Die Reichsabtei Ochsenhausen (Patron: St. Georg) war von 1090 bis 1803 ein Kloster der Benediktiner in Ochsenhausen in Oberschwaben, das zum Schwäbischen Reichskreis gehörte.

Lage Mit einer Fläche von zweihundertfünfundfünfzig Quadratkilometern und knapp neuntausend Untertanen in der Zeit seiner größten Ausdehnung umfasste das Territorium ungefähr 20 % des heutigen Landkreises Biberach. Es grenzte im Westen an die freie Reichsstadt Biberach, im Süden an die Reichsabtei Schussenried und das weltliche Territorium Waldburg-Zeil, im Osten an die Reichsabtei Rot an der Rot und im Norden an Laupheim. Das Stift hatte mit dem Amt Tannheim eine Enklave inmitten des Gebietes der Reichsabtei Rot an der Rot.

Geschichte Fränkische Einflüsse bestimmten nach dem ersten Jahrtausend das Herzogtum Schwaben. Die fränkisch-welfischen Ministerialen Konrad, Hawin und Adelbert von Wolfertschwenden stifteten als Grundeigentümer zusammen mit ihren Schwestern um 1090 ein Benediktinerkloster (Ohsinhusin) bei Biberach an der Riß in Oberschwaben und übergaben es der Abtei St. Blasien im Schwarzwald. Schon bald darauf schickte Abt Uto I. vom Mutterkloster St. Blasien aus Mönche an die Rottum und untere Iller und schon 1093 erfolgte die Weihe dieses als Priorat von St. Blasien geführten Klosters zu Ehren des Heiligen Georg. Am 31. Dezember 1100 bestätigte die Stifterfamilie ihre Klostergründung urkundlich. 1157 wurde die Stiftung auch von Papst Hadrian IV. bestätigt. Die Vogtei über das Kloster lag bei den Welfen. Während des 12. Jahrhunderts lassen sich bei den Ochsenhausener Benediktinern Einflüsse der Klosterreform von Fruttuaria nachweisen. Von 1238 bis 1262 stand der Selige Heinrich von Zwiefalten dem Kloster Ochsenhausen als Prior vor. 1343 wandten sich die Mönche aufgrund von Umtrieben schellenbergischer Vögte an Kaiser Ludwig den Bayern. Er stellte den Konvent 1347 unter den Reichsschutz, womit er die Reichsstadt Ulm beauftragte.

Nach Georg Geisenhof war das ursprüngliche Kloster vor dem barocken Neubau eine bescheidene Anlage. Es bestand aus drei zweistöckigen Gebäudeflügeln, die mit der Kirche ein regelmäßiges Viereck bildeten. Das frühere Kloster ist identisch mit dem heutigen Kreuzgärtchen. Im Kloster gab es sechs beheizbare Räume, das Refektorium, das die Mönche im Winter auch als Studierzimmer benutzten, das Zimmer des Priors und das des Propstes, ein Krankenzimmer mit einer kleinen Kapelle zum Heiligen Geist, ein Gastzimmer und das Pfortenstübchen.Geisenhof: Kurze Geschichte, S. 11 Über die Jahrhunderte schwankte die Anzahl der Mönche zwischen zwanzig und vierzig.

Vom Kloster zur Reichsabtei mini|links|Kloster Ochsenhausen 1391 löste sich das Kloster Ochsenhausen von St. Blasien und wurde eine selbständige Abtei. Der eigentliche Anlass für die Trennung des Priorates Ochsenhausen von der Mutterabtei St. Blasien war das von 1378 bis 1417 dauernde Abendländische Schisma. Während der zeitweiligen Kirchenspaltung blieb Ochsenhausen an der Seite des Papstes der römischen Obödienz, Urban VI., während das Mutterkloster sich dem Gegenpapst Clemens VII. der Avignonesischen Obödienz unterstellte. 1388 wurde Nikolaus Faber zum Propst und Prior des Konvents gewählt. Der von St. Blasien eingesetzte Prior Heinrich Laurin und der Propst Heinrich von Södorf wurden im gleichen Jahr nach St. Blasien zurückverwiesen. Die Angelegenheit blieb strittig und Nikolaus Faber reiste 1391 nach Rom, um eine Entscheidung des neuen Papstes Bonifaz IX. zu erwirken. Bonifaz entschied nach einer Audienz, dass Ochsenhausen zur selbständigen Abtei erhoben wurde. Der aus sieben Mönchen bestehende Konvent wählte am 19. April 1392 Nikolaus Faber zum ersten Abt.

mini|links|1490 erbauter Ochsenhauser Pfleghof in Ulm In einer Urkunde vom 13. Oktober 1397 verlieh König Wenzel Abt und Konvent das Recht der freien Vogtwahl und Freiheit von fremden Gerichten. Die Reichsstadt Ulm bestätigte er ihnen als frei gewählte Schirmvogtei. Damit war das Kloster nur der Reichsgewalt unterstellt. Für die Klosteruntertanen waren jetzt nur noch die klösterlichen Gerichte zuständig, das Kloster selbst hatte das Bürgerrecht von Ulm und unterstand dem Ulmer Stadtgericht. Möglicherweise wurde der Abt von Ochsenhausen schon 1422 unter dem Namen Der von Sant-Jorgen als Reichsstand in der Heeresmatrikel geführt.vgl. Stadt Ochsenhausen (Hrsg.): Reichsabtei Ochsenhausen. Geschichte und Kunst. Ochsenhausen 1984, S. 113 Die Abtei hatte reiche Besitzungen zwischen Iller und Riß mit zahlreichen Patronaten und Inkorporationen von Pfarreien. Die Wallfahrt von Steinhausen an der Rottum wurde von Ochsenhausener Benediktinern betreut.

Abt Michael Ryssel ließ für die Klosterkirche mit geringem Aufwand einen höheren Kirchturm errichten und diesen mit größeren Glocken versehen sowie den gotischen Kreuzgang und die Prälatur bauen. Neben dem Turm ließ er eine gotische Kapelle erbauen und dem Ordensgründer Benedikt von Nursia weihen. Die baufällige Friedhofskapelle St. Veit, in der die Stifter des Klosters begraben waren, baute er von Grund aus neu auf und versah sie mit drei Altären.Benediktinerabtei St. Georg Ochsenhausen – Geschichte, Klöster in Baden-Württemberg, eingesehen am 19. Juli 2009 In Abt Michaels Regierungszeit fällt auch 1542 die Einrichtung zweier Studienanstalten in Legau und Ochsenhausen. Im Abbatiat des vierten Abtes Johannes Knuß erreichte die Pest 1470 Oberschwaben. Unter Prälat Simon Lengenberger erhielt das Kloster 1495 den Titel einer freien Reichsabtei. Die Grundlage dafür war jene in Innsbruck am 23. Dezember 1488 ausgestellte Urkunde, mit der Kaiser Friedrich III. dem Abt das Recht der Blutgerichtsbarkeit verlieh, verbunden mit der Erlaubnis, Stock und Galgen aufzurichten. Im gleichen Jahr begann Abt Simon mit dem Neubau der Abteikirche (1489–1495) in gotischem Stil. Am 29. Mai 1495 wurde sie vom Konstanzer Weihbischof Daniel Zehender, Titularbischof von Belline in Syrien, feierlich geweiht. Die neue Kirche hatte fünfzehn Altäre, der Hochaltar wurde von Jörg Sürlin aus Ulm ausgeführt. Sürlin begann das Werk im Jahre 1496 und vollendete es 1499 unter dem späteren Abt Hieronymus Biechelberger. Des Weiteren ließ Abt Simon ein Gastgebäude errichten.

Geistliches Territorium, Bauernkrieg und Reformation mini|links|Ehemalige Reichsabtei Ochsenhausen mini|links|Ostfassade des Klosters 1501 unter Abt Hieronymus I. Biechelberger erhoben sich die Lehensbauern aus den 38 zum Kloster gehörenden Ortschaften und erreichten mit dem Untertanenvertrag von 1502 Verbesserungen ihrer Lehensbedingungen, die allerdings nach der Niederlage der Bauern 1525 wieder weitgehend zurückgenommen wurden. Die Vereinbarungen von 1502 dürften der Grund gewesen sein, warum der Bauernkrieg keinen größeren Schaden angerichtet hat. Es kam unter anderem zu folgenden Änderungen im Rechtsverhältnis des Stiftes zu seinen Untertanen. Alle Klostergüter wurden zu Erblehen. Die Güter hatten Kaufrecht, das Kloster erhielt ein Vorkaufsrecht zu einem Preis, der einen Gulden unter dem Schätzwert lag. Wechselte der Lehensinhaber, zahlte der alte fünf Prozent, der neue zehn Prozent des Schätzwertes an das Kloster. Wurden Güter neu vergeben, wurden Klosteruntertanen bevorzugt, aber jeder Bauer durfte nur ein Gut bewirtschaften. Die Leibeigenen konnten ihre fahrende Habe vererben, wobei der Erbe fünf Prozent des Schätzwertes an das Kloster zu zahlen hatte. Für die Untertanen gab es Freizügigkeit, aber sie mussten ihre Zahlungen weiterhin an das Kloster leisten. Leibherrliche Abgaben wurden auf eine pauschale Geldabgabe von 1 Pfund Heller für den Gewandfall beschränkt. Das Kloster teilte den Bauern Bau- und Brennholz zu.Stadt Ochsenhausen (Hrsg.): Reichsabtei Ochsenhausen. Geschichte und Kunst. Ochsenhausen 1984, S. 132

Unter Abt Andreas I. Kindscher schwelte der Streit mit den Untertanen weiter. Die Reformation hielt Einzug in Oberschwaben. Der Magistrat der Reichsstadt Biberach verfügte unter evangelischer Mehrheit 1542 die Absetzung Pfarrer Knechts aus Baltringen. Abt Georg Müller rief die Schirmvogtei Ulm in dem Streit um Hilfe, die inzwischen aber auch sich mehrheitlich zur protestantischen Konfession bekannte. Ulm verlegte zwei Kompanien Truppen nach Ochsenhausen. Ein ulmischer Prediger sollte wegen des Seelenheils der Soldaten in der Stiftskirche des Klosters Gottesdienst halten. Heilige Messen nach römischem Ritus wurden verboten. Abt Georg floh 1547 nach Augsburg. Kaiser Karl V. weilte 1547/1548 zum Reichstag in Augsburg. Der Kaiser empfahl Abt Georg, zu resignieren. Sein Nachfolger wurde der Abt von Weingarten Gerwig Blarer. Blarer avancierte zum Führer der Katholiken in Oberschwaben. Ihm gelang unter Mitwirkung besonders der Dillinger Jesuiten die Einführung der Reformation im Klostergebiet zu verhindern, die Klosterdisziplin der Mönche wiederherzustellen sowie das Klosterland geistlich zu heben. Die von der protestantisch gewordenen Schutzmacht Ulm entsandten Prediger mussten wieder abgezogen werden. 1548 kündigte das Reichsstift die Schirmherrschaft der Stadt Ulm und unterstellte sich direkt dem Schutz König Ferdinands und des Hauses Habsburg. 1556 erwirkte Blarer, wohl einer der politischsten Äbte Ochenhausens, bei Kaiser Karl V. eine Verordnung für die Reichsabtei Ochsenhausen, „die den Land- und Leut verderblichen Handelskunstgriffen der Juden Einhalt gebot.“Geisenhof: Kurze Geschichte, S. 84. 1570 verkaufte sein Nachfolger Abt Andreas II. Sonntag die Ortschaft Wain an die Stadt Ulm. Abt Johannes Ernst ließ 1592 die Sankt-Anna-Kapelle zwischen Oberstetten und Steinhausen an der Rottum errichten und sich darin am Fuße des Altares begraben. Während der Amtszeit von Abt Urban Mayer wurden „Todesurteile alter Frauen unterzeichnet, die für Hexen gehalten wurden“.Geisenhof: Kurze Geschichte, S. 100.

Dreißigjähriger Krieg und Barockzeit 1603/04 gehörte das Kloster Ochsenhausen zu den Gründungsmitgliedern der Oberschwäbischen Benediktinerkongregation. 1613 gründete die Abtei in Ochsenhausen ein Lyzeum (Klostergymnasium), 1615 bis 1618 erfolgte unter Abt Johannes Lang der Neubau des Konventgebäudes. Von 1623 bis 1630 unterhielt das Kloster zudem ein zweites Lyzeum in Ummendorf. Nach der Niederlage des katholischen Heerführers Johann t’Serclaes von Tilly in der Schlacht bei Rain am Lech am 14./15. April 1632 und der darauf folgenden Eroberung von Augsburg zog sich die kaiserliche Armee in Richtung Osten zurück. Ulm wurde Stützpunkt der schwedischen Besatzungsarmee. Der Reichsabtei Ochsenhausen wurde eine Kontribution von 6000 Gulden unter Androhung der Einäscherung des Klosters (Brandschatzung) angekündigt. Am 22. Juni 1632 wurde das Kloster von den Schweden geplündert und nichts von einigem Werthe, das sie erreichen oder losmachen konnten blieb zurück.Geisenhof: Kurze Geschichte, S. 90. Ein kurzes Zwischenspiel, in dem der Feldherr der kaiserlich-habsburgischen Armee Johann von Aldringen den bedrängten oberschwäbischen geistlichen Territorien zu Hilfe kam, heizte die Wut der Schweden nur noch mehr an. Auch die Schlösser von Thannheim und Ummendorf wurden geplündert. Dieses wiederholte sich jedes Mal wieder, wenn eine neue schwedische Division in Süddeutschland stationiert wurde. Während des Dreißigjährigen Krieges war das Kloster durch Seuchen und weitere Plünderungen schwer betroffen, erholte sich aber danach sehr schnell. Schon 1650 konnte ein Gästetrakt errichtet werden.