mini|hochkant|Rekonstruktion eines hochmittelalterlichen Schwertes
Das Schwert ist eine Hieb- und Stichwaffe mit gerader oder gebogener, ein- oder zweischneidiger Klinge,Gerhard Seifert: Fachwörter der Blankwaffenkunde: dt. Abc der europäischen blanken Trutzwaffen. Über Hieb-, Stoß-, Schlag- und Handwurfwaffen. Verlag Seifert, 1981 Gefäß und Scheide. Schwerter waren in den meisten antiken bis mittelalterlichen Kulturen zu finden, sowohl im abendländischen als auch im orientalischen und ostasiatischen Kulturraum. Sie haben als Waffe heute keine Bedeutung mehr; ihre symbolische Bedeutung indes ist ungebrochen.
Etymologie Das Wort Schwert findet sich schon in einigen der ältesten althochdeutschen Texte (ahd. swërt) und ähnlich im Altenglischen (sword, sweord, swyrd), Altsächsischen (swerd), Altniederländischen (swert), Altfriesischen (swerd) sowie im Altnordischen (sverð), so dass es zumeist zum gemeingermanischen Erbwortschatz gerechnet wird (*swerđą), allerdings ist das Wort im Gotischen nicht belegt, was in diesem Falle augenscheinlich nicht der Überlieferungslage geschuldet ist, sondern darauf hindeuten mag, dass das Wort im Ostgermanischen, oder zumindest im Gotischen, tatsächlich fehlte. Die weitere Herleitung ist umstritten.Zu einer Übersicht der Herleitungsversuche s. Viktor Lewizkij: Germanische Bezeichnungen für „Schwert“ und semantische Typologie. In: RASK – International journal of Language and Communication 34, 2011, S. 3–22. Einer Hypothese zufolge ist Schwert ein Kognat von griechisch ἄορ „Schwert“ und ἀείρω „hängen“ und mit diesen zur indogermanischen Wurzel *u̯er- „binden, einreihen, aufhängen“ zu stellen; auszugehen wäre demnach von der Grundbedeutung „(Wehr-)Gehänge“. Willy Krogmann (1932) stellte *swerđą hingegen zur Wurzel *su̯er-, die in seiner Rekonstruktion anders als ihr nhd. Reflex „schwären“ nicht nur „eitern“, sondern wie ahd. sweran auch „schmerzen, stechen“ bedeutet haben soll; *swer-đą erkläre sich als Verbalsubstantiv (mit Dentalsuffix) und bedeute mithin so viel wie „das Schneidende, Stechende.“Willy Krogmann: Germ. *swerða- „Schwert“. In: Zeitschrift für vergleichende Sprachwissenschaft 59, 1932.Vgl. auch Bernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben. Niemeyer, Tübingen 2003 (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50), ISBN 3-484-36050-X, S. 399 (mittelhochdeutsch swërde ‚Schmerzen‘). Andere Autoren führen das Wort naheliegenderweise, aber auf teils recht verschlungenen Wegen auf die Wurzel *(s)ker- „schneiden“ zurück, die beispielsweise auch der Schere zugrunde liegt. Alexander Nikolaev (2009) erklärt urgerm. *swerđą als substantiviertes Adjektiv auf Grundlage der verwandten Wurzel *seh2/3/u „spitz, scharf“, das mithin so viel wie „scharfer/geschärfter Gegenstand“ bedeute, und meint zudem im Keilschrift-Luwischen mit ši(ḫ)u̯al „Dolch“ einen fast bildungs- und bedeutungsgleichen Urverwandten des Schwerts entdeckt zu haben.Alexander Nikolaev: The Germanic Word for ‘sword’ and Delocatival Derivation in Proto-Indo-European. In: The Journal of Indo-European Studies 37:3, 2009, S. 461–488.
In den ältesten Sprachzeugnissen des Germanischen, also in der gotischen Wulfilabibel zum einen und den urnordischen Runenritzungen in Skandinavien zum anderen, findet sich indes noch keine Entsprechung zum mutmaßlich gemeingermanischen *swerđą. Hier finden sich im Wortfeld „Schwert“ dafür zwei vielleicht ursprünglichere Begriffe, die später auch in altenglischen, altsächsischen und altnordischen Quellen begegnen (jedoch nicht im Althochdeutschen), was den Schluss auf eine Verbreitung im gesamten germanischen Raum und die Rekonstruktion einer ursprünglichen Wortform *heruz und *mēkijaz erlaubt. Welcherart Waffen damit bezeichnet oder unterschieden wurden, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Der üblichere Begriff war wohl *heruz: mit got. hairus übersetzt Wulfila öfter gr. ῥομφαία rhomphaía (u. a. ). Es entspricht aengl. heoru, asächs. *heru und anord. hjǫrr; nur im Isländischen hat sich das Wort bis heute erhalten, wobei hjör „Schwert“ hier auch nur als poetischer Archaismus begegnet. *mēkeis (rekonstruierter Nominativ der gebeugten Form meki, Akk. Sg.) erscheint bei Wulfila hingegen nur einmal in als Übersetzung von gr. μάχαιρα máchaira. Da die ursprünglich thrakische Romphaia ein besonders langes Sichelschwert war, die Machaira hingegen zumindest ursprünglich offenbar eine Art Dolch, liegt es nahe, dass gotisch hairus eher ein Langschwert, *mēkeis hingegen ein Kurzschwert bezeichnet haben mag.Herwig Wolfram: Die Goten: Von den Anfangen bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts : Entwurf einer historischen Ethnographie. Beck, München 1990, S. 108–109. Got. *mēkeis entspricht offenbar dem urnordischen mākija,S. den Eintrag zum Wort mākija in der Datenbank des Runenprojekts der Christian-Albrechts-Universität Kiel, eingesehen am 4. Juni 2020. das in einer der ältesten Runeninschriften überhaupt belegt ist, dem auf die Mitte des 3. Jahrhunderts datierten Ortblech von Vilmose,S. den Eintrag zum Ortband 1 von Vimose (Fyn, DK) in der Datenbank des Runenprojekts der Christian-Albrechts-Universität Kiel, eingesehen am 4. Juni 2020. sowie aengl. mǣce und asächs. māki. Dieses Wort lebt in keiner heute gesprochenen germanischen Sprache fort, dafür aber im Finnischen, das das Wort offenbar sehr früh aus dem Germanischen entlehnte (miekka „Schwert“), ebenso wie das Altslawische (mečь). Bisweilen wurde aber auch der umgekehrte Fall angenommen, also eine Entlehnung aus dem Finnischen oder Slawischen ins Germanische, neuerdings vermutet man aber eher, dass es sich hier wie dort letztlich um eine Entlehnung aus einer iranischen oder auch einer kaukasischen Sprache handelt; jedenfalls scheint es sich bei urgerm. *mēkijaz nicht um ein Erbwort, sondern um ein Wanderwort zu handeln.Viktor Lewizkij: Germanische Bezeichnungen für „Schwert“ und semantische Typologie. In: RASK – International journal of Language and Communication 34, 2011, S. 4f. Ein weiteres germanisches Schwert ist das Sax (ahd. und as. sahs, an. sax < urgerm. *sahsą), das die bevorzugte Hiebwaffe des Stammes der Sachsen war und ihm auch den Namen gab; seine Gestalt und Bauweise ist dank zahlreicher archäologischer Funde, die eindeutig den Sachsen zuordenbar sind, gut bekannt.
Beschreibung mini|hochkant=1.2|Frühbronzezeitliche Schwerter nach O. Montellius Neben seiner Funktion als Waffe besaß das Schwert seit jeher die eines Macht- und Statussymbols. Dies ist zum einen darin begründet, dass das Schwert die erste Waffe darstellt, die speziell zum Nahkampf „Mensch gegen Mensch“ entwickelt wurde, zum anderen in der handwerklichen Herausforderung, die die Fertigung einer solchen Waffe darstellte. Schwerter aus Bronze waren schwer zu gießen und materialintensiv. Zudem benötigte man eine entsprechend große, aufwändig herzustellende Gussform. Schwerter aus Eisen wiederum waren das Ergebnis einer aufwändigen Schmiedearbeit, die spezielles Wissen voraussetzte. Im Vordergrund stand immer die Gebrauchsfähigkeit: Ein Schwert durfte nicht brechen und sich trotz hoher Flexibilität möglichst nicht plastisch verbiegen, es musste leicht sein, um den Besitzer während des Gebrauches nicht zu ermüden, und es musste lange scharf bleiben. Schwerter stellen in vielen früheren Kulturen den Höhepunkt des handwerklichen Könnens dar. In kriegerischen Zeiten konnten Schwerter aber auch Massenprodukte von verminderter Qualität sein. Wenn es nötig war, viele Kämpfer damit auszurüsten, wurden Schwerter schnell und günstig für den aktuellen Bedarf gefertigt.
In einigen Gesellschaften erreichte das Schwert einen regelrechten Kultstatus. So war im Japan der Edo-Zeit das Tragen von Schwertern nur bestimmten Personen gestattet und strikt reglementiert.Markus Sesko: Leitfaden Zum Japanischen Schwert. 2013, ISBN 1-291-41105-4. Auch bei den Kelten lässt sich eine Art Schwertkult feststellen. Die Männer wurden mit Schwert begraben, Schwerter wurden rituell zerstörtKeltische Waffen oder als Opfergaben in Seen und Flüssen versenkt. Daher sind viele Originale in Museen und Sammlungen erhalten.
Das Schwert erfuhr in seiner Geschichte einen Gestaltungs- und Formenwandel. Es unterlag stets der Mode der Zeit und wurde an die jeweiligen Kampfstile und Rüstungen der Gegner angepasst. So sind schon Schwerter der Bronzezeit auf Hieb oder Stich optimiert, die Langschwerter der Kelten gut vom Pferd oder Streitwagen aus zu benutzen und die kurzen Gladii der Römer für dichten Nahkampf konzipiert. Später folgten auf Hieb und Stich optimierte, lange Schwerter, die mit dem ausgehenden Mittelalter zu Stoßwerkzeugen, sogenannten „Panzerstechern“, wurden, um die Eisenrüstungen der Ritter zu durchdringen.
Es gibt auch lange Perioden ohne großen Wandel in der Form des Schwertes. So blieb das Schwert der Latènezeit über mehrere Jahrhunderte in seiner grundlegenden Form unverändert. Auch das mittelalterliche Schwert blieb über Jahrhunderte in seiner Form fast gleich. Besonders statisch ist das japanische Schwert. Hier sind Unterschiede in der Klingenform (Sugata) nur von Spezialisten zeitlich zuzuordnen.
Es handelt sich um ein Filmklischee, wenn bei jedem Schwertkampf die Funken sprühen.
Sonderformen europäischer Schwerter hochkant=0.5|mini|Anthropomorphes keltisches Schwert der Latènezeit Das Knollenknaufschwert der Kelten versetzte die Forschung in Erstaunen, da man annahm, derartig dünne „Rapierklingen“ gäbe es aufgrund der technischen Machbarkeit erst ab der Renaissance. Tatsächlich gab es aber bereits Vorläufer in der Bronzezeit. Das Knollenknaufschwert ist die erste derartige Waffe aus Eisen.
Ein weiteres keltisches Schwert ist das anthropomorphe Schwert. Die spezielle Griffform, die an einen Menschen mit ausgestreckten Armen und Beinen erinnert, entstand wohl aus bronzezeitlichen Griffformen. Die Schwerter haben meist kurze Klingen. Einige wenige Langschwerter sind bekannt.
Die dakische Falx ist ein Sichelschwert, bei dem im Gegensatz zum Säbel die Innenseite der Biegung geschärft ist.
Das Ringknaufschwert ist eine römische Variante, die wohl südosteuropäische Vorbilder hat.
Das Ringschwert ist ein völkerwanderungszeitlicher bis frühmittelalterlicher Typ, bei dem am Knauf zwei ineinander verkettete Ringe angebracht sind. Über die Bedeutung ist man sich nicht im Klaren.
Das Sauschwert ist eine in der Renaissance aufkommende Waffe zur Jagd auf Wildschweine vom Pferd aus. Das lange Schwert besitzt nur im oberen Drittel bzw. Viertel eine zweischneidige Klinge, der Rest der Klinge ist ein Vierkant bzw. eine überlange Fehlschärfe. Das Verletzungsrisiko für Pferd und Reiter ist damit minimiert.
Das Richtschwert ist eine Sonderform für die Justiz ab der Renaissance bis ins 19. Jahrhundert. Es ist nur zum Hieb gedacht, besitzt damit auch keinen spitzen Ort.
Der Bidenhänder ist ein bis zu über 2 Meter langes, zweihändig geführtes Schwert. Es wurde im ausgehenden Mittelalter und der Renaissance von Landsknechten als „Breschenschneider“ in vorderster Reihe eingesetzt.
Entwicklungs- und Verbreitungsgeschichte Bronzezeit mini|250px|Bronzeschwert (ca. 900–700 v. Chr., England), darüber entsprechende Replik
Als älteste Schwerter gelten die Funde aus Arslantepe auf dem Gebiet der heutigen Türkei. Sie datieren in die Mitte des 4. Jahrtausends vor Christus. Hier wurde durch die frühe Verarbeitung von Kupfer und die Beimischung von Arsen sogenannte Arsenbronze erzeugt, was die Produktion von Schwertern ermöglichte. Die Schwerter dienten wohl hauptsächlich repräsentativen Zwecken.Ein neues Schwert vom Typus Arslantepe.