Hinterzarten ist eine Gemeinde und ein Höhenluftkurort im Südschwarzwald etwa 25 Kilometer östlich von Freiburg im Breisgau. Die Gemeinde ist ein Ausgangspunkt für Wanderungen und Wintersport im Hochschwarzwald.
Zu den bekannten Wanderzielen gehört die Ravennaschlucht, deren Wege durch bewaldete Schluchtenlandschaften entlang des Ravenna-Bachs führen. Ein weiterer Wanderweg ist der nach dem früheren Ortssheriff „Säbelthoma“ benannte Säbelthomaweg, der unter anderem zum Mathisleweiher führt.
Die Bedeutung des Ortes für den Wintersport wird durch das Schwarzwälder Skimuseum sowie das Adler-Skistadion unterstrichen. Beide Einrichtungen dokumentieren die frühe Entwicklung des Skisports im Hochschwarzwald.
Geographie rechts|mini|Hinterzarten: Blick auf Kirche und Adlerschanze
Geographische Lage Geografisch reicht Hinterzarten mit bis knapp an den Feldberg, die mit höchste Erhebung des Schwarzwaldes, und bis an das südwestliche Ende des Titisees bei . Tiefster Punkt ist der Sternenrank (am unteren Ende des Löffeltals) mit .Höhenangaben auf der offiziellen Website, abgerufen am 18. August 2018. Hinterzarten befindet sich im Naturpark Südschwarzwald und wird vom Zartenbach durchflossen. Dieser wird abschnittsweise, besonders im Löffeltal, auch Rotbach genannt. Sein Wasser und Bachbett sind zumindest zeitweise rot gefärbt.
Klima mini|Niederschlagsdiagramm
Der Jahresniederschlag beträgt 1406 mm und liegt damit im oberen Zehntel der von den Messstellen des Deutschen Wetterdienstes erfassten Werte. Über 96 % zeigen niedrigere Werte an. Der trockenste Monat ist der September; am meisten regnet es im Dezember. Im niederschlagsreichsten Monat fällt ca. 1,8 mal mehr Regen als im trockensten Monat. Die jahreszeitlichen Niederschlagschwankungen liegen im oberen Drittel. In über 83 % aller Orte schwankt der monatliche Niederschlag weniger.
Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind Breitnau, Titisee-Neustadt, Lenzkirch, Feldberg (Schwarzwald) und Oberried, alle zum Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald gehörend.
Gemeindegliederung mini|Die Kirche vom Schnee bedeckt
Zur Gemeinde Hinterzarten gehören das Dorf Hinterzarten, die Zinken Alpersbach, Am Feldberg, Bisten (t.w. auch zu Breitnau), Bruderhalde, Erlenbruck, Löffeltal, Oberzarten, Rinken, Rotwasser, Windeck und Winterhalde und die Wohnplätze Altenvogtshütte (Auf Stucken), Ramselegut, Dorneck, Fürsatz(hof) und Silberberg. Im Gemeindegebiet liegen die abgegangenen Ortschaften Bankgallihof, Bäuerlehof, Imberihof, Rufenhof, Seehäusle und Waldhof.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Freiburg. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-007174-2, S. 99–101.
Geschichte mini|Hinterzarten (um 1910) mini|Deutsches Uhrenmuseum: Jockele-Uhr
Bis zum 19. Jahrhundert 1148 wurde mit der Weihe der St. Oswaldkapelle im Höllental die Keimzelle der Hinterzartener Pfarrgemeinde erstmals urkundlich erwähnt.Ekkehard Liehl: Hinterzarten. 1986, S. 62. Im 13. Jahrhundert wurde es ein beliebter Wallfahrtsort, weil eine Schwefelquelle heilende Wirkung versprach. Einen Mineralgehalt des Wassers aus der Quelle, die sich in der Schwefelmatte zwischen Erlenbrucker Straße und Zartenbach befunden hat, konnte man später nicht nachweisen.Ekkehard Liehl: Hinterzarten. 1986, S. 112 f. Die zugehörige Wallfahrtskirche wurde, wie auch der heutige Neubau, bereits Maria in der Zarten genannt. Wegen der Straße durch das Höllental wurde die weltliche Vogtei bis ins 18. Jahrhundert hinein als Hinter der Straß bezeichnet, während das benachbarte Breitnau Vor der Straß hieß. Bis ungefähr 1750 vermischten sich Hinter der Straß und in der Zarten zu dem, was heute der Name des Ortes Hinterzarten ist.Ekkehard Liehl: Hinterzarten. 1986, S. 12 f.
Das Gebiet um Hinterzarten, Bärental, Höllental und Gebiete am Feldberg war großteils in Falkensteinischem Besitz. Die Falkensteiner veräußerten es dann an die Schnewlin. Durch Heirat der letzten Erbtochter Anna von Schnewlin kam das Gebiet 1588 an die Herren von Sickingen, deren Wappen als kleines Wappen im Gemeindewappen von Hinterzarten zu sehen ist. Die Sickingen behielten den Ort bis 1810, als er an das Großherzogtum Baden überging. Weitere Anteile besaßen die mit den Sickingern verwandten Herren von Pfirt. Der Anteil der Pfirter kam an Freifrau Meyronnet und Montureux und 1844 durch Verkauf an den Besitzer der Poststation Posthalde und die 1806 erneuerte Gastwirtschaft Sternen am Höllsteig. 1910 erwarb Baden auch den Gasthof Sternen (ursprünglich erbaut 1446) mit den Waldungen.
Um 1790 fertigte der Uhrmacher Jacob Herbstreith die so genannten Jockele-Uhren, die nach dem Vornamen des Uhrmachers benannt sind (Jockel=Jacob).Ekkehard Liehl: Hinterzarten. 1986, S. 104 f.Otto-Max Herbstritt: Jacob Herbstreith 1763–1845 – Leben und Werke des Uhrenmachers aus Eisenbach im Schwarzwald Eine dieser Uhren ist im Uhrenmuseum von Furtwangen zu sehen.
Gegen 1820 lebten in Hinterzarten 766 Einwohner, die sich hauptsächlich von Viehzucht, Holz sowie von der Herstellung hölzerner Uhren und Löffel ernährten.Johann Andreas Demian (Hrsg.): Geographie und Statistik des Grossherzogthums Baden nach den neuesten Bestimmungen bis zum 1. März 1820 . Karl Groos, Heidelberg 1820, S. 193, ()
20. Jahrhundert Mit der Kirchwaldschanze wurde 1923 die erste Skisprungschanze im Ort gebaut.Ekkehard Liehl: Hinterzarten. 1986, S. 190. Ein Jahr später folgte die Adlerschanze, die 1981 zu einer Mattensprungschanze umgebaut wurde.Ekkehard Liehl: Hinterzarten. 1986, S. 190 f.
Am 27. April 1945 war der Zweite Weltkrieg für die Gemeinde zu Ende.
Im August 1952 fand in Hinterzarten die erste Hochschulreformkonferenz nach Gründung der Bundesrepublik statt. In den 1950er Jahren wurde durch Hermann Druckrey und Adolf Butenandt der Hinterzartener Kreis für Krebsforschung gegründet, in dem einmal im Jahr in ländlicher Abgeschiedenheit über Ergebnisse und Ausrichtung der onkologischen Grundlagenforschung diskutiert wird. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert den Kreis bis heute unter diesem Titel, unabhängig vom aktuellen Tagungsort.
Seit 1964 ist Hinterzarten ein Heilklimatischer Kurort.
Im Jahr 2010 prallte der in Hinterzarten hergestellte Nachbau eines Siemens-Elektrowagens, der Elektrischen Victoria, während einer Probefahrt gegen eine Böschung. Der Fahrer, Professor Wilfried Feldenkirchen, Projektleiter des Nachbaus, erlitt tödliche Verletzungen, vier mitfahrende Studenten wurden, zum Teil schwer, verletzt.Badische Zeitung online am 21. Juni 2010, abgerufen am 21. August 2019
Einwohnerentwicklung Einwohnerzahlen jeweils zum 31. Dezember:
Jahr 1961 1971 1981 1991 2001 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 Einwohner 2001 2203 2141 2423 2613 2457 2453 2446 2476 2514 2532 2544 2583 2631 2583 2608 2702 2688 2510 2521
Politik Verwaltungsgemeinschaft Mit dem nördlich gelegenen Nachbarort Breitnau bildet Hinterzarten seit 1974 eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft. In der entsprechenden Satzung ist festgelegt, dass keine der beiden Gemeinden Änderungen im Flächennutzungsplan ohne Zustimmung der jeweils anderen Gemeinde durchsetzen kann. So kam es etwa im Herbst 2024 dazu, dass Hinterzarten eine in Breitnau geplante Freiflächen-Photovoltaikanlage verhinderte, obwohl der Breitnauer Gemeinderat das auf der eigenen Gemarkung geplante Projekt bereits einstimmig befürwortet hatte.
Gemeinderat Dem Gemeinderat gehören neben dem Bürgermeister als Vorsitzenden zwölf ehrenamtliche Mitglieder an, die von der Bürgerschaft auf fünf Jahre gewählt werden. Bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 gingen alle zwölf Sitze an die (wie schon fünf Jahre zuvor einzig angetretene) „Liste für Hinterzarten“. Die Wahlbeteiligung lag bei 66 % (unverändert gegenüber 2019).
Wahlen Da sich bei den Kommunalwahlen im Ort schon seit langer Zeit keine Parteien mehr zur Wahl gestellt haben, lassen sich parteipolitische Präferenzen der Hinterzartener nur mittelbar aus den Wahlergebnissen auf Landes-, Bundes- und Europaebene erkennen. Hinterzarten gehört zum Landtagswahlkreis 46 Freiburg I und zum Bundestagswahlkreis 288 Waldshut.
Bei den Bundestagswahlen hat die CDU in den letzten Jahrzehnten in Hinterzarten stets als stärkste Partei abgeschnitten. Zwar musste sie 2017 und 2021 jeweils deutliche Verluste hinnehmen, erhielt aber 2025 wieder 35,3 % der Zweitstimmen. Die SPD war bis 2005 zweitstärkste Kraft, erreichte aber 2017 mit 12,9 % nur noch weniger als die Hälfte des Anteils, den sie 15 Jahre zuvor in Hinterzarten erzielt hatte (2002: 27,7 %) und fiel damit noch hinter die Grünen und die FDP zurück. Demgegenüber wurden die Grünen 2017 zur zweitstärksten Kraft in Hinterzarten, konnten diese Position 2021 weiter ausbauen und erreichten sie auch 2025 wieder.
Bei den Landtagswahlen 2026 wurden die Grünen mit einem Stimmenanteil von 38,2 % in Hinterzarten zum dritten Mal (wie bereits 2016 mit 34,2 % und 2021 mit 40,6 %) stärkste politische Kraft. Zuvor hatte die CDU jahrzehntelang jeweils alle anderen Parteien weit hinter sich gelassen, 2006 war sie sogar in die Nähe der 50-%-Marke gekommen (48,5 %).
Bei den Europawahlen 2024 war die CDU mit 36,1 % in Hinterzarten wie fünf Jahre zuvor stärkste Partei, auch wenn sie damit erheblich unter ihrem bei der Europawahl 1999 erzielten Spitzenwert (55,4 %) lag.
Die bei den Bundestags- und Europawahlen erkennbare Dominanz der CDU in Hinterzarten hat eine lange Tradition, die allerdings bei den jüngsten Landtagswahlen bereits dreimal von den Grünen durchbrochen wurde.
+ Ergebnisse der letzten Landtags-, Bundestags- und Europawahlen ParteiEuropa 2024Bundestag 2025(Zweitstimmen)Landtag 2026(Zweitstimmen)CDU36,1 %35,3 %29,7 %Grüne19,4 %20,5 %38,2 %SPD9,5 %12,6 %4,2 %AfD9,1 %12,3 %11,9 %FDP7,6 %6,2 %5,2 %Die Linke2,0 %6,0 %3,9 %BSW4,2 %3,4 %1,1 %Sonstige6,6 %3,9 %5,6 %
Bürgermeister Amtszeit Name 1891–1904 Peter Hensler 1904–1919 Joseph Schindler 1919–1926 Martin Gremminger 1926–1930 Konrad Hofmeier 1930–1937 Martin Gremminger 1937–1945 Franz Börsig 1945–1946 Otto Dietsche Amtszeit Name 1946–1948 Adolf Laule 1948–1951 Oskar Rümmele 1951–1966 Albert Ketterer 1966–1986 Berthold Ruch 1986–2010 Hansjörg Eckert 2010–2026 Klaus-Michael Tatsch seit 2026 Christoph Franke
Quelle: Helmuth Schubert, Politische Geschichte der Gemeinde Hinterzarten
Städtepartnerschaften mini|Gedenktafel Städtepartnerschaft am Rathaus von Hinterzarten
Seit 1969 ist Hinterzarten mit Eguisheim (Elsass) befreundet, 2004 gingen beide Orte eine Jumelage ein.Partnerschaft auf Gemeinde-Hinterzarten.de, abgerufen am 22. November 2018.
Wirtschaft und Infrastruktur Ursprünglich ein reines Bauerndorf, ist Hinterzarten heute stark vom Tourismus geprägt, wozu der Bau der Höllentalbahn (1887) und die Prädikatisierung zum heilklimatischen Kurort (1964) wesentlich beigetragen haben. Die Gemeinde bietet ein umfangreiches Wegenetz für Wanderungen im Sommer wie auch im Winter sowie für Mountainbike-Touren. So verläuft auch der anspruchsvolle sog. Gipfel-Trail von Titisee kommend über 16 km durch Hinterzarten bis zum Nordhang des Feldbergs. Mit dem Säbelthomaweg gibt es seit Mai 2019 auch einen Premium-Wanderweg. Im Winter werden mehrere Langlaufloipen gepflegt und es gibt drei Skilifte.
Hinterzarten liegt außerdem an zwei für Fernwanderer attraktiven Strecken: dem von Freiburg im Breisgau nach Konstanz führenden Schwarzwald-Querweg Freiburg–Bodensee und dem von Pforzheim nach Basel führenden Westweg als Teil des Europäischen Fernwanderwegs E1 vom Nordkap bis nach Süditalien.