mini|Schrebergarten mit Gartenhaus mini|Kleingartenanlage in Bonn mini|Deutsches Kleingärtnermuseum Leipzig Der Kleingarten (KLG), auch Schrebergarten, Heimgarten, Familiengarten (bes. in der Schweiz), im Süddeutschen und Schweizerischen auch Bünt, Pünt oder Beunde, im Ostdeutschen Datsche oder verallgemeinernd als Parzelle oder Laube, bezeichnet ein eingezäuntes Stück Land als Garten.

Ein Kleingarten befindet sich typischerweise in einer Anlage von Grundstücken, die von Vereinen (Kleingärtnervereinen, Kleingartenvereinen (KGV oder KLV), Schweiz: Püntenpächtervereinen, anderswo mitunter Gartensparte) verwaltet werden und wo die Flächen oder Gärten günstig an Mitglieder verpachtet sind. Solche Anlagen werden auch als Gartenkolonien oder Laubenkolonien bezeichnet.

Laubenpieper ist eine (scherzhafte) Bezeichnung für den Besitzer eines Kleingartens (mit einer Gartenlaube), wobei das genutzte Grundstück im übertragenen Sinn oft Laube genannt wird.

Kleingärten als Erholungsräume Kleingärten sollen der Erholung in der Natur dienen und Stadtbewohnern nach dem Vorbild alter Bauerngärten den Anbau von Obst und Gemüse ermöglichen. Es finden sich in diesen Gärten aber auch Zierpflanzen und Rasenflächen, insbesondere wenn die Erholung im Vordergrund steht.

Meist befindet sich eine Laube auf jedem Grundstück einer Gartenanlage. Geregelt wird das Kleingartenleben durch die jeweilige Kleingartenordnung/Satzung/Statuten eines jeden Vereins. In Deutschland kommt das Bundeskleingartengesetz (BKleingG) hinzu, in Österreich das Kleingartengesetz, in der Schweiz wird es kantonal geregelt, beispielsweise in Baugesetzen.

Soziale Funktionen von Kleingärten mini|Vorstandsmitglieder beim Wasserzähler­ablesen im Kleingartenverein Schönfeld mini|Luftaufnahme von Kleingärten im tschechischen Míškovice Das Office International du Coin de Terre et des Jardins Familiaux, eine seit 1926 bestehende Vereinigung von über drei Millionen europäischen Kleingärtnern, beschreibt die sozialen Funktionen von Kleingärten wie folgt:Office International du Coin de Terre et des Jardins Familiaux (deutsch) Der Allgemeinheit bieten die Kleingärten eine bessere Lebensqualität in den Städten durch Lärmverringerung, Staubbindung, Durchgrünung, Auflockerung der Bebauung, Biotop- und Artenschutz, Lebensraumvernetzung und klimatische Auswirkungen. Familien bieten die Kleingärten eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung; eine gärtnerische Betätigung und das preiswerte Züchten von gesundem Gemüse; das persönliche Erlebnis vom Säen, Wachsen, Gedeihen und Ernten von gesundem Gemüse; ein Gegengewicht zum Leben in Betonburgen und auf Asphaltflächen; Förderung von harmonischen zwischenmenschlichen Beziehungen; einen direkten Kontakt mit der Natur. Kindern und Jugendlichen bieten die Kleingärten Ausgleich für die oft fehlenden Spielplätze; ein Spiel- und Kommunikationsfeld; Erlebnisräume in der Natur und Wahrnehmung ihrer natürlichen Zusammenhänge; Anschauungsunterricht in Biologie. Berufstätigen bieten die Kleingärten eine Entspannung vom Arbeitsstress durch gesunde Betätigung; eine ideale Alternative zum Arbeitsalltag. Arbeitslosen bieten die Kleingärten das Gefühl, gebraucht zu werden und dazuzugehören; ein Zuschuss an frischem Gemüse zu einem Minimalpreis. Immigranten bieten die Kleingärten eine Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und sich besser im Aufnahmeland zu integrieren (siehe auch Interkulturelle Gärten). In Deutschland haben 7,5 Prozent der Kleingärtner, das sind 75.000 Kleingärtnerfamilien, einen Migrationshintergrund. Menschen mit Behinderung bieten die Kleingärten einen Ort, an dem sie am Vereinsleben teilnehmen, Kontakte knüpfen und so der Isolierung entgehen; das Erleben vom Säen und Pflanzen, vom Wachsen, Gedeihen und Ernten. Senioren bieten die Kleingärten einen Ort des Gesprächs und der Ruhe durch die Zusammenführung von Menschen mit gleichen Interessen; über Jahre gewachsene Kontakte; individuelle Selbstverwirklichung und Beschäftigung im dritten Lebensabschnitt im eigenen Garten.

In den als Vereinen organisierten Kleingartenanlagen (KLA) gibt es häufig ein allen Vereinsmitgliedern zugängliches Gebäude, das Vereinsheim, Gemeinschaftshaus oder in Österreich auch Schutzhaus genannt wird. Es dient meist den Vereinssitzungen und hält allgemeines Werkzeug bereit. Oft ist darin eine kleine Gastwirtschaft untergebracht, die manchmal Vereinsfremden zugänglich ist.

Die sozialen und ökologischen Funktionen des europäischen Kleingartenwesens finden mittlerweile auch Eingang in die entwicklungspolitische Zusammenarbeit. Seit 2003 sind auf den Philippinen mehrere Kleingartenanlagen für städtische Arme mit Unterstützung deutscher und belgischer Partner entstanden.J. Gerold, A. W. Drescher, R. Holmer: Kleingärten zur Armutsminderung – Schrebergärten in Cagayan de Oro. In: Südostasien. 21 (4) 2005, S. 76–77.

Für die Städte Afrikas werden Kleingartenanlagen als Strategie der Ernährungssicherung diskutiert und bereits erfolgreich wie in Heilbron (Südafrika) umgesetzt.A.W. Drescher: The German Allotment Gardens – a Model For Poverty Alleviation and Food Security in Southern African Cities?

Ökologie in Kleingärten mini|alternativtext=Reh|hochkant|Reh im ökologischen Garten Natur- und Umweltschutz spielen bei Kleingärtnern eine wichtige Rolle. Befragt nach der Bedeutung, die ihr Kleingarten für sie persönlich hat, wird dies hoch geschätzt – noch vor Gesundheitsvorsorge und Freude an der Gartenarbeit. Von fast allen Kleingärtnern werden Grundregeln des naturnahen Gärtnerns praktiziert. 97 % nutzen Regenwasser zum Bewässern und 96 % kompostieren die Gartenabfälle. Ausgeprägt ist das Bewusstsein für naturnahes Gärtnern bei jüngeren Kleingärtnern, die ihren Garten seit höchstens zehn Jahren bewirtschaften. Mehr als jeder zweite dieser Neu-Kleingärtner (54 %) betreibt biologischen Anbau von Obst und Gemüse, fast zwei Drittel (61 %) verzichten auf Kunstdünger, mehr als vier Fünftel (82 %) lehnen chemische Schädlingsbekämpfung ab. Gefördert wird diese Entwicklung durch die Fachberatung der Vereine. 84 % der Vereine nutzen dies, um das Natur- und Umweltbewusstsein ihrer Mitglieder zu fördern (1997: 75 %). In jeder zehnten Anlage gibt es „ökologische Musterkleingärten“, wo Möglichkeiten des naturnahen Gärtners vorgeführt werden.

Situation in Deutschland Begriffsdefinition, Organisation, Statistisches mini|Schrebergärten mini|KGA beim Olympiapark in München mini|Gartenlaubenaus zwei Epochen mini|Typisiertes Schrebergartenhaus des Siedlungsprojekts Neues Frankfurt, 1925–1930 (Zustand 2014)

Der Begriff Kleingarten wird durch den Abs. 1 Bundeskleingartengesetz definiert, wie auch der Begriff der kleingärtnerischen Nutzung. Im Gegensatz dazu werden Flächen zur rein hobbygärtnerischen Nutzung, die meist von Gemeinden mit kurzen Vertragslaufzeiten gepachtet werden können, als Grabeland bezeichnet.

Die meisten Kleingärten sind in Vereinen organisiert. Der Dachverband der Kleingärtner ist der Bundesverband der Kleingartenvereine Deutschlands e. V. (BKD). Er vertritt 20 Landesverbände mit insgesamt 15.000 Vereinen. In den Vereinen sind insgesamt 867.092 Kleingärten organisiert. Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung richtet der BDG alle vier Jahre den Bundeswettbewerb „Gärten im Städtebau“ aus. Dieser würdigt besondere städtebauliche, ökologische, gartenkulturelle und soziale Leistungen der Kleingärtnervereine.

In Deutschland gibt es mehr als eine Million Kleingärten hauptsächlich in Städten, da dort den Menschen auf Grund von Platzmangel oft Gartenland fehlt. Zusammengenommen haben diese eine Fläche von mehr als 46.000 Hektar (460 km²).Zahlen und Fakten. BDG Die einzelnen Parzellen sind im Schnitt 370 m² groß. Der größte Kleingartenverein ist der „Verein der Kleingärtner Ulm e. V.“ in Ulm, gegründet 1932. Auf 52,75 Hektar Fläche finden sich hier 1314 Parzellen. Die kleinste Anlage ist der Kleingärtnerverein Am Vogelberg in Kamenz mit fünf Parzellen.

Föderalismus Jedes Bundesland beschließt für seinen Verwaltungsbereich ein eigenes Kleingartengesetz. Dieses regelt, welche durchschnittliche Fläche ein einzelner Garten umfassen darf, wie das Verhältnis der Anbaufläche zur reinen Nutzfläche sein muss und dass für jede KGA ein Verein mit Vorstand zu gründen ist.

Pächterwechsel Eine durchschnittliche Ablösesumme betrug im Jahr 2008 für einen Kleingarten 1900 Euro. In Großstädten war diese mit durchschnittlich 3300 Euro jedoch höher. Insgesamt haben sich die Anschaffungskosten von 1990 bis 2008 um 30 % verringert. Die durchschnittliche Pacht für einen Kleingarten lag bei 0,17 Euro/m². Von 1998 bis 2008 erhöhte sich die Pacht deutschlandweit um rund 30 %. Die Höhe der Pacht korrelierte zudem mit der Stadtgröße, je größer die Stadt, desto teurer war die Gartenpacht. Der Mitgliedsbeitrag belief sich im Schnitt auf 29 Euro pro Jahr. Dazu kamen Nebenkosten von durchschnittlich 276 Euro im Jahr für Strom, Versicherung und Kommunalabgaben. So kostete ein Kleingarten in Deutschland im Schnitt insgesamt 373 Euro im Jahr, was etwa einen Euro pro Tag bedeutete.

Besonders in den Großstädten übersteigt die Nachfrage oft das Angebot – 40 % aller Vereine führen Wartelisten (alte Bundesländer: 60 %). In Regionen, die durch Bevölkerungsrückgang geprägt sind, finden inzwischen manche Gärten keine Pächter, so klagt ein Drittel der Vereine über Leerstände – bei ihnen waren 2,5 % der Gärten schon länger als ein Jahr nicht verpachtet. Im Schnitt bewerben sich pro Verein zehn Neupächter pro Jahr, insgesamt kommt es bei 5,2 % der Parzellen zu einem Pächterwechsel.

Grundanliegen Eine wesentliche Aufgabe der Kleingärten ist es, einen Ausgleich zum verdichteten Geschosswohnungsbau, einen Ersatz für zu wenig Gartenland am Wohngebäude und mangelnde nahegelegene Grünanlagen zu schaffen. 82 % der Kleingärtnerhaushalte sind Mieterhaushalte, die zumeist in mehrgeschossigen Wohnblocks leben (67 % im Westen, 74 % im Osten). Die eigene Parzelle bietet wohnungsnahen Ausgleich für fehlendes Grün. 84 % aller Gärten liegen maximal fünf Kilometer von der Wohnung entfernt. 96 % aller Kleingärtner brauchen maximal eine halbe Stunde bis zu ihrem Garten, 60 % brauchen weniger als eine Viertelstunde.

Laut einer Analyse auf Basis von Daten des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde haben nur rund sieben Prozent der deutschen Bevölkerung Zugang zu einem Kleingarten, wobei die Verteilung stark regional geprägt ist: Rund die Hälfte aller Parzellen befindet sich in Ostdeutschland, wo nur etwa 15 Prozent der Bevölkerung leben. Die Studie stellt diesen Befund in den Kontext eines sinkenden Hausanteils in Deutschland (laut Eurostat von rund 45 Prozent im Jahr 2010 auf 38,5 Prozent 2024), wodurch der Bedarf an alternativen Grünflächen strukturell zunehme.

Kleingartendichte in deutschen Großstädten (Rang nach Einwohnerzahl) (Quelle: Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e. V.) Rang Einwohner Stadt Einwohner (2024) Kleingärten (2024) Kleingärten /100 Einwohner 1. Berlin 3.800.662 66.000 1,74 2. Hamburg 1.915.582 36.000 1,88 3. München 1.601.739 8.700 0,54 4. Köln 1.094.974 12.000 1,10 5. Frankfurt am Main 775.109 16.900 2,06 6. Bremen 691.703 16.900 2,44 7. Düsseldorf 642.304 6.600 2,44 8. Leipzig632.562 39.000 6,17 9. Stuttgart 615.487 3.000 0,49 10. Dortmund 601.343 8.200 1,36 11. Essen 597.066 8.500 1,42 12. Dresden 573.648 25.000 4,36 13. Hannover 548.186 20.000 3,65 14. Nürnberg 544.876 8.200 1,50 15. Duisburg 507.876 6.300 1,24 Anmerkung: Im Frühjahr 2026 hat der Berliner Senat eine Verringerung der bisherigen Standardgröße einer KGA-Parzelle auf landeseigenen Flächen von 400 auf 250 m² beschlossen. Das führt langfristig dazu, dass nach Pächterwechsel oder Neuverträgen insgesamt mehr Gärten entstehen werden. Die Warteliste für neue Pachtverträge beträgt zur Zeit (Juni 2026) rund 10.000 Personen.Sharone Treskow: Ganz kleine Kleingärten, Berliner Zeitung, 2. Juli 2026, Seite 4.

Ausgewählte Besonderheiten