Die Stadt Drensteinfurt (Stewwert im Niederdeutschen) ist eine kreisangehörige Stadt im Kreis Warendorf südlich von Münster in Nordrhein-Westfalen. Zur Stadt Drensteinfurt gehören die Ortschaften Drensteinfurt, Rinkerode und Walstedde. (PDF; 254 kB)
Geographie Drensteinfurt liegt an der Werse und grenzt (im Uhrzeigersinn, beginnend im Nordosten) an die Städte und Gemeinden Sendenhorst und deren Stadtteil Albersloh (Kreis Warendorf), Ahlen (Kreis Warendorf), Heessen (kreisfreie Stadt Hamm), Bockum-Hövel (kreisfreie Stadt Hamm), Ascheberg (Kreis Coesfeld) sowie Münster (kreisfreie Stadt).
Drensteinfurt ist umgeben von Feldern und Wiesen, die hauptsächlich für die Rinderzucht genutzt werden. Hecken und kleinere Waldstücke unterbrechen die Felder und dienen als Rückzugsort für viele Wildtiere. Zusammen mit einem gut ausgebauten Radwegenetz und den vielen Feld- und Wirtschaftswegen ergibt sich das typische Bild der „Münsterländer Parklandschaft“.
Teile der Waldgebiete Davert und Hohe Ward umgeben den Ortsteil Rinkerode. Die Davert ist als Waldgebiet relativ jung. Nach der Markenteilung zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde diese sumpfige Landschaft größtenteils trockengelegt und aufgeforstet. Heute prägen vor allem Eichen- und Buchenwälder im Wechsel mit landwirtschaftlichen Nutzflächen dieses immer noch relativ dünn besiedelte Gebiet. Die Hohe Ward ist aufgrund des sandigen Bodens zum Teil mit Waldkiefern aufgeforstet worden. Die feuchteren Randbereiche auf etwas schwereren Böden sind aber ebenfalls von Laubwäldern geprägt. Die Hohe Ward wird neben der Naherholung vor allem zur Trinkwassergewinnung der Stadt Münster genutzt.
Ortsteile alternativtext=|mini|Ortsteile von Drensteinfurt mini|Das Schloss von Drensteinfurt Drensteinfurt Walstedde Rinkerode Mersch liegt etwa drei Kilometer von Drensteinfurt an der Bahnstrecke Münster–Hamm. Bemerkenswert ist in diesem Stadtteil das Wasserschloss Haus Venne. Ameke liegt im Süden von Drensteinfurt zwischen Mersch und Walstedde und hat als Sehenswürdigkeit die kleine Kapelle St. Georg.
Geschichte Name Der Name Drensteinfurt leitet sich von zwei Begriffen ab, zum einen dem Dreingau, was so viel wie fruchtbares Land heißt, und zum anderen von der im Mittelalter vorhandenen steinernen Furt, die der einzige Übergang über die Werse war.
9. Jahrhundert/erste urkundliche Erwähnung mini|hochkant|Bronzeskulptur mit Walbraht und dem Heiligen Alexander beim Überqueren der Wersefurt in Drensteinfurt (Ansicht aus 2012) Drensteinfurt wird zum ersten Mal im Jahr 851 im Zusammenhang mit der Alexander-Translation urkundlich erwähnt. Walbraht, ein Enkel Widukinds, überführte Gebeine des Märtyrers Alexander von Rom nach Wildeshausen. Auf dieser Reise machte sein Tross halt in „Stenvorde in regione Dreni“. Zur damaligen Zeit bestand Drensteinfurt nur aus einem Oberhof an einer steinernen Furt in der Werse. Diese verkehrsgeographisch günstige Lage führte dazu, dass die Siedlung schnell eine zentralörtliche Bedeutung für die umliegenden Bauernhöfe bekam. Vermutlich bestand die Siedlung jedoch schon im 7. Jahrhundert.
12. bis 14. Jahrhundert Mit der Zeit wuchs die Siedlung immer weiter, und es wurde bald eine Pfarrgemeinde gegründet. Die erste Kirche, damals noch eher eine Privatkirche des Hofes des Grundherren, wurde ca. 1170 errichtet. Damit wurde aus dem recht losen Siedlungsgebilde allmählich ein kleines Dorf. Ab ca. 1300 konnten erste Ansätze einer Verstädterung gesehen werden, da zu diesem Zeitpunkt die ersten festen Gebäude aus Stein errichtet wurden. Eines der ersten Gebäude war neben der Kirche das Haus Steinfurt – das Herrschaftshaus der Grundherren. Ab 1428 wurde erstmals von einem Wigbold gesprochen.
15. Jahrhundert/Stadtbefestigung Mit den verstärkt einsetzenden Wüstungen im 15. Jahrhundert wuchs auch Drensteinfurt immer weiter. Bauern und Siedler aus dem Umland siedelten sich in Dorfnähe an. Dies erhöhte zwar auf der einen Seite die Bevölkerungsdichte, führte aber auch dazu, dass viele Bauernhöfe nun für Angreifer sehr konzentriert und in exponierter Lage waren. Aus diesen Gründen wurde eine Stadtbefestigung mit vier Stadttoren errichtet, deren ungefähre Position im heutigen Stadtbild durch Steinmauern wieder kenntlich gemacht wurden. Die Stadttore entstanden 1437 und 1468. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Befestigung nochmals verstärkt. Trotz der Kriegswirren im 16. und 17. Jahrhundert blieb die Stadt von größerem Unheil verschont.
16. bis 18. Jahrhundert Diese Jahrhunderte waren von starken städtebaulichen Erweiterungen geprägt. Vorangetrieben durch die Grundherren auf Haus Steinfurt wurden z. B. viele Gaden errichtet. Die meisten Baudenkmäler und Sehenswürdigkeiten der Stadt stammen aus dieser Zeit.
19. Jahrhundert/Industrialisierung/Strontianitabbau Ein wichtiger Impuls für die Wirtschaft des Ortes war der 1846 begonnene Bau der Eisenbahnstrecke von Münster nach Hamm. Innerhalb von zwei Jahren wurde die 34,7 km lange Strecke fertiggestellt. Als einziger Zwischenhalt entstand ein Bahnhof in Drensteinfurt. Dieser diente zu Beginn vor allem dem Transport von Vieh, übernahm jedoch in der Zeit des Strontianitbergbaus eine zentrale Funktion beim Abtransport des als Katalysator in der Zuckerindustrie verwendeten Minerals. Dabei wurde das Strontianit mit Pferdefuhrwerken sogar aus Ascheberg und Herbern zum Drensteinfurter Bahnhof gebracht und abtransportiert.Werner Bockholt: Drensteinfurt – Ein kleiner geschichtlicher Abriß. Veröffentlichung des Drensteinfurter Stadtarchivs, Drensteinfurt 1989, S. 21.
In der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlangte Drensteinfurt wirtschaftlichen Wohlstand durch den Abbau von Strontianit. 1877/78 wurden die ersten Schachtanlagen Bertha und Maria in der Bauerschaft Rieth errichtet. In den umliegenden Bauerschaften entstanden daraufhin weitere Schachtanlagen. Der wirtschaftliche Erfolg dauerte jedoch nicht lange an. 1930 schloss der letzte Betrieb. Noch immer zeugen Gebäude wie die Villa Schmidt von dem Reichtum, den der Abbau mit sich brachte. Heute erinnern die Strontianitstraße im Industriegebiet Viehfeld und der Strontianitlehrpfad im Adenauer-Wohngebiet an diese Zeit der Drensteinfurter Stadtentwicklung.
1939–1945 Über 200 Männer und zwei Frauen aus Drensteinfurt fanden während des Zweiten Weltkriegs oder danach in Gefangenschaft den Tod oder wurden vermisst. Hinzu kamen die Opfer der Fliegerangriffe und die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus.
Zwischen 1940 und 1945 fanden im Raum Drensteinfurt mehrfach Fliegerangriffe und Bombenabwürfe statt. Der mit 64 Toten und 200 Verletzten (davon 60 schwer) schwerste Bombenangriff fand um ca. 11 Uhr am 23. März 1944 statt. Dabei wurden 496 schwere Sprengbomben auf das Stadtgebiet und die angrenzenden Fellergärten abgeworfen. Viele Gebäude im Innenstadtbereich wurden vollständig zerstört oder schwer beschädigt. Konnte sich Drensteinfurt bis dahin die Bausubstanz aus dem Mittelalter erhalten, wurde durch die Bombenangriffe eine umfangreiche Sanierung und Neubebauung nötig.
Der letzte Bombenangriff auf Drensteinfurt erfolgte in der Nacht vom 26. auf den 27. März 1945. Dabei wurde das Haus Dieckmann auf dem Westwall getroffen. Neun Bewohner starben.Ute Aschwer, Werner Bockholt: Drensteinfurt 1933–1945. Kardinal-von-Galen-Gymnasium, Münster 1994, S. 62 ff. Am 31. März 1945 endete mit dem Einmarsch amerikanischer Einheiten der Zweite Weltkrieg in Drensteinfurt, nachdem 80 Lehrgangsteilnehmer einer Militärschule in Detmold vergeblich versucht hatten, die Stadt zu verteidigen.
In der Zeit von 1933 bis 1945 wurden die jüdischen Bürger Drensteinfurts zunehmend ausgegrenzt und verfolgt. 1938 lebten 27 oder 28 Juden in der Stadt. Während der Novemberpogrome 1938 (9.–10. November 1938) wurden etliche Juden schwer misshandelt, der jüdische Friedhof geschändet und die Synagoge verwüstet. Das restaurierte Gebäude ist heute eine „Kulturstätte mit erinnerndem und mahnendem Charakter“.
Die Familien Simon, Siegfried, Hubert Terhoch und dessen Bruder Alex emigrierten Ende 1938 nach Uruguay. Zehn jüdische Drensteinfurter blieben im Ort. Im Dezember 1941 wurden sie auf einem Lastwagen nach Münster verbracht und von dort mit der Reichsbahn nach Riga in das Konzentrationslager verschleppt. Außer Herta Salomon wurden sie alle dort ermordet. Herta Salomon wanderte 1949 nach Israel aus.Werner Bockholt: Drensteinfurt – Eine Stadtgeschichte, Band 1, Warendorf 1994; Drensteinfurt 1933–1945, herausgeg. vom Grundkurs Deutsch 13, Kardinal-von-Galen-Gymnasium, Münster 1994.
Geplante Großprojekte der 1960er und 1970er Jahre Protonenbeschleuniger Im Jahr 1967 war die Stadt Drensteinfurt der einzige deutsche Kandidat, den die Bundesrepublik Deutschland ins Rennen um den Standort eines Teilchenbeschleunigers der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) schickte.Werner Bockholt: Drensteinfurt – Eine Stadtgeschichte. Schnell Buch und Druck GmbH & Co. KG, Warendorf 1994, S. 253. 1963 hatte sich CERN entschlossen, in einem der Mitgliedsstaaten eine solche Forschungsanlage zu errichten. Jedes Mitgliedsland legte Kandidaten fest. Nachdem die anderen deutschen Kandidaten Ebersberger Forst bei München und Saarlouis im Saarland von einer Fachkommission im Bundesforschungsministerium abgelehnt worden waren, blieb Drensteinfurt als einziger Kandidat im Rennen.Werner Bockholt: Drensteinfurt – Eine Stadtgeschichte. Schnell Buch und Druck GmbH & Co. KG, Warendorf 1994, S. 254. Im Jahre 1966 fanden im Ortsteil Mersch erste Probebohrungen zur Untersuchung der geologischen Beschaffenheiten statt. Das Ergebnis wies Drensteinfurt als geologisch ideal für eine solche Einrichtung aus. Auch die anderen von CERN gestellten Bedingungen wurden erfüllt.CERN Council and Committee of Council: 37th Session of the Council, 14 March 1968. Comments on the Reports CERN-760 and Complementary Data for the Site of Drensteinfurt, presented by the German Delegation. Genf 1968. tektonisch ruhige Lage Nähe einer größeren Stadt (Münster, Hamm, Ruhrgebiet) Nähe einer Hochschule (Münster, Ruhrgebiet) Nähe von Autobahn und Eisenbahn (A 1, A 43, Bahnstrecke Münster–Hamm) Infrastruktur für großen Strom- und Wasserverbrauch
Die Baukosten wurden auf 1,5 bis 2 Milliarden DM veranschlagt. Im Jahre 1969 sollte mit den Bauarbeiten begonnen werden, doch die Entscheidung wurde hinausgezögert, als Großbritannien aus der Finanzierung aussteigen wollte. Auch Frankreich konnte keine verbindliche Finanzierungszusage geben. Erst im Sommer 1969 wurde eine Entscheidung getroffen: Der Teilchenbeschleuniger sollte nicht gebaut werden.Werner Bockholt: Drensteinfurt – Eine Stadtgeschichte. Schnell Buch und Druck GmbH & Co. KG, Warendorf 1994, S. 255. Erst 1989 wurde dann tatsächlich mit dem LEP ein Teilchenbeschleuniger von CERN gebaut – allerdings am Stammsitz von CERN in Genf.
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