Eskişehirspor ist ein Sportverein aus der türkischen Stadt Eskişehir der gleichnamigen zentralanatolischen Provinz. Der Verein wurde im Jahr 1965 gegründet. Seit seiner Gründung spielte er mit Unterbrechungen insgesamt 30 Spielzeiten in der Süper Lig, der höchsten türkischen Liga. In der Ewigen Tabelle der Süper Lig liegt Eskişehirspor auf dem 10. Platz.Stand: Saisonstart 2016/17 Der Verein hat die Vereinsfarben rot und schwarz, die Mannschaft trägt den Spitznamen Kırmızı Şimşekler, die roten Blitze.
Seine erfolgreichste Zeit hatte er in den 1960er und 1970er Jahren, in der der Klub mehrmals bis zum Saisonende um die Türkische Meisterschaft mitspielte und diese erst in den letzten Spieltagen verfehlte. In die Süper Lig aufgestiegen, erreichte der Verein mit der türkischen Vizemeisterschaft der Saison 1968/69 den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Bis zu dieser Saison entschieden die drei großen Istanbuler Vereine Beşiktaş, Fenerbahçe und Galatasaray die türkische Meisterschaft bzw. die Vizemeisterschaft unter sich. Dieser Erfolg war bis dato der größte einer anatolischen Mannschaft im türkischen Fußball und deswegen für diesen prägend. Nach diesem Erfolg folgten in dieser Periode noch zwei weitere Male die türkische Vizemeisterschaft, ein Mal der 3. Tabellenplatz und ein Mal der 4. Tabellenplatz. Zudem kamen in dieser Zeit auch Erfolge im Türkischen Pokal, im Präsidenten-Pokal und im Premierminister-Pokal hinzu. Durch diese Erfolge avancierte der Klub zum Angstgegner der drei großen Istanbuler Vereine.
Nach einer mehr als zwanzigjährigen Pause erlebte der Verein in der ersten Hälfte der 2010er Jahre mit dem 5. Tabellenplatz und einer Pokalfinalteilnahme wieder eine kurze Erfolgsperiode. Eskişehirspor ist für seine euphorischen Fans bekannt, die von „Amigo Orhan“ (eigentlich Orhan Erpek, 1938–2025) angeführt wurden.
Gründung Am 10. Juni 1965 fusionierten die Mannschaften İdman Yurdu, Akademi Gençlik und Yıldıztepe zu Eskişehirspor. Vorher trugen diese Mannschaften eine lokale Meisterschaft aus, an der weitere Vereine aus der Umgebung teilnahmen. Somit erhielt die Mannschaft das Recht, in der 2. türkischen Fußballliga zu spielen.
Geschichte SaisonPlatzLiga 65/66 1.1 2. Liga 66/67 8. 1. Liga 67/68 9. 1. Liga 68/69 2. 1. Liga 69/70 2. 1. Liga 70/71 4. 1. Liga 71/72 2. 1. Liga 72/73 3. 1. Liga 73/74 4. 1. Liga 74/75 3. 1. Liga 75/76 9. 1. Liga 76/77 9. 1. Liga 77/78 12. 1. Liga 78/79 7. 1. Liga 79/80 6. 1. Liga 80/81 6. 1. Liga 81/82 15. 1. Liga (Abstieg) 82/83 2. 2. Liga 83/84 1. 2. Liga (Aufstieg) 84/85 10. 1. Liga 85/86 10. 1. Liga 86/87 9. 1. Liga 87/88 15. 1. Liga 88/89 16. 1. Liga (Abstieg) 89/90 8. 2. Liga 90/91 3. 2. Liga 91/92 16. 2. Liga (Abstieg) 92/93 1. 3. Liga (Aufstieg) 93/94 2.2 2. Liga 94/95 3.3 2. Liga (Aufstieg)4 95/96 17. 1. Liga (Abstieg) 96/97 2.2 2. Liga 97/98 10.3 2. Liga 98/99 6.2 2. Liga 99/00 5.2 2. Liga 00/01 6.2 2. Liga (Abstieg)5 01/02 2.2 3. Liga 02/03 10. 3. Liga 03/04 6. 3. Liga 04/05 5. 3. Liga 05/06 3.3 3. Liga (Aufstieg)4 06/07 13. 2. Liga 07/08 4. 2. Liga (Aufstieg)4 08/09 11. 1. Liga 09/10 7. 1. Liga 10/11 7. 1. Liga 11/12 5. 1. Liga 12/13 8. 1. Liga 13/14 12. 1. Liga 14/15 11. 1. Liga 2015/16 17. 1. Liga (Abstieg) 2016/17 3. 2. Liga 2017/18 2. Liga 11. Platz der Finalrunde 2Platzierung in der Abstiegsrunde 3Platzierung in der Aufstiegsrunde 4Aufstieg durch Playoff-Sieg erreicht 5Systembedingter Abstieg Blütezeit und Teilnahmen am Europacup (1965–1981) Der Verein schaffte im ersten Jahr den direkten Aufstieg in die 1. Liga. Seit Gründung der türkischen Liga 1959 spielten dort bisher nur acht Mannschaften aus Istanbul und jeweils vier Klubs aus Ankara und Izmir. Adana Demirspor war der einzige Provinzverein, trug jedoch seine Spiele in Ankara aus. 1971 schaffte es der Verein, den türkischen Pokal zu gewinnen, indem der damalige Erzrivale Bursaspor nach einer 0:1-Niederlage im Rückspiel mit 2:0 bezwungen wurde. In den 1970er Jahren wurden gute Platzierungen in der Liga erzielt und die Meisterschaft nur knapp verpasst. In diesen Jahren waren auch die einzigen Europapokalteilnahmen der Mannschaft. Ab der Saison 1975/76 reichte es nicht mehr für die oberen Ränge.
(1981–1988) Der Klub machte 1982, 16 Jahre nach dem Aufstieg, wieder Bekanntschaft mit der 2. Liga und spielte hier zwei Jahre. Mit dem späteren Wiederaufstieg war wieder ein Erfolg zu verzeichnen, doch man konnte an die glorreichen 1970er Jahre nicht mehr anknüpfen. In der Saison 1986/87 war man im Finale des türkischen Pokals und hoffte nach einem 2:1-Sieg im Hinspiel gegen Gençlerbirliği Ankara auf den zweiten Pokalsieg in der Vereinsgeschichte, doch das Auswärtsspiel endete mit einer 0:5-Niederlage.
„Zwangsabstieg“ und Niedergang (1988–2005) Eskişehirspor befand sich in der Saison 1988/89 im Abstiegskampf und beendete diese auf dem 15. Tabellenplatz und sicherte sich knapp den Verbleib in der 1. Liga. Doch am 18. Spieltag ereignete sich ein tragischer Vorfall. Samsunspor konnte die Saison nach einem Unfall des Mannschaftsbusses auf dem Weg zum Auswärtsspiel nach Malatya nicht mehr fortsetzen. Drei Spieler und der Trainer kamen ums Leben und viele Spieler verletzten sich schwer. Die restlichen Spiele bis zum Saisonende wurden zunächst mit einem 0:2 gegen Samsunspor gewertet. Der Türkische Fußballverband Türkiye Futbol Federasyonu (TFF) entschied jedoch, dass Samsunspor im folgenden Jahr weiterhin erstklassig bleibt und dafür die erste Mannschaft über den Abstiegsrängen absteigt. Als Tabellenfünfzehnter war dies Eskişehirspor. Bitterer Beigeschmack dieser Entscheidung war der Abstieg von Samsunspor in der folgenden Saison. Eskişehirspor schaffte erst nach fünf Jahren Abstinenz 1995 wieder den Aufstieg in die erste Liga, doch wegen verfehlter Transferpolitik folgte der direkte Abstieg. Zusätzliche finanzielle Schwierigkeiten brachten den Verein in eine Krise. 1999 konnte man den Absturz in die 3. Liga noch verhindern, doch die Neugliederung des türkischen Ligasystems machte diesen Gang im Jahr 2003 unumgänglich.
Die Rückkehr (ab 2005) Mit Präsident Nebi Hatipoglu konnte der Verein trotz der 3. Liga gute Spieler zum Verein locken. Im Elfmeterschießen der Play-off-Runde stieg man als dritte Mannschaft auf (2005/06). In der Saison 2006/07 belegte der Verein den 13. Tabellenplatz der 2. türkischen Liga. Nach einem rasanten Saisonstart befand sich Eskişehirspor vier Spieltage vor Saisonschluss plötzlich im Abstiegskampf.
In der Saison 2007/08 wollte der Verein mit Transfers wie z. B. Sergen Yalçın und Coşkun Birdal zurück ins Oberhaus. Bis zur Mitte der Rückrunde rangierte man immer auf den ersten beiden Plätzen (direkter Aufstieg), doch nach schwachen Leistungen in der Schlussphase der Saison belegte der Verein in der Tabelle noch den vierten Platz und war somit für die Teilnahme an den Playoff-Spielen (3.–6. Platz) berechtigt. Am 16. Mai 2008 fand das Halbfinale gegen den Tabellenfünften Diyarbakırspor im İnönü-Stadion in Istanbul statt. Eskişehirspor schaffte nach einem 6:5 n. E. (0:0) den Einzug ins Finale. Hier bezwang man am 18. Mai 2008 Boluspor (6. Platz; siegreich im Halbfinale gg. Sakaryaspor) mit 2:0 und stieg als dritte Mannschaft in die Süper Lig auf.
Süper Lig (ab 2008) Eskişehirspor spielte in der Saison 2008/09 somit erstmals nach 12 Jahren wieder in der Süper Lig. Der Klassenerhalt wurde zwei Spieltage vor Saisonende gesichert und man belegte den elften Tabellenplatz. In der Saison 2009/10 verpasste der Klub nur knapp die Euro-League-Plätze. Der 7. Tabellenplatz ist dennoch als Erfolg zu werten.
Mit dem Ziel, unter die ersten Fünf der Süper Lig zu kommen, plante man die Saison 2010/11. Spieler wie Rodrigo Tello, Batuhan Karadeniz, Erkan Zengin und Péle wurden verpflichtet, um dieses Ziel zu erreichen. Doch nach nur einem Punkt aus den ersten sechs Spielen war man auf dem 17. Tabellenplatz und Trainer Rıza Çalımbay wurde gefeuert. Mit dem neuen Trainer Bülent Uygun startete das Team eine Siegesserie und die Saison wurde erneut auf dem siebten Rang beendet.
Die Saison 2011/12 begann mit einer großen Verzögerung aufgrund des Bestechungs-/ Manipulationsskandals in der türkischen Süper Lig im Vorjahr. Hier waren Funktionäre, Vorstandsmitglieder sowie Spieler und Trainer verschiedener Vereine verwickelt. Nachdem Bülent Uygun in Untersuchungshaft landete, entschied sich der Klub, sich von ihm zu trennen. Eine Bestrafung seitens des TFF erfolgte bisher nicht.
Am 17. Juli 2011 einigte man sich auf einen Dreijahresvertrag mit Michael Skibbe, dessen erste Amtshandlung der Transfer des Ex-Dortmunder Dedê war. Die Mannschaft spielte sehr erfolgreich und belegte mit Abschluss der Hinrunde den dritten Tabellenplatz. In der Hinrunde holte Skibbe in 17 Spielen 30 Punkte und führte das Team auf den vierten Tabellenplatz. Eskisehirspor wurde zur Mannschaft des Jahres gekürt, und mit Dedê wurde ein Spieler des Teams als Spieler der Hinrunde ausgezeichnet. Skibbe – wie auch viele Spieler und Angestellte – wurde monatelang vom Verein nicht bezahlt, da offensichtlich keine finanzielle Grundlage vorhanden war. Er entschloss sich, die FIFA einzuschalten, gegen den Verein zu klagen und diesen zu verlassen."Ich muss mir die Chance wieder verdienen" – Interview mit Skibbe in: RevierSport 29/2013, S. 28f. Sein Nachfolger wurde Ersun Yanal. Mit ihm erreichte man das Halbfinale des türkischen Pokals und schaffte mit dem fünften Rang in der Süper Lig die Teilnahme an den Playoffs zur UEFA Europa League 2012/13. Diese verliefen weniger erfolgreich und die Qualifikation zu einem europäischen Wettbewerb wurde verpasst.
Nach 37 Jahren in Europa Zur Saison 2012/13 hatte man erstmals nach über 37 Jahren die Chance am Europapokal, der UEFA Europa League, teilzunehmen. Die UEFA schloss den türkischen Verein Beşiktaş Istanbul wegen der Missachtung der UEFA Reglements aus der Teilnahme an der Europa League aus. Bursaspor rückte an dessen Stelle. Eskişehirspor gewann zuerst gegen den FC St. Johnstone, ehe der Verein gegen Olympique Marseille ausschied.
Wappen und Vereinsfarben Die Vorlage für das Wappen fertigte Aziz Bolel, der im Gründungsjahr im Vorstand vertreten war. ES ist der Kurzname von EskişehirSpor. In den Medien wird der Verein oft auch mit ESES tituliert. Die drei Sterne symbolisieren die drei Vereine (İdman Yurdu, Akademi Gençlik und Yıldıztepe) aus denen Eskişehirspor 1965 entstand. Die Vereinsfarben sind Rot und Schwarz. Es gibt allerdings zwei verschiedene Versionen, wie diese zustande gekommen sind. Einem Vorstandsmitglied von Gençlerbirliği Ankara zu Ehren, der bei der Gründung von Eskişehirspor mit eine Rolle gespielt haben soll, wurden diese Farben ausgewählt.
Eine eher unwahrscheinlichere Version besagt, dass die Gründungsmitglieder die Farben des Erfolgs verwenden wollten. So wählten sie die Farben von Stade Rennes. Dieser Verein wurde im Gründungsjahr (1965) von Eskişehirspor französischer Pokalsieger.
Im Laufe der Jahre erhielten die Spieler von Eskişehirspor den Spitznamen „Kırmızı Şimşekler“ (die Roten Blitze).
Fans Die Anhänger von „ESES“ sind seit den erfolgreichen 1970er Jahren in der Türkei bekannt. „Amigo Orhan“ war der legendäre Anpeitscher. Vor jedem Heimspiel nahm er seinen Platz im Mittelkreis ein und stimmte die Fangesänge an. Nach dem Verbot, das Spielfeld zu betreten, war sein Platz die Gegentribüne. Mit ihm organisierte man auch die erste Tribünenshow in der Türkei. 1987 reisten die Fans von Eskişehirspor, 12.000 an der Zahl, in das Istanbuler Ali Sami Yen Stadion. Das damals 30.000 Menschen fassende Stadion verbuchte mit 39.000 Zuschauern seinen historischen Höchstwert.