mini|hochkant=1.8|Ehemalige Stammesgebiete der Sioux-Gruppen: der Östlichen Dakota (inklusive der Sisseton), der benachbarten Westlichen Dakota (Yanktonai und Yankton) sowie Lakota-Stämme und heutige Reservationen
Die Sisseton oder Sisíthuŋwaŋ (‘Dwellers in the Swamps’, ‘Fish Ground Dwellers’, ‘Marsh Dwellers’, ‘People of the Marsh’)Sisseton sind einer der vier Otonwepi (Untergruppen) der Östlichen Dakota, der östlichen Dialekt- und Stammesgruppe der Sioux aus der Sioux-Sprachfamilie.
Man vermutet, dass die Mdewakanton / Mdewakaŋtoŋwaŋ / Bdéwákhathuŋwaŋ die Ursprungsgruppe bildeten, von der sich die anderen drei Östlichen Dakhóta-Gruppen (Otonwepi), die Sisseton / Sisíthuŋwaŋ, die Wahpeton / Waȟpéthuŋwaŋ sowie die Wahpekute / Waȟpékhute, irgendwann getrennt haben. Einst wurden nur die Mdewakanton und später die eng verwandten und verbündeten Wahpekute als „Santee“ bezeichnet, später übertrug man diese Bezeichnung auf alle Otonwepi (Gruppen) der Östlichen Dakhóta, so dass man heute unter „Santee“ meist die ganze Stammesgruppe versteht. Dies verdeutlicht nochmals ihre große Bedeutung innerhalb der Östlichen Dakhóta; zudem waren wie bereits erwähnt die Mdewakanton innerhalb der Očhéthi Šakówiŋ („Sieben Ratsfeuer der Sioux“) die führende Otonwe / Tȟuŋwaŋ.
In der Literatur sowie Fachliteratur wurden (werden) die „Östliche Dakhóta“ oftmals auch als Santee-Sisseton oder einfach als Santee-Dakota bzw. Santee-Sioux bezeichnet. Die „Östliche Dakhóta“ sind hierbei jedoch von dem östlichen Sioux-Stamm der Santee (auch: Zantee, Seretee, Seratee, Sattee), die einst entlang des Mittellaufs des gleichnamigen Santee Rivers in South Carolina lebten, zu unterscheiden.Santee Indians – Native Americans in South CarolinaSouthern Santee Tribe
Očhéthi Šakówiŋ oder die Sieben Ratsfeuer der Sioux Die Sioux bildeten eine lose Allianz von drei regionalen Dialekt- und Stammesgruppen, die sie Oceti Sakowin oder Očhéthi Šakówiŋ („Das Feuer der sieben Stämme“, „Die sieben Ratsfeuer“) nannten, da sie aus sieben Otonwepi (bluts- sowie sprachverwandte Untergruppen; Singular: Otonwe bzw. Tȟuŋwaŋ) bestanden.Beginning Dakota - Lesson One: The Dakota People Zu den Očhéthi Šakówiŋ gehörten (von Ost nach West) die vier Otonwepi der Östlichen Dakota (Mdewakanton, Wahpekute, Sisseton und Wahpeton), die zwei Otonwepi der Westlichen Dakota (Yankton und Yanktonai) sowie als größte Otonwe/Tȟuŋwaŋ die Lakota/Teton selbst:
1. (Östliche) Dakota oder Dakhóta (auch: Santee-Sisseton oder Santee) Santee (Isáŋyathi - ‘Knife Makers’) oder „Upper Council of the Dakota“, „Upper Sioux“ Mdewakanton oder Mdewakaŋtoŋwaŋ / Bdéwákhathuŋwaŋ (‘Dwellers of the Spirit Lake/Sacred Lake’ – „Bewohner/Volk des/am Bdé Waḳaŋ / Mde Waḳaŋ, d. h. Mille Lacs Lake“) Wahpekute oder Waȟpékhute (‘Shooters Among the Trees’ – „Schützen im Laubwald“, nomadisierende Gruppe, daher fehlt der Namenszusatz Tȟuŋwaŋ bzw. Othúwahe – „Dorf“ oder „Siedler“) Sisseton oder „Lower Council of the Dakota“, „Lower Sioux“ Sisseton oder Sisíthuŋwaŋ (‘Dwellers in the Swamps’, ‘Fish Ground Dwellers’, ‘Marsh Dwellers’, ‘People of the Marsh’) Wahpeton oder Waȟpéthuŋwaŋ (‘Dwellers Among the Leaves’) 2. Westliche Dakota oder Dakȟóta (auch: Yankton-Yanktonai), früher fälschlich als Nakota bezeichnet (dem Autonym der feindlichen Stoney und Assiniboine) Yankton oder Iháŋktȟuŋwaŋ (‚People of the End [of the Village]‘, ‚Village at the End‘) Yanktonai oder Iháŋktȟuŋwaŋna (‚People of the End [of the Little Village]‘, ‚Little Dwellers at the End‘, ‚Little Village at the End‘) 3. Lakota oder Thítȟuŋwaŋ / Teton („Bewohner der Prairie, d. h. der Ebenen“)
Die Mdewakanton waren bis zum Aufstand der Östlichen Dakota 1862 in Minnesota die führende Otonwe / Tȟuŋwaŋ der Očhéthi Šakówiŋ, mussten aber als Folge der Niederlage, bei der sie große Verluste an Menschen und Kampfkraft erlitten, ihre Stellung innerhalb der Allianz an die größte Óšpaye/Oyate (Stamm) der Lakota, den Oglala, abtreten.
Ursprünglich zählten die Assiniboine (und deren enge Verwandte, die Stoney) ebenfalls zu den Sioux-Völkern, hatten sich jedoch bereits Mitte des 17. Jahrhunderts mit den zahlreicheren Woodland und Plains Cree verbündetet und eine starke Handels- und Militärallianz gegründet, die bald als Cree-Assiniboine bzw. Cree-Konföderation oder Iron Confederacy („Eiseren Konföderation“) bezeichnet wurde, die verbündeten Stämme bezeichneten diese Allianz nach den zwei dominierenden Völkern einfach als Nehiyaw-Pwat (in Cree: Nehiyaw – „Cree“ und Pwat oder Pwat-sak – „Sioux (Feinde)“). Bereits im 17. Jahrhundert berichteten die europäischen Händler und Reisenden, dass die Assiniboine als Zweitsprache das Cree nutzen – viele Cree Bands sprachen ebenfalls Assiniboine. Als mächtige Zwischenhändler im Pelzhandel gelangten diese daher auch an europäische Waffen und diese bessere Waffenausrüstung gestattete der Cree-Assiniboine-Konföderation die Expansion nach Westen, Süden und Norden, wobei sie militärisch gegen die Chipewyan im Norden und die Dakota im Süden (1670–1700) vorgingen. Spätestens als Anfang des 18. Jahrhunderts sich west- und südwestwärts gezogenen Bands der Manitoba Saulteaux/Westliche Saulteaux (Plains Ojibwe) (Erzfeinde der Sioux-Völker) der Cree-Assiniboine-Konföderation anschlossen und nun gemeinsam gegen benachbarte Stämme vorgingen, betrachteten die Sioux (Östliche Dakota, Westliche Dakota und Lakota) die Assiniboine und Stoney nicht mehr zu den Očhéthi Šakówiŋ / Oceti Sakowin zugehörig – da diese nun zu ihren Feinden zählten, wurden sie einfach als Hohe („Rebellen“) bezeichnet.
Stämme und Bands der Sisseton Wie bereits erwähnt, bildeten die Sisseton (Sisíthuŋwaŋ) zusammen mit drei weiteren Otonwepi (bluts- sowie sprachverwandte Untergruppen; Singular: Otonwe bzw. Tȟuŋwaŋ) – den Wahpeton (Waȟpéthuŋwaŋ), den Mdewakanton (Mdewakaŋtoŋwaŋ) und den Wahpekute (Waȟpékhute) zusammen die Östlichen Dakhóta.
Ebenso wie die „Očhéthi Šakówiŋ (Sieben Ratsfeuer der Sioux)“ unterteilten sich die Sisseton selbst wiederum in sieben Óšpayepi oder Oyate (Singular: Óšpaye, Stämme), die wiederum in zahlreiche separate Thiyóšpaye (Bands) aufgeteilt waren. Jede Thiyóšpaye wurde durch einen eigenen Ithacha / Itháŋčhaŋ (Häuptling) und einen diesen beratenden Stammesrat – bestehend aus den Anführern der Okhódakichiye (Krieger- bzw. Militärgesellschaften), den Akíčhita/Akichita (wörtlich: „Krieger, Soldat“, fungierten als Lagerpolizei) sowie zudem Waphíya wičhášta (Heiliger Mann, in der Funktion eines Priesters) und Phežúta Wičhášta (Heiler oder Geistheiler). Daneben gab es auch noch den Kriegshäuptling, der die Krieger im Krieg anführte. Die einzelnen Bands (meist ca. 50 bis zu 100 Personen) wiederum unterteilten sich nochmals in mehrere Wicoti (Lokalgruppen) (engl. local bands), die sich aus einer bzw. mehreren Großfamilien (engl. extended families) zusammensetzten und gemeinsam ein Wichóthipi (Lager (Camp)) bildeten; somit waren deren Angehörige durch Blut, Heirat und Adoption miteinander verbunden. Die kleinste organisatorische Einheit bildete die Thiwáhe/Tiwahe (Kernfamilie), die meist ein Thípi („Behausung“, mit dem Begriff wurde sowohl das Erdhaus als auch das Tipi bezeichnet) oder zwei benachbarte Tipis bewohnte und somit einen gemeinsamen Tiohnake (Haushalt) bildete.
Manchmal werden jedoch die hier als „Otonwepi“ bezeichneten vier Gruppen der Östlichen Dakhóta innerhalb der Očhéthi Šakówiŋ („Sieben Ratsfeuer der Sioux“ – bestehend aus sieben Otonwepi) nicht als Otonwepi (Untergruppen), sondern als Óšpayepi/Oyate betrachtet (im Sinne von Bands begriffen; im Unterschied zum Otonwepi-Konzept, das unter dieser Bezeichnung Stämme versteht), die nach dieser Auffassung mehrere Thiyóšpaye (Großfamilien; im Unterschied zum Otonwepi-Konzept, das unter dieser Bezeichnung Bands versteht) umfassten, die sich wiederum aus zahlreichen Thiwáhe/Tiwahe (Kernfamilien) zusammensetzten. Im Otonwepi-Konzept ist die Thiyóšpaye hingegen eine Band, die sich wiederum in mehrere Wicoti (Lokalgruppen – bestehend aus einer bzw. mehreren Großfamilien) unterteilt, wobei die kleinste soziale Einheit die Thiwáhe/Tiwahe (Kernfamilie) bildet.
Ich folge bei der Listung dem Otonwepi-Konzept (d. h. die hier als Óšpayepi / Oyate von mir gelisteten Gruppen werden lt. anderer Auffassung als Thiyóšpaye (Band) betrachtet):
Óšpaye / Oyate a: Wita waziyata otina (‘Dwellers of the Northern Island’, ‘North Island Dwellers’, North Island) ist eine Insel im Lake Traverse (Bde Hdakiåyaå) b: Ohdihe (‘Falling headfirst’) Óšpaye / Oyate a: Basdece sni / Basdecesni (‘Those who do not split [the buffalo backbone]’) b: Itokah tina / Itokahtina (‘Dwellers at the South’, einer Insel im Lake Traverse) Óšpaye / Oyate Okahmi Otonwe / Kahmiatonwan (‘Village at the Bend’) a: True Okahmi Otonwe b: Canska Otina / Cansdacikana (‘little place bare of wood’) c: Manin tina (‘Those who pitched their tents away from the main camp’) d: Keze (‘Barbed as a fishhook’, spöttische Bezeichnung durch benachbarte Bands) Óšpaye / Oyate Cankute (‘Shooters at tree’, ‘Shoot at trees’, ebenfalls eine spöttische Bezeichnung durch benachbarte Bands) Óšpaye / Oyatemanchmal werden die hier als 5. Stamm bzw. Band gelisteten Ti Zaptan / Tizaptan und Okopeya zusammen mit den Cankute als ein Stamm bzw. Band namens „Cankute“ gelistet, ich habe mich hier für die Listung in sieben Stämme bzw. Bands nach dem Spirit Lake Nation entschieden, da die Zahl Sieben bei den Sioux eine bedeutende Rolle spielt - siehe auch die „Sieben Ratsfeuer der Sioux“ oder wiederum die sieben Lakota-Stämme a: Ti Zaptan / Tizaptan (‘Five Lodges’) b: Okopeya (‘In danger’) Óšpaye / Oyate Kapoza (‘Those who travel with light burdens’, ‘Light baggage’, da sie stets umherwanderten) Óšpaye / Oyate Abdowapuskiyapi / Abdowapushkiyapi (‘Dry on their shoulders’, ‘They who dry meat on their shoulders’) a: Maka ideya (‘Prairie Fire’) b: Wanmdiupi duta (‘Red Eagle Feather’) c: Wanmdi nahoton (‘Sounding Eagle’)
Kultur und Lebensweise Die Sisseton wurden in ihrer Kultur von den benachbarten feindlichen Algonkinstämmen beeinflusst und bildeten die Trennungslinie zwischen der Waldland- und Präriekultur.
Die Sitten bei Brautwerbung und Hochzeit waren bei allen Sioux-Stämmen ähnlich. Nach alten Überlieferungen musste sich ein junger Mann seinen Namen verdient haben, bevor er auf Brautwerbung gehen konnte. Um die Aufmerksamkeit einer jungen Frau zu erlangen, spielte er eine Melodie auf einem Musikinstrument, das Cotanka genannt wurde und aus dem Flügel eines Vogels oder aus Holz gefertigt wurde. Dann besuchte er sie im Tipi ihrer Familie oder er traf sie beim Wasserholen. Er brachte den Brauteltern auch erlegtes Wild als Geschenk, um zu zeigen, dass er eine Familie ernähren konnte. Das Mädchen wiederum musste ihre Fähigkeiten als Hausfrau nachweisen. Wenn beide Seiten einverstanden waren, wurde die Hochzeit mit einem öffentlichen Fest gefeiert. Zuvor war ein neues Tipi gemeinsam von den Frauen des Dorfes angefertigt worden, das je nach Größe aus 12 bis 16 Büffelhäuten und einem Grundgerüst aus drei Pfosten bestand. Am Ende des Festes wurde das Brautpaar von der Hochzeitsgesellschaft in sein neues Tipi eskortiert. Wenn die junge Frau ihr erstes Baby bekam, verließ der Ehemann das Dorf und ging gemeinsam mit seinem Vater auf die Jagd, bis das Kind geboren war. Die schwangere Frau blieb in der Obhut ihrer Familie, speziell einer älteren Frau. Das Neugeborene wurde gewaschen, in Windeln gewickelt und auf ein sorgfältig verziertes Wiegenbrett gebunden. Die Kinder bekamen bestimmte Namen, die von der Reihenfolge der Geburt abhingen. Kinder unter vier Jahren schliefen bei ihren Eltern oder Großeltern, dann bekamen sie ein eigenes Lager. Ein Kind sah jeden Bruder seines Vaters ebenfalls als Vater an und die Schwestern der Mutter jeweils als Mutter.