mini|Linnich

Linnich ist die nördlichste und drittgrößte Stadt im Kreis Düren in Nordrhein-Westfalen. Sie liegt genau in der Mitte zwischen den Städten Mönchengladbach im Nordosten und Aachen im Südwesten an der Rur.

Geographie

Lage Linnich und sein Umland sind im Norden der Jülicher Börde gelegen, am Übergang von der Kölner Bucht zum niederrheinischen Tiefland. Der Stadtkern von Linnich liegt im Rurtal links der Rur. Die zugehörigen Ortsteile gruppieren sich herum, wobei Körrenzig und Tetz ebenfalls im Rurtal liegen. Auch wenn Linnich nicht direkt im Rheinischen Braunkohlerevier liegt, so findet man im Stadtgebiet zahlreiche Auswirkungen der nahen Tagebaue.

Stadtgliederung

Gewässer Rur Merzbach Malefinkbach Linnicher Mühlenteich

Nachbargemeinden

Stadt Hückelhoven (9 km), Kreis Heinsberg Stadt Erkelenz (11 km), Kreis Heinsberg Gemeinde Titz (10 km), Kreis Düren Stadt Jülich (11 km), Kreis Düren Gemeinde Aldenhoven (10 km), Kreis Düren Stadt Baesweiler (15 km), Städteregion Aachen Stadt Geilenkirchen (14 km), Kreis Heinsberg

Geschichte mini|Karte von Linnich und Umgebung aus der Topographische Aufnahme der Rheinlande

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes datiert auf das Jahr 888 und bezeugt die Schenkung des Königsgutes „Linnica“ von König Lothar II. an das Marienstift Aachen im Jahr 851. Der Name Linnich geht auf seinen vermutlichen Gründer, einen Kelten namens Linus, zurück. Der Fronhofverband in „linneghe“ oder „Linneche“ gehörte zum Besitz Abtei Prüm dies ist im Güterverzeichnis Prümer Urbar dokumentiert. Die Abtei ließ ihre Rechte durch die Vögte von Randerath wahren. Diese erwarben nach und nach mehr Rechte und schließlich 1368 den Fronhof, der zu einem größeren Siedlungsverband herangewachsen war. Im 14. Jahrhundert erhoben sie die Siedlung zur Stadt. 1392 wird die „Stad van Linneyke“ erstmals in einer Kaufurkunde erwähnt. Herzog Wilhelm III. von Jülich hatte das Erbe der letzten Nachfahrin des Randerather Herrschergeschlechts erworben. 1397 wurde die befestigte Stadt vom Herzog von Brabant eingenommen und zerstört.Heinz Friedrich: St. Martinus in Linnich.(= Rheinische Kunststätten Heft 138.) S. 4

Das 16. Jahrhundert brachte der Stadtentwicklung eine wirtschaftliche Blüte. Herzog Wilhelm der Reiche duldete zudem die neue reformierte Lehre in seinem Territorium. Am Ende des Dreißigjährigen Krieges hatte die Stadt unter den durchziehenden Truppen der verschiedenen Seiten zu leiden. 1679 eroberten die Truppen des französischen Königs Ludwig XIV. Linnich.Heinz Friedrich: St. Martinus in Linnich (= Rheinische Kunststätten Heft 138.) S. 5. Das 1776 erneuerte Hubertuskreuz bei Linnich erinnert an die historische Hubertusschlacht von 1444 zwischen dem Herzogtum Geldern und dem Herzogtum Jülich, das sich dank des Sieges geldrische Territorien einverleiben konnte.

Nach der Zerstörung vom 2. Oktober 1794 während der Schlacht im ersten Koalitionskrieg zwischen den französischen Revolutionstruppen und den preußisch/österreichischen Truppen gehörte Linnich zu Frankreich und war von 1798 bis 1814 Hauptort eines Kantons (der die links der Rur liegenden Orte des Jülicher-Landes umfasste) im Département de la Roer. Nach der französischen Besetzung verlor Linnich unter preußischer Herrschaft zunächst den Status einer Stadt. 1820 begann man die Stadtbefestigung abzureißen. 1846 erhielt der Ort erneut die Stadtrechte und am 15. Dezember 1911 einen Bahnanschluss. In den 1920er Jahren wurde Linnich sogar für einige Jahre zum Bad.

Der Zweite Weltkrieg brachte das Ende für die alte Stadt Linnich. Ebenso wie die südlich angrenzende Herzogstadt Jülich, wurde auch Linnich im Laufe der Kampfhandlungen Ende 1944 bis Anfang 1945 zu über 90 Prozent zerstört. 1944 sollte am gleichen Ort der Hubertusschlacht der Schauplatz einer der blutigsten Panzerschlachten an der Rurfront werden. Dies war nach den Zerstörungen in den Jahren 1393, 1397 und 1794 die vierte und schwerste. Am 3. Dezember 1944 wurde Linnich nach mehrtägigen Kämpfen von amerikanischen Truppen eingenommen. Erst am 23. Februar 1945 erfolgte südlich von Linnich der Übergang über die Rur („Operation Grenade“).Operation Grenade (englisch) Durch die Kriegshandlungen wurde auch die, rechts der Rur gelegene, ehemalige Burg Breitenbend stark beschädigt, so dass sie in den Jahren 1950 und 1973 schrittweise abgerissen wurde.

Im Kontext des sich zuspitzenden Kalten Krieges wurde Ende der 1950er Jahre in der Gemeinde (Koordinaten= ) eines von zehn bundesdeutschen Warnämtern, das Warnamt V (Warnamt Linnich-Welz), in Betrieb genommen. Diese völkerrechtlich besonders geschützte und teilweise verbunkerte Zivilschutzbehörde war bis in die 1990er Jahre mit der Warnung und Alarmierung der Bevölkerung vor Gefahren im Frieden und Verteidigungsfall betraut.

In den Jahren 1992 und 2002 wurde Linnich von den Erdbeben in der rheinischen Tiefebene erschüttert. Davon war besonders die katholische Pfarrkirche St. Martinus betroffen. Der Hang, an dem sie steht, könnte bei einem weiteren Beben abrutschen.

Eingemeindungen

Am 1. Juli 1969 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Boslar, Ederen, Gereonsweiler, Gevenich, Glimbach, Hottorf, Körrenzig, Rurdorf, Tetz und Welz eingegliedert. Am 1. Januar 1972 kam noch Floßdorf hinzu.

Bevölkerungsentwicklung Am Beginn des 20. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung – wie generell im damaligen Deutschen Reich – stetig. Die Tabelle zeigt Einwohnerzahlen der Kernstadt vor der kommunalen Neugliederung 1969. Zum Vergleich, die Einwohnerzahl der Kernstadt 2019. + Anzahl Einwohner Jahr 1890 1925 1933 1939 1961 2019 Einwohner 2062 2184 2248 2337 3844 4280

Religion

Neben der katholischen und evangelischen Gemeinde existierte in Linnich bis 1938 eine jüdische Gemeinde. Nachdem im Mittelalter Juden in Linnich ansässig gewesen waren, ließen sich in der Neuzeit wiederum Juden in der Stadt nieder. 1861 lebten hier 123 Personen. Es existierte ein jüdischer Friedhof, eine jüdische Schule und eine Synagoge, die 1913 erbaut wurde. Im Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge an der Nordpromenade geschändet und angezündet.Irmgard Loosen: Erinnerungen an die jüdische Gemeinde in Linnich, hg. vom Linnicher Geschichtsverein, Jülich 1994 Heute erinnert ein Mahnmal an die Synagoge.

Politik Wappen, Flagge und Banner

Flagge, Banner Beschreibung der Flagge: „Die Stadt Linnich führt eine Flagge mit den Farben ‚Schwarz-Gelb‘ mit dem Wappen im Mittelfeld. Sie kann auch als Banner geführt werden.“

Stadtrat Der Stadtrat ist die kommunale Volksvertretung der Stadt Linnich. Über die Zusammensetzung entscheiden die Bürger alle fünf Jahre, zuletzt am 14. September 2025.

Jahr CDU SPD FDP GRÜNE UWG EB Piraten AFD Gesamt 1946 k. A. k. A. k. A. – – – – – – 1948 7 4 0 – 1 – – – 12 1952 6 2 1 – – – – – 9 1956 11 5 2 – – – – – 18 1961 12 4 2 – – – – – 18 1964 k. A. k. A. k. A. – – – – – – 1969 k. A. k. A. k. A. – – – – – – 1975 22 10 1 – – – – – 33 1979 20 11 2 – – – – – 33 1984 19 12 2 – – – – – 33 1989 16 15 2 – – – – – 33 1994 18 13 0 2 – – – – 33 1999 18 12 1 1 – – – – 32 2004 16 10 2 3 – 1 – – 32 2009 13 9 2 2 6 – – – 32 2014 12 9 1 3 6 – 1 – 32 2020 10 9 2 3 8 – – – 32 2025 9 6 2 2 9 – – 4 32 Die Angaben vor der kommunalen Neugliederung beziehen sich auf den Rat der (Kern-)Stadt Linnich. Die Stadtverordneten der FDP-Fraktion traten 1992 aus der FDP aus und gründeten die Freie Fraktion Linnich (FFL). Sie blieben der Listenverbindung mit der SPD treu. 1994 (vor der Wahl) wechselte ein SPD-Stadtverordneter zur FDP. 1999 bis 2004 bildeten Grüne und FDP eine Fraktionsgemeinschaft. In der Wahlperiode 2014–2020 bildeten FDP und PIRATENPARTEI eine Fraktionsgemeinschaft. Bei der Ratswahl 2025 gab es im Wahlbezirk Welz/Gereonsweiler2 Stimmengleichheit zwischen den Direktkandidaten von CDU und PKL, nach Losentscheid erhielt der Kandidat der PKL das Ratsmandat

Mehrheiten: bis 1989: CDU 1989–1992: SPD, FDP 1992–1994: SPD, FFL 1994–2009: CDU 2009–2011: SPD, UWG PKL, Grüne seit 2011: keine

Städtepartnerschaften und Kooperationen Linnich pflegt seit 1974 eine Partnerschaft mit der nordfranzösischen Stadt Lesquin nahe Lille.

Die Stadt Linnich gehört zur Europaregion Euregio Maas-Rhein und ist Mitglied der Entwicklungsgesellschaft Indeland einem Projekt für neue Perspektiven im rheinischen Braunkohlerevier.

Kultur, Sehenswürdigkeiten und Touristik

mini|hochkant|Pfarrkirche St. Martinus

Museen Deutsches Glasmalerei-Museum

Bauwerke mini|Rurdorfer Wehr

Evangelische Kirche und historisches Häuserensemble am Altermarkt Katholische Pfarrkirche St. Martinus ehemaliges St. Josef-Krankenhaus NATO-Bunker „Castle Gate“ Alte Kirche in der Ortschaft Körrenzig Wehr an der Rur

Denkmäler Hubertuskreuz Mahnmal für die beim Novemberpogrom 1938 zerstörte Synagoge Pagode auf dem Friedensacker (von einem buddhistischen Mönch errichtet) und ein Bildstock (Jesus zerbricht das Schwert)

Spazier- und Radwege mini|Südpromenade mit Blick zur Mahrstraße Promenadenrundweg – Der Promenadenrundweg (PDF; 442 kB) mit seinen vier Teilen verläuft zum Teil entlang der ehemaligen Stadtbefestigung in Linnich.

mini|Fuß- bzw. Radweg von Linnich nach Welz

Fußweg nach Welz – Beginnend von der Mahrstraße über Bleeck gibt es einen schönen Fußweg nach Welz. Dieser verläuft entlang des Merzbachs in einer leicht hügeligen Landschaft. In Welz kann man die derzeit westlichste Brauerei Deutschlands (Privatbrauerei der Familie Jacobsen) besuchen. Rurufer-Radweg – Durch die Stadt führt der RurUfer-Radweg, der die höchste Erhebung des Hohen Venn mit der Mündung der Rur in die Maas verbindet. Linnich ist in das Radwegenetz von Nordrhein-Westfalen eingebunden. Knotenpunkte dienen zur Orientierung der Radfahrer.

Regelmäßige Veranstaltungen Andreasmarkt – Der Andreasmarkt findet jährlich am Montag um den Andreastag (30. November) statt. Schützenfest – Das große Schützenfest aller drei Schützengesellschaften, der Hubertus-Schützen, der Sebastianus-Schützen und der Schützengilde, genannt die „Linnicher Bronk“, findet alljährlich von Samstag nach Pfingsten bis Fronleichnam statt. Kultursommer – Seit 2006 findet Mitte September die Linnicher Kulturwoche mit zahlreichen Ausstellungen und Veranstaltungen in den örtlichen Museen, Kirchen, Schulen und an weiteren Plätzen statt. Seit 2010 ist daraus der Linnicher Kultursommer geworden, der bereits im Juli mit Veranstaltungen begonnen hat und Ende September mit der Abschlusswoche endete. Kindermeile – Im Rahmen des Kultursommers wird am 3. Wochenende im September die Linnicher Kindermeile von der Stadt Linnich organisiert. Maifest in Körrenzig – Das Maifest des Junggesellenverein Körrenzig 1843 e. V. findet jährlich Anfang Mai in der Linnicher Ortschaft Körrenzig statt.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr mini|Endhaltepunkt Linnich

Rurtalbahn Linnich hat seit 2002 wieder Zugang zum Bahnverkehr. Die Fahrzeit mit den Zügen der Rurtalbahn (Linie RB 21) beträgt etwa 12 min nach Jülich und rund 30 min nach Düren.

Linie Verlauf Takt