Franz Johann Hofmann (* 5. April 1906 in Hof (Saale); † 14. August 1973 in der Justizvollzugsanstalt Straubing) war ein deutscher SS-Führer, der in verschiedenen Konzentrationslagern leitende Funktionen ausübte. Er war unter anderem 1. Schutzhaftlagerführer im KZ Auschwitz.
Leben Herkunft und erste Tätigkeiten Hofmann war der Sohn eines Metzgers und hatte fünf Geschwister. Er absolvierte nach dem Volksschulbesuch eine Lehre zum Tapezierer, die er 1923 mit der Gesellenprüfung abschloss. Da er in seinem Ausbildungsberuf keine Arbeit fand, beschäftigte ihn zunächst sein – im Kolonialwarenhandel tätiger – Onkel. Danach war er u. a. als Kellner und Hoteldiener tätig, bis er 1931 arbeitslos wurde. 1932 kehrte er in seine Geburtsstadt zurück.
Zum 1. November 1932 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 1.369.617)Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/16310420 und im selben Jahr der SS (SS-Nummer 40.651).Ernst Klee: Auschwitz. Täter, Gehilfen und Opfer und was aus ihnen wurde. Ein Personenlexikon, Frankfurt am Main 2013, S. 186. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten fand er im Sommer 1933 eine Anstellung als Hilfspolizist.
Funktionen in Konzentrationslagern Ab September 1933 war Hofmann Angehöriger der Wachmannschaft im KZ Dachau, wo er 1937 zum SS-Oberscharführer befördert wurde. 1939 stieg er zum Rapportführer und SS-Hauptscharführer auf. Im Jahr 1941 amtierte er als 2. Schutzhaftlagerführer mit dem Dienstrang eines SS-Untersturmführers. Im April 1942 beförderte man ihn zum SS-Obersturmführer. Damit konnte er zum 1. Schutzhaftlagerführer im KZ Dachau aufsteigen.
Am 1. Dezember 1942 wurde er zum Stammlager des KZ Auschwitz versetzt, wo er vom SS-Hauptsturmführer und 1. Schutzhaftlagerführer Hans Aumeier zum Rampendienst für die Selektion der Deportierten und zur Aufsicht als 3. Schutzhaftlagerführer eingeteilt wurde. Von Ende Februar bis November 1943 beaufsichtigte er als Lagerführer das „Zigeunerlager Auschwitz“. Im November 1943 wurde er zum 1. Schutzhaftlagerführer im Stammlager des KZ Auschwitz ernannt. Am 20. April 1944 wurde er zum SS-Hauptsturmführer befördert.
Mit Wirkung vom 15. Mai 1944 wurde Hofmann zum KZ Natzweiler versetzt, wo er Franz Hössler im Außenlager KZ Neckarelz als Schutzhaftlagerführer auswechselte, der seinerseits im Stammlager des KZ Auschwitz Hofmanns Nachfolger wurde.
Am 22. Oktober 1944 wurde Hofmann nach Schömberg versetzt, wo sich das KZ Schömberg befand, eines der sieben KZs des sogenannten Unternehmens Wüste. Zu seiner dortigen Funktion werden verschiedene Angaben gemacht: Je nach Quelle war er als „übergeordneter Kommandoführer“ Vorgesetzter der Lagerführer von sechs „Wüste“-KZs oder „übergeordneter Lagerführer“ von zwei „Wüste“-KZs (KZ Bisingen und KZ Dautmergen) gedenkstaettenverbund-gna.org oder „Lagerführer“ des KZ Bisingen. gedenkstaettenverbund-gna.org
Wegen der katastrophalen Zustände im KZ Bisingen wurde Hofmann abgelöstKurzbiografie auf hechingen4you.de. und im Februar 1945 nach Guttenbach nahe Neckarelz versetzt.Arno Huth: Die Verlagerung von Kommandantur und Verwaltung des KL Natzweiler: vom Struthof im Elsass nach Guttenbach und Binau an den Neckar (online bei amicale-natzw.lu), S. 3. Dort befand sich seit Ende November 1944 die SS-Kommandantur des gesamten KZ-Komplexes Natzweiler.
Nach 1945 Nach Kriegsende tauchte Hofmann mit einer falschen Identität unter und arbeitete in der Landwirtschaft und als Heizer in Kirchberg an der Jagst. 1948 oder 1949 wurde er von der Spruchkammer in Rothenburg ob der Tauber entnazifiziert und dabei zu einer Geldbuße von 20 DM verurteilt. Er hatte sein Eintrittsdatum in die NSDAP mit 1937 angegeben und gleichzeitig seine Zugehörigkeit zur SS und seine Tätigkeit in den Konzentrationslagern verschwiegen.Urteilstext des Auschwitzprozesses
Am 16. April 1959 wurde Hofmann wegen der in Dachau begangenen Straftaten verhaftet. Am 24. Oktober 1961 sagte er aus: „Wenn ich einen Posten übertragen bekomme, ganz gleich, wo es auch sein mag, dann versuche ich, denselben hundertprozentig auszufüllen.“Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich: Wer war was vor und nach 1945. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2007, S. 266. Am 19. Dezember 1961 wurde er wegen Mordes in zwei Fällen zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt.Urteil des Schwurgerichts in München II vom 19. Dezember 1961 - 2 Ks 8/61 nach dem Urteilstext des Auschwitzprozesses
Im ersten Auschwitzprozess wurde er am 10. August 1965 vom Landgericht Frankfurt nochmals zu lebenslanger Haft im Zuchthaus verurteilt.
Weiterhin gab es ein Ermittlungsverfahren zu Tatvorwürfen im KZ Natzweiler. Hofmann verstarb am 14. August 1973 in Strafhaft.
Literatur
Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Frankfurt am Main 2003. Otto Oertel: Als Gefangener der SS. Herausgegeben und bearbeitet von Stefan Appelius. Mit einem Vorwort von Bernt Engelmann. Oldenburg 1990. Friedrich Karl Kaul, Joachim Noack: Angeklagter Nr. 6 – Eine Auschwitz-Dokumentation. Berlin 1966. Danuta Czech: Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939-1945. Hamburg 1989. Hermann Langbein: Menschen in Auschwitz. Ullstein, Frankfurt am Main, Berlin, Wien 1980, ISBN 3-548-33014-2. Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau (Hrsg.): Auschwitz in den Augen der SS. Oswiecim 1998, ISBN 83-85047-35-2.
Weblinks
Kurzbiografie mit Foto auf hechingen4you.de
Einzelnachweise
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