mini|Wassertrüdingen von Osten mini|Wassertrüdingen von Nordwesten – Blick vom Hesselberg
Wassertrüdingen () ist eine Stadt im mittelfränkischen Landkreis Ansbach in Bayern und zählt zur Metropolregion Nürnberg.
Geographie Geographische Lage Das ehemalige Markgrafenstädtchen Wassertrüdingen liegt oberhalb von an der aus dem Westen in breitem Tal heranziehenden Wörnitz, die hier von Norden den Lentersheimer Mühlbach aufnimmt und dann nach Süden abknickt. In westnordwestlicher Richtung erstreckt sich von der Stadt aus über mehr als sieben Kilometer das bis zu hohe kleine Massiv des Hesselbergs, ein Jura-Zeugenberg und einziger Berg Frankens, der einen Blick auf die Alpen bietet. Etwa 15 Kilometer im Nordosten beginnt bei Gunzenhausen das Fränkische Seenland. Im Osten läuft der Hahnenkamm aus. Südwestlich Wassertrüdingens liegen die weiten Waldhöhen des Oettinger Forsts.
Die Stadt liegt an der Deutschen Ferienstraße Alpen–Ostsee.
Gemeindegliederung mini|Gemeindeteil Obermögersheim im Juni 2016 Es gibt 17 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): dort 18 Gemeindeteile, da der in den 1980er Jahren abgebrochene Schafhof als Gemeindeteil aufgelistet wird
Auf dem Gemeindegebiet befanden sich die Einöden Buchhof, Forsthöfe und Schafhof, die mittlerweile allesamt abgebrochen wurden.
Es gibt sieben Gemarkungen (Stand: 1. Dezember 2025): Gemarkung Einwohner(nur Hauptwohnsitz) Wassertrüdingen 4792 Altentrüdingen mit Eisler 219 Fürnheim mit Goschenhof und Himmerstall 351 Geilsheim mit Oberaumühle 614 Obermögersheim mit Laufenbürg 553 Reichenbach mit Stahlhöfe 69 Schobdach 149
Die Gemarkung Wassertrüdingen hat eine Fläche von 8,776 km². Sie ist in 2449 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3583 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Fallhaus und Hertleinsmühle.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind von Norden beginnend im Uhrzeigersinn:
Klima
Die durchschnittliche Niederschlagsmenge in Wassertrüdingen beträgt 688 mm pro Jahr.
Geschichte mini|Schloss Wassertrüdingen
Wassertrüdingen entstand im Hochmittelalter als Wasserburg. Im Gegensatz zu Altentrüdingen, dem Stammsitz der Edelfreien von Truhendingen (Burg Altentrüdingen) und deren später errichteten Burg Hohentrüdingen erhielt diese Neugründung an der Wörnitz den Namen Wassertrüdingen. Als Erbauer der Burg werden die Burgmänner der Herren von Truhendingen die „Fricken von Wassertrüdingen“ genannt. Bereits 1242 traten die Herrn von Truhendingen die Burg an die Grafen von Oettingen ab, die vom Eichstätter Bischof Philipp von Rathsamhausen damit belehnt wurden.Urgeschichte der Stadt und des ehemaligen Fürstentum Ansbach, S. 119. Dies ist zugleich die erste urkundliche Erwähnung des Ortes.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 234. Zur Bedeutung des Ortsnamens siehe Altentrüdingen. Unter dem Einfluss der Grafen von Oettingen entwickelte sich rasch eine Ansiedlung, die erstmals 1242 erwähnt wurde. Bereits 1366 verkaufte Graf Ludwig Junior von Oettingen die Stadt, Schloss und Burg Wassertrüdingen an Georg von Hohenlohe. Durch Streitigkeiten mit den Herren von Oettigen verkaufte schließlich Georgs Bruder, Gerlach von Hohenlohe, 1371 die Burg und Stadt Wassertrüdingen zusammen mit Altentrüdingen an die Burggrafen von Nürnberg.Urgeschichte der Stadt und des ehemaligen Fürstentum Ansbach, S. 119. Das burggräfliche Amt Wassertrüdingen wurde im 15. Jahrhundert in deren Rechtsnachfolge das markgräfliche Oberamt Wassertrüdingen. 1528 wurde die Reformation eingeführt.
1623 wurden in der Zeit der Hexenverfolgung drei Frauen als angebliche Hexen in Wassertrüdingen angeklagt, von denen zwei hingerichtet wurden (Helena Kuch, Apollonia Güttinger) und eine des Landes verwiesen wurde (Barbel Förßnerin). Am 24. August 1634 brannten kurbayrische Truppen unter Johann von Werth im Dreißigjährigen Krieg die Stadt nieder. Nach dem großen Krieg wurden die Stadt und ihr Umfeld Zufluchtsort zahlreicher Glaubensflüchtlinge aus Österreich, die als Folge der Gegenreformation vertrieben worden waren und am Wiederaufbau mitwirkten. Die Napoleonischen Kriege brachten der Stadt, bedingt durch Truppendurchzüge und Einquartierungen, Ausgaben und Kriegsschulden.
Wassertrüdingen lag im Fraischbezirk des ansbachischen Oberamtes Wassertrüdingen. Das Stadtregiment übte der Bürgermeister und Rat Wassertrüdingen aus. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es 345 Anwesen. Grundherren waren folgende ansbachische Ämter: Kastenamt Wassertrüdingen (1 Stadtmühle, 1 Walkmühle, 1 Ziegelhütte, 1 Gut mit Bleiche, 8 Wirtschaften mit Braurecht, 99 Häuser, 1 Zweidrittelhaus, 194 Halbhäuser, 1 Drittelhaus, 27 Viertelhäuser, 8 Tropfhäuslein) Armenstiftung Wassertrüdingen (1 Armen- und Siechenhaus) Verwalteramt Auhausen (2 Halbhäuser). Neben diesen Anwesen gab es noch ein Schloss, eine Fronveste mit Gerichtsdienerwohnung, ein Dekanatshaus, ein Kaplaneihaus, eine Stadtpfarrkirche, eine Kapelle, eine Synagoge, ein Rathaus, ein Schulhaus, ein Hirtenhaus, zwei Torhäuser, ein Brechhaus und ein Schießhaus.T. Neumeyer: Dinkelsbühl: der ehemalige Landkreis, S. 471. Hiernach gab es 195 Häuser (Halb-, Drittel- oder Viertelhäuser wurden wohl nicht berücksichtigt).Nach J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 6, Sp. 110, gab es 222 Häuser (Halb-, Drittel- oder Viertelhäuser wurden wohl nicht berücksichtigt). Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Wassertrüdingen.T. Neumeyer: Dinkelsbühl: der ehemalige Landkreis, S. 582.
1806 kam Wassertrüdingen an das Königreich Bayern. Infolge des Gemeindeedikts wurde 1809 der Steuerdistrikt Wassertrüdingen gebildet, zu dem Altentrüdingen, Baudenhart, Fallhaus, Stockaumühle und Walkmühle gehörten. Zugleich entstand die Munizipalgemeinde Wassertrüdingen, zu der Baudenhart und Walkmühle gehörten.T. Neumeyer: Dinkelsbühl: der ehemalige Landkreis, S. 534. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Wassertrüdingen zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Wassertrüdingen (1919 in Finanzamt Wassertrüdingen umbenannt, 1932–1973 Finanzamt Gunzenhausen, seit 1973 Finanzamt Ansbach). Die Verwaltung übernahm 1862 das neu geschaffene Bezirksamt Dinkelsbühl (1939 in Landkreis Dinkelsbühl umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Wassertrüdingen (1879 in Amtsgericht Wassertrüdingen umbenannt), von 1956 bis 1970 war das Amtsgericht Gunzenhausen zuständig und von 1970 bis 1973 das Amtsgericht Dinkelsbühl, das seit 1973 eine Zweigstelle des Amtsgerichtes Ansbach ist. Mit der Auflösung des Landkreises Dinkelsbühl im Jahr 1972 kam Wassertrüdingen an den Landkreis Ansbach. Die Gemeinde hatte 1964 eine Fläche von 8,763 km².
Zur Volkszählung im Jahr 1925 waren 1623 Einwohner der Gemeinde evangelischen, 122 katholischen und 28 mosaischen Glaubens.
Im März 1932 wurde der Kaufmann und Ortsgruppenleiter der NSDAP sowie Kreisleiter des NSDAP-Kreises Wassertrüdingen Ernst Ittameier erster Bürgermeister. Es war der erste nationalsozialistische Bürgermeister Mittelfrankens.Manfred Kittel: Sechstes Kapitel Die Zeit der großen Wirtschaftskrise (1928–1936). Provinz zwischen Reich und Republik: Politische Mentalitäten in Deutschland und Frankreich 1918-1933/36. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2009, S. 633. doi:10.1524/9783486596106.555
Eingemeindungen EhemaligeGemeinde Einwohner(1970) Datum Altentrüdingen 237 1. Juli 1971 Fürnheim 262 1. Mai 1978 Geilsheim 653 1. Mai 1978 Obermögersheim 545 1. Juli 1972 Reichenbach 89 1. Juli 1971 Schobdach 158 1. Juli 1971
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 5574 auf 6041 um 467 Einwohner bzw. um 8,4 %. Gemeinde Wassertrüdingen Jahr 1818 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 1995 2005 2016Einwohner 1769 1948 1828 1746 1763 1734 1694 1773 1767 1797 1772 1776 1806 1910 1870 1775 1736 1666 2618 2989 3024 3434 5600 6326 6138 6023HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 2016 als Wohngebäude. 388 261 261 270 281 311 350 350 494 1347 1616Quelle Für die Gemeinde Wassertrüdingen zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Baudenhart (S. 8) und Walkmühle (S. 99). Laut Historischem Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 1924 Einwohner.
Ort Wassertrüdingen Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2006 2016 2023Einwohner 1760 1933 1720 1721 1757 1769 1763 2974 3014 3425 3722 4314 4227 4672Häuser 386 258 268 309 348 347 491 847 Quelle
Politik
mini|Rathaus Wassertrüdingen
Stadtrat Die Stadtratswahlen seit 2002 ergaben folgende Stimmenanteile bzw. Sitzverteilungen: Partei/ListeSitze2020201420082002CSU11131313SPD7555Grüne2–––Kommunales Forum 96–222
Von 2016 bis 2018 gab es eine von der CSU abgespaltene CSU-Bürgerliste mit sechs Mandaten.
Bürgermeister Im November 2018 wurde Stefan Ultsch (SPD) mit 66,75 % der Stimmen zum Ersten Bürgermeister gewählt. Ihm unterlag der CSU-Kandidat Rainer Breit mit 33,25 %. Die Wahlbeteiligung betrug 62,30 %. Vorgänger war seit 2008 Günther Babel (CSU).
Wappen und Flagge Wappen
110px|mini|ohne|Historische Version von Otto Hupp
Flagge Die Gemeindeflagge ist schwarz-weiß.
Gemeindepartnerschaften Seit 1982 besteht eine Partnerschaft mit der Gemeinde Bellac in der französischen Region Nouvelle-Aquitaine.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Auf dem Hesselberg befindet sich der gleichnamige Sendedeturm der Deutschen Telekom mit einem Stahlfachwerkturm als Unterbau. Er ist als Hybridturm ausgeführt.
Im Stadtkern steht die evangelisch-lutherische Stadtkirche Heilige Dreieinigkeit. Sie wurde zwischen 1738 und 1740 von Leopoldo Retti als dritte Residenzkirche im Markgrafenstil erbaut. Der Chorraum geht auf die gotische Vorgängerkirche zurück. Im Innern ist ein wertvoller Flügelaltar aus der Zeit um 1500 mit Motiven aus der Weihnachtsgeschichte. Im Turm der Stadtkirche befindet sich eine renovierte Türmerwohnung.wassertruedingen.de
Baudenkmäler
Bodendenkmäler
Museen Fischerei- und Naturkundemuseum Türmerstube Imkereimuseum Fluvius-Museumwebmuseen.de
Regelmäßige Veranstaltungen Wassertrüdinger Volksfest „Trüdinger Nußmärtel-Treiben“ (am 10. November) internationales Motorradtreffen auf dem Hesselberg (MRC Wassertrüdingen) (am letzten vollen Juni-Wochenende) Altstadtfest (am ersten Juli-Wochenende) Sonnwendfeuer der Evangelischen Landjugend Afrika-Karibik-Fest Tough Mudder (Süddeutschland) Thailand-Fest (am letzten Juli-Wochenende)
Landesgartenschau mini|Die „Seerose“ Im Jahr 2019 war Wassertrüdingen vom 24. Mai bis zum 8. September Ausrichter der Kleinen Landesgartenschau Natur in Wassertrüdingen.
Verkehr mini|Lokomotive in Wassertrüdingen Seit 1849 gibt es in Wassertrüdingen eine Bahnstation an der Teilstrecke Nördlingen–Pleinfeld der ehemaligen Ludwig-Süd-Nord-Bahn, die damals Lindau mit Hof verband. 1985 wurde zwischen Nördlingen und Gunzenhausen der Personenverkehr eingestellt. Seit dem 15. Dezember 2024 wird Wassertrüdingen mit einer stündlichen Verbindung nach Pleinfeld über Gunzenhausen wieder im planmäßigen Personenverkehr bedient.doll: SPNV-Reaktivierung Gunzenhausen–Wassertrüdingen. In: Eisenbahn-Revue International 2/2025, S. 52.Jan Stephan: Die Hesselbergbahn fährt ab 2024 von Wassertrüdingen nach Pleinfeld. In: Nürnberger Nachrichten vom 5. November 2022; abgerufen am 3. April 2023. Seit einiger Zeit findet auch wieder Güterverkehr statt, den die BayernBahn durchführt. Der Streckenabschnitt zwischen Nördlingen über Wassertrüdingen nach Gunzenhausen wird zudem als Museumsbahn betrieben.bayerisches-eisenbahnmuseum.de