besonders in den Abendstunden haben sich in der Nachkriegszeit aber Bräuche etabliert, mit denen die eigentliche Fastnachtszeit eingeläutet wird. Dazu gehört das Ausrufen oder Suchen der Fastnacht im Schwarzwald, ebenso wie die Maskenbeschwörung oder das Brunnenputzen in Oberschwaben. Am Bodensee gibt es auch den Hemdglonker.

Schmutziger Donnerstag

Festlegung des Fastnachtsdienstags Der Fastnachtsdienstag ist der Tag, bzw. die Nacht vor dem Beginn der Fastenzeit, welche immer am Aschermittwoch beginnt. Das Datum des Aschermittwochs liegt 46 Tage vor dem Ostersonntag, der am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühjahr gefeiert wird.

Dieses Osterdatum rührt vom jüdischen Passah-Fest her, das zur Erinnerung des Exodus der Juden aus Ägypten nach dem jüdischen Mondkalender immer am 14. Nisan, also dem 14. Tag nach dem ersten Neumond im Frühjahr gefeiert wird und das seinerzeit Anlass zur Kreuzigung Christi war. Doch wurde festgelegt, dass das Osterdatum immer an einem Sonntag stattfindet.

Das Frühjahr beginnt nach dem gregorianischen Kalender, der 1582 eingeführt wurde, grundsätzlich am 21. März. Daraus ergibt sich für den Ostersonntag der 22. März als frühestmöglicher Termin, der 25. April als spätester. Somit variiert der Zeitpunkt der Fastnacht im Kalender innerhalb einer Spanne von 35 Tagen. Vor dem Ostersonntag dauert die Fastenzeit 40 Tage. Damit käme man auf den Dienstag in der 6. Woche vor Ostern. Nach dem Konzil von Benevent (1091) wurden zusätzlich die Sonntage aus der Fastenzeit ausgeklammert und der Beginn der Fastenzeit deshalb sechs Tage vorverlegt auf den Mittwoch der 7. Woche vor Ostern, den Aschermittwoch. Der früheste Termin für den Aschermittwoch ist somit der 4. Februar.

Alte Fastnacht, Buurefasnacht Trotz der Reform durch die Synode von Benevent von 1091, welche den Termin des Beginns der Fastenzeit um sechs Tage vorverlegt hatte, blieb der ursprüngliche Termin (der Dienstag in der 6. Woche vor Ostern) in Erinnerung, vor allem in einigen ländlichen Gebieten. Hier wurde die Fastnacht weiterhin eine knappe Woche später am Montag gefeiert: Diese Bräuche haben sich als „Alte“ bzw. „Bauern“-, alemannisch „Buurefasnacht“ bis heute erhalten. Oftmals wurde dann auch die Fastnacht zweimal gefeiert, wobei dann zur Unterscheidung zur Bauernfastnacht die erste, am Aschermittwoch endende Fastnacht als „Herren“- oder „Pfaffenfastnacht“ bezeichnet wurde. Beispiele für die alte Fastnacht sind die „Funkensonntage“, der Hirschmendig in Furtwangen oder der Termin der Basler Fasnacht.

Groppenfasnacht Als „späteste Fastnacht der Welt“ gilt die Groppenfasnacht in Ermatingen am schweizerischen Südufer des Untersees am Bodensee am „Sonntag Laetare“, drei Wochen vor Ostern. 2015 feierte sie ihr 600-jähriges Bestehen und ist nach eigener Aussage die traditionsreichste Fasnacht der Ostschweiz.Groppenfasnacht in Ermatingen am Bodenseegroppenfasnacht.ch

Geschichte Ursprünge in Mittelalter und Früher Neuzeit Wie der rheinische Karneval hat auch die schwäbisch-alemannische Fastnacht ihren Ursprung in Festen, die dazu dienten, verderbliche Lebensmittel vor Beginn der Fastenzeit aufzubrauchen. Derartige Veranstaltungen sind für ganz Mitteleuropa spätestens im 13. Jahrhundert nachgewiesen. Allerdings waren diese nicht mit der heutigen Fastnacht zu vergleichen und regional höchst unterschiedlich. mini|Narren barocker und italienischer Prägung: Wolfacher Schellen- und Röslehansel Ergänzend zum exzessiven Nahrungsmittelkonsum wurden ab dem 14. Jahrhundert Bräuche wie Tänze, Umzüge oder Fastnachtsspiele üblich. Auch hier spielten Speisen zunächst eine zentrale Rolle, beispielsweise in den Schembartläufen, den Fastnachtsumzügen der Nürnberger Zünfte, die vor allem im ausgehenden 15. und dem beginnenden 16. Jahrhundert Konjunktur hatten. Auch sind Metzgertänze aus anderen Städten belegt, an denen sich die tanzenden Metzger an Wurstringen zum Reinigen festhielten.

Nach einer Theorie des Münchener Volkskundlers Dietz-Rüdiger Moser wurde der Gegensatz zwischen dem fastnachtlichen Vergnügen und dem Entbehrungsreichtum der Fastenzeit zunehmend aber auch theologisch gedeutet. In Zusammenhang mit den augustinischen Lehren vom Zwei-Staaten-Modell gebracht, wurde die Fastnacht schon bald mit dem Teufelsstaat „civitas diaboli“ gleichgesetzt, die Fastenzeit hingegen mit dem Gottesstaat „civitas Dei“. Aus dieser Denkweise heraus könnten sich Teufel oder Dämonen als frühe Fastnachtsfiguren entwickelt haben. Eine weitere zentrale Figur der damaligen Fastnacht, der Narr, wurde als Inbegriff von Vergänglichkeit, Gottesferne und Tod gesehen. Während die Forschung noch bis in die 1980er-Jahre davon ausging, dass die Fastnacht einen nicht-christlichen Ursprung hat – zu den Protagonisten dieser These zählten u. a. Hermann Eris Busse und Wilhelm Kutter – ist sie sich heute einig, dass die Existenz der Kirche notwendige Bedingung zur Entstehung der Fastnacht war. Sicher ist auch, dass in der Fastnacht häufig Kritik an Obrigkeit und dem Klerus geübt wurde, was nicht selten zu Fastnachtsverboten führte.

Mit der Reformation entfiel in den reformierten Gebieten nicht nur die Fastenzeit; sie machte auch dem Fastnachtsfest in vielen Teilen Mitteleuropas ein Ende. Allerdings erhielt sich der Brauch in einigen protestantischen Ortschaften noch für einige Zeit. Der Basler Fasnacht wird oft unterstellt, ihren Termin aufgrund der Reformation später zu feiern (sog. Bauernfastnacht) als die übrigen schwäbisch-alemannischen Orte. Dies beruht jedoch auf einem Beschluss der Kirche im 11. Jahrhundert, in der Fastenzeit die Sonntage nicht als Fastentage zu zählen. Somit verschob sich der Aschermittwoch um sechs Tage in Richtung Jahresbeginn. Die Basler (und an manch anderem Ort) hielten indessen an diesem alten Termin fest.