Basisdaten Landeskirche: Evangelische Landeskirche in Württemberg Prälatur: Ulm Fläche: 627,12 km² Gliederung: 19 Kirchengemeinden Gemeindeglieder: ca. 38.660 (2025) Adresse desDekanatamtes: Bahnhofstraße 33 89518 Heidenheim Dekan: Gerd Häußler Karte 200px|Lage des Kirchenbezirks Heidenheim innerhalb der Evang. Landeskirche in Württemberg

Der Evangelische Kirchenbezirk Heidenheim ist einer von derzeit (2026) 35 Kirchenbezirken bzw. Kirchenkreisen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sein Gebiet ist deckungsgleich mit dem Dekanat Heidenheim.

Geografie Der Kirchenbezirk Heidenheim liegt im Osten der württembergischen Landeskirche. Sein Gebiet umfasst überwiegend den Osten der Schwäbischen Alb. Seine Kirchengemeinden gehören zu den politischen Städten und Gemeinden Gerstetten, Giengen an der Brenz, Heidenheim an der Brenz, Herbrechtingen, Hermaringen, Königsbronn, Nattheim, Niederstotzingen, Steinheim am Albuch und Sontheim an der Brenz im Landkreis Heidenheim.

Nachbarkirchenbezirke Der Kirchenbezirk Heidenheim grenzt im Osten an die Evangelisch-Lutherische Landeskirche in Bayern, im Süden an den Kirchenbezirk Ulm/Alb-Donau, im Westen an den Kirchenbezirk Geislingen-Göppingen, im Norden an den Kirchenbezirk Ostalb.

Geschichte mini|hochkant|Ev. Pauluskirche Heidenheim Das Gebiet um Heidenheim gehört zum alten Kernland Württemberg, wo ab 1534 die Reformation eingeführt wurde. Heidenheim wurde daher schon sehr früh Sitz eines Oberamts und auch bald Sitz eines Dekans. Die Reformation wurde aber durch die Reichsstadt Ulm eingeführt. Erst seit 1536 gehörte Heidenheim wieder zu Württemberg. Zum Dekan wurde aber zunächst nicht der Pfarrer in Heidenheim, sondern verschiedene Pfarrer des Umlandes ernannt. So versahen zunächst der Pfarrer in Heubach, ab 1576 der Pfarrer in Gerstetten und ab 1599 die jeweiligen Äbte des Klosters Königsbronn die Dekansgeschäfte. Erst ab 1631 wurde der Sitz des Dekanats endgültig in Heidenheim etabliert. Zunächst war die Michaelskirche Sitz des Dekans. Mit dem Bau der Pauluskirche wechselte der Sitz des Dekans 1897 an die Pauluskirche. Das Dekanat Heidenheim gehörte anfangs zum Generalat Denkendorf, ab 1810 zum Generalat Ulm und ab 1823 zum Generalat Schwäbisch Hall. Nach dessen Auflösung 1913 kam es wieder an das Generalat Ulm, aus dem die heutige Prälatur Ulm hervorging.

Infolge der Auflösung einiger Kreise bzw. Oberämter in Württemberg 1939 wurden auch die kirchlichen Verwaltungsbezirke teilweise neu gegliedert. So wurden mit Wirkung vom 1. April 1939 die Kirchengemeinden Bissingen ob Lontal und Niederstotzingen vom Kirchenbezirk Ulm in den Kirchenbezirk Heidenheim umgegliedert.

Leitung des Kirchenbezirks Die Leitung des Kirchenbezirks obliegt der Bezirkssynode, dem Kirchenbezirksausschuss (KBA) und dem Dekan. Dekan ist seit 1. Februar 2021 Gerd Häußler.

Dekane des Kirchenbezirks Heidenheim seit 1805 1805–1813 Johann Eberhard Heinrich Scholl 1814–1820 Gottlieb Friedrich Jäger 1820–1838 Johann Christoph Friedrich Reuchlin 1838–1845 Heinrich Christlieb 1845–1850 Christian Faber 1850–1858 Gottlob Christian Wurm 1858–1865 Ferdinand Friedrich Dörtenbach 1866–1885 Friedrich Wilhelm Barth 1885–1887 Jakob Christian Löffler 1888–1901 Albert Julius Landenberger 1902–1917 Hermann Eytel 1917–1948 Ottmar Schönhuth 1948–1962 Johannes Josenhans 1963–1970 Walter Tlach (1913 – 2004) 1971–1983 Hans Lempp (1917 – 1993) 1983–1992 Traugott Scheytt (1927 – 2025) 1992–2002 Richard Reininghaus (1939 – 2019) 2003–2020 Karl-Heinz Schlaudraff (1954 – 2021) seit 1. Februar 2021 Gerd Häußler

Kirchengemeinden Im Kirchenbezirk Heidenheim gibt es derzeit (Stand 2026) insgesamt 19 evangelische Kirchengemeinden.

Darüber hinaus gibt es im Kirchenbezirk Heidenheim seit 2000 die Evangelische Brückengemeinde Heidenheim, eine in der Württembergischen Landeskirche neu gegründete Gemeinde.

Das Gebiet des Kirchenbezirks Heidenheim gehörte früh zu Württemberg, das die Reformation einführte. Das Gebiet ist daher überwiegend evangelisch geprägt; es gibt in fast jedem Dorf eine meist alte evangelische Kirche und Kirchengemeinde. Die jeweils in Klammern hinter dem Namen der Kirchengemeinde angegebenen Gemeindegliederzahlen beziehen sich auf das Jahr 2025 und sind gerundet.

Kirchengemeinde Bolheim Die Kirchengemeinde Bolheim (ca. 1150 Gemeindeglieder) umfasst den Stadtteil Bolheim der Stadt Herbrechtingen. Eine Kirche in Bolheim wurde 1320 erstmals erwähnt. Sie hat aber eine Bausubstanz, die ins 11. Jahrhundert datiert. Das Patronat gelangte vom Kloster Lorch an das Kloster Anhausen, dem die Kirche 1406 inkorporiert wurde. Die Kirche erhielt ihr heutiges Aussehen im Wesentlichen 1780. Beim damaligen Umbau blieb der spätgotische Chorturm erhalten. Das Schiff wurde im 17. Jahrhundert angebaut. Die Stuckdekoration stammt aus dem 18. Jahrhundert. Die Kanzel wurde im Zopfstil erbaut. Das Holzkruzifix ist spätgotisch.

Kirchengemeinde Dettingen-Bissingen-Hausen Die Kirchengemeinde hat sich zum 1. Januar 2025 aus den Kirchengemeinde Bissingen-Hausen und Dettingen am Albuch gebildet.

Dettingen am Albuch Die Kirchengemeinde Dettingen am Albuch (ca. 940 Gemeindeglieder) umfasst den Ortsteil Dettingen am Albuch der Gemeinde Gerstetten. Eine Kirche St. Peter wurde in Dettingen am Albuch erstmals 1125 erwähnt. Das Patronat hatten die schwäbischen Pfalzgrafen, die es an die Herren Öttingen und diese 1311 an das Kloster Anhausen abgaben. Im 15. Jahrhundert war Dettingen Sitz eines Landkapitels. Nach der Reformation wurde die Kirche evangelische Pfarrkirche. Die heutige Kirche wurde 1769 von Joseph Dossenberger neu erbaut. Es handelt sich um eine Saalkirche im Rokokostil mit klassizistischen Elementen. Der Turm mit einer glockenförmigen Haube wurde 1835 nach Einsturz des Vorgängerturm neu erbaut. Dabei wurde auch das Kirchenschiff völlig umgebaut. Im Innern befindet sich ein hochgotischer Taufstein sowie Grabdenkmäler des 18. Jahrhunderts.

Bissingen-Hausen Die ehemalige Kirchengemeinde Bissingen-Hausen (ca. 310 Gemeindeglieder) umfasst die Stadtteile Bissingen ob Lontal und Hausen ob Lontal der Stadt Herbrechtingen. Sie wurde mit Wirkung vom 11. November 2007 durch Vereinigung der bis dahin selbständigen Kirchengemeinden Bissingen und Hausen gebildet.

In Bissingen ob Lontal wurde eine Kirche 1347 erstmals erwähnt. Die den Hl. Georg und Martin geweihte Kirche gelangte über die Herren von Rammingen an das Kloster Königsbronn, dem die Kirche 1383 inkorporiert wurde. Nach der Reformation war der Ort konfessionell geteilt. Der württembergische Teil des Ortes, der den Klöstern Herbrechtingen und Königsbronn gehörte, wurde evangelisch, während der Teil der Herrschaft Riedheim katholisch blieb. Die Anfang des 13. Jahrhunderts als Wehrkirche erbaute Kirche wurde dann simultan genutzt. Dies hatte 1569 Herzog Ulrich von Württemberg geregelt. 1841 erhielt der Ort neben der evangelischen auch eine katholische Pfarrei. Das Simultaneum wurde 1968 durch den Bau der katholischen Hl.-Kreuz-Kirche beendet. Seither dient die alte Kirche allein der evangelischen Kirchengemeinde. Sie wurde in den 1970er Jahren renoviert. Dabei wurden im Kirchenschiff Fresken (um 1400) freigelegt und restauriert. Bereits 1963 wurde eine Bornefeld-Orgel eingebaut. Neben der Kirche befindet sich die denkmalgeschützte Pfarrscheuer. Sie wurde 1990 in ein Gemeindehaus umgebaut.

Das Pfarramt Bissingen ob Lontal betreute bereits vor der Fusion 2007 auch die Nachbarkirchengemeinde Hausen ob Lontal. Beide Kirchengemeinden hatten schon vor der Fusion einen gemeinsamen Posaunenchor.

In Hausen ob Lontal wurde eine Kirche 1356 erstmals erwähnt. Ab 1479 wird sie St. Margarete genannt. Das Patronat hatte das Kloster Anhausen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Pfarrei teilweise mit Dettingen zusammengelegt. Die Kirche ist spätbarock. 1835 wurde der Turm der Kirche erneuert. Im Innern der Kirche befand sich einst ein Altarschrein eines Ulmer Meisters. Heute ist dieser im Landesmuseum zu sehen.

Bis 1939 gehörte die Kirchengemeinde Bissingen ob Lontal zum Kirchenbezirk Ulm. Mit Wirkung vom 1. April 1939 wurde sie in den Kirchenbezirk Heidenheim umgegliedert.

Kirchengemeinde Gerstetter Alb Die Kirchengemeinde hat sich zum 1. Januar 2025 aus den Kirchengemeinden Gerstetten und Gussenstadt gebildet.

Gerstetten Die Kirchengemeinde Gerstetten (ca. 2600 Gemeindeglieder) umfasst den Hauptort und die Ortsteile Heuchstetten und Sontbergen sowie weitere zugehörige Weiler der Gemeinde Gerstetten. Eine Kirche wurde in Gerstetten erstmals 1225 erwähnt. Das ab 1404 als St. Michaelskirche bekannte Gotteshaus im sogenannten Oberdorf gehörte ab 1140 dem Kloster Elchingen und den Helfensteinern. Später wechselte das Patronat der Kirche zwischen dem Kloster Elchingen und Württemberg, das 1536 gegen den Widerstand des Klosters die Reformation einführte. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde Gerstetten vorübergehend von Heldenfingen aus versorgt. 1774 wurde die Michaelskirche als flachgedeckter Saalbau neu erbaut.

Neben der Michaelskirche gibt es noch die sogenannte Untere Kirche. Sie wurde 1396 erstmals als Kapelle St. Nikolaus erwähnt, als Gräfin Anna von Helfenstein dort eine Frühmesse stiftete. Die hochgotische Kapelle wurde danach mehrfach verändert. Sie hat noch romanische Reste. 1585 wurde die Chorturmkirche erweitert, 1698 bis 1725 barockisiert und 1875/76 renoviert. In beiden Kirchen werden bis heute abwechselnd Gottesdienste gefeiert.

Die Kirchengemeinde Gerstetten hat einen Posaunen- und einen Kirchenchor.

Bis 1974 gehörte Sontbergen zur Gemeinde Bräunisheim im Alb-Donau-Kreis. Eine Kirche wurde in Sontbergen 1356 erstmals erwähnt. Bis zur Reformation war Sontbergen eigene Pfarrei. Die dem Hl. Jakob geweihter Kirche in Sontbergen besitzt Fenster von Sieger Köder.

Gussenstadt Die Kirchengemeinde Gussenstadt (ca. 750 Gemeindeglieder) umfasst den Ortsteil Gussenstadt der Gemeinde Gerstetten. 1326 schenkten der Grafen von Helfenstein das Patronat der Kirche in Gussenstadt dem Kloster Anhausen, dem sie 1421 inkorporiert wurde. Im Kern ist die Kirche noch romanisch, 1446 wurde sie umgebaut und verlängert, 1691 barockisiert. Ab 1774 wurde die seit 1597 als St. Michaelskirche bekannte Kirche restauriert. Im Innern sind Tafel- und Wandgemälde aus dem 16. und 17. Jahrhundert zu sehen.

Gesamtkirchengemeinde Giengen an der Brenz Die Gesamtkirchengemeinde Giengen an der Brenz in der heutigen Form entstand mir Wirkung vom 1. Januar 2008, als die Kirchengemeinden Giengen und Hürben in die damalige Evangelische Gesamtkirchengemeinde Hohenmemmingen-Sachsenhausen eingegliedert wurden. Die so neu entstandene Körperschaft wurde gleichzeitig in „Evangelische Gesamtkirchengemeinde Giengen an der Brenz“ umbenannt. Die Gesamtkirchengemeinde Giengen ist Träger der Kindergärten in Giengen (Hainbuchenweg, Lederstraße und Schwage), Hürben und Hohenmemmingen.

Kirchengemeinde Giengen an der Brenz mini|Ev. Stadtkirche Giengen an der Brenz Die Kirchengemeinde Giengen an der Brenz (ca. 3440 Gemeindeglieder) umfasst die Kernstadt von Giengen an der Brenz und die zur Gemeinde Hermaringen gehörigen Wohnplätze Gerschweiler und Hohweiher. Eine Kirche wurde in Giengen 1216 erstmals erwähnt. Ab 1303 wird sie St. Peter genannt. Sie stand im alten Dorf Giengen. Ihr Patronat gehörte den Staufern, dann dem Reich. Die heutige Stadtkirche geht auf eine Kapelle zurück. An ihrer Stelle wurde die Stadtkirche 1374 neu erbaut und zur Pfarrkirche Giengens erhoben. Sie ist im Kern romanisch, in der Hochgotik wurde sie erweitert. Nach dem Stadtbrand 1634 wurde sie 1650 bis 1655 wieder aufgebaut. Dabei wurde die Oberwand mit frühbarocken Pilastern versehen. Der nördliche Fassadenturm stammt noch aus dem Jahr 1579, der südliche wurde 1710 erbaut. Im Innern befindet sich ein Altar von 1677, eine Kanzel von 1654 und ein Hochaltar von 1659. Die Epitaphe stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert.