Die spanische Grammatik, gramática del español, ist dadurch gekennzeichnet, dass Spanisch, idioma español o castellano, eine relativ flektierende Sprache ist mit zwei grammatischen Geschlechtern und über 50 konjugierten Formen pro Verb, aber einer eingeschränkten Flexion von Substantiven, Adjektiven und Determinativen.

mini|250px|Widmung und Prolog der ersten spanischen Grammatik, Gramática de la lengua castellana von Antonio de Nebrija (1492) Syntaktisch gehört Spanisch zu einem Sprachtyp, in dem das Objekt dem Verb folgt (VO-Sprache). Die Wortstellung ist normalerweise Subjekt-Verb-Objekt, auch wenn Variationen, z. B. eine Stellung des Subjekts am Satzende, häufig sind. Adjektive erscheinen meist nach dem Substantiv, es gibt Präpositionen statt Postpositionen, und Nebensätze werden von Konjunktionen eingeleitet. Spanisch ist ferner eine Pro-Drop-Sprache, d. h. Pronomen als Subjekt des Satzes können weggelassen werden, wenn sie nicht kontrastierend gemeint sind, da die Verbform bereits dieselben Merkmale wie ein Personalpronomen enthält.Irene Gil Laforga, Eugenio Cascón Martín, Manuel Pérez Fernández (Hrsg.): Nueva gramática de la lengua española. Real Academia Española, Espasa Libros, Barcelona 2011, ISBN 978-84-670-3471-4. Einzelne Varietäten des Spanischen unterscheiden sich darin, wie stark dieser Wesenszug ausgeprägt ist.Reinhard Meyer-Hermann: Spanisch. In: Thorsten Roelcke (Hrsg.): Variationstypologie / Variation Typology. Ein sprachtypologisches Handbuch der europäischen Sprachen in Geschichte und Gegenwart / A Typological Handbook of European Languages Past an Present. de Gruyter, Berlin / New York 2003, S. 449–479. Zur Pronomen-Weglassung siehe S. 450f.

Die Wortarten des Spanischen lassen sich wie überall in lexikalische und grammatische Wörter einteilen, also in etwa Inhaltswörter und Funktionswörter. In beiden Klassen finden sich flektierbare und unveränderliche Wörter:Übersicht nach Helmut Berschin, Julio Fernández-Sevilla, Josef Felixberger: Die spanische Sprache. Verbreitung, Geschichte, Struktur. 3. Auflage. Georg Olms, Hildesheim / Zürich / New York 2005, ISBN 3-487-12814-4, S. 161. Inhaltswörter, flektierbar: Substantiv (sustantivo), Verb (verbo), Adjektiv (adjetivo) Inhaltswörter, nicht flektierbar: Adverb (adverbio), Zahlwort (nombre numeral)Zahlwörter: nombres numerales können eingeschränkt flektierbar sein. Funktionswörter, flektierbar: Artikel (artículo), Pronomen (pronombre) Funktionswörter, nicht flektierbar: Präposition (preposición), Konjunktion (conjunción), sowie Partikeln, partículas gramatical.im engeren Sinne Modalpartikel, partícula modal

An Artikeln besitzt das Spanische definite und indefinite, die Pronomina teilen sich in zahlreiche Unterklassen auf. Für die Begleiter des spanischen Substantivs gilt eine Anpassung an Genus und Numerus. Es gibt keine Kasusendungen, sondern nur Numerusflexion am Substantiv; grammatische Funktionen der Substantive im Satz werden eher durch Wortstellung sowie durch Präpositionen angezeigt. Viele Pronomina hingegen zeigen unterschiedliche Formen für Subjekt bzw. Objekt.

Für die Wortbildung, formación de palabras benutzt das Spanische beide der üblichen Haupttypen: Wortableitung (Derivation, derivación) und Wortzusammensetzung (Komposition, composición).Justo Fernández López: Wortbildung. Formación de palabras. hispanoteca.orgWolf Dietrich, Horst Geckeler: Einführung in die spanische Sprachwissenschaft. (= Grundlagen der Romanistik. Band 15). Erich Schmidt Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-503-06188-6, S. 88–99.Bernhard Pöll: Spanische Lexikologie. Eine Einführung. Gunter Narr Verlag, Tübingen 2002, ISBN 3-8233-4993-7. (Für weitere Einzelheiten zur Wortbildung, die im vorliegenden Artikel nicht behandelt wird, siehe den Hauptartikel Wortbildung und Wortarten im Spanischen.)

Die Wortbetonung in der spanischen Sprache, acentuación del idioma español der Wortakzent, erfolgt regelhaft auf der letztenLetzte Silbe oder Endsilbe auch Ultima (lat. [syllaba] ultima, „die letzte Silbe“) oder – falls das Wort auf einen Vokal, „n“ oder „s“ endet – vorletzten Silbe.Vorletzte Silbe oder Vorendsilbe oder Pänultima (lat. [syllaba] paenultima) In allen davon abweichenden Fällen wird die Betonung in der Schrift durch einen Akzentstrich (Akut) angezeigt, der über dem Vokal der betonten Silbe steht.

Allgemeines

Die spanische oder kastilische Sprache (Eigenbezeichnung español [] bzw. castellano []) gehört zum romanischen Zweig der indoeuropäischen Sprachen. Außerhalb Spaniens ist sie die häufigste Muttersprache auf dem amerikanischen Doppelkontinent. Sie ist Amtssprache zahlreicher internationaler Organisationen.

Man kann das Spanische einteilen in die Zeit des Altspanischen (ca. 1200 bis ca. 1450), des Mittelspanischen (ca. 1450 bis 1650) und des Neuspanischen (seit ca. 1650). Hier wird die Grammatik des Neuspanischen behandelt mit Schwerpunkt auf der Gegenwartssprache.

Im Jahre 1492 erschien die Gramática de la lengua castellana („Grammatik der kastilischen Sprache“) von Antonio de Nebrija. Sie war die erste gedruckte Grammatik einer romanischen und nichtklassischen Sprache.Gustav Ineichen: Zur Stellung der spanischen Grammatik Nebrijas. In: Wolfgang Dahmen (Hrsg.): Zur Geschichte der Grammatiken romanischer Sprachen: Romanistisches Kolloquium IV. (= Tübinger Beiträge zur Linguistik. Band 357). Narr Verlag, 1991, ISBN 3-8233-4212-6, S. 227 f.Thomas Baldischwieler: Antonio de Nebrija las introduciones latinas contrapuesto el romance al latin (1486). Dissertationsschrift. Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf 2004. Die Real Academia Española (RAE) ist seit dem Jahr 1713 die maßgebliche Institution für die Pflege der spanischen Sprache. Regelmäßig erscheinen unter dem Dach ihres Hauses Wörterbücher, Grammatiken und orthographische Wörterbücher.Liste der Ausgaben und Jahreszahlen der veröffentlichten spanischen Grammatiken der RAE Ihre Vorgaben sind im Schulunterricht und Behördengebrauch Spaniens und der Spanisch sprechenden Länder Amerikas verbindlich.Alonso Zamora Vicente: La Real Academia Española. Espasa Calpe, Madrid 1999, ISBN 84-239-9185-7, S. 33. Im Jahre 1771 wurde die erste Grammatik der Akademie veröffentlicht.

Lautlehre und Schreibung Geschrieben wird Spanisch mit lateinischen Buchstaben. Im modernen Spanisch werden zusätzlich der Akut-Akzent für Vokale sowie die beiden Zeichen ñ (mit Tilde) und ü (mit Trema; kein Umlaut) verwendet. (In älteren Wörterbüchern finden sich auch das ch und der Digraph ll noch als eigenständige Buchstaben.)

Der vorliegende Artikel stellt im Folgenden schwerpunktmäßig Wortarten, Wortformen und ihre Verwendung im Satz dar. Zur spanischen Phonologie und Schreibung wird stattdessen auf die nachfolgend genannten Spezialartikel verwiesen:

Satzbau im Spanischen

Ein spanischer Satz, oración, besteht normalerweise aus mindestens zwei Elementen, Subjekt, sujeto, und Prädikat, predicado, wobei ein Personalpronomen als Subjekt aber weggelassen werden kann. Der Kern des Prädikats ist ein finites Verb. Um dieses Verb können sich weitere Satzglieder schichten, neben Subjekt und Objekten auch noch die Prädikativa und adverbialen Bestimmungen, complementos circunstanciales.

Spanisch ist im Grundsatz eine SVO-Sprache: Der reguläre Satzbau lautet also: Subjekt – Verb (gilt für alle Verbformen) – direktes Objekt (Akkusativ) – indirektes Objekt (Dativ).Justo Fernández López: Hispanoteca.eu Adverbiale Bestimmungen können am Satzanfang oder nach dem Verb oder auch am Satzende stehen. Die Satzadverbien, die sich auf den ganzen Satz beziehen und z. B. Sprechereinstellungen ausdrücken, können ebenfalls am Satzanfang, nach dem Verb oder am Satzende stehen, müssen dann aber durch ein Komma abgetrennt werden.Spanische Satzbau – El orden de las palabras. Hispanoteca.eu

Die Stellung der unbetonten (klitischen) Pronomina, d. h. der Personalpronomina (me, te, nos, os, le, les, lo, la, los, las) und des Reflexivpronomens se, unterscheidet sich von der Stellung der vollen Satzglieder: Ein klitisches Pronomen steht vor dem konjugierten Verb oder aber – beim Infinitiv, Gerundium und bejahten Imperativ – hinten ans Verb angehängt.

Die Verneinung steht immer vor dem Verb und ggf. vor den klitischen Personalpronomen.

Die SVO-Grundwortstellung kann im Spanischen häufig variiert werden; vor allem durch die Inversion: Das Subjekt kann, statt vor dem finiten Verb, am Satzende erscheinen. Dies geschieht insbesondere in Fragesätzen und bei der Voranstellung von Adverbialen, Objekt-Nominalphrasen und Nebensätzen. Bei Voranstellung des Objekts ist, von Ausnahmen abgesehen, die Wiederholung beim Verb durch ein klitisches Personalpronomen zu beachten.

Die Markierung von Satzteilen als Subjekt oder Objekt erfolgt im Spanischen nicht durch Wortformen, sondern durch Wortstellung und durch den Objektmarker a. Daher wird das Thema „Kasus“ im Folgenden nicht im Abschnitt zum Substantiv eingeordnet, sondern im Abschnitt „Präposition“ (dieses a wird also hier als Präposition eingestuft); siehe im Übrigen die Hauptartikel.

Substantiv Grammatische Merkmale und Formen des Substantivs mini|125px|Beispiel zum Aufbau eines Substantivs. Aus einem lexikalischen Morphem „gat-“ für dt. „Katz-“ und grammatischen Morphemen entstehen neue Wörter bzw. Wortformen; vgl. dt. „der Kater, die Katze, die Kater, die Katzen“ und „Katzen“.

Das spanische Substantiv, sustantivo, wird nach Numerus, número gramatical, dekliniert (flektiert) aber nicht nach Kasus, caso morfológico. Spanische Substantive tragen grammatisches Geschlecht (Genus), género gramatical; sie sind entweder männlich oder weiblich. Das Genus wird im Spanischen über entsprechende Endungen markiert: einige Endungen als Beispiele: Substantive die auf: -a, -ad, -ción, -sión und -z enden, sind zumeist feminin, género gramatical femenino. Substantive, die auf: -o, -l, -r, -n und -e enden, sind zumeist maskulin, género gramatical masculino.

Substantive auf -o sind oft, aber nicht immer männlich, auf -a oft, aber nicht immer weiblich. Einige Wörter auf -ma griechischen Ursprungs sind männlich, z. B: un problema ein Problem, el idioma die Sprache. Hingegen ist „mano“ weiblich: la mano derecha die rechte Hand.

Das lateinische Neutrum war durch Entwicklungen der Laute im Sprech- oder Vulgärlatein meist nur noch im Nominativ und Akkusativ Plural vom Maskulinum zu unterscheiden (vgl. n. nova, m. novi die Neuen) und so verschwand es bzw. ging ins Maskulinum über. Dennoch finden sich auch im Spanischen noch Reste eines Neutrums. Abstrakte Substantivierungen von Adjektiven flektieren zwar wie Maskulina, verlangen jedoch an Stelle des maskulinen Artikels el den neutralen Artikel lo: lo bueno das Gute.

Der Plural wird bei Substantiven, die auf einen Vokal enden, durch Anhängen von s gebildet: casa Haus, casas Häuser; coche Auto, coches Autos; libro Buch, libros Bücher. Bei Substantiven, die auf einen Konsonanten enden, durch Anhängen von -es: mujer Frau, mujeres Frauen; árbol Baum, árboles Bäume; ciudad Stadt, ciudades Städte. Ausgehendes -y gilt für die Pluralbildung als Konsonant: rey König, reyes Könige. Bei Substantiven auf -z endet die Pluralform auf -ces: luz Licht, luces Lichter. Bei Substantiven auf -n ist häufig Akzentsetzung, acento agudo oder (viel häufiger) Akzentwegfall notwendig: orden Befehl, órdenes Befehle; canción Lied, canciones Lieder.

Diminutiv- und Augmentativformen Es gibt im Spanischen verhältnismäßig viele Diminutiv- und Augmentativsuffixe, diminutivo y aumentativo um eine Verniedlichung bzw. Vergrößerung auszudrücken. Zu den Diminutivsuffixen zählen zum Beispiel: -(c)ico/-(c)ica, -(c)illo/-(c)illa, -(c)ín/-(c)ina, -(c)ito/-(c)ita. – Beispiel: pobrecito armes Kerlchen. Zu den Augmentativsuffixen zählen: -azo/-aza, -ón/-ona, -ote/-ota. Beispiel: jamonazo Riesen-Schinken