250px|mini|Ansicht des «neuen» Wenkenhofs vom französischen Barockgarten (nach André Le Nôtre) aus betrachtet Der Wenkenhof oder kurz Wenken ist die Bezeichnung für zwei am östlichen Ortsrand der schweizerischen Gemeinde Riehen bei Basel gelegene Villen, den «Alten» und den «Neuen» Wenken, samt umgebender grosser Parkanlagen (Wenkenpark). Das Anwesen ist im Schweizerischen Inventar der Kulturgüter von nationaler und regionaler Bedeutung aufgelistet. Der rund 6,3 Hektar umfassende Park hat eine etwa 4 Hektar grosse zentrale Wiesenfläche.Einwohnergemeinde Riehen. Wenkenpark. (PDF), S. 4, aufgerufen am 21. Juni 2022.
Die das Anwesen umgebende Parkanlage wurde mitunter vom französischen Hofgartengestalter André Le Nôtre konzipiert und zählt als eines der ersten Beispiele des französischen Barockgartens (jardin à la française) in der Schweiz.
Geschichte Alter Wenkenhof mini|Der Wenken, ein Kupferstich von Emanuel Büchel, 1750
Der Alte Wenkenhof entstand als Dinghof schon im Frühmittelalter an einem Hanggelände oberhalb der Aue des Flüsschens Wiese. Erstmals urkundlich bezeugt ist er als «Wahinhofen» im Jahr 751, also zur Zeit Karls des Grossen, über 300 Jahre vor der Ersterwähnung des Ortes Riehen.Eine Ansicht der erhaltenen und im Archiv des Klosters St. Gallen befindlichen Urkunde, die auch erstmals eine Kirche in Rötteln bezeugt, ist online abrufbar. Im Jahr 1113 werden Riehen und der Hof («Wahinkofen») in einer Schenkung des Adligen Walcho von Waldeck an das Kloster St. Blasien erwähnt.Regesten der Markgrafen von Baden und Hachberg 1050–1515, herausgegeben von der Badischen Historischen Commission, bearbeitet von Richard Fester, Innsbruck 1892, Band 1, Urkundennummer 35 Nachdem Riehen ab 1522 der Stadt Basel zugehörte, ging der Hof in den privaten Besitz von Johann Jacob Beck (1563–1639) über und wurde Gutshof. Nach 1600 sind bauliche Änderungen belegt. Aus der Zeit seines Schwiegersohnes, Onophrion Merian (1593–1665), der das Gut 1639 übernahm, ist eine getäferte Stube erhalten.
1657 ging der Alte Wenkenhof in den Besitz von Balthasar Graf (* 1605) über, der jedoch bereits 1658 wegen Ehebruch zur Strafe auf eine Galeere verbannt wurde. Es folgten mehrere Besitzerwechsel, bis 1714 Christoph Burckhardt-Merian die Gutsanlage erwarb und das Gelände vergrösserte.
Johann Jakob MerianSchreibweise auch Johann Jacob Merian (* 1741, Suizid 1799), stammte aus der so genannten „älteren Merian-Linie“, er war verheiratet mit Gertrud De Bary und ein Grossneffe von Johannes Zäslin (1697–1752), der 1736 den Neuen Wenken erbauen liess (siehe dort). Johann Jakob Merian gehörte damals auch das Gut Klein Riehen (Bäumlihof). Er ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Johann Jakob Merian (1792–1837) und mit Johann Jakob Merian-Merian (1768–1841), dem Mitgründer von Frères Merian. liess die Ökonomiegebäude des Alten Wenken umbauen und ein heute noch bestehendes Wäldchen an der Bettingerstrasse anlegen. Im späten 18. Jahrhundert entstand das Pächterhaus (es war zeitweise ein selbständiger Bauernhof) und weitere Ökonomiebauten.
Im Alten Wenken wohnte ab 1903 bis zu seinem Tod der Historiker und Staatsarchivar Rudolf Wackernagel. Er erforschte auch die Geschichte des Wenkenhofes. Nach dem Tod von Wackernagels Frau 1931 kaufte Clavel den Alten Wenken hinzu und konnte dadurch die Parkanlage nach Osten erweitern.
1932 schenkte das Ehepaar Clavel den Alten Wenkenhof der Einwohnergemeinde der Stadt Basel, die ihn und das Pächterhaus 1934 renovierte und als Ensemble unter Denkmalschutz stellte.
Neuer Wenkenhof mini|Ansicht auf die Eingangsfront des «neuen» Wenkens, nach Vorbild des ehemaligen Trianon de porcelaine in Versailles 241x241px|mini|Johann Heinrich Zaeslin
1735 wurde das talseitig dem Wenkenhof vorgelagerte Gelände von Johannes ZäslinSchreibweise auch Johann Heinrich Zäslin bzw. Zaeslin; verheiratet mit Elisabeth Hagenbach. Er war ein begüterter Kaufmann, Bankier und Grossrat. erworben. Er liess sich dort 1736, vermutlich von dem Karlsruher Baumeister Johann Carl Hemeling († 1737),Der Architekt und Ingenieur Johann Carl (Charles) Hemeling war für den regierenden Markgrafen Karl III. Wilhelm von Baden-Durlach tätig. Er war unter anderem an mehreren Ausbau- und Umgestaltungsvorhaben am Schloss Karlsruhe beteiligt, wobei er u. a. Entwurfspläne fertigte für die Menagerie (1723) und die Orangerie (1724/25)lineamenta.biblhertz.it. Seit 1728 war er für Bauten des Markgrafen in Basel tätig. Von Hemeling stammen auch die Pläne zum Ramsteinerhof an der Basler Rittergasse und für sein wohl letztes Werk, den barocken Gartensaal des Bäumlihofes bei Riehen. eine eingeschossige barocke Villa (den Neuen Wenken) als Sommersitz nach Vorbildern französischer Lusthäuser (vor allem dem «Trianon de porcelaine» im Schlosspark Versailles) errichten, zu der ein grosser, repräsentativer Barockgarten gehörte. Der Park, dessen Schöpfer nicht bekannt sind, wurde später mehrfach umgestaltet. 1801 übernahm Jakob Bischof-Merian den Wenkenhof. Er beauftragte den Basler Architekten Achilles Huber,Achilles Huber war nach einem Architekturstudium in Zürich, Strassburg und bei Friedrich Weinbrenner in Karlsruhe ab 1803 in und um Basel tätig. Er gilt unter anderem auch als Planer der frühklassizistischen Villa im Binninger St. Margarethenpark, die als sein Meisterwerk angesehen wird. Siehe dazu den Barockgarten in eine Anlage im englischen Stil zu verändern. Das Wenkengut blieb nach Zäslins Tod zum Teil bis 1931 in Besitz der mit ihm verwandten Familien Merian, Bischoff und Burckhardt.
Da der Neue Wenken nur für Veranstaltungen gedacht war, besass er zunächst keine eigene Küche und Unterbringungsräumlichkeiten. Erst im Jahr 1860 wurde er im Empire-Stil nach Planungen des Architekten Johann Jakob Stehlin d. J. aufgestockt und umgebaut zu einem voll funktionsfähigen Wohnhaus. 1870 erbte Martin Burckhardt-Burckhardt den Neuen Wenken samt umgebenden Parkanlagen, er wurde ein eigenständiger, vom Alten Wenken getrennter Hof. Nachfolgender Besitzer war Eduard Burckhardt.
Nach Eduard Burckhardts Tod erwarb 1916/17 der Industrielle Alexander Clavel-Respingerein Nachfahre des Seidenfärberindustriellen Alexander Clavel (1805–1873), der ab 1859 den Textilfarbstoff Fuchsin in Basel produziert hatte, woraus sich später der Konzern Ciba-Geigy/Novartis, durch Ausgliederung die heutige Ciba Spezialitätenchemie AG entwickelten. den Neuen Wenken von der Witwe Eduard Burckhardts. Er liess den Bau durch den Berner Architekten Henry Berthold de Fischer von 1918 bis 1921 neubarock umbauen, unter Rückbau der Ergänzungen Stehlins. An der Zufahrt zur Cour d’honneur wurden 1922 zwei grosse Hirschfiguren aus vergoldetem Blei-Kunstguss auf den Pfeilern des Gittertores angebracht. Clavel liess anschliessend von 1925 bis 1930 nach Plänen des Landschaftsarchitekten Adolf Vivell eine Erweiterung des englischen Landschaftsparkes anlegen. Die Gebrüder MertensWalter Mertens und Oskar Mertens, die Söhne des berühmten Landschaftsarchitekten Evariste Mertens, übernahmen von 1907 bis 1944 gemeinsam den Betrieb des Vaters. 1944 wurde die Firma von Hans Nussbaumer übernommen. erstellten im Auftrag der Clavels eine Bestandsaufnahme der Anlagen und restaurierten den französisch-barocken Gartenteil, von dem trotz der Anglisierung durch Achilles Huber noch einige regelmässige Grundstrukturen vorhanden waren, unter Beibehaltung des nordöstlichen anglisierten Parkbereiches. 1925 kam eine neue Reithalle hinzu. Nachdem 1931 Clavel auch den Alten Wenken gekauft hatte, konnte die Parkanlage nach Osten erweitert werden. 1932/33 erfolgte ein Umbau der dort als erhöhte «Loge» errichteten Pavillons in Form eines neubarocken Treillage-Gittergerüstes, 1933 ein neues Eingangstor. Gegenüber dem Tor, am Hang auf der westlichen Strassenseite, wurde bis 1957 eine Aussichtsterrasse mit Blick auf Basel und das Elsass, sowie im Laufe der 1950er Jahre eine westlich vorgelagerte nochmalige Parkerweiterung landschaftlicher Art angelegt.
1954 wurde die Alexander-Clavel-Stiftung errichtet, an die der Neue Wenkenhof mitsamt Barockgarten übereignet wurde, sodass der Neue Wenken seit 1969 in öffentlichem Besitz ist. Der Barockgarten ist seit 1983 an mehreren Sonntagen im Jahr öffentlich zugänglich. Das Erdgeschoss der Villa wird für gesellschaftliche Anlässe vermietet.
Der Landschaftspark ist heute im Besitz der Gemeinde Riehen und jederzeit öffentlich zugänglich. Der Park wurde eine Stätte für Konzerte des «Stimmen»-Festivals. Ab 2004 begann eine gartendenkmalpflegerische Restaurierung des Landschaftsparks unter Nachpflanzung mehrerer Bäume (u. a. Lindenalleen, Koniferen).
Die Einwohnergemeinde Riehen erwarb die Reithalle. Sie dient seit 1980 als Veranstaltungsort, unter anderem für die jährlich im Juni abgehaltenen «Wenkenhofgespräche», einer mehrteiligen Veranstaltung für Fachleute und ein breiteres Publikum über aktuelle gesellschaftliche Themen. Der Anlass soll als Plattform für Diskussionen und zum Austausch von Ideen dienen. Die Wenkenhofgespräche 2008 stehen unter dem Oberthema Artenvielfalt, Klimawandel und Zukunftsszenarien und bilden einen Teil des Ausstellungsprojektes «Blütenzeit». Diese Ausstellung führt die Gemeinde zusammen mit der Stiftung ProSpecieRara durch, das sich der Pflege und Erhaltung der Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen einsetzt. 2006 wurde erstmals ein Opernfestival dort abgehalten.
Der Alte Wenken mini|Eingang zum «alten» Wenken
Mit dem Alten Wenkenhof meint man die Häusergruppe, die sich schräg gegenüber der Villa, der Neue Wenken, befindet. Diese Baugruppe setzt sich aus einem historisch gewachsenen Hofkomplex zusammen, wie er für bäuerliche Gutsbetriebe seit dem Mittelalter üblich war. Dessen Fundamente gehen vermutlich bis in die romanische Zeit zurück.
Die Baugruppe besteht aus Gebäuden unterschiedlicher Stilrichtungen. Erhalten geblieben ist die Gesamtanlage mit den um einen Innenhof angeordneten vier zentralen Bauten, deren rechteckiger Grundriss von einer Mauer umgeben war.
Der Alte Wenkenhof besteht aus einem Hauptbau, der sich durch einen markanten Treppengiebel auszeichnet, der später durch ein Krüppelwalm ersetzt wurde. Das schlichtere ehemalige Pächterhaus schliesst den Innenhof gegen Osten ab, im Süden steht die vor 1807 erbaute mächtige Hofscheune.
Heute steht die ganze Anlage unter Denkmalschutz und ist Teil des Schweizerischen Inventars der Kulturgüter von nationaler und regionaler Bedeutung im Kanton Basel-Stadt.
Der Neue Wenken mini|Das Eingangstor mit den goldenen Hirschen von Jean Goujon |259x259px
Bautechnische Daten Lusthaus von 1736: Länge: 24,75 Meter Breite: 12 Meter Höhe: 9,75 Meter Neuer Wenkenhof heute: Länge: 24,75 Meter Breite: 12 Meter Höhe: 16,4 Meter
Die Bauphasen des Neuen Wenkenhofes BaujahrObjektBauherrArchitektBaustil 1736 Lusthaus Johann Heinrich Zaeslin Johan Carl Hemeling Französischer Barock (mehrheitlich Louis XV-Stil) 1860 Umbau in ein Wohnhaus Martin Buckhardt-HisJohann Jakob Stehlin d.J. Second Empire1917 1. Renovation/Wiederherstellung Alexander Clavel Henry Berthold von Fischer Barock / Second Empire1973 2. Renovation Kanton Basel-Stadt Suter & Suter Barock (Rekonstruktion des ursprünglichen Baustils)
Die Architektur mini|Der mittlere grosse Saal im Erdgeschoss des neuen Wenken im Louis XV-Stil