Altengronau ist nach Sterbfritz (Sitz der Gemeindeverwaltung) und vor Oberzell der zweitgrößte von 12 Ortsteilen der Gemeinde Sinntal, im osthessischen Main-Kinzig-Kreis.
Geografie Geografische Lage Der Ort liegt an der hessisch-bayerischen Landesgrenze am nordöstlichen Rand des waldreichen Naturparks Spessart, sowie am südwestlichen Rand des Biosphärenreservates Rhön, bzw. der Brückenauer Kuppenrhön. Die Ortslage befindet sich am rechten Ufer unterhalb der Vereinigung der Breiten Sinn und der Schmalen Sinn. In Altengronau mündet die Gronau in die Sinn.
Nachbarorte Barackenhöfe-(Marjoß) Main-Kinzig-Kreis Sinntal-Neuengronau Main-Kinzig-Kreis Sinntal-Mottgers Main-Kinzig-Kreis Datei:Windrose klein.svg Markt Zeitlofs Landkreis Bad Kissingen Sinntal-Jossa Main-Kinzig-Kreis Markt Obersinn Landkreis Main-Spessart Roßbach (Zeitlofs) Landkreis Bad Kissingen
Geschichte Ursprünge Die älteste bekannte urkundlich Erwähnung von Altengronau erfolgte in einer in lateinischer Sprache verfassten Urkunde, der zufolge ein gewisser Hainradus den Ort Gruona oberhalb des Flusses Gaza (heute: JossaHans Elm (Hrsg.): Chronik und Festschrift zur 1200-Jahr-Feier der bis 1970 selbständigen Gemeinde Altengronau 780 bis 1980. Schneider-Druck, Zeitlofs 1980, S. 19.) zu seinem Seelenheil dem Kloster Echternach vermachte; die Urkunde trägt als einziges Datierungsmerkmal das zehnte Königsjahr Karls des Großen. Gemäß den Ausführungen des luxemburgischen Historikers Henri-Camille Wampach zur Datierung der Echternacher Urkunden wurde die Schenkung des Hainradus auf das Jahr 780 datiert.Camillus Wampach: Geschichte der Grundherrschaft Echternach im Frühmittelalter: Untersuchungen über die Person des Gründers, über die Kloster- und Wirtschaftsgeschichte auf Grund des liber aureus Epternacensis (698-1222). Luxemburger Kunstdruckerei, 1929, Nr. 82. Dieses Datum ist heute als erstmalige urkundliche Erwähnung Altengronaus allgemein gebräuchlich.
Abweichend hiervon spricht sich die jüngere Forschung für eine Datierung von Karls Regierungsjahren als König bereits ab 768 aus. Nachdem Karls Vater Pippin am 24. September des Jahres 768 verstorben war, wählte eine Versammlung am 9. Oktober dessen Söhne Karl und Karlmann gemeinschaftlich zu Königen im Frankenreich; Karlmann regierte im südöstlichen Reichsteil, Karl den anderen Teil. Folgt man dieser Auslegung, so ist die Schenkungsurkunde des Hainradus und damit die erstmalige urkundliche Erwähnung Altengronaus auf die Jahre 777 oder 778 zu datieren.Heinrich Wagner: Zur Gründung der Klöster Weißenburg und Echternach und ihrem Wirken in Mainfranken. In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte, 55 (2003), S. 103–146, hier S. 143.
Zeit des Heiligen Römischen Reiches Am 19. März 907 kam der Ort Altengronau, er wird als locus bezeichnet, durch Gütertausch der Klöster Echternach und Fulda in den Besitz des Klosters Fulda;Hessisches Staatsarchiv Marburg: Urkunde vom 19. März 907.Heinrich Reimer: Hessisches Urkundenbuch. Abt. 2, Urkundenbuch zur Geschichte der Herren von Hanau und der ehemaligen Provinz Hanau. Bd. 1 (767–1300). Publikationen aus den königlich-preußischen Staatsarchiven, Hirzel, Leipzig 1891, Nr. 37.. den Tausch vollzog der ostfränkische König Ludwig das Kind vor dem Reichstag zu Fürth (?)siehe auch Geschichte der Stadt Fürth. Altengronau wird damals beschrieben als Gronhaa in Salagowe (Gronau im Saalgau). In erhaltenen Urkunden wurde Altengronau später unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Grunaha (1166), Grunau (1346), Alten Gronaw (1358) und Burggronau.
Die Geschicke des Ortes wurden im Zeitraum von etwa 1300 bis 1648 maßgeblich durch das alte fränkische Rittergeschlecht der Herren von Hutten bestimmt. Diese bildeten mit dem Gericht Altengronau einen eigenen Gerichtsbezirk, der sich auch auf zahlreiche benachbarte Ortschaften erstreckte. Als Stammvater der Herren von Hutten zu Gronau gilt Ludwig von Hutten, der in einer am 21. Juni 1300 ausgestellten Urkunde erwähnt wird.Hermann Hoffmann (Bearb.): Das älteste Lehenbuch des Hochstifts Würzburg 1303–1345. Würzburg 1972, Nr. 375. Es wird vermutet, dass Ludwig „das alte Haus“ bewohnte – die erste Burganlage zu Altengronau, für deren Existenz keine archäologischen Befunde vorliegen, deren Standort jedoch im Wald auf dem Frauenberg vermutet wird. Die von Hutten errichteten in Altengronau insgesamt vier Burganlagen, von denen zwei bis heute erhalten sind.
Im Heiligen Römischen Reich ist die Geschichte Altengronaus durch häufige Wechsel der Eigentumsverhältnisse gekennzeichnet. So gehörte der Ort unter anderem zur Herrschaft Hanau und wurde im Jahre 1376 durch Ulrich IV. von Hanau an Ludwig „den Älteren“ von Hutten gegen ein Darlehen als Pfand gegeben.Georg-Wilhelm Hanna: Ministerialität, Macht und Mediatisierung. Die Ritteradligen von Hutten, ihre soziale Stellung in Kirche und Staat bis zum Ende des Alten Reiches. = Hanauer Geschichtsblätter, Band 44. Hanau 2007, ISBN 3-935395-08-6 = Diss. Bamberg 2006, S. 319, online auf dem OPUS-Server (PDF; 7,2 MB). Auf Fis.Uni-Bamberg.de, abgerufen am 15. Dezember 2020. Später gehörte Altengronau zur Grafschaft Hanau (folgend zur Grafschaft Hanau-Münzenberg) und wurde im Jahre 1478 durch Philipp I. von Hanau-Münzenberg an Lorenz von Hutten zum Lehen gegeben.StA Marburg, Z 17, Nr. 8898/3: 48. Den Grafen von Hanau gelang es jedoch nicht, Altengronau im Rahmen der Territorialisierung ihrer Grafschaft fest in diese einzubinden. Der Einfluss der Herren von Hutten und anderer Adelshäuser wie der von Thüngen blieb hier immer massiv präsent.
Im Jahre 1648 wurden die im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Besitzungen der Herren von Hutten zu Gronau durch Philipp Daniel von Hutten an Amalie Elisabeth von Hanau-Münzenberg, Landgräfin von Hessen-Kassel, verkauftKonrad Wilhelm Ledderhose: Beyträge zur Beschreibung des Kirchen-Staats der Hessen-Casselischen Lande. Kassel 1780, S. 468. – unter Vorbehalt seiner weiteren Zugehörigkeit zur reichsritterlichen Matrikel. Damit endete die seit dem 13. Jahrhundert währende Herrschaft der Herren von Hutten in Altengronau.
Der Hauptstamm der Herren von Hutten zu Gronau erlosch mit dem Ableben von Johann Hartmann am 17. Januar 1704 in Sannerz.
Spätere Herrschaftsentwicklung Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen Johann Reinhard III. im Jahr 1736 erbten die Landgrafen von Hessen-Kassel die gesamte Grafschaft Hanau-Münzenberg. Altengronau gehörte später in napoleonischer Zeit vorübergehend zum Großherzogtum Frankfurt (1810 bis 1813) und danach wieder zum Kurfürstentum Hessen. Nach der Verwaltungsreform des Kurfürstentums Hessen von 1821, im Rahmen derer Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, gehörte Altengronau zum Landkreis Schlüchtern und zum Justizamt Schwarzenfels.
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde zum 1. Dezember 1969 der bis dahin selbständige Nachbarort Neuengronau auf freiwilliger Basis eingegliedert. Kraft Landesgesetz wurde am 1. Juli 1974 Altengronau zu einem Ortsteil der Gemeinde Sinntal, und durch die Auflösung des Kreises Schlüchtern wiederum zu einem Teil des Main-Kinzig-Kreises. Für Altengronau und Neuengronau wurden, wie für die übrigen Ortsteile von Sinntal, ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Altengronau angehört(e):
vor 1648: Heiliges Römisches Reich, Besitz derer von Hutten-Kronau ab 1648: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Grafschaft Hanau-Münzenberg, Amt Altengronau ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hanau, Amt Altengronau 1806–1810: Kaiserreich Frankreich, Fürstentum Hanau, Amt Altengronau 1810–1813: Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau, Distrikt Altengronau ab 1815: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hanau, Amt Altengronau ab 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Hanau, Kreis SchlüchternVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 76.Trennung von Justiz (Justizamt Schwarzenfels) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hanau ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Hanau, Kreis Schlüchtern ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Schlüchtern ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Schlüchtern ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Schlüchtern ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Landkreis Schlüchtern ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Schlüchtern ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Schlüchtern ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Schlüchtern ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Schlüchtern ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Kinzig-Kreis, Gemeinde Sinntal
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Altengronau 1185 Einwohner. Darunter waren 18 (1,5 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 189 Einwohner unter 18 Jahren, 472 zwischen 18 und 49, 267 zwischen 50 und 64 und 258 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 504 Haushalten. Davon waren 138 Singlehaushalte, 135 Paare ohne Kinder und 183 Paare mit Kindern, sowie 42 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 96 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 309 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • vor 1618: 35 Haushaltungen • 1747: 50 Haushaltungen • 1812: 75 Feuerstellen, 791 Einwohner • 1821: 75 HäuserThomas Klein: Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815–1845. Reihe A: Preußen. Band 11: Hessen-Nassau einschließlich Vorgängerstaaten. Marburg 1979, S. 115.
Historische Religionszugehörigkeit • 1885: 648 evangelische (= 97,15 %), 2 katholische (= 0,30 %), 17 jüdische (= 2,55 %) Einwohner • 1961: 1104 evangelische (= 87,07 %), 153 katholisch (= 12,07 %) Einwohner
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bildung Kindergarten In Altengronau gibt es den Kindergarten „Sonnenschein“. Er bietet Platz für bis zu 70 Kinder, die in 3 Gruppen aufgeteilt sind: altersübergreifenden Gruppe ab 2 Jahren, Kindergartengruppe ab 3 Jahren und externe WaldgruppeKindertagesstätte „Sonnenschein“, aufgerufen am 7. April 2022
Schulen Schon früh, im Jahr 1666 wird ein erstes Schulhaus in Altengronau erwähnt. Mit dem Anwachsen der Schülerzahl wurden neue Standorte und Gebäude zu Schulzwecken genutzt, so auch die Huttenburg. In Altengronau gibt es heute die Hans-Elm-Schule. Es ist eine Grund-, Haupt- und RealschuleGrundschule Marjoß wird geschlossen - Vorsprung OnlineHans-Elm-Schule, aufgerufen am 5. April 2022. Sie wird nicht nur von Kindern aller Ortsteile der Gemeinde Sinntal, sondern auch von den Schülern des zur Stadt Steinau gehörenden Nachbarortes Marjoß besucht.
Weiterführende Schulen gibt es in Schlüchtern mit dem Ulrich-von-Hutten-Gymnasium, in Wächtersbach mit der Friedrich-August-Genth-Schule (Kooperative Gesamtschule), in Gelnhausen dem Grimmelshausen-Gymnasium und in Bad Soden-Salmünster der Henry-Harnischfeger-Schule (Integrierte Gesamtschule).
Bauwerke Huttenburg Altengronau Wasserschloss Altengronau Christi-Himmelfahrt-Kirche (evangelisch)