mini|Bizarro vor der würfelförmigen Bizarro-Welt, darüber das gespiegelte Superman-Logo als Logo von Bizarro (? statt S; Achterbahn Bizarro, 2011)

Bizarro (engl.) ist eine fiktive Figur im Besitz des US-amerikanischen Unterhaltungskonzerns Time Warner.

Als eigenständiger Charakter war Bizarro der Titelheld der zwischen den 1960er und den 1980er Jahren erschienenen Comicserie Tales of the Bizarro World. Zudem hat der Charakter beziehungsweise der Begriff Bizarro auf vielfältige Weise Eingang in die US-amerikanische Umgangssprache und Popkultur gefunden:Der Comicforscher Don Markstein konstatiert die 1980er Jahre auf den Zeitpunkt, zu dem der Begriff Bizarro in den allgemeinen Sprachgebrauch der amerikanischen Bevölkerung eingegangen ist, zur Bezeichnung von the weird mutated version of anything oder auch als Steigerung des Begriffs bizarre (dt. bizarr) Als Vokabel in der US-amerikanischen Umgangssprache bezeichnet Bizarro einen „bösen Zwilling“ oder ein „verzerrtes Spiegelbild“ einer Person, beziehungsweise als Kompositum in Verbindung mit anderen Begriffen die ins Gegenteil/Negative verkehrte Version eines beliebigen Objektes, einer Institution, einer Idee oder Vorstellung. So bewarb die amerikanische Fernsehserie Alles Betty! sich selbst beispielsweise augenzwinkernd mit dem Slogan The Bizarro Version of Sex and the City. In der amerikanischen Popkultur diente Bizarro unter anderem als Namenspate einer Punk-Rock-Band – The Bizarros – und eines Genres der Underground-Literatur, der sogenannten Bizarro fiction.

Veröffentlichungen Neben zahllosen Auftritten als Gaststar in Superman-Geschichten ist Bizarro vor allem der Titelheld der sogenannten Tales of the Bizarro World, die seit 1959 in loser Folge und in wechselnder Form veröffentlicht werden.

Tales of the Bizarro World erschien unter anderem als festes Feature in den Serien Action Comics (ab US-Action Comics #264) und 1961/1962 Adventure Comics, deren Titelbilder der Bizarro-Charakter ab Ausgabe #286 wiederholt schmückte. In den Adventure Comics ersetzten die Bizarro-Geschichten ab der Ausgabe #285 vom Juni 1961 die älteren Reihen Congorilla und Aquaman. Umgekehrt war der Reihe selbst allerdings auch nur eine relativ kurze Halbwertszeit vergönnt: Nachdem es sich verbraucht hatte, wurde das Bizarro-Feature letztmals in der Ausgabe #299 der Adventure Comics veröffentlicht, um ab Ausgabe #300 (September 1962) seinerseits durch die Science-Fiction-Reihe Legion der Superhelden ersetzt zu werden.

In den 1990er Jahren erschien die sich mit Bizarro befassende Miniserie A Bizarro von Mark Bright, der in den 2000er Jahren die Anthologie-Bände Bizarro Comics und Bizarro World folgten, die beide jeweils mehrere ausgefallene Geschichten versammelten, die um die Bizarro-Thematik kreisten.

Comicfigur Bizarro Die Comicfigur Bizarro wurde 1958 von dem Science-Fiction-Schriftsteller Otto Binder als ein ins Gegenteil verkehrtes Spiegelbild des Comichelden Superman entwickelt. Binder benutzte Bizarro erstmals als Figur in dem Comicheft US-Superboy #68, das im Oktober 1958 erschien. Illustriert wurde dieses Heft von dem Zeichner George Papp, der somit der Schöpfer von Bizarros charakteristischem Erscheinungsbild ist: Papp visualisierte Bizarro als einen Superman in Statur und Erscheinungsbild in extremer Weise ähnelnden Mann, der wie der Superheld ein rot-blau-gelbes Kostüm mit Cape und S-Emblem auf der Brust trug, bei dem die Farben in ähnlicher Weise auf unterschiedliche Kleidungsteile verteilt waren wie bei dem Kostüm des Superhelden. Trotz dieser frappanten Ähnlichkeit sah Bizarro bei Papp zugleich gänzlich anders aus als sein Vorbild: Seine Haut wurde anders als die natürlich fleischfarbene Haut Supermans als ein kreideweiß-gräulich colorierter Überzug dargestellt und sein Gesicht im Gegensatz zu Supermans klassisch-schöner Heroen-Physiognomie als kantig-grobschlächtig und ansatzweise entstellt gestaltet.

Papps Konzept ist bei gelegentlicher Variation von Details bis heute bei allen graphischen Verwendungen von Bizarro in Comicstrips, Zeichentrickserien, Webcartoons, Werbeplakaten und ähnlichem beibehalten worden.

Kritiker, Superman-Fans und Anthropologen haben Supermans verzerrtes Spiegelbild häufig als eine Metapher auf die Sowjetunion interpretiert, da man vermeinte, in Bizarros Verhältnis zu Superman als dessen geborenem Antipoden eine Parallele zum Verhältnis der Vereinigten Staaten – als deren symbolischen Verkörperung Superman in den 1950er Jahren weithin galt – in den 1950er Jahren zur Sowjetunion als ihren „natürlichen Antipoden“ zu erkennen.

Bizarro-Versionen Klassisch Der klassische Bizarro ist ein Wesen, das erstmals in dem Comicheft US-Superboy #68 vorgestellt wurde. Dort erscheint er als eine Kreatur, die erschaffen wird, als Supermans jugendliches Ich Superboy bei einer Testvorführung von einem von dem Wissenschaftler Professor Peterson entwickelten Duplikationsstrahl getroffen wird. Am Ende dieser Geschichte wird Bizarro zerstört, da seine Struktur instabil ist; seine Zerstörung setzt dabei Stoffe frei, die einem blinden Mädchen das Augenlicht zurückgeben.

Später wiederholt Supermans Erzfeind Lex Luthor Petersons Experiment, indem er den Duplikationsstrahl nachbaut und auf den erwachsenen Superman richtet. Seine Hoffnung, einen ihm hörigen eigenen Superman zu erschaffen, mit dem er seinen Gegner vernichten kann, erfüllt sich jedoch nicht: Der von ihm geschaffene Anti-Superman entwickelt stattdessen seinen eigenen Kopf und sagt sich von Luthor los, um – mit eher bescheidenem Erfolg – Superman nachzueifern und als Held für das Gute zu streiten. Dieser Bizarro-Charakter tritt fortan über mehr als zwanzig Jahre bis 1986 immer wieder in den Superman-Comics auf. Nachdem Bizarro von einem Kometen getroffen wird, werden seine – Superman bis dahin sehr ähnlichen Kräfte – ins Gegenteil verkehrt: Während Superman über Hitzeblick verfügt, verfügt Bizarro über Kälteblick, während Superman einen Röntgenblick besitzt, besitzt Bizarro ein Röntgengehör usw. Und während Supermans größte Schwachstelle seine Verwundbarkeit durch grünes Kryptonit ist, ist Bizarro gegenüber einer als blaues Kryptonit bezeichneten Substanz empfindlich. Um den tollpatschigen Störenfried aus dem Verkehr zu ziehen, überträgt Superman ihm später den Auftrag, einen menschenleeren, würfelförmigen Planetoiden zu beschützen, der mit weiteren durch die Benutzung des Duplikations-Strahlers erschaffenen Bizarro-Kreaturen (verdrehte Kopien von Supermans Freunden und Bekannten) bevölkert wird. Letztmals taucht dieser Bizarro 1986 in der US-Ausgabe Superman #426 auf, in der er mit Hilfe von blauem Kryptonit Selbstmord begeht, um durch seinen Tod zum perfekten Gegenteil des lebenden Superman zu werden.

Modern Nach dem Neustart der Superman-Serie 1986 wurde Bizarro in zwei verschiedenen, gleichberechtigt nebeneinanderstehenden Interpretationen in die neue Serie integriert: Die eine Version von Bizarro ist dabei das Produkt eines mehrfach wiederholten – und immer wieder missglückenden – Versuchs der Firma LexCorp, einen ihr gefügigen Klon von Superman zu erschaffen, während die zweite, moderne Version von Bizarro ein vom Joker als verzerrtes Spiegelbild Supermans ersonnenes Kunstgeschöpf darstellt, das durch die Magie des Zauberers Mr. Mxyzptlk zum Leben erweckt worden ist.

Insgesamt handeln drei Geschichten von Versuchen Luthors beziehungsweise seiner Ehefrau, der Contessa del Portenza, Superman zu klonen. Die erste Geschichte dieser Art findet sich in #5 der US-Miniserie Man of Steel von 1986 (Autor und Zeichner: John Byrne): Dort erschafft der chinesische Arzt Doktor Teng in Luthors Auftrag mit Hilfe eines Scans von Supermans DNA einen vermeintlichen Klon Supermans. Nach Luthors Plan soll dieser Klon in jeder Eigenschaft mit Superman identisch sein – nur mit dem einen Unterschied, dass der Klon keinen eigenen Willen haben soll, sondern ihm, Luthor bis ins letzte ergeben sein soll. Nachdem es kurzzeitig so aussieht, als ob das Experiment geglückt sei, kollabiert der Klon: Sein Gesicht verzerrt sich und seine Haut färbt sich in das Bizarro-typische Weiß früherer Zeiten. Luthor, der das Wesen für tot hält, wertet das Experiment als Fehlschlag und lässt den „Leichnam“ entsorgen. Der Klon – der noch lebt – erwacht zu neuem Leben, macht sich selbstständig und terrorisiert fortan Metropolis mit unbeholfenen Heldentaten. Am Ende der Geschichte wird die Kreatur aufgrund ihrer „zellulären Instabilität“ im Kampf mit Superman zerstört.

In einer fünfteiligen Geschichte von 1994 (A Bizarro) wiederholt Luthor das Klonexperiment, das Bizarro geschaffen hatte, in der Hoffnung, aus dem Körper des Klons ein Heilmittel für eine Krankheit gewinnen zu können, an der er, Luthor, in den Superman-Geschichten dieser Zeit leidet. Dieser zweite Bizarro kann aus Luthors Labor entkommen, entführt Supermans Freundin Lois Lane, verschleppt sie in ein Warenhaus, das er als Bizarro World hergerichtet hat und versucht mehrfach, sie mit vermeintlichen Heldentaten zu beeindrucken. Am Ende der besagten Geschichte geht dieser Bizarro wie sein Vorgänger an der Instabilität seines Organismus zugrunde. Einen dritten Klon-Bizarro erschafft Luthors Ehefrau in dem Comicheft Superman. Forever von 1998, indem sie den Wissenschaftler Dabney Donovan damit beauftragt, das Bizarro-Experiment abermals zu wiederholen. Die Contessa hetzt diesen Bizarro auf ihren Ehemann, um sich für einen Anschlag auf ihr Leben zu rächen, lässt ihn ihre eigene Tochter entführen und Metropolis in ein – harmloses – Chaos stürzen, bevor sie ihn während seiner Konfrontation mit Superman per Fernsteuerung zerstört.

In US-Superman #160 wird ein Bizarro mit einem dezidiert anderen Hintergrund vorgestellt: In dieser Geschichte werden wahnhafte Vorstellungen des Joker – eigentlich ein Feind Batmans – von Supermans Widersacher Mr. Mxyzptlk, einem Magier aus der sogenannten 5. Dimension, durch Zauberei in die Realität gebracht. Anders als die Klon-Bizarros stirbt dieser Bizarro nicht am Ende der Geschichte, in der er ins Leben geholt wird. Stattdessen lässt er sich in einer Gruft auf einem Friedhof außerhalb von Supermans Heimatstadt nieder, den er als Graveyard of Solitude zu seiner Basis erklärt. In späteren Geschichten liefert sich Bizarro ein Wettrennen mit dem verrückten Professor Zoom, bildet ein Team mit dem Batman-Duplikat Batzarro, entdeckt seine größte Schwäche (gelbes Kryptonit) und wird einmal von Lex Luthor und ein anderes Mal von dem bösen General Zod gefangen genommen und als Bauer in ihren gegen Superman gerichteten Plänen missbraucht.

Während die Lexcorp-Bizarros in den betreffenden Geschichten kaum sprechen und eher tragisch-ernste Charaktere sind, ist der Joker-Bizarro ein liebenswerter Chaot: Neben den sprachlichen und logischen Schrullen der ursprünglichen Bizarro-Figur (stets das Gegenteil des Gemeinten sagen, stets das Gegenteil des logisch Gebotenen tun) und dem verkehrten S-Emblem auf seinem Superman-Kostüm trägt er als auffälligstes Merkmal ein Bizarro No. 1 Amulett aus Stein als Glücksbringer um seinen Hals.

Alternativ Im Laufe der Jahre sind zudem verschiedene Alternativ-Varianten des Bizarro-Charakters benutzt worden, die meist jedoch nur vereinzelt – und nicht regelmäßig – auftreten: So trat in der Superboy-Serie der 1990er Jahre ein Bizarro-Superboy auf, dessen Herkunft in der betreffenden Geschichte auf einen Versuch der Genforschungseinrichtung Cadmus zurückgeführt wurde.

Weitere Bizarro-Kreaturen sind ein Bizarro-Supergirl, das in einer Ausgabe der Supergirl-Serie der 1990er/frühen 2000er von dem Schurken Two-Face erschaffen wurde, sowie die von Brainiac 5.1. erschaffene Bizarro-Legion und das rückwärts laufende Pferd Bizarabo.