Roland T. Rowland (geboren als Roland Walter Fuhrhop, bekannt geworden als Tiny Rowland; * 27. November 1917 in Belgaum, Britisch-Indien; † 25. Juli 1998 in London, Großbritannien) war ein britischer Geschäftsmann und Tycoon deutscher Herkunft. Er machte sein Vermögen in den Minen Afrikas und baute das Konglomerat Lonrho auf, das nicht nur zahlreiche afrikanische Unternehmen, sondern unter anderem die britische Zeitung aufkaufte und sich unter seiner Leitung zu einer der größten und mächtigsten britischen Gesellschaften entwickelte.
Zu einem internationalen Skandal und jahrelangen Konflikt kam es, als sich Tiny Rowland 1985 bei dem zum Verkauf stehenden renommierten Londoner Kaufhaus Harrods nicht gegen seinen früheren Freund und Geschäftspartner Mohamed Al-Fayed durchsetzen konnte und fortan mit aller Härte und Verbissenheit um die Rechtmäßigkeit dieses Geschäfts stritt. Die Fehde beherrschte den Rest seines Lebens und verschlang Unsummen an Geld; beendet wurde der Konflikt erst nach Rowlands Tod durch Al-Fayeds Zahlung einer hohen Geldsumme an Rowlands Witwe.
Herkunft und Jugend Rowland wurde am 27. November 1917 als Roland Walter Fuhrhop in einem indischen Internierungslager geboren, wo seine Familie während des Ersten Weltkriegs inhaftiert war. Er war der Sohn des Deutschen Wilhelm Friedrich Fuhrhop (1885–1974) und dessen niederländischer Frau Muriel Kauenhoven (1883–1945).Genealogie Christiansen-Fuhrhop Er hatte zwei ältere Geschwister, eine Schwester, Phyllis Gretel (1907–1997), und einen Bruder, Raimund Everest (1915–1966).
Die Mutter entstammte einer wohlhabenden niederländischen Familie, die seit 30 Jahren in Großbritannien gelebt hatte, als sie 1906 den in Hamburg geborenen Wilhelm Fuhrhop heiratete, einen erfolgreichen und unternehmungslustigen Händler. Das Paar zog nach Indien, wo Fuhrhop seinen lukrativen Geschäften nachging, bis der Erste Weltkrieg ausbrach und die britische Kolonialmacht sie als „feindliche Ausländer“ internierte. Nach dem Krieg wurde der Familie der Verbleib in Indien und die Wiedereinreise nach Großbritannien verweigert, sodass sie sich in Fuhrhops Heimatstadt Hamburg niederließ, wo Rowland und seine Geschwister aufwuchsen.
1937, als Rowland 20 Jahre alt war, gelang es der Familie, wieder eine Einreisegenehmigung nach Großbritannien zu erhalten. Rowlands Bruder Raimund blieb in Hamburg, wo er zwischenzeitlich eine Berufstätigkeit aufgenommen hatte. Der Rest der Familie ließ sich in Hampshire nieder, wo Rowland das Churcher’s College bei Petersfield besuchte.
Als Rowland volljährig war, bewarb er sich um die britische Staatsbürgerschaft, weil er nicht dieselben Schwierigkeiten erleiden wollte wie seine Eltern. Erleichtert durch die Tatsache, dass er in dem indischen Internierungslager auf britischem Territorium geboren worden war, erhielt er 1939 die britische Staatsbürgerschaft. Gleichzeitig änderte er seinen Namen; laut Richard Hall war „seine Art, sich zu anglisieren, seltsam halbherzig, ja geradezu gedankenlos“: Er nahm den Anfangsbuchstaben seines zweiten Namens und setzte ihn in die Mitte seines ersten Namens, woraus Roland T. Rowland entstand. Seinen Spitznamen – „winzig“ – hatte ihm als Nesthäkchen seine indische Kinderfrau gegeben, vermutlich, weil er bereits als Kind überdurchschnittlich groß war (als Erwachsener maß er 1,88 m).
Künftig verhielt er sich wie ein Engländer der Oberklasse, trainierte den typischen Akzent und kleidete sich entsprechend, stets betont gepflegt, von vielen als „geschniegelt“ kritisiert – eine Angewohnheit, die er zeit seines Lebens beibehalten sollte. Er verleugnete seine deutsche Herkunft nicht explizit, pflegte seine Wurzeln aber auch nicht. Auch sprach er künftig mit Deutschen nur Englisch.
Im Anschluss an den Collegebesuch wurde er von einem Onkel mütterlicherseits in dessen Londoner Reederei angestellt. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs trat er in die Britische Armee ein und wurde Mitglied der Feldlazaretteinheit des , wo er drei Jahre diente. Er nahm 1940 an der Landung der Alliierten in Norwegen teil. Sein Bruder Raimund war hingegen in Deutschland geblieben und zur deutschen Wehrmacht eingezogen worden. Die Kontakte zu ihm hatte Rowland nach eigener Aussage seither abgebrochen.
Während des Kriegs wurden Rowlands Eltern erneut als feindliche Ausländer interniert, dieses Mal auf der Isle of Man. Als Rowland die Information erreichte, dass seine Mutter lebensgefährlich erkrankt war, verließ er seine Einheit ohne Erlaubnis, um sie zu besuchen. Er wurde daraufhin unehrenhaft entlassen und selbst 27 Tage interniert („27 Tage,“ sagte er später, „die sich anfühlten wie 270“). Die Mutter starb im Lager kurz vor Kriegsende 1945.
Karriere mini|Simbabwe, das frühere Rhodesien mini|Die Lage Rhodesiens auf dem afrikanischen Kontinent In den Nachkriegsjahren arbeitete Rowland zunächst für eine private Autovermietung, die von seinem schottischen Freund Eric Richard Smith in London betrieben wurde. Er war es, der Rowland veranlasste, 1948 nach Rhodesien, dem heutigen Simbabwe, zu gehen, um dort auf seiner Ranch, Luton Farm, in der Nähe von Gwelo (heute Gweru) zu arbeiten. Rowland erkannte die wirtschaftlichen Möglichkeiten, die Rhodesien damals zu bieten hatte, und begann umgehend, Bekanntschaften aufzubauen und Kontakte zu knüpfen. Die Freundschaft und die Zusammenarbeit mit Smith zerbrachen, als die Affäre zwischen Rowland und der Ehefrau seines Freundes, Irene Smith, bekannt wurde.
Rowland erwarb eine Goldmine in der Nähe von Kanyemba, die er in eine Aktiengesellschaft einbrachte und ausbeutete. Nach vier Jahren musste sie stillgelegt werden, und Rowland wandte sich, zusammen mit einem neuen ungarischen Geschäftspartner, dem Import europäischer Kraftfahrzeuge, insbesondere Mercedes-Benz, zu. Gleichzeitig entwickelte er die Idee des Baus einer Öl-Pipeline nach Beira, Mozambiques Hafen, um Rhodesiens Abhängigkeit von Südafrika zu mildern – eine Idee, die er vielen Politikern, Investoren und Geschäftsleuten vortragen durfte, letztlich aber in den 1960er Jahren selbst verwirklichte.
Ende der 1950er Jahre verfügte Rowland bereits über eine große Anzahl erstklassiger Kontakte in Afrika und dem Vereinigten Königreich, hatte ein kleines Vermögen angesammelt und sich eine repräsentative Farm in Gatooma zugelegt. Er wurde schnell zur lokalen Legende, als in seinem dortigen feudalen Haus die Frau des ehemaligen Freundes als Hausherrin für ihn „rauschende Feste“ ausrichtete.Eir Investigative Team: , S. 73.
Bei seinen Geschäften hatte er auch Angus Ogilvy kennengelernt, der 1963 durch seine Heirat mit Prinzessin Alexandra von Kent, einer Cousine Königin Elisabeth II., zu einem Mitglied des britischen Königshauses wurde. Weiterhin war er in Kontakt mit der Rio Tinto Group gekommen, die gerade im Begriff war, die 1909 gegründete, durchaus respektable, aber mittlerweile heruntergewirtschaftete (Lonrho) zu kaufen, wo ihm eine Position angeboten wurde. So fand sich Rowland trotz seines „unkonventionellen Hintergrundes und seiner Schwierigkeiten mit dem britischen Establishment“FundingUniverse.com: Lonmin plc., Unternehmensgeschichte alsbald in der Position, als Managing Direktor (geschäftsführendes Vorstandsmitglied) eines britisch kontrollierten Unternehmens in höchsten Gesellschaftskreisen zu verkehren.
Ogilvy war es gewesen, der Rowland 1961 für die (Lonrho, heute Lonmin) rekrutierte. Er war überzeugt, dass der 44-Jährige in der Lage wäre, die Gesellschaft zu sanieren, und Rowland seinerseits war bereit für die große Herausforderung. Er machte so viel Geld wie möglich frei und beteiligte sich mit 48 Prozent an Lonrho, einer damals mittelgroßen unrentablen Viehfarm und Bergwerksgesellschaft, die er innerhalb weniger Jahre in ein millionenschweres internationales Konglomerat verwandelte. Das Unternehmen expandierte unter seiner Leitung sprunghaft und kaufte reihenweise angeschlagene Unternehmen aller möglichen Branchen, wie Gold- und Platin-Minen, Betriebe der Textil-, Agrar- und Lebensmittelindustrie und andere Geschäftszweige in mehr als 20 afrikanischen Ländern, aber auch Zeitungen, Hotels und Immobilieneigentum in Europa und den Vereinigten Staaten.
Auf dem Gipfel des Erfolges betrieb Rowlands-Konglomerat 800 Unternehmen in nahezu allen Branchen und machte in den 1980er Jahren Gewinne von jährlich 270 Millionen Pfund Sterling.. In: The Spectator. 31. März 2007.
Dabei kam ihm seine Fähigkeit, auf Menschen zuzugehen und schnell persönliche Kontakte zu schließen, zugute, wobei er insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent rasch die Personen zu seinen Freunden zählte, die später politische oder unternehmerische Führungspositionen übernahmen. Er war dabei mit rechtsstehenden Autoritäten genauso befreundet wie mit sozialistischen Revolutionären; er war ein Vertrauter von Malawis Hastings Banda, Sambias Kenneth Kaunda, Kenias Daniel arap Moi und Zaïres Mobutu Sese Seko. Diese einflussträchtigen Allianzen, die er für seine Geschäftspläne nutzte, versetzten Rowland in die Lage, schnell ein Gewirr von in die Hunderten gehenden, einzeln operierenden Gesellschaften unter dem Dach der Lonrho zu etablieren.Richard Hall: , S. 231.
Allerdings genoss die Lonrho PLC unter den Unternehmen des Vereinigten Königreichs auch den zweifelhaften Ruf eines skrupellosen Unternehmens, wenn es um die Durchsetzung von Wirtschaftsinteressen ging. Diese Unternehmenspolitik wurde maßgeblich Tiny Rowland zugeschrieben. Dieser schlechte Ruf verwehrte ihm auch die Anerkennung des britischen Establishments, die er stets angestrebt hatte. Ihm wurde stets mehr oder minder deutlich gemacht, dass er „keiner von ihnen“, sondern „nur“ ein Außenseiter war.Richard Hall: My Life with Tiny. S. 234.
Als eine seiner ersten Handlungen in seiner neuen Position als Geschäftsführer der Lonrho hatte Rowland die Rechte für eine Öl-Pipeline nach Beira in der damaligen portugiesischen Kolonie Mozambique gekauft. Die Kontrolle dieser Pipeline galt für Rhodesien, das über keinen eigenen Zugang zum Meer verfügte, als von unschätzbarem Wert; als Ian Smith 1965 aber die Unabhängigkeit Rhodesiens erklärte, zwangen britische Wirtschaftssanktionen Rowland, die Pipeline zu schließen – was dieser auch augenscheinlich tat.
Als Anfang der 1970er Jahre eine Gruppe von Lonrho-Direktoren (unter ihnen sein bisheriger Freund Sir Angus Ogilvy) Rowland zu verdrängen suchten, wurde von dieser Fraktion unter anderem die Frage aufgeworfen, ob Rowland sich seinerzeit wirklich an die britischen Vorgaben und Sanktionen gehalten habe. Dies löste in Großbritannien eine Untersuchung von hohem öffentlichem Interesse aus, die Rowland seinerseits mit dem Klageweg beantwortete.WEEKEND WORLD: LONRHO. Ein am 3. April 1973 ausgestrahlter Film über das Geschäftsgebaren des Unternehmens und von Tiny Rowland und Gerald Percy sowie Sir Basil Smallpiece von Cunard 1973 legte die britische Regierung einen 600-seitigen Untersuchungsbericht vor, der die Gesellschaft und Rowland hinsichtlich der geforderten Sanktionsmaßnahmen grundsätzlich freisprach, den seinerzeitigen britischen Premierminister Edward Heath aber zu der an die Adresse der Gesellschaft gerichteten legendären Bemerkung veranlasste, sie sei („das inakzeptable Gesicht des Kapitalismus“)BBC: . 26. Juli 1998., eine Beschreibung, mit der in der Folge stets Rowland selbst etikettiert wurde, was dieser auch annahm, beantwortete er den Vorwurf doch damit, ein akzeptables Gesicht des Kapitalismus wolle er erst recht nicht sein.FundingUniverse.com: Lonmin plc., Unternehmensgeschichte 1976 konnte Rowland auch kontern, dass Großbritannien selbst durch sein Miteigentum an BP die Sanktionen gegenüber Rhodesien verletzt hatte. Dies führte zu weiteren gegenseitigen Anschuldigungen, Rowland jedoch saß auf seinem Posten bei Lonrho nun fester als zuvor.