Geschichte der Stadt Leoben von der Jungsteinzeit bis heute. Frühgeschichte Einzelne Funde aus der Jungsteinzeit belegen, dass das Gebiet um Leoben damals schon besiedelt war. Unter anderem wurden in Leoben-Mühltal zwei Steinhämmer gefunden. Ebenfalls wurde ein Hallstattzeit-Gräberfeld (Steinkisten) aus dem ersten vorchristlichen Jahrtausend im Stadtteil Hinterberg entdeckt. Siedlungen am Häuselberg und am Kulm bei Trofaiach aus der Urnenfelderzeit geben Hinweise auf eine Besiedlung durch den Menschen.

Grund dafür dürfte die Erzgewinnung in der Grauwackenzone, vor allem der Kupferabbau in den Eisenerzer Alpen im ersten Jahrtausend v. Chr. und davor, sowie dessen Verarbeitung gewesen sein. Werkzeugfunde eines Schmiedes der Bronzezeit wurden bei Leoben-Nennersdorf gemacht. Im dritten Jahrhundert vor Chr. wanderten keltische Stämme in das Ostalpengebiet ein. Sie gründeten um 200 v. Chr. unter der Führung der Noriker das Königreich Noricum mit der Hauptstadt Noreia.

Römerzeit und Völkerwanderung 15 v. Chr. wurde Noricum Teil des Römischen Reiches zunächst als tributäres Fürstentum, 40 n. Chr. als römische Provinz. Das Gebiet von Leoben wurde ein Teil des Verwaltungsbezirks von Flavia Solva. Der Erzberg wurde von den Römern zur Eisengewinnung benutzt, wie Funde aus der Römerzeit in der Nähe von Eisenerz belegen. Eine Römerstraße durch das Vordernbergertal bis in die Gegend von Bruck an der Mur und von da aus weiter nach Flavia Solva dürfte es gegeben haben. 1926 wurde ein Teil dieser Straße bei Friedauwerk in der Nähe von Vordernberg gefunden. Dieser Verkehrsweg verband Flavia Solva mit der norischen Hauptstraße von Ovilava (Wels) nach Aquileia (bei Grado).

Eine römische Provinzsiedlung dürfte im Raum Leoben bestanden haben. 1858 wurde in Leoben-Donawitz im Bachbett des Vordernbergerbaches ein römischer Grabtempel gefunden. Er befindet sich heute im Joanneum im Eggenberger Schlosspark in Graz. Weiters hat sich ein römischer Steinmetz namens VERVICIUS als erster „Leobner“ in einer Felsspalte auf der Niederung bei Donawitz verewigt, was auf die Anwesenheit der Römer im 2. bis 3. Jahrhundert nach Chr. schließen lässt.

Im Zuge der Völkerwanderung wurden die Römer 488 n. Chr. gezwungen Noricum zu verlassen. Im 5. Jh. durchzogen germanische Stämme das Land, darunter auch die Langobarden.

Als die Langobarden 568 nach Italien abzogen, kam es im 6. Jh. durch den Ansturm der Awaren aus Pannonien zu einer Fluchtbewegung der slawischen Slowenen (Karantanen), die von den deutschen Bayern als Wenden oder Winden (von Winidi = die Weidenden, da diese ein Hirtenvolk waren) bezeichnet wurden.

Es fand eine relativ dünne slawische Besiedlung in den Alpengebieten statt. Es wurde das slawische Fürstentum Karantanien gebildet. Da die Bedrohung durch die Awaren weiterhin aufrecht war, baten die Karantanen die Bayern um Hilfe. 772 wurde Karantanien dem Herzogtum Bayern eingegliedert. Im Zuge der Zerschlagung des Awarenreiches und der Eingliederung Bayerns und der Alpengebiete ins Fränkische Reich kamen immer mehr bajuwarische Siedler in das Gebiet südlich der Alpen, mit ihnen kamen auch christliche Missionare aus Salzburg; diese Siedler vermischten sich allmählich mit den Karantanen im Gebiet der Ostalpen. Eine Mischbevölkerung dürfte es bis ins 11. Jh. gegeben haben, ehe die slawische Bevölkerung im Mehrheitsvolk der Bayern aufging.

Spuren der slawischen Bevölkerung blieben in Ortsnamen und Namen von Örtlichkeiten auch im Raum Leoben erhalten. Unter anderen Donawitz von Tuna (Pfütze), Jassing von jasenica (Esche), Göss von gostnica (Herberge), der Windischberg bei Leoben sowie Windischbühel in der Gemeinde Gai.

Namensentstehung und Markt Liuben Die erste Nennung des Namens „Liupina“ findet sich in einer Schenkungsurkunde von König Ludwig dem Kind an den Gaugrafen Aribo II., Graf zu Göss-Schladnitz, im Jahr 904. In dieser Urkunde wird dem Gaugrafen Aribo ein Gebiet von 20 Königshuben (entspricht ca. 800–1000 Hektar) bei der Ortschaft Zlatina (Schladnitz) oder bei Costenica (Göss) übertragen, mit einem Gutshof, der bei der Mündung des Schladnitzbaches in die Mur lag.

Die karantanische Bezeichnung Liupina bezog sich nicht auf einen Ort, sondern als Liupinatal („liebliches Tal“) auf das Vordernbergertal von der Mur aufwärts bis in die Gegend von Vordernberg bzw. das Tal des Vordernbergerbaches, der als „Lewben“ bezeichnet wurde. Daraus wurde später die Bezeichnung „Liuben“, „Leuben“, schließlich Leoben, heute noch erhalten in der Bezeichnung des Tals zwischen Hafning und dem Ort Friedauwerk bei Vordernberg „In der Loiben“. Der Name leitet sich ab aus dem slawischen Lijub, was so viel wie lieb, lieblich bedeutet. Eine weitere urkundliche Erwähnung aus dem Jahre 982 bezeichnet einen salzburgischen Gutshof in Trofaiach als „Liupina“.

Wann genau der Ort Liupina entstanden ist bzw. Sitz der Gaugrafschaft wurde, ist nicht bekannt. 1004 gründeten der Pfalzgraf Aribo I. und seine Gemahlin Adula das Stiftes Göss. Am 1. Mai 1020 wurde die Gründung des Stiftes von Kaiser Heinrich II. bestätigt. Das Benediktinerinnen-Stift Göss war bis zu seiner Aufhebung durch Kaiser Joseph II. 1782 das älteste Kloster der Steiermark.

1149 bzw. 1170 wurde das erste Mal „Sancta Maria Liuben“, Maria am Waasen, die spätere Waasenkirche, erwähnt. Ebenfalls im Jahre 1149 wurde das erste Mal in Form einer Zeugenunterschrift eines Herrant de Tunuize Donawitz als „Tunuize“ genannt. 1188 findet sich die erste urkundliche Erwähnung der Jakobskirche, die Kirche dürfte jedoch schon früher bestanden haben.

Eine Siedlung unter dem Namen „Forum Liuben“ wurde erstmals im Jahr 1173 genannt, diese befand sich als unbefestigter Ort rund um die Jakobskirche am Fuß des Maßenbergs. Dieser Ort war damals schon als Stapelplatz für das „Leubener Eisen“ bekannt.

mini|Ulrich von Liechtenstein (Codex Manesse, 14. Jh.) 1218 wurde das erste Mal ein Richter als „Judex de Leuben“ urkundlich erwähnt. 1227 weilte Ulrich von Liechtenstein in der Marktsiedlung von Leoben, wo er als Königin Venus verkleidet an mehreren Turnieren teilnahm, wie er in seinem Werk „Frauendienst“ verkündet:

Ze Leuben reit ich al zehan, da ich wol zweinzic ritter vant In min herberge reit ich duo da was ich biz des morgens fruo, des morgens, do diu sunne uf gie, in den gazzen dort und hie hort ich holerfloyten don, ich sach die ritter zogen schon uf daz velt gezimirt gar: ir wapenkleit was lieht gevar. Zehant ich wapen mich began in wapenkleit wiz als ein swan.

Stadtgründung und Stadtbefestigung Ab 1261 wurde unter König Ottokar II. der Ort aus politischen und militärischen Gründen nordwärts an seine jetzige Stelle in der „Murschleife“ verlegt, in der Nähe der Einmündung des Vordernbergerbaches, der „Leuben“, in die Mur. In diese Zeit fällt auch die Verleihung des Stadtrechts. Die Stadt wurde planmäßig rechteckig um einen 32 m breiten und 180 m langen von Nord nach Süd verlaufenden rechteckigen Marktplatz mit vier doppelzeiligen Häuserblöcken errichtet.

Die Stadt verfügte durch ihre Lage über einen natürlichen Schutz. Sie wurde an drei Seiten durch die Mur geschützt. Zusätzlich erhielt die Stadt eine Befestigungsmauer mit Wehrtürmen, die an den vier Ecken mit größeren Wehrbauten gesichert wurden. Deren Schutz wurde an die Adelsgeschlechter der Timmersdorfer, Krottendorfer und Saurau sowie an den Dominikanerorden übergeben.

So wurde am sogenannten „Grünberg“, dem späteren Stadtbühel, in der Nordostecke der Stadt, dem Dominikanereck, das Dominikanerkloster von 1262 bis 1280 errichtet, welches bis 1811 bestand. Südlich davon befand sich das Winkelfeldtor als Zugang zum jenseits der Mur, ebenfalls in einer Murschleife, gelegenen Winkelfeld.

In der Südostecke, dem Sauraueck, wurde die erste ältere landesfürstliche Burg errichtet. Sie wurde dem Geschlecht der Saurau um 1400 als Erblehen übergeben und nach ihnen als „Saurauhaus“ bezeichnet. Westlich angrenzend wurde der Jakobsturm als Torturm mit dem sogenannten „Bruckertor“ errichtet, von wo aus die Straße von Bruck an der Mur nach Leoben führte. Das Saurauhaus wurde 1870 abgetragen, der Jakobsturm 1841.

In der Südwestecke, dem Krottendorfereck, wurde der später so benannte Freimannsturm erbaut, der bis heute erhalten ist mit seinen Nebenbauten, dem „Krottendorferhaus“. 1293 wurde der Turm mit seinen Gebäuden den Krottendorfern als Erblehen übergeben, ehe er im 16. Jahrhundert als Gefängnis und Wohnsitz des Henkers diente. Südlich davon befand sich der Stadtgraben. Weiter südlich wurde als zusätzlicher Schutz die Maßenburg auf dem Maßenberg errichtet, an dessen Fuß sich die Jakobskirche befindet.

Nördlich des Krottendorferecks wurde, geschützt durch einen Zwinger, das Rechentor oder Johannestor errichtet, von wo aus die Straße von Göss kommend in die Stadt führt. Nördlich davon wurde um 1280 gegen Mitte der Stadt der Mautturm errichtet, der spätere „Schwammerlturm“, wo die Straße von Westen kommend über die Waasenvorstadt und die Waasenbrücke in die Stadt führt. 1512 wurde der Turm renoviert, 1615 von Peter Carlone neu errichtet und mit einem Spitzdach versehen, welches beim Erdbeben von 1794 einstürzte, worauf der Turm ein pilzförmiges Dach erhielt.

Gegen Norden zu befand sich die Nordwestecke der Stadt, das sogenannte Timmersdorfereck. Die dort errichtete Wehranlage wurde dem Adelsgeschlecht der Timmersdorfer übergeben. 1418 wurde das Gebäude an den Landesfürsten verkauft. Daraufhin wurde es zur neuen landesfürstlichen Stadtburg umgebaut. 1613 wurde es Kolleg der Jesuiten, 1811 Gymnasium, 1965Dehio Steiermark (ohne Graz) 1982, S. 254. abgetragen; lediglich der Ostflügel blieb erhalten. Er beherbergt heute das Museum. Nördlich davon wurde ein weiterer Stadtgraben gebaut. Östlich davon wurde der Josephsturm errichtet. Gegen Norden befand sich das Josephsfeld.

Spätmittelalter 1314 findet sich die erste Erwähnung als Eisenhandelsplatz („Raueisenverlagsort“). In diesem Jahr übertrug Herzog Friedrich der Schöne Leoben das alleinige Verlags- und Handelsrecht für das in Vordernberg erzeugte Roheisen.

1370 wurde durch eine Schenkung der Bürger Heinrich und Dietrich Pierer mit dem Bau des ersten Spitals in Leoben begonnen, welches 1372 fertiggestellt wurde, das Bürgerspital mit der Kapelle zur hl. Elisabeth, welches bis in das 19. Jahrhundert Verwendung fand. Es befand sich in der Nähe des Brückenkopfes der Waasenbrücke. 1574 wurde ein Wappengemälde an der nördlichen Fassade des Gebäudes angebracht, welches 1983 erneuert wurde; dieser Teil des Gebäudes ist heute noch als Mietshaus erhalten.

Das Bürgerspital diente als Hospital als Vorläufer eines Alten- oder Pflegeheimes hauptsächlich zur Aufnahme von vermögenden Bürgern. Mittellose Bürger wurden in einem dem Bürgerspital angebauten Armen- oder Siechenhaus untergebracht, welches 1805 zum ersten öffentlichen Krankenhaus der Stadt Leoben umgestaltet wurde. Diese Funktion hatte es von 1806 bis 1867 inne, danach wurde es zu einem Mietshaus. 1958 wurde das Gebäude des ehemaligen Armenhauses abgetragen.

1396 wurden erstmals eine jüdische Gemeinde und ein Judenrichter, welcher in Streitfällen zwischen den Bürgern der Stadt und der Judengemeinde vermittelte, in Leoben erwähnt; die Gemeinde bestand bis zur Vertreibung der Juden aus Leoben 1496 auf dem Winkelfeld (Judendorf) östlich der Stadt.

In der zweiten Hälfte des 15. Jh. wurden die schadhaft gewordenen Befestigungsanlagen der Stadtmauer instand gesetzt bzw. verstärkt. Dies bewährte sich 1480, als die einfallenden Türken versuchten Leoben zu erstürmen, was jedoch scheiterte.

Ein Angriff auf das Stiftes Göss durch die Türken scheiterte ebenfalls, vor allem durch die Hochwasser führende Mur, was in der damaligen Zeit als Wunder angesehen wurde. Das Stift wurde daraufhin mit der zum großen Teil heute noch bestehenden Wehranlage versehen.

Ebenfalls 1480 wurde beim Türkensturm die „Waasenvorstadt“ im Westen in Brand gesteckt, auch die dortige Kirche „Maria am Waasen“ fiel dem Feuer zum Opfer.