mini|Plan der Agora am Ende der klassischen Periode (ca.  300 v. Chr.); die Stoa Poikile ist Nummer 11 Die Stoa Poikile () war eine Stoa genannte Säulenhalle an der Nordwestseite der Agora im antiken Athen. Errichtet um 470/460 v. Chr. in dorischer Ordnung, war sie bekannt einerseits wegen ihrer Tafelgemälde im Inneren, anderseits wegen ihrer Bedeutung für die griechische Philosophie, insbesondere des Stoizismus, dessen Begründer Zenon von Kition in der Säulenhalle lehrte.

Geschichte Die häufig in literarischen und epigraphischen Quellen erwähnte Stoa Poikile,Die Quellen sind zusammengestellt bei: Richard Ernest Wycherley: Literary and Epigraphical Testimonia (= The Athenian Agora: Results of Excavations Conducted by the American School of Classical Studies at Athens. Band 3). American School of Classical Studies at Athens, Princeton [N. J.] 1957, S. 31–45. oft auch einfach nur Poikile genannt, ließ um 470/460 v. Chr. Peisianax, wohl ein Schwager Kimons, errichten. Sie war daher ursprünglich als „Peisianakteische Stoa“ () bekannt.Diogenes Laertios 7,1,5; ; Plutarch, Kimon 4,5; Scholion zu Demosthenes 20,112; Harpokration s.v. ; zur Beziehung des Peisianax zu Isodike, der Schwester Kimons, siehe Johannes Kirchner: Prosopographia Attica. Reimer, Berlin 1901, S. 507 Nr. 7712 (Digitalisat); John K. Davies: Athenian Propertied Families, 600-300 B.C. Oxford University Press, Oxford 1971, S. 376–378; zur Datierung Lilian H. Jeffery: The Battle of Oinoe in the Stoa Poikile. In: Annual of the British School at Athens. Band 60, 1965, S. 41–57, hier S. 41–42. Ob Peisianax als Stifter und Bauherr aufzufassen ist, der auch Einfluss auf die Ausgestaltung der Säulenhalle und ihre Gemälde hatte, oder lediglich einer Baukommission vorstand, die für Ausschreibung und Bauüberwachung zuständig war, ist umstritten.Friedrich Koepp: Das Gemälde der Schlacht bei Oinoë in der Stoa Poikile zu Athen. In: Rheinisches Museum für Philologie. Band 69, 1914, S. 160–169, hier S. 164 f. (Digitalisat). Im Inneren der Stoa befanden sich Gemälde von Polygnotos, einem der brühmtesten Maler der griechischen Antike, von seinem Zeitgenossen Mikon und möglicherweise von Panainos, einem mit Phidias verwandten Maler. Die Zuweisung einzelner Gemälde an die Maler variiert in der literarischen Überlieferung.Etwa zum Gemälde der Marathonschlacht: von Mikon laut Aelian, De Natura Animalium 7,38; Arrian, Anabasis 7,13,5; Harpokration s. v. Μίκων; Sopatros, Diairesis Zētēmatōn 340 f.; von Polygnotos laut Aelian, De Natura Animalium 7,38; von Panainos laut Pausanias 5,11,6; Plinius, Naturalis historia 35,57; siehe auch Richard Ernest Wycherley: Literary and Epigraphical Testimonia (= The Athenian Agora: Results of Excavations Conducted by the American School of Classical Studies at Athens. Band 3). American School of Classical Studies at Athens, Princeton [N. J.] 1957, S. 31 und 45 Note 3. Das Gemälde der Schlacht von Marathon galt Demosthenes,Demosthenes, Neaira (49),94. AischinesAischines, Gegen Ktesiphon 186. und andere Autoren als wichtiges Denkmal für den Heldenmut der Vorfahren.Z. B. Himerios, Reden 10,2,3. Bronzeschilde, die von den Spartanern in der Schlacht von Sphakteria 425 v. Chr. und bei der Belagerung von Skione 421 v. Chr. erbeutet worden waren, wurden in der Stoa aufgestellt, wo sie noch im 2. Jahrhundert n. Chr. zu sehen waren.Pausanias 1,15,4.

Laut Diogenes Laertios stand die Stoa mit der Ermordung von mehr als 1500 Athenern während der oligarchischen Herrschaft der Dreißig im Jahr 403 v. Chr. in Verbindung.Diogenes Laertios 7,1,5. Es ist unklar, ob die Stoa der Ort der Verurteilung oder tatsächlich der Hinrichtung war.Richard Ernest Wycherley: Literary and Epigraphical Testimonia (= The Athenian Agora: Results of Excavations Conducted by the American School of Classical Studies at Athens. Band 3). American School of Classical Studies at Athens, Princeton [N. J.] 1957, S. 36. Quellen aus der Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. erwähnen die Nutzung des Ortes als Gericht und als Ort für offizielle Schiedsverfahren.IG II² 1641, 1670; Demosthenes, Stephanos I (45),17.

Ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. lehrten Philosophen häufig in der Stoa. Der Kyniker Krates von Theben verbrachte dort seine Zeit.Apuleius, Florida 14. Sein Schüler Zenon von Kition war besonders eng mit der Stoa verbunden, in der er von etwa 300 v. Chr. bis zu seinem Tod um 262 v. Chr. lehrte. Laut Suda wurde er deswegen Stoikos (),. die Anhänger der von ihm gegründete philosophische Schule daher Stoikoi genannt.Diogenes Laertios 7,1,5. Hiervon leitet sich der moderne Begriff Stoizismus ab. Der Komödiendichter Theognetos aus dem späten 3. Jahrhundert v. Chr. erwähnt in einem Witz über Philosophen „belanglose Wortwechsel aus der Stoa Poikile“.Theognetos bei Athenaios, Deipnosophistai 3,104b. Manche Philosophen sprachen zu ihren Anhängern, während sie in der Stoa auf und ab gingen.Lukian, Dialogi Meretricii 10,1. Das rege Treiben zog auch Bettler an, die sich bei der Stoa aufhielten.Diogenes Laertios 7,1,22. Der Rhetor Alkiphron berichtet im 2. Jahrhundert n. Chr. in seinen fiktiven Briefen von einem „barfüßigen, totenbleichen Weltweisen, deren sich einige um Poikile herum aufhalten“Alkiphron, Epistulae 1,3,2. und von „von geschwätzigen Philosophen bevölkert“.Alkiphron, Epistulae 3,53,2–3 (3,17,2–3). Lukian von Samosata schildert in mehreren Werken Philosophen, die dort lehren und debattieren.Lukian, Icaromenippus 34; Dialogi Meretricii 10, 1. In der römischen Kaiserzeit war der Bereich vor der Stoa ein Ort der Gaukler und der Straßenunterhaltung, wie der Schriftsteller Apuleius im 2. Jahrhundert n. Chr. zu berichten weiß.Apuleius, Metamorphosen 1,4. Im 2. Jahrhundert n. Chr. standen Bronzestatuen von Hermes Agoraios, Solon, Seleukos und anderen vor der Stoa.Pausanias 1,15,1 – 1,16,1.

In hellenistischer Zeit wurde über der Straße an der Westseite der Halle ein Tor zur Agora gebaut, das sich bündig der Stoa anschloss.T. Leslie Shear, Jr.: The Athenian Agora: Excavations of 1980-1982. In: Hesperia. Band 53, 1984, S. 1–57, hier S. 19–24. Die Stoa überstand die Herulische Plünderung des Jahres 267 n. Chr. offenbar unbeschadet. In Briefen aus dem Jahr 396 n. Chr. erwähnt Synesios von Kyrene, dass die Gemälde, offenbar kurz zuvor, von einem römischen Statthalter entfernt worden waren.Synesios, Epistulae 54. 135. Das Gebäude stand noch im 5. Jahrhundert n. Chr., als westlich davon eine „spätrömische Stoa“ errichtet wurde; dieses Gebäude lehnte sich an die Westwand der Stoa Poikile an.T. Leslie Shear, Jr.: The Athenian Agora: Excavations of 1980-1982. In: Hesperia. Band 53, 1984, S. 1–57, hier S. 15–16. Schuttreste deuten darauf hin, dass die Stoa im 6. Jahrhundert n. Chr. außer Gebrauch geriet und als Baumaterial diente.T. Leslie Shear, Jr.: The Athenian Agora: Excavations of 1980-1982. In: Hesperia. Band 53, 1984, S. 1–57, hier S. 16–17.

Die Stoa wurde im Rahmen der Agora-Ausgrabungen der American School of Classical Studies at Athens freigelegt. Die Fundamente der Stoa wurden zwischen 1980 und 1982 unter der Leitung von T. Leslie Shear, Jr. entdeckt.T. Leslie Shear, Jr.: The Athenian Agora: Excavations of 1980-1982. In: Hesperia. Band 53, 1984, S. 1–57, hier S. 1. Die Ausgrabung der Stoa wurde 1981 von Ione Mylonas Shear sowie Margaret Miles und 1982 von John McK. Camp II. durchgeführt.T. Leslie Shear, Jr.: The Athenian Agora: Excavations of 1980-1982. In: Hesperia. Band 53, 1984, S. 1–57, hier S. 5 Anm. 4. Wegen der damals noch existierenden Überbauungen konnte lediglich die westliche Ecke der Stoa untersucht werden. Architekturfragmente, die zu den Fundamenten passten, wurden verstreut um die nordwestliche Ecke der Agora gefunden.T. Leslie Shear, Jr.: The Athenian Agora: Excavations of 1980-1982. In: Hesperia. Band 53, 1984, S. 1–57, hier S. 8. Im Jahr 2022 wurde die neuzeitliche Überbauung im nordöstlichen Bereich der Stoa abgerissen, um deren weitere Ausgrabung und archäologische Untersuchung zu ermöglichen.Nikolas Zois: , 21. Oktober 2022 auf kathimerini.gr (abgerufen am 19. Mai 2026).

Baubeschreibung mini|Fundamente des westlichen Endes der Stoa Poikile, von Südwesten aus gesehen. mini|Die Ausgrabungsstätte in der nordwestlichen Ecke der Agora, von Süden aus gesehen. Rechts die Stoa Poikile Die Stoa befand sich an der nordwestlichen Ecke der Agora, nördlich des Panathenäischen Straße. Direkt westlich traf eine schmale Straße von Norden kommentd auf die Agora.T. Leslie Shear, Jr.: The Athenian Agora: Excavations of 1980-1982. In: Hesperia. Band 53, 1984, S. 1–57, hier S. 5. Nördlich der Halle schloss ein noch in klassischer Zeit errichtetes Geschäftshaus direkt an die Stoa Poikile an.John McK. Camp II: Excavations in the Athenian Agora 1996 and 1997. In: Hesperia. Band 68, 1999, S. 255–283, hier S. 274–281. Im Süden verlief der Abfluss des Eridanus. Im Südwesten, auf der anderen Seite der Panathenäischen Straße, lagen die Stoa Basileios, das Leokorion und der Zwölfgötter-Altar.T. Leslie Shear, Jr.: The Athenian Agora: Excavations of 1980-1982. In: Hesperia. Band 53, 1984, S. 1–57, hier S. 2–5.

Die Stoa war von Südwesten nach Nordosten ausgerichtet. Erhalten und bislang dokumentiert ist sie lediglich im Bereich ihres südwestlichen Endes. Das Fundament der Rückwand ist rund 1,40 Meter breit und konnte auf einer Länge von 10,40 Metern freigelegt werden.T. Leslie Shear, Jr.: The Athenian Agora: Excavations of 1980-1982. In: Hesperia. Band 53, 1984, S. 1–57, hier S. 5–7. Die Gesamtlänge der Stoa ist unbekannt, wird aber auf etwa 46 Meter geschätzt.T. Leslie Shear, Jr.: The Athenian Agora: Excavations of 1980-1982. In: Hesperia. Band 53, 1984, S. 1–57, hier S. 17. Die westliche Seitenwand war 12,60 Meter lang und in ihrem Fundament 2,68 Meter stark. Das Fundament bestand aus drei Stufen aus hartem, feinkörnigem Poros von sehr feiner Verarbeitung, die mit eisernen Doppel-T-Klammern präzise verbunden und mit Blei abgedichtet waren.T. Leslie Shear, Jr.: The Athenian Agora: Excavations of 1980-1982. In: Hesperia. Band 53, 1984, S. 1–57, hier S. 5. In der Euthynterie wurden Blöcke verbaut, die zum Teil aus einem älteren Bauzusammenhang stammen müssen. So weist einer der Blöcke eine Kalos-Inschrift auf, die in ihrem neuen Bauzusammenhang nicht mehr lesbar war.T. Leslie Shear, Jr.: The Athenian Agora: Excavations of 1980-1982. In: Hesperia. Band 53, 1984, S. 1–57, hier S. 14.

Die Südseite der Stoa bildete die Hauptfassade. Sie bestand aus vier Stufen und einer Säulenstellung dorischer Ordnung mit einem Säulenjoch von 1,998 Metern.T. Leslie Shear, Jr.: The Athenian Agora: Excavations of 1980-1982. In: Hesperia. Band 53, 1984, S. 1–57, hier S. 7–9. Darüber befand sich ein 0,718 Meter hoher Triglyphenfries. Die Triglyphen waren 0,384 Meter breit und aus Poros; die zwischen die Triglyphen eingelassenen marmornen Metopen maßen 0,615 Meter in der Breite. Dieser Fries setzte sich an der West- und Ostseite der Stoa fort.T. Leslie Shear, Jr.: The Athenian Agora: Excavations of 1980-1982. In: Hesperia. Band 53, 1984, S. 1–57, hier S. 9. Im Inneren befand sich eine Säulenreihe aus schmaleren ionischen Säulen mit Poros-Schäften und Marmorkapitellen, die den Dachfirst trugen.T. Leslie Shear, Jr.: The Athenian Agora: Excavations of 1980-1982. In: Hesperia. Band 53, 1984, S. 1–57, hier S. 9–12. Damit ist es das früheste bekannte Gebäude in Athen, das die dorische und ionische Säulenordnung kombiniert.T. Leslie Shear, Jr.: The Athenian Agora: Excavations of 1980-1982. In: Hesperia. Band 53, 1984, S. 1–57, hier S. 12. Eine Reihe grober Porosblöcke, die sich entlang der Innenseite der Rückwand erstreckt, trug vermutlich eine Bank.T. Leslie Shear, Jr.: The Athenian Agora: Excavations of 1980-1982. In: Hesperia. 'Band 53, 1984, S. 1–57, hier S. 12–13.