Die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau (BG Unfallklinik Murnau; abgekürzt auch UGU) ist eine große Unfallklinik der Berufsgenossenschaften in Murnau am Staffelsee im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Das Akademische Lehrkrankenhaus der Technischen Universität München und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) Salzburg ist Schwerpunktversorger im Bereich Traumatologie (Unfallmedizin) im südbayerischen Raum.

Geschichte Ausgangssituation Die Berufsgenossenschaften wurden im Jahr 1884 im Zuge der Einführung der gesetzlichen Unfallversicherungen durch Reichskanzler Bismarck gegründet. Ziel der Berufsgenossenschaften war seit je her präventive Verhütung von Arbeitsunfällen und -krankheiten, wie auch die Rehabilitation „mit allen geeigneten Mitteln“ nach eventuellen Versicherungsfällen.

Zur Erfüllung dieser Aufgabe wurde sehr schnell klar, dass dies nicht ohne eigene Einrichtungen des Gesundheitswesens möglich wäre. So wurde bereits 1890 das heutige Unfallkrankenhaus „Bergmannsheil“ in Bochum eingeweiht.

Vermutlich 1926 wurde in Hohenaschau im Chiemgau ein „Übungslager Hohenaschau für erholungsbedürftige und verletzte Jungarbeiter u. Lehrlinge“ gegründet.Biografie von Karl Gebhardt bei www.tenhumbergreinhard.de, abgerufen am 14. Februar 2015. Dieses wurde spätestens 1948 an die Berufsgenossenschaften übergeben. Da diese nun „Berufsgenossenschaftliche Sonderstation zur Behandlung und Berufsfürsorge für Unfallverletzte“ genannte Klinik sehr schnell an ihre Leistungsgrenze kam, wurde nach dem Standort für eine neu zu bauende Klinik gesucht.bgu-murnau.de: mini|Die BG Unfallklinik Murnau von oben

1950–1967 Da das geplante Bauvorhaben die finanziellen Mittel einer Berufsgenossenschaft deutlich überstieg, wurde am 19. September 1950 der Verein „Berufsgenossenschaftliche Unfallfürsorge e. V.“ gegründet, in welchem alle Berufsgenossenschaften vereint als Träger auftraten. Am 25. Februar 1953 konnte das damals noch „Hermann-Schramm-Haus – Berufsgenossenschaftliches Unfallkrankenhaus mit Sonderstation“ genannte Murnauer Unfallkrankenhaus eingeweiht werden. Benannt wurde das Haus nach dem damaligen Vorsitzenden des Hauptverbandes der gewerblichen Berufsgenossenschaften Deutschlands und Senator Hermann Schramm.

Schwerpunkt lag damals in der Rehabilitation von in anderen Krankenhäusern vorbehandelten Patienten. Daneben bestanden noch Abteilungen für chirurgische Korrekturbehandlung nach unbefriedigender Versorgungen in anderen Krankenhäusern, Versorgung sowie die primäre chirurgische Versorgung nach Unfällen aus dem näheren Umland. So standen 250 Betten für Chirurgie, Innere Medizin und Neurologie zur Verfügung.

Nach der Ernennung von Alfons Lob 1955 zum Chefarzt, änderte sich der Schwerpunkt der Klinik. So wurden vermehrt Verletzte frühzeitig nach ihrem Unfall übernommen, und in Murnau versorgt. In den folgenden Jahren kamen die Abteilungen für Anästhesie und Orthopädie hinzu, weitere Abteilungen mussten dem neuen Versorgungsspektrum entsprechend ausgebaut werden.

1967 konnte eine nahe Murnau gelegene Naturklinik übernommen werden. In der Außenstation „Hermannswies“ sollten fortan Übungsbehandlungen, für Patienten, welche keine Wundversorgung mehr benötigten, durchgeführt werden.

1967–2016 Mit Unterstützung des nach England emigrierten Ludwig Guttmann konnte 1969 Deutschlands erste Spezialabteilung für Rückenmarkverletzte in einem neu errichteten Gebäudeteil eingeweiht werden. Ebenfalls 1969 wurde die Abteilung für Schwerstbrandverletzte sowie die erste Intensivstation eingeweiht.

1975 wurde an der, inzwischen in „Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau“ umbenannten Klinik, die „Erweiterung Ost“ eingeweiht. Hier wurden in den folgenden Jahren die Abteilungen „Hand-, Plastische und Kieferchirurgie“, Urologie und Neurourologie angesiedelt. Im gleichen Jahr nahm die Berufsfachschule für Krankenpflegehilfe ihre Tätigkeit auf.

Zwischen 1979 und 1987 wurden in mehreren Bauabschnitten neue Bettenhäuser und Funktionsbauten errichtet sowie das 1953 erbaute ursprüngliche Klinikgebäude vollständig abgerissen. Im Zuge dessen wurden unter anderem die Intensivstation erweitert, sowie neue Operationssäle errichtet. 1989 nahm die Abteilung für Neurochirurgie ihre Tätigkeit auf.

Bereits 1988 wurde erneut ein Erweiterungsbau beschlossen. So konnte 1993 ein neues Bettenhaus eingeweiht werden, in dem die Abteilung für Rückenmarksverletzte dem größeren Bedarf an Betten gerecht wurde. In dem nun leerstehenden Gebäudeteil konnte im Jahr darauf, nach entsprechenden Umbaumaßnahmen, die seit 1967 bestehende Außenstation „Hermannswies“ eingegliedert werden. Ebenfalls wurde 1994 ein Intensivtransporthubschrauber an der Klinik stationiert.

Ende der 1990er Jahre wurden erneut neue Operationssäle eröffnet, beziehungsweise die alten nach einer Modernisierung wiedereröffnet. Zudem konnte 1998 sowohl Deutschlands damals modernstes Zentrum zur hyperbaren Sauerstofftherapie mit einem intensivmedizinischen Behandlungsplatz sowie ein Blockheizkraftwerk eingeweiht werden.

Zwischen 1999 und 2000 wurden sowohl der Hangar für den Intensivtransporthubschrauber errichtet als auch die beiden Intensivstation grundlegend erneuert. Zwischen 2003 und 2011 fanden verschiedene Erweiterungsbauten statt. Seit 2007 besteht eine Kooperation mit dem Klinikum Garmisch-Partenkirchen, durch welche die internistische Versorgung der Patienten sichergestellt wird.

2012 nahm die Krankenpflegeschule ihre Tätigkeit auf.

2016 konnte das neue Bettenhaus mit der Erweiterung „Ost“ eingeweiht werden.

2016 bis heute 2016 wird die Unfallklinik Murnau in den Konzern „BG Kliniken – Klinikverbund der gesetzlichen Unfallversicherung gGmbH (KUV)“ überführt. Damit ist der Träger jetzt eine Holding in Berlin. Zeitgleich erfolgte die Umbenennung in BG Unfallklinik Murnau.

2019 vereinbarten die BG Kliniken und der Sanitätsdienst der Bundeswehr eine umfassende Kooperation, die auch die BG Unfallklinik Murnau betrifft. Die gemeinsame Absichtserklärung wurde am 14. August 2019 in Berlin unterzeichnet. Ziel ist eine engere Zusammenarbeit bei der Akutversorgung und Rehabilitation der Patientinnen und Patienten. Schwerpunkte liegen zunächst beim Erfahrungsaustausch im Bereich Aus-, Fort- und Weiterbildung, der Wissenstransfer in Forschung und Lehre sowie eine standortbezogene, engere Verzahnung medizinischer Leistungsangebote.

2020 konnte ein erweiterter Kooperationsvertrag zwischen der BG Unfallklinik Murnau und der Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) Salzburg unterzeichnet werden, wodurch rückenmarkverletzte Patientinnen und Patienten des Murnauer Traumazentrums künftig von einer noch besseren Versorgung und von neuesten Ergebnissen aus der Grundlagenforschung profitieren. Ebenfalls 2020 erweiterte die BG Unfallklinik Murnau ihre Forschungskooperation mit der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg durch das Projekt ParaMove.

2022 war ein Jahr zahlreicher Auszeichnungen und Partnerschaften: Die BG Unfallklinik Murnau wurde als offizielles Kniezentrum anerkannt, trat dem Netzwerk „Wir für Gesundheit“ bei, die BG Unfallklinik Murnau wurde Lehrkrankenhaus der Technischen Universität München und das Wirbelsäulenzentrum erhielt die Auszeichnung als „Surgical Spine Center of Excellence“.

Zum 1. Januar 2024 übernahmen Markus Schepp und Irena Schwarzer die Geschäftsführung der BG Unfallklinik Murnau. Im selben Jahr wird die BGU Murnau Qualitätspartner der Privaten Krankenversicherung (PKV).

Zum 1. Januar 2024 erfolgte die Aufnahme der BG Unfallklinik Murnau in den Krankenhausplan des Freistaats Bayern. Darüber hinaus wurde eine Kooperation mit dem LMU Klinikum München im Bereich der Viszeralchirurgie geschlossen und das neue Ambulante OP-Zentrum (AOZ) eröffnet.

2025 begann eine umfassende Modernisierung der Krankenhausküche, deren Fertigstellung im Jahr 2026 vorgesehen ist.

2026 wird Markus Schepp alleiniger Geschäftsführer.

Organisation Versorgungsstufe Zum 1. Januar 2024 erfolgte die uneingeschränkte Aufnahme in den bayerischen Krankenhausplan als Plankrankenhaus der Versorgungsstufe II, gemäß der aktuell gültigen Fassung des bayerischen Krankenhausplans.

Kooperation Zwischen der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Murnau und dem zirka 25 km entfernten Klinikum in Garmisch-Partenkirchen besteht seit 2007 eine umfangreiche fachliche Zusammenarbeit. So betreibt der Klinikum Garmisch-Partenkirchen in der BGU Murnau das „Zentrum für Innere Medizin“, das die Abteilungen Gastroenterologie, Kardiologie/Pneumologie, Onkologie & Hämatologie, Psychoonkologie, sowie die IMC Station (Intermediate Care) umfasst.

Die BG Unfallklinik Murnau ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Technischen Universität München, bei meditum.de; abgerufen am 18. Februar 2015. der Paracelsus Medizinischen PrivatuniversitätParacelsus Medizinische Privatuniversität: in Salzburg, sowie des LMU Klinikum München. Zudem kooperiert sie mit dem Sanitätsdienst der Bundeswehr.

Seit dem Jahr 2002 ist die Geschäftsstelle der Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM) der BG-Unfallklinik angegliedert.

Kliniken und Institute Kliniken/Institute:

Schwerpunkte Wirbelsäulenchirurgie Die Wirbelsäulenchirurgie behandelt operativ Erkrankungen und Verletzungen, welche ohne neurologische Ausfälle (wie bei einer Querschnittlähmung) einhergehen. Zirka 300 Patienten werden pro Jahr operiert. Neben der Methode der dorsalen Versteifung wurde in Murnau auch die Möglichkeit der ventralen Versteifung entwickelt. Intraoperativ besteht die Möglichkeit einer radiologischen 3D-Bildgebung.

Rückenmarkverletzte Als eine von bundesweit 27Kliniken zur Behandlung von Querschnittlähmungen in Deutschland bei dmgp.de, abgerufen am 8. November 2016 Kliniken mit Spezialabteilungen zur Behandlung von Querschnittgelähmten werden Patienten mit Rückenmarkschädigungen aus dem gesamten süddeutschen Raum, aber auch aus den grenznahen Gebieten der Nachbarländer in die BGU Murnau zur umfassenden querschnittspezifischen Behandlung (Primärversorgung oder Weiterbehandlung) verlegt und meist operativ erstversorgt.

Neben der oft intensivmedizinischen Versorgung zur Stabilisierung der Vitalfunktionen wird in Murnau auch die querschnittspezifische Frühbehandlung durchgeführt.

Gelenkchirurgie Die Abteilung Gelenkchirurgie deckt das Spektrum der rekonstruktiven Gelenkchirurgie und ersetzende Gelenkchirurgie ab. Schwerpunkte sind die Arthroskopische Chirurgie, Sporttraumatologie und Endoprothetik. Die BG Unfallklinik Murnau ist seit 2017 zertifiziertes Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung (EPZmax).

Sonstiges mini|Die BGU Murnau von oben im Sonnenuntergang mini|hochkant|Atrium mini|Hubschrauberlandeplatz mit dem Intensivtransporthubschrauber „Christoph Murnau“