Die Paneuropäische Hochschule (slowakisch Paneurópska vysoká škola, kurz PEVŠ; englisch Pan-European University, kurz PEU; bis 2010 Bratislavská vysoká škola práva, kurz BVŠP)Offizielles Statut: (pdf, slowakisch) ist eine private Hochschule in Bratislava, Slowakei. Sie wurde am 14. Juli 2004 gegründet und wird von einer gemeinnützigen Organisation getragen.

Geschichte Zunächst wurden an der Hochschule nur Rechtswissenschaften gelehrt; die damalige Bratislavská vysoká škola práva war die erste private juristische Hochschule der Slowakei. 2005 wurden eine Fakultätsstruktur sowie das Studium der Wirtschaftswissenschaften eingeführt. Es folgten 2007 die Medienwissenschaften und 2008 die Informatik, später die Psychologie. 2010 erhielt die Hochschule ihren heutigen Namen. Seit ihrer Gründung hat sie über 17.000 Absolventen hervorgebracht.

Fakultäten und Studium Die Hochschule gliedert sich in fünf Fakultäten: Fakultät für Recht Fakultät für Ökonomie und Unternehmertum Fakultät für Massenmedien Fakultät für Informatik Fakultät für Psychologie

Im Jahr 2024 bot die PEVŠ 19 akkreditierte Studienprogramme in Bachelor-, Master- und Doktoratsstufe an, in Voll- und Teilzeitform. Zum 31. Oktober 2024 waren 2.394 Studierende eingeschrieben; die Fakultät für Psychologie ist mit 954 Studierenden die größte Fakultät. Die Hochschule verfügt über Habilitations- und Berufungsrechte in Rechtswissenschaften (Straf-, Völker- und Zivilrecht) und Massenmedienstudien und führt Rigorosumverfahren (JUDr., PhDr., RNDr.) durch. Daneben bietet sie Weiterbildungsprogramme (Executive LL.M., LL.B. und MBA) sowie eine Seniorenuniversität an.

Der Lehrkörper umfasste 2024 rund 78 Vollzeitäquivalente, davon 28 Professoren und 21 Dozenten. 2024 wurden ein Forschungs- und Entwicklungszentrum sowie eine Doktorandenschule beim Rektorat eingerichtet. Die Hochschule gibt die Fachzeitschriften Paneurópske právnické listy und Information Technology Applications heraus.

Die PEVŠ ist Mitglied der Compostela Group of Universities und beteiligt sich mit rund 80 Partnerhochschulen am Erasmus+-Programm. Die Gebäude befinden sich in der Tomášikova-Straße (Rektorat, Fakultäten für Recht und Psychologie) und der Tematínska-Straße (Fakultäten für Ökonomie, Massenmedien und Informatik) in Bratislava.

Rektoren Vladimír Mathern (2004–2007) Jozef Klimko (2007–2008) Ján Svák (2008–2017) Juraj Stern (seit 2017)

Plagiatsfälle Seit 2011 wurden fünf Plagiatsfälle bei deutschsprachigen Dissertationen an der Paneuropäischen Hochschule dokumentiert. Darunter waren die Dissertationen von Julia Linnert-Kuhn (eingereicht 2013) und Michael Linnert, den Kindern von Peter Linnert, dem Geschäftsführer des Studienzentrums Hohe Warte in Wien, das Doktoranden aus Österreich gegen Gebühren an die Hochschule vermittelte. Beide Arbeiten bestanden fast vollständig aus Plagiaten; bei Julia Linnert-Kuhn war ihr Vater Zweitgutachter.Simone G.: Hütchenspiele, Teil 3: Sturm und Drang in Bratislava. In: Causa Schavan. 4. April 2016, abgerufen am 7. Februar 2021. Weitere Fälle betrafen die Dissertationen von Alexander Schwendemann,Eine kritische Auseinandersetzung mit der Dissertation von Dr. Alexander Schwendemann. VroniPlag, abgerufen am 19. Januar 2021. Annette SchwendemannEine kritische Auseinandersetzung mit der Dissertation von Dr. Annette Schwendemann. VroniPlag, abgerufen am 19. Januar 2021. und Klaus-Jochen Becker.Eine kritische Auseinandersetzung mit der Dissertation von Dr. Klaus-Jochen Becker. VroniPlag, abgerufen am 19. Januar 2021. Die Plagiatsforscherin Debora Weber-Wulff sah in solchen Fällen eine Ursache für den schlechten Ruf des „Doktor Bratislava“ im deutschen Sprachraum.Theo Anders, Walter Müller, Selina Thaler: Die Titel-Industrie. In: Der Standard, 17. Januar 2021; Jochen Zenthöfer: Doktor aus Bratislava. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. Juni 2018; vgl. VroniPlag: Michael Linnert, Julia Linnert (abgerufen am 19. Januar 2021).

Die Möglichkeit, Hochschulabschlüsse wegen Plagiats nachträglich für ungültig zu erklären bzw. akademische Titel abzuerkennen, wurde in der Slowakei erst mit dem Gesetz Nr. 410/2020 Z. z. zum 1. Januar 2021 eingeführt (§§ 108f–108l des Hochschulgesetzes Nr. 131/2002 Z. z.). Nach der Übergangsbestimmung des § 113ak kann ein solches Verfahren nicht gegen Personen eingeleitet werden, die ihren Abschluss oder Titel vor dem 1. Januar 2021 erworben haben. Alle fünf an der Paneuropäischen Hochschule dokumentierten Fälle waren bereits vor Inkrafttreten dieser Regelung öffentlich bekannt. Das Gesetz eröffnete Absolventen zugleich die Möglichkeit, freiwillig auf einen früher erworbenen Titel zu verzichten.

Qualitätssicherung und akademische Integrität Mit dem Gesetz Nr. 137/2022 Z. z. wurde in der Slowakei der Tatbestand des „akademischen Betrugs“ (§ 62b Hochschulgesetz) eingeführt. Er erfasst insbesondere Abschluss-, Rigorosums- und Habilitationsarbeiten, die nicht selbstständig verfasst wurden, etwa durch Ghostwriting. Für Studierende gilt er als Disziplinarvergehen; die Mitwirkung Dritter ist als Ordnungswidrigkeit bzw. Verwaltungsdelikt sanktioniert (§ 108l).

2023 durchlief die PEVŠ als erste slowakische Hochschule eine externe Evaluation durch das Institutional Evaluation Programme (IEP), ein Mitglied von EUA und ENQA. 2024 folgte die Begutachtung ihres internen Qualitätssicherungssystems durch die slowakische Akkreditierungsagentur SAAVŠ nach dem Gesetz Nr. 269/2018 Z. z. Die Hochschule richtet ihre Qualitätssicherung nach den europäischen Standards ESG aus und hat Grundsätze zur akademischen Integrität veröffentlicht, die Plagiate ausdrücklich ausschließen. Im November 2025 trat ein neuer Ethikkodex (Rektorsrichtlinie Nr. 3/2025) in Kraft.

Weblinks

Offizielle Website (slowakisch, englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Bildung und Forschung in Bratislava Bratislava Bratislava Kategorie:Private Hochschule Kategorie:Bildungseinrichtungsgründung 2004