mini|Annakirche mini|Innenraum der Annakirche mini|Südportal des gotischen Vorgängerbaus mini|Sankt-Anna-Relief aus der spätgotischen Wallfahrtskirche Die Annakirche ist eine römisch-katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche in Düren, Nordrhein-Westfalen. Sie wurde in den Jahren von 1954 bis 1956 nach Plänen von Rudolf Schwarz aus den Bruchsteinen der am 16. November 1944 zerstörten Vorgängerkirche errichtet und birgt das Haupt der hl. Anna, der sie auch geweiht ist. Sie ist Pfarrkirche der zum 1. Januar 2010 errichteten Pfarrgemeinde St. Lukas.
Baugeschichte Vorgängerbauten Die heutige Annakirche hatte insgesamt vier Vorgängerkirchen, die sich alle auf dem gleichen Platz befanden. Die Baugeschichte konnte anhand von archäologischen Ausgrabungen nach Zerstörung der gotischen Annakirche in den 1950er Jahren genauestens dokumentiert werden. Die Ausgrabungen leitete Wilhelm Lehmbruck.
Erste Kirche Bereits um das Jahr 700 hat es in Düren ein erstes Kirchengebäude gegeben, welches an gleicher Stelle der heutigen Kirche gestanden hat. Es handelte sich dabei um einen kleinen einschiffigen Bau, welcher vielleicht zu einem Hofgut der Merowinger gehört hat. Erstmalige urkundliche Erwähnung findet diese Kapelle in einem Protokoll über ein Gottesurteil im Jahre 748. Sie war wohl schon dem hl. Martin von Tours geweiht. Die Christianisierung des Dürener Landes fällt ungefähr mit dem Bau dieser ersten Kapelle zusammen. Im Jahr 748 hielt sich Karl der Große über Weihnachten im Hofgut Düren auf und besuchte somit auch die Kapelle. Kurz nach Karls Aufenthalt wurde der Bau zerstört.Elmar von Reth: Wandel der Liturgie und ihr baulicher Ausdruck in St. Anna. In: 50 Jahre Neue Annakirche. Symbol des Wiederaufbaus. Hrsg. Bauhütte St. Anna, Düren 2008, S. 12 ff.
Zweite Kirche Bis in die 760er Jahre errichtete man an gleicher Stelle ein deutlich größeres, dreischiffiges Kirchengebäude mit halbrunder Apsis. Es diente wieder als Hofkirche, wie ihre Vorgängerin. 774 wurde Düren erstmals als Königspfalz bezeichnet und 843 das letzte Mal. Es wird angenommen, dass die Kirche beim Überfall der Normannen in den Jahren 881 und 882 zerstört worden ist, ein sicherer Beweis hierfür fehlt allerdings.Elmar von Reth: Wandel der Liturgie und ihr baulicher Ausdruck in St. Anna. In: 50 Jahre Neue Annakirche. Symbol des Wiederaufbaus. Hrsg. Bauhütte St. Anna, Düren 2008, S. 15 f.
Romanische Kirche Im Jahr 888 bestätigte König Arnolf die Schenkung des zweiten Zehnten an das Marienstift in Aachen. Diese Schenkung wurde 930 nochmals von König Heinrich I. und 966 von Kaiser Otto I. bestätigt. Schon 941 schenkte Otto I. die Dürener Martinskirche dem Aachener Marienstift. Damit war sie keine königliche Eigenkirche und Hofkirche mehr, sondern Pfarrkirche. In diese Zeit fällt auch der Bau einer neuen Kirche. Es ist nun der dritte Kirchenbau an gleicher Stelle. Es handelte sich um eine dreischiffige und vierjochige Pfeilerbasilika in Formen der Romanik mit Chorjoch, halbrunder Apsis im Osten und vorgebautem Turm im Westen. Die beiden Seitenschiffe schlossen ebenfalls mit einer Apsis ab. Dieses Bauwerk wird auch im Liber valoris aus der Zeit um 1308 als Pfarrkirche aufgeführt,Kirchenführer St. Anna in Düren. S. 28. Ein Teil des Zehnten besaß das Domstift noch bis zu seiner Auflösung im Jahr 1802.Paul Hartmann, Edmund Renard: Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Band 9: Die Kunstdenkmäler des Kreises Düren. Herausgegeben von Paul Clemen, Düsseldorf 1910, S. 74. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde die romanische Pfarrkirche abgerissen.Elmar von Reth: Wandel der Liturgie und ihr baulicher Ausdruck in St. Anna. In: 50 Jahre Neue Annakirche. Symbol des Wiederaufbaus. Hrsg. Bauhütte St. Anna, Düren 2008, S. 16 f.
Gotische Kirche An Stelle des romanischen Baus trat Ende des 13., Anfang des 14. Jahrhunderts ein frühgotischer Neubau, lediglich der romanische Turm wurde beibehalten. Der gotische Chor wurde um 1300 fertiggestellt. Im Jahr 1330 war der Bau so weit fortgeschritten, dass mit dem Bau des Daches begonnen wurde. So zahlte das Aachener Marienstift in diesem Jahr einen großen Betrag für die Herstellung des Daches. Beim Bau wurden anscheinend die Pläne verändert, sodass das Mittelschiff höher gebaut wurde als vorher geplant. Dadurch wurden die ursprünglichen Fenster im Obergaden letztlich als Blendarkaden belassen und darüber die eigentlichen Fenster gesetzt. Um das Jahr 1331 war das Gotteshaus vollendet. Heute ist von diesem Bau nur noch das Südportal erhalten. Bei diesem Bauwerk handelte es sich um eine dreischiffige und dreijochige Basilika im Baustil der Gotik, die im Innern von Kreuzrippengewölben überwölbt war und der im Westen der romanische Turm vorgebaut war.Elmar von Reth: Wandel der Liturgie und ihr baulicher Ausdruck in St. Anna. In: 50 Jahre Neue Annakirche. Symbol des Wiederaufbaus. Hrsg. Bauhütte St. Anna, Düren 2008, S. 12 ff.
mini|links|Annakirche um 1634 (Modell) 1501 brachte der Steinmetz Leonhard aus Kornelimünster das Annahaupt von Mainz nach Düren. Es kam zuerst in die Klosterkirche der Franziskaner, der heutigen Marienkirche. Nachdem durch eine Bulle von Papst Julius II. der Streit zwischen Mainz und Düren über den Besitz der Reliquie für Düren entschieden worden war, die bedeutende Reliquie wurde nun in die Martinskirche verbracht.
Im Jahre 1510 sind schon 20.000 Pilger zur Verehrung des Annahauptes nachgewiesen – eine damals ungeheuer hohe Zahl. Um dieses Jahr wurde wohl auch mit dem Erweiterungsbau des gotischen Gotteshauses begonnen. Dafür wurde zunächst der Turm aus dem 10. Jahrhundert niedergelegt. Im Anschluss daran wurde unter dem damaligen Pfarrer Hildebrand von Weworden ein im Baustil der Spätgotik errichteter, vierjochiger und ebenfalls dreischiffiger Anbau mit eingezogenem und fünfgeschossigen Glockenturm an das bestehende Langhaus angebaut. Am ersten Joch des Erweiterungsbaus wurde an der Südseite die so genannte Marienkapelle angebaut. Diese hatte den Zweck, den Annaschrein aufzubewahren, wurde jedoch erst im 19. Jahrhundert vollendet. Das Mittelschiff wurde mit einem Sterngewölbe überwölbt und die Seitenschiffe mit Netzgewölben.Paul Hartmann, Edmund Renard: Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Band 9: Die Kunstdenkmäler des Kreises Düren. Herausgegeben von Paul Clemen, Düsseldorf 1910, S. 74, 76, 79. Durch das Annahaupt wurde das ursprüngliche Patrozinium des hl. Martin allmählich von der hl. Anna verdrängt. Schon 1523 ist in einer Urkunde die Rede von der Annakirche. Zu dieser Zeit besaß die Kirche 14 Altäre.Elmar von Reth: Wandel der Liturgie und ihr baulicher Ausdruck in St. Anna. In: 50 Jahre Neue Annakirche. Symbol des Wiederaufbaus. Hrsg. Bauhütte St. Anna, Düren 2008, S. 19 ff.
1543 wurde die Kirche nach der Beschießung durch die kaiserlichen Truppen von Karl V. stark beschädigt. Der Wiederaufbau zog sich bis 1568 hin. 1545 wurden zwei Glocken für die Annakirche gegossen. 1550 baute Clais Wyndemaiker von Gangelt aus Münster das erste Glockenspiel in das Kirchengebäude ein und zwischen 1555 und 1557 wurde die erste große Orgel eingebaut, welche bis 1944 erhalten blieb. Im 16. und 17. Jahrhundert schlug mehrmals der Blitz in den Kirchturm ein und zerstörte den Turmhelm. 1638 wurde die Annakirmes, die damals noch an der Kirche als Markt stattfand, erstmals erwähnt. Bis ins 19. Jahrhundert blieb der bauliche Zustand der Annakirche nahezu unverändert, lediglich erhielt sie eine barocke Ausstattung. So wurden 1638 ein raumhoher Hochaltar, zwei Nebenaltäre und eine prächtige Kanzel aufgestellt. Zuvor wurde die Orgel, welche zunächst als Schwalbennestorgel konzipiert war und im Kirchenschiff hing, auf die Westempore versetzt. Diese Anschaffungen und Umgestaltungen resultierten von den Jesuiten, die 1628 nach Absprache des Herzogs von Jülich und des Erzbischofs von Köln nach Düren kamen und die Seelsorge an der Annakirche übernahmen.Elmar von Reth: Wandel der Liturgie und ihr baulicher Ausdruck in St. Anna. In: 50 Jahre Neue Annakirche. Symbol des Wiederaufbaus. Hrsg. Bauhütte St. Anna, Düren 2008, S. 22. mini|Im Hintergrund Turm der Annakirche (Foto von Erwin Quedenfeldt, um 1903–15) Im Jahr 1879 wurde mit der Restaurierung der Annakirche begonnen. Dabei wurde zunächst zwischen 1879 und 1881 an der Nordseite als Gegenstück zur Marienkapelle an der Südseite die Josefskapelle errichtet. Somit war faktisch ein Querschiff entstanden. Die Pläne dazu lieferte der Architekt Franz Schmitz. Zwischen 1883 und 1884 wurde das Äußere nach Plänen des Kölner Architekten Heinrich Wiethase restauriert, der barocke Turmhelm durch einen neuen ersetzt und Galerien um die Dächer erbaut. Mit dem neuen Turmhelm hatte der Kirchturm eine Höhe von rund 100 m und war damit fast doppelt so hoch wie der heutige. Daraufhin wurde in den Jahren 1887 bis 1890 die Marienkapelle ebenfalls nach Plänen von Wiethase vollendet. Als letzte bauliche Veränderung wurden 1899 bis 1902 an den Chor zwei Sakristeien angebaut. Die Pläne dazu lieferte der Kölner Diözesanbaumeister Franz Statz.Paul Hartmann, Edmund Renard: Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Band 9: Die Kunstdenkmäler des Kreises Düren. Herausgegeben von Paul Clemen, Düsseldorf 1910, S. 76.
Zerstörung Im Zweiten Weltkrieg beim Luftangriff auf Düren am 16. November 1944 wurde die gotische Annakirche völlig zerstört. Bei diesem Angriff kam auch Oberpfarrer Johann Fröls sowie die restliche Pfarrgeistlichkeit von St. Anna ums Leben. Die Pfarre St. Anna hatte nicht nur ihre Pfarrkirche verloren, sondern auch ihre Pfarrer und war damit verwaist. Lediglich das frühgotische Südportal und wenige Teile der Nordwand überstanden den Angriff. Jahrelang blieben die Trümmer der Annakirche unverändert liegen, während die Stadt allmählich entschuttet und langsam wiederaufgebaut wurde. Erst 1951 begann man den Platz der zerstörten Kirche zu entschutten.Elmar von Reth: Wandel der Liturgie und ihr baulicher Ausdruck in St. Anna. In: 50 Jahre Neue Annakirche. Symbol des Wiederaufbaus. Hrsg. Bauhütte St. Anna, Düren 2008, S. 23 f.
Notkirche Aufgrund der vollständigen Zerstörung der Dürener Innenstadt und der Annakirche war direkt nach dem Krieg nicht an einen Wiederaufbau zu denken. Da in den ersten Nachkriegsjahren kaum jemand in der Innenstadt lebte, war auch die Annapfarre noch lange verwaist. Das kirchliche Leben spielte sich zunächst in den erhalten gebliebenen Kirchen St. Joachim, St. Josef und St. Antonius ab. Erst im Jahr 1947 erhielt die Pfarre St. Anna mit Salvatorianerpater Maurus Stark einen Pfarrverwalter. Er bemühte sich sogleich um die Einrichtung einer Notkirche, denn es zogen immer mehr Dürener in die Innenstadt zurück. Da das Erdgeschoss des Waisenhauses in der Waisenhausstraße noch teils erhalten war, richtete man hier eine Notkirche ein. Die Pfarre erhielt das Grundstück mit der Ruine durch Grundstückstausch von der Waisenhausstiftung. Mit wiederverwendeten Steinen und Materialien aus dem Schutt wurde die Ruine zur Notkirche hergerichtet und am 5. Dezember 1948 vom Aachener Bischof Johannes Joseph van der Velden benediziert. Zudem wurde der Annaschrein mit dem Annahaupt von St. Josef in die Notkirche übertragen und dort aufgestellt. Bis 1956 blieb die Notkirche in Benutzung. Im Jahr 1949 verließ Pfarrverwalter Pater Stark Düren, denn am 18. Oktober 1949 wurde der bisherige Rektor von Strempt, Heinrich Köttgen, zum Oberpfarrer an St. Anna ernannt. Nach seinem Amtsantritt machte er sich an die schwierige Aufgabe des Wiederaufbaus, auch wenn 1950 die Pfarre erst wieder 1.200 Pfarrangehörige zählte im Gegensatz zu 13.000 vor dem Krieg.Bernd Hahne: Der Wettbewerb. In: 50 Jahre Neue Annakirche. Symbol des Wiederaufbaus. Hrsg. Bauhütte St. Anna, Düren 2008, S. 28 ff.
Wiederaufbau