Dinkelsbühl () ist eine Große Kreisstadt im Landkreis Ansbach in Mittelfranken und zählt zur Metropolregion Nürnberg. Die ehemalige Reichsstadt ist aufgrund des außergewöhnlich gut erhaltenen spätmittelalterlichen Stadtbildes ein bedeutender Tourismusort an der Romantischen Straße. Seit 1998 ist Dinkelsbühl Große KreisstadtArt. 11 Alt. 1 des Fünften Gesetzes zur Änderung der Gliederung von Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften vom 26. Juli 1997, (GVBl. S. 309.; BayRS 2020-5-13-1) und seit 2013 Mitglied im Bayerischen Städtetag. Der Focus bezeichnete Dinkelsbühl als die „schönste Altstadt Deutschlands“, ein Slogan, mit dem die Stadt ihren Tourismus bewirbt. Zusammen mit den Städten Rothenburg ob der Tauber und Nördlingen war von 1984 bis 1993 die Stadt Dinkelsbühl als Kandidatin für die Erhebung zum Weltkulturerbe auf der Tentativliste der UNESCO platziert.

Geographie Geographische Lage mini|Münster St. Georg mini|hochkant|Inneres von St. Georg, um 1900 mini|Der Weinmarkt im Zentrum der Altstadt Dinkelsbühl liegt nahe der Grenze zu Baden-Württemberg. Die Stadt liegt an der Wörnitz im Südosten der Frankenhöhe, die im Südwestdeutschen Schichtstufenland zwischen Main und Donau zur Keuperstufe gehört. Durch eine östlich des heutigen Laufes liegende Burgsandsteinkuppe nach Westen abgedrängt, bildete die Wörnitz eine flache, dreieckige Talmulde aus, die von der Altstadt nahezu komplett ausgefüllt wird. Im Nordwesten und Südosten verläuft die Stadtmauer an der morphologischen Kante des Blasensandsteins, der jenseits des Stadtgrabens ein Plateau zwischen den Taleinschnitten zweier aus westlicher Richtung in die Wörnitz mündender Bäche ausbildet. Im nördlichen Taleinschnitt, in dem der Blasensandstein bis auf die darunter liegenden Lehrbergschichten abgespült wurde, fließt der Sauwasenbach, der durch seine angeschwemmten Sande eine noch heute bei Niedrigwasser sichtbare Furt entstehen ließ, die wohl Anreiz für eine Ortsgründung an diesem Standort war. Im Osten wird die Altstadt durch den Mühlgraben begrenzt, einen begradigten Arm der Wörnitz, jenseits dessen noch die Wörnitzvorstadt zum Dinkelsbühler Altstadtgebiet zu rechnen ist.

Geologie Die landwirtschaftlich ergiebigsten Böden liegen in den Talböden der Wörnitz; auch die weniger ertragreichen Böden auf dem Blasensandstein im Westen werden noch hauptsächlich landwirtschaftlich genutzt. Die Burgsandsteinhöhen im Osten der Stadt wurden kaum gerodet und sind weitgehend vom Dinkelsbühler Stadtwald Mutschach bedeckt. Da an vielen Stellen die wasserstauenden Tonschichten des oberen Keuper anstehen, ist die Teichwirtschaft von regionaltypischer Bedeutung. Noch heute wirkt die Altstadt sehr geschützt und geborgen in der Flussaue der Wörnitz, was in Form des Mottos Romantik an Wasser und Wiesen symbolhaften Charakter für die Stadt bekam.

Nachbargemeinden Landkreis Ansbach, Bayern Feuchtwangen (Norden) Schopfloch (Norden) Dürrwangen (Nordosten) Langfurth (Osten) Wittelshofen (Südosten) Wilburgstetten (Süden) Mönchsroth (Südosten) Ostalbkreis, Baden-Württemberg Wört (Südwesten) Landkreis Schwäbisch Hall, Baden-Württemberg Fichtenau (Westen) Kreßberg (Nordwesten)

Gemeindegliederung

Es gibt 67 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Hiernach 66 Gemeindeteile, da nur einer von zwei Gemeindeteilen namens Neumühle aufgelistet werden.

Auf dem Gemeindegebiet befanden sich die Einöden Fischhaus, Kobeltsmühle, Schießstätte, Siebentisch und Siechhaus, heute allesamt Wüstungen.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Dinkelsbühl, Esbach, Hellenbach, Langensteinbach, Neustädtlein, Oberradach, Segringen, Seidelsdorf, Sinbronn, Waldeck, Waldhäuslein (Gemarkungsteil 0), Weidelbach und Wolfertsbronn. Die Gemarkung Dinkelsbühl hat eine Fläche von 14,341 km². Sie ist in 5541 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2588 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Gaismühle, Hammermühle, Hungerhof, Kesselhof, Lohmühle, Maulmacher, Mögelins-Schlößlein, Mutschach, Neumühle, Reichertsmühle, Unsinnige Mühle, Walkmühle, Weiherhaus und Weißhaus.

Die Romantische Straße Die Topographie bot gute Voraussetzungen zur Verteidigung. Dieser Umstand sowie die Kreuzung zweier bedeutender Handelswege Ostsee-Mitteldeutschland-Italien und Worms-Prag-KrakauJoachim Kolb: Dinkelsbühl: Entwicklung und Struktur, München 2009, S. 4. aus vorstädtischer Zeit, die sich an der Wörnitzfurt trafen, waren entscheidende Gründe für die staufische Befestigung Dinkelsbühls um 1130.

Es gibt Hinweise für frühmittelalterliche Verbindungen von Dinkelsbühl nach Nordwesten in Richtung Crailsheim, nach Südwesten in Richtung Ellwangen, nach Osten in Richtung Nürnberg, nach Norden in Richtung Rothenburg ob der Tauber und nach Süden in Richtung Ulm. Die Bedeutung dieser vermeintlichen „Hochstraßen“ wird zwar in der Regel überschätzt, eine davon ist jedoch heute erneut wichtig für Dinkelsbühl: Die alte Nord-Süd-Straße durch Dinkelsbühl (1236, „Dinkepole“), ein Handelsweg entlang der Täler von Tauber, Wörnitz und Lech, über die im Mittelalter auch Pilger von Norddeutschland nach Rom zogen. Diesen Abschnitt der Bundesstraße 25 taufte der Augsburger Bürgermeister Wegele 1950 aus Gründen der Fremdenverkehrsförderung Romantische Straße. Sie verbindet eine ganze Reihe von Städten mit weitreichend erhaltenen mittelalterlichen Stadtkernen, im zentralen Bereich zwischen Würzburg und Augsburg insbesondere Rothenburg ob der Tauber, Dinkelsbühl, Nördlingen im Ries und Donauwörth. Dinkelsbühl ist seit 1985 Geschäftsstellensitz der Arbeitsgemeinschaft „Romantische Straße“.

Altstadt mini|Doktor-Martin-Luther-Straße in der Altstadt mit Nasenschild mini|Elsasser Gasse mini|Der Hezelhof aus dem 16. Jahrhundert Um 1130 erfolgte die erste Stadtanlage von Dinkelsbühl, die heute als Kernstadt oder innere Altstadt bezeichnet wird. Sie wurde als Stützpunkt und Bindeglied zwischen den staufischen Hausgütern ausgebaut, als die Staufer und Welfen um die deutsche Krone gerungen haben. Man geht davon aus, dass sich an der Wörnitzfurt eine Vorgängersiedlung um einen karolingischen Königshof, gegründet um 730, befunden hat.

Das umliegende Keuperwaldgebiet wurde, so schließt man aus den Ortsnamensendungen, in der späteren fränkischen Landnahme im 8. Jahrhundert besiedelt. Die wegen der günstigeren Verteidigung eiförmige damalige Stadtmauer ist noch heute im Stadtbild zu erkennen. Die sie begrenzenden Straßenzüge der Spitalgasse, der Unteren Schmiedgasse, der Föhrenberggasse und der Wethgasse verlaufen vor dem staufischen Stadtgraben, der der Ummauerung vorgelagert war. Die Stadtmauer selbst verlief innerhalb der ersten Hausblöcke, u. a. zwischen Unterer Schmiedgasse und Elsasser Gasse sowie zwischen Föhrenberggasse und Lange Gasse, wie man aus den Grundstücksgrenzen, den Hofstättenbreiten und der Bausubstanz (die staufische Stadtmauer ist Teil mancher Hauswände) sowie den archäologischen Befunden ablesen kann.

Im Gegensatz zu den meisten Stadtanlagen des 13. Jahrhunderts, beispielsweise in Rothenburg, gibt es im gewachsenen, nicht planmäßig angelegten Dinkelsbühl keinen zentralen, rechteckigen Marktplatz, sondern Marktstraßen mit zum Teil trichterförmigen Erweiterungen wie am Weinmarkt, der sich auf 36 m verbreitert. Die Straßen waren später in einzelnen Abschnitten dem Handel mit unterschiedlichen Produkten vorbehalten. Neben dem Weinmarkt war im Bereich der inneren Altstadt die heutige Segringer Straße in Brettermarkt, Hafenmarkt, Brotmarkt und Schmalzmarkt unterteilt, hinter dem Neuen Rathaus war der Schweinemarkt. Der heutige Altrathausplatz war der Viehmarkt und die gesamte innere Nördlinger Straße der Ledermarkt. Die Stauferstadt erwies sich als funktional. Sie war bereits bei der im 14. Jahrhundert vorgenommenen Stadterweiterung so leistungsfähig, dass keine Verschiebung des Stadtmittelpunkts und wirtschaftlichen Zentrums vorgenommen werden musste. Mit dem 1499 abgeschlossenen Bau der St.-Georgs-Kirche entstand das dominante Zeichen kultureller Blüte der Stadt. Das bauliche Erscheinungsbild der Altstadt hat sich seither nicht grundlegend verändert.

In der wirtschaftlichen Blütezeit der Stadt Dinkelsbühl, dem 14. und 15. Jahrhundert, wurden jenseits der staufischen Stadttore Vorstädte angelegt, wahrscheinlich in der Reihenfolge Rothenburger, Segringer, Wörnitzvorstadt und Nördlinger Vorstadt. Ab 1372 erhielt die Altstadt von Dinkelsbühl mit dem Bau der Stadtmauer ihre heutige Gestalt; die Wörnitzvorstadt wurde dabei mit Palisaden gesichert, da ihr die umgebenden Wasserflächen einen natürlichen Schutz boten. Die Rothenburger und Nördlinger Vorstadt wurden zur Hauptachse mit einer parallelen Gasse erschlossen, im Norden durch die Bauhofgasse und im Süden durch die Lange Gasse. Eng und fast ohne Freiflächen ist die Bebauung in der Wörnitzvorstadt. In der Rothenburger Vorstadt war das feuergefährliche Gewerbe (Schmiede) ansässig. Östlich der Schmiedgassen des Rothenburger Viertels liegt als eigener Komplex der Spitalhof. Die bäuerliche Nördlinger Vorstadt war wegen des Wassers im Stadtmühlgraben auch von Färbern und Gerbern besiedelt. In den locker bebauten Hanglagen der Rothenburger, Segringer und Nördlinger Vorstadt siedelten u. a. die Tuchmacher und Weber, die auf Freiflächen für ihre Trockenrahmen angewiesen waren. Außerdem standen hier das Kloster der Kapuziner sowie der Deutschordenshof; die verbliebenen Freiflächen wurden von Obstwiesen und Pferdeweiden eingenommen. Das Karmelitenkloster befand sich dagegen auf dem ältesten Kirchenplatz beim zentral gelegenen karolingischen Königshof am Ledermarkt. Anders als bei den meisten historischen Städten erfolgten alle Stadterweiterungen des 19. und 20. Jahrhunderts in Dinkelsbühl außerhalb der Altstadt. Diese wird von einer vollständigen Ummauerung umschlossen, an die sich im Westen und Süden der im Blasensandstein ausgehobene Innere Stadtgraben anschließt. Im Norden liegen vor ihr der Hippenweiher und Rothenburger Weiher mit dem Äußeren Stadtgraben und im Osten der Stadtmühlgraben mit den Überflutungsauen der Wörnitz. Die Silhouette der Stadt von der Wörnitzseite aus gesehen ist wohl die markanteste Ansicht der Stadt. Sie wirkt noch heute wie die auf Matthäus Merians Stich von 1643.

Die Gliederung der Altstadt in eine innere Altstadt und einen Erweiterungsbereich erkennt man insbesondere an der Breite der Häuserfronten der sogenannten Hofstätten. Diese misst am Marktplatz etwa 15 m, im weiteren Bereich der Kernstadt 12,5 m und in den Vorstädten 10 m oder weniger.

Das Münster St. Georg beherrscht optisch die ganze Stadt und kann als Dominanz erster Ordnung bezeichnet werden. Dominanten zweiter Ordnung sind die vier spätmittelalterlichen Tortürme, die die Altstadtteile und alle anderen öffentlichen Bauten überragen. Mit Ausnahme des Nördlinger Tors sind sie nur einspurig befahrbar, was die Erhaltung des Altstadtambientes in Konflikt mit dem motorisierten Individualverkehr bringt. Das Gliederungssystem der inneren Altstadt, insbesondere die Hauptstraßenführung parallel sowie rechtwinklig zur Wörnitz und die parallel verlaufenden Seitengassen, wurde beibehalten. Dasselbe gilt für die Abstände der Erschließungseinheiten, die jeweils genau die Länge haben, die zuvor der Entfernung der alten Stadttore zum Zentrum entsprach (ca. 150 m).

Eine Ausnahme davon bildet die Nördlinger Vorstadt, wo das neue vom alten Stadttor 300 m entfernt ist. Die Nördlinger Straße hebt sich auch baulich von den übrigen Altstadtstraßen ab, da sie ihre Richtung ändert und die Häuserfront nicht parallel zur Straße verläuft, sondern deren Häuser gestaffelt und immer ein Stück versetzt zueinander gebaut sind, was den Straßenzug zu etwas Besonderem und einprägsam macht.

Klima

In Dinkelsbühl beträgt die durchschnittliche Niederschlagsmenge im Jahr 769 mm (Karlsholz) bzw. 746 mm (Oberwinstetten).

Geschichte Ursprung der Ansiedlung