Friedrich Ludwig von Wachholtz (* 30. August 1783 in Breslau; † 16. September 1841 in Braunschweig) war ein braunschweigischer Generalmajor, der als Offizier der Braunschweiger Truppen an den Befreiungskriegen teilnahm und durch seine Memoiren und Berichte über die Braunschweiger Truppen im Kampf gegen Napoleon Bonaparte von Bedeutung ist.
Familie Friedrich Ludwig von Wachholtz entstammte dem ursprünglich pommerschen Adelsgeschlecht von Wachholtz, er war ein Sohn des Philipp Friedrich von Wachholtz (* 1740; † 1803), königlich preußischer Major und Kommandeur 3. Musketier-Bataillons des Regiments Malschitzky und der Amalie Charlotte Wilhelmine von Braatz (* 1761). Er war seit dem 7. Oktober 1814 mit Karoline Johanne Henriette von Girsewald (* 6. August 1787; † 18. Juni 1868) vermählt. Aus dieser Ehe gingen vier Töchter und zwei Söhne hervor: Marie (* 2. Juni 1815; † 13. September 1892), Stiftsdame Robert August Wilhelm (* 26. November 1816; † 28. Dezember 1897) herzoglich braunschweigischer Generalleutnant und General-Adjutant von Prinz Albrecht von Preußen.Deutsche Adelsgenossenschaft (Hrsg.): Jahrbuch des Deutschen Adels. Berlin 1898, Band 2, S. 941. Agnes Luise Johanne Auguste Bernhardine (* 21. November 1817; † 7. April 1865), Stiftsdame August Wilhelm Alexander (* 8. Februar 1819; † 16. Januar 1892), herzoglich braunschweigischer Oberförster ⚭ 13. April 1851 Klara Charlotte Amalie Josephine Walkenried verwitwete Krause (* 19. November 1829; † 31. Dezember 1904)Krause. online-ofb.de. Eugenie Auguste Georgine Thusnelda (* 16. Mai 1820; † 29. Mai 1865) ⚭ Freiherr Reinhard Ludwig Karl Gustav von Dalwigk zu Lichtenfels, großherzoglich oldenburgischer Kammerherr und Oberhofmarschall († 3. Juni 1897) Luise Karoline Amalie Katharina Franziska (* 29. Mai 1822), Domina im Kloster zur Ehre Gottes in Wolfenbüttel
Frühe Jahre in preußischen Diensten Wachholtz trat am 1. April 1798 ebenfalls in preußische Dienste und kam als Gefreitenkorporal in das Infanterieregiment von Malschitzky (Nr. 28). Am 5. September 1797 wurde er dort Portepee-Fähnrich, am 3. November 1798 Fähnrich und am 4. April 1803 Seconde-Lieutenant. Im Oktober 1805 kam er als Adjutant in den Stab des Generals Gravert. Er blieb dort bis zum Februar 1806. Nach der der Schlacht bei Jena und Auerstedt und geriet er am 8. November 1806 beim Fall Magdeburgs in Kriegsgefangenschaft, aus der er auf Ehrenwort entlassen wurde. In der Garnison Brieg, nahe Breslau wartete er auf eine neue Anstellung. Im Mai 1807 kam er in das 2. Ostpreußische Reserver-Bataillon und wurde im August 1807 auf Halbsold gesetzt. Am 22. April 1809 wurde er in das 2. Schlesische Infanterie-Regiment aggregiert. Er hörte vom Aufbau der Schwarzen Schar durch Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig und schloss sich am 11. April 1809 in Náchod als Seconde-Lieutenant (mit Patent zum 13. April 1809) dem Korps an.
Im Dienste des „Schwarzen Herzogs“ Herzog Friedrich Wilhelm stellte 1809 in Schlesien sein Freikorps auf, so begab sich Wachholtz nach Nachod und wurde dem Herzog persönlich vorgestellt und in der Schwarzen Schar aufgenommen. Er wurde am 17. Juli 1809 Premier-Lieutenant, am 31. Juli 1809 Stabskapitän und am 4. August 1809 Kompanie-Führer. Er beteiligte sich an dem Zug des Schwarzen Herzogs durch Norddeutschland sowie dessen Rückzug. Bei der Einschiffung der Schwarzen Schar nach England in Elsfleth und Brake blieb er als Nachhut zurück und folgte den Truppen auf eigene Faust über Helgoland nach England, wo das gesamte Kontingent in englische Dienste trat. Dort wurde er am 29. September 1809 Kapitän und Chef der 5. Kompanie des englisch-braunschweigischen Regiments.
Auf der iberischen Halbinsel (Peninsula) 1810–1814 Im Braunschweiger Kontingent in englischen Diensten, den Braunschweig-Lüneburgsche Jägern, erhielt er am 15. März 1810 den Befehl über die 3. Scharfschützenkompanie, die sich von den anderen Braunschweigern durch grüne Uniform und Bewaffnung mit Büchsen unterschied. Am 16. September 1810 wurde er zusammen mit den Truppen bei Lissabon ausgeschifft, am 10. Oktober 1810 geriet seine Kompanie zum ersten Mal unter Feuer. 1811 wurde die Scharfschützenkompanie der 4. Division unter General Cole unterstellt. Am 6. April 1812 zeichnete er sich bei der Belagerung von Badajoz besonders aus, wurde aber auch verwundet. Er nahm auch an der Schlacht von Salamanca, der Schlacht von Vitoria, der Belagerung von Ciudad Rodrigo und der Eroberung von San Sebastian teil. Am 25. August 1813 wurde er Chef der 5. Kompanie und am 9. Oktober 1813 bei Sare verwundet.
Ende 1813 rief der Herzog Wachholtz nach Braunschweig, um den Aufbau eines neuen Feldkorps voranzutreiben. Am 28. Februar 1813 wurde er dann Major im General-Quartiermeister-Stab mit Patent zum 1. Dezember 1813.
Juni 1815: die Schlachten von Quatre-Bras und Waterloo Nach der Rückkehr Napoleons von Elba marschierte das Braunschweiger Feldkorps unter dem Oberbefehl Herzog Friedrich Wilhelms nach Belgien. Wachholtz war als Generalquartiermeister in der direkten Nähe des Herzogs.
Während der Schlacht bei Quatre-Bras wurde der Herzog von einer Kugel tödlich getroffen und von drei Soldaten (Korporal Külbel, Hornist Aue und Jäger ReckauErnst Carl Külbel: Die letzten Augenblicke unsers Durchlauchtigsten Herzogs Friedrich Wilhelm bei Quatrebras den 16. Juni 1815. 2. Auflage, Celle 1865, viceroybooks.com.au (PDF; 1,1 MB).) sofort hinter die Linien gebracht. Dort erlag er noch am selben Abend seinen Verletzungen. Die letzten Worte des Sterbenden waren an Wachholtz gerichtet: „Mein lieber Wachholtz, wo ist denn Olfermann?“Zwei Berichte des Herrn Obristen Olfermann an das Fürstl. Geheime=Raths=Collegium. 17./19. Juni 1815. (gemeint war der braunschweigische Offizier Johann Elias Olfermann, der ebenfalls bei der Schwarzen Schar kämpfte). Olfermanns Bericht über die Schlacht bei Waterloo nennt Wachholtz als einen, der sich besonders auszeichnete. Anschließend wurde Wachholtz am 22. Juli 1815 Chef des General-Quartiermeister-Stabs.
Braunschweig nach 1815 Nach Braunschweig zurückgekehrt, wurde er am 9. Februar 1816 Mitglied der Militär-Administrierungskommission, der obersten Militärverwaltungsbehörde außerdem wurde er am 7. Oktober 1819 Kommandeur der leichten Infanterie-Brigade. Am 22. Mai 1821 (Patent zum 25. April 1821) wurde er zum Oberstleutnant befördert und gleichzeitig Kommandeur der Linien-Brigade. Am 8. Mai 1822 wurde er dann zum Kommandeur des Infanterie-Regiments ernannt außerdem erhielt er am 22. Juli 1822 den offiziellen Abschied aus preußischen Diensten. Am 8. November 1824 kam er in das 1. Linien-Infanterie-Regiment, wo er am 25. April 1824 (Patent zum 22. April 1824) zum Oberst befördert wurde. Ab 1827 war er Mitglied des Staatsministeriums. Am 22. April 1830 wurde er Kommandeur des Feldkorps (der aktiven Truppen) und am 18. Dezember 1835 zum Generalmajor befördert.
Wachholtz starb am 16. September 1841 in Braunschweig.
Er war Kommandeur I. Klasse des Ordens Heinrichs des Löwen.
Werke Geschichte des Herzoglich Braunschweigschen Armee-Corps in dem Feldzuge der alliierten Mächte gegen Napoleon Buonaparte im Jahr 1815. Braunschweig 1816. Friedrich Karl von Vechelde (Hrsg.): Aus dem Tagebuche des Generals Fr. L. von Wachholtz. Zur Geschichte der früheren Zustände der preußischen Armee und besonders des Feldzugs des Herzogs Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Oels im Jahre 1809. Braunschweig 1843 (books.google.de). Hilmar L. von Wachholz (Hrsg.): Auf der Peninsula 1810 bis 1813. Kriegstagebuch. Braunschweig 1907. Theodor Rehtwisch (Hrsg.): Unter der Fahne des Schwarzen Herzogs anno 1809. Erinnerungen des Generals von Wachholz. Leipzig 1912. (Neuauflage: tredition, Hamburg 2011, ISBN 978-3-8424-1483-9.)
Literatur Jürgen Hodemacher: Braunschweigs Straßen – ihre Namen und ihre Geschichten. Band 3: Außerhalb des Stadtrings. Braunschweig 2001, ISBN 3-926701-48-X, S. 282f. Gustav Franz Achatius von Kortzfleisch, Generalleutnant a. D. von Otto: v. Wachholtz, Fried. Ludw. In: Geschichte des Braunschweigischen Infanterie-Regiments Nr. 92. 1. Band: Das schwarze Korps 1809 und das Englisch-Braunschweigische Infanterie-Regiment bis 1814. Albert Limbach, Braunschweig 1896, , S. 356/357 (tu-braunschweig.de PDF). S.356f Nr. 133
Roger Reckewell: Wachholtz, Friedrich Ludwig von. In: Herbert Spruth: Die von Wachholtz-Wacholtz. In: Familiengeschichtliche Blätter. 1968, S. 192, Stm.-Nr. 125. Jahrbuch des Deutschen Adels. Band. 2, 1898, S. 941 (dlib.rsl.ru).
Weblinks Nachlässe von Friedrich Ludwig von Wachholtz und seinem Sohn Robert August Wilhelm von Wachholtz (NLA HA Dep. 103 XVIII 16 Nr. 1; NLA WO, VI Hs 18, Nr. 9) in den niedersächsischen Landesarchiven Hannover und Wolfenbüttel.
Werke von Friedrich Ludwig von Wachholtz im Projekt Gutenberg-DE
Einzelnachweise
Kategorie:Militärperson (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Person in den Koalitionskriegen (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Militärperson (Braunschweig) Kategorie:Person in den Koalitionskriegen (Braunschweig) Kategorie:Angehöriger der Schwarzen Schar Kategorie:Kommandeur I. Klasse des Ordens Heinrichs des Löwen Kategorie:Deutscher Kategorie:Adliger Kategorie:Geboren 1783 Kategorie:Gestorben 1841 Kategorie:Mann