Das Clydesdale ist ein kraftvolles Kaltblutpferd, das im 18. Jahrhundert in Schottland im Tal des Flusses Clyde entstand, woher sich auch die Rassebezeichnung ableiten lässt. Die Zuchtgrundlage bestand aus importierten flämischen Hengsten und autochthonen Stuten, später spielte auch das Shire Horse insbesondere auf weiblicher Seite eine bedeutende Rolle.
Die erste Verwendung der Bezeichnung „Clydesdale“ fand im Jahr 1826 statt. Die Einrichtung des Stutbuchs ist auf das Jahr 1877 zu datieren. Erste Exporte, insbesondere in angelsächsische Staaten, begannen in der Mitte des 19. Jahrhunderts und fanden 1911 ihren Höhepunkt. Die zunehmende Motorisierung der Landwirtschaft und des Transportwesens führte zu einem starken Populationsrückgang. Die globale Population wurde 2010 auf rund 5000 Tiere geschätzt.
Charakteristisch für das Clydesdale-Pferd ist sein imposantes, hochbeiniges Erscheinungsbild, zumeist mit einer Sabino-Fellzeichnung auf oftmals brauner, dunkelbrauner oder rappfarbener Fellfarbe. Seiner für ein Arbeitspferd günstigen Körperhebel, des als vorbildlich geltenden Bewegungslaufes und seines ausgeglichenen, willigen Charakters wegen gilt das Clydesdale als exzellentes Zugpferd und findet heute meistens zu Show-Zwecken Verwendung.
Exterieur
Allgemeines Clydesdales sind grundsätzlich große, kräftig gebaute Kaltblutpferde, welche charakteristisch aufgrund ihrer kurzen Rückenpartie und der in Relation zum übrigen Körper langen Extremitäten hochbeinig erscheinen. Oft als kleiner Vetter des Shire Horses, zu dem eine relativ nahe Verwandtschaft besteht, bezeichnet, unterscheiden sich Rassevertreter durch einen leichteren, beweglicheren Körperbau mit mehr Adel und Trockenheit.
Auffallend im Vergleich zu zahlreichen anderen Kaltblutrassen ist die sowohl für Clydesdales als auch für Shire Horses rassetypisch weniger stark ausgeprägte Muskelmasse. Der Grund hierfür liegt darin, dass beispielsweise Rheinisch-Deutsche Kaltblüter ihre Kraft primär aus ihrer deutlich entwickelten Bemuskelung generieren, während Clydesdales hingegen ihre Zugkraft vorrangig aus den günstigen Hebelungen ihrer langen Extremitäten entfalten.
Körperbau mini|250x250px|Kopfstudie eines Clydesdales, erkennbar ist der leichte Ramskopf mini|308x308px|Kötenbehang Das Clydesdale besitzt einen ausdrucksvollen, nicht zu großen, keilförmigen Kopf von langer und schlanker Form, der im Allgemeinen etwas feiner als der anderer Kaltblutpferderassen ist. Der Kopf zeigt ein in der Regel gerades, seltener leicht konvexes Profil (Ramskopf) und weist eine breite Stirn und dementsprechend weit auseinander stehende Augen sowie lange Ohren und weite Nüstern auf.
Der eher lange, dabei hoch aufgesetzte Hals besitzt eine gerundete Oberlinie und wird schön getragen. Er entspringt einer langen, schräg und tief gelagerten Schulter von genügender Breite, die zwar wohlbemuskelt, aber bei Weitem nicht so beladen ist wie bei manch anderen Kaltblütern, insbesondere Brabantern. Aus der Schulterpartie resultiert auch der fördernde, dabei runde Bewegungslauf mit der charakteristischen schnellen Knieaktion. Der Brustumfang beläuft sich auf 180 bis 240 cm.
Der weit in den Rücken hineinreichende Widerrist ist mäßig hoch, auch wenn eine deutliche Ausprägung sehr gewünscht ist, aber ausreichend markiert. Generell liegt die Vorhand merklich höher als die Kruppenpartie. An den Widerrist schließt ein starker, stabiler Rücken, der insbesondere bei Hengsten verhältnismäßig kurz ist und eine deutliche Rippenwölbung besitzt, an.
Die lange, dabei leicht abfallende bis runde Kruppe ist gemeinhin kräftig bemuskelt und verfügt über eine gut ausgeprägte, weit hinabreichende Sitzbeinmuskulatur, besitzt aber im Gegensatz zum Belgischen Kaltblüter keine üppigen Glutäenpolster und erscheint somit nicht gespalten, des Weiteren ist sie eher schmal und weist einen hohen Schweifansatz auf.
Besonders viel Wert legen die Züchter auf ein gutes, trockenes Fundament, das mit ausgeprägten Sehnen und gut markierten Gelenken versehen ist, wobei die Härte eine wichtigere Rolle spielt als die reine (Knochen-)Stärke. So wirken die in Relation zum übrigen Körper langen Gliedmaßen gelegentlich etwas fein, insbesondere im Vergleich zu dem eher schwammigen Fundament mit groben Gelenken des Belgiers. Der Röhrbeinumfang beläuft sich bei Hengsten auf 28 bis 32 cm, bei Wallachen und Stuten beträgt dieser 23 bis 28 Zentimeter.
Während die Vorderbeine gut unter den Schultern platziert sind, sind die Hinterbeine grundsätzlich für ein Zug- und landwirtschaftliches Arbeitspferd günstig gewinkelt; eine leichte Tendenz zur Säbelbeinigkeit gilt als rassetypisch und wird – sofern nicht deutlich ausgeprägt, da dies die Hebelwirkung negativ beeinflusst – nicht als Mangel angesehen. Die vorderen Extremitäten sollen möglichst gerade verlaufen, d. h. jegliche Neigungen zu Fehlstellungen wie etwa eine bodenenge Platzierung der Vorderbeine werden negativ bewertet. Charakteristisch ist die im englischen Sprachraum mit „hocks together“ bezeichnete, Y-förmige Stellung der Hintergliedmaßen, die nicht mit einer unerwünschten, aber gelegentlich auftretenden Kuhhessigkeit zu verwechseln ist, obgleich die Spitzen der Sprunggelenke eher nach innen als nach außen zeigen sollen. Die Gründe für die etwas unkonventionelle Platzierung der Hinterbeine sind wahrscheinlich physikalischer Natur, da diese Stellung bessere Hebelverhältnisse ermöglicht und bewirkt, dass der Druckpunkt direkt unter dem Schwerpunkt liegt.
Kastanien sind nur selten vorhanden. Rassetypisch ist die lange, bisweilen etwas weiche Fesselung. Die Fesselbehaarung ist stark ausgeprägt, insbesondere an der Rückseite des Röhrbeins, aber seidig – an dieser Stelle ist anzumerken, dass gerade im Vereinigten Königreich auf die Seidigkeit sehr viel Wert gelegt wird, anders als beispielsweise in den USA und Kanada –, und feiner als der Kötenbehang des Shire Horses. Auch auf die Hufe wird von den Züchtern ein besonderes Augenmerk gelegt (ein altes englisches Sprichwort, das die Wichtigkeit guter Hufe betont, lautet „No feet no horse“, was übersetzt in etwa „ohne Hufe kein Pferd“ bedeutet); sie sind groß und rund geformt, ab und an dabei etwas flach. An Gliedmaßen mit weißen Abzeichen bestehen sie im Normalfall aus hellem Horn.
Körpermaße Das moderne Clydesdale erreicht ein Gewicht bis etwa 1000 kg, das Stockmaß beträgt 163–193 cm (16–19 hands). Die durchschnittliche Widerristhöhe liegt dabei bei rund 168 cm. Die Körpermasse variiert meist zwischen 725 und 815 Kilogramm, nur ausgewachsene Hengste und Wallache erreichen im Einzelfall Werte um eine Tonne.
Historische Betrachtung Die heutzutage überwiegende Verwendung als Showpferd führt auch das Züchten von Pferden mit höherer Widerristhöhe mit sich, um den Eindruck einer großen Imposanz zu verstärken, bevorzugte hingegen der Markt zur Blütezeit der Rasse um 1900, aber auch noch bis in die 1920er- und 1930er-Jahre hinein, als viele Clydesdales in der Landwirtschaft ihren Dienst taten, ein kompakteres Arbeitstier. Unabhängig davon, dass sich der angestrebte Typ ebenso wie die anvisierte Widerristhöhe geändert haben, wird heute ebenso wie früher sehr viel Wert auf ein gutes Fundament gelegt.
Farbgebung mini|Aufnahme eines Clydesdale-Hengstes aus dem Jahr 1911. Das Pferd hat einen weißen Hinterfuß und einen halbweißen Vorderfuß. Die anderen Hufe haben weiße Kronen. Es hat eine breite Blesse. mini|Zum Vergleich eine Fotografie von 2018, die Blesse ist ähnlich, aber die Abzeichen an den Extremitäten sind deutlicher ausgeprägt. Hochgestiefelte Vorderfüße, während die Abzeichen an den Hinterbeinen nicht nur an Fessel, Röhrbein und Sprunggelenk bedecken, sondern sich auch an der Vorderseite des Oberschenkels und bis auf die Kruppe hinauf ziehen. Im Bauchbereich sind weiße und stichelhaarige Partien. Insgesamt ist der Trend zu mehr und großflächigeren Abzeichen klar erkennbar. Die überwiegende Fellfarbe sind Braune, dazu kommen Dunkelbraune und Rappen. Schimmel hingegen treten nur selten auf. Sporadisch auftretende Füchse gelten als nicht rassetypisch, ähnlich wie beim Shire Horse. Aufgrund des Modetrends zu großflächigen weißen Abzeichen sind die Pferde überwiegend Sabinoschecken, bei denen sich die Scheckung meist durch vier weiße Stiefel und eine Laterne oder breite Blesse im Gesicht, seltener auch durch zusätzliche weiße oder stichelhaarige Flecken im Bereich des Bauches darstellt, während ein Clydesdale ohne weiße Abzeichen im Gesicht und mit nur wenigen Abzeichen an der Beinen Seltenheitswert besitzt. Grundsätzlich tendieren viele Rassevertreter zu Stichelhaarigkeit.
Von Seiten der meisten Züchtern ist diese – meist ebenfalls vom Sabino-Gen verursachte – Einstreuung weißer Haare in das Haarkleid jedoch nicht gewünscht; ihrer Ansicht nach sind nur solide Farben korrekt. Um dem entgegenzuwirken, setzt man auf die Paarung von Tieren, die mindestens ein Bein, dass kein weißes Abzeichen aufweist, besitzen (bei denen also die Ausprägung der Sabino-Zeichnung geringer als gewünscht ist), mit anderen Rassevertretern, die vier hochgestiefelte Beine, und somit meist auch eine Anlage zur Stichelhaarigkeit, zeigen (bei welchen folglich die Sabino-Merkmale deutlicher ausgeprägt als erwünscht sind). Im Durchschnitt besitzen die geborenen Fohlen seltener weiße Flecken im Bauchbereich und stichelhaarige Fellpartien.
Gleichzeitig gibt es auch Stimmen, die die Abkehr von stichelhaarigen Tieren und den Trend zu einfarbigen Tieren mit möglichst großen weißen Abzeichen kritisieren, da ihrer Meinung nach viel zu sehr auf die Farbgebung Wert gelegt werde, und andere wichtige Merkmale wie die Qualität der Gangarten, die Abstammung, Gesundheit und die Charaktereigenschaften regelrecht vernachlässigt würden. Sie betonen, dass der regelmäßige Einsatz nicht stichelhaariger Zuchtpferde von großer Wichtigkeit sei, da sonst die angestrebten „strahlenden“ Farben mit den weißen Abzeichen nach und nach verschwänden und zudem das Haarkleid gröber und lockiger werde und nicht wie gewünscht glatt und seidig bleibe.
Bei Ausstellungen im Showring bleibt die Farbgebung eines Tieres unbewertet.
Mechanik mini|Charakteristisch für das Clydesdale ist das deutliche Abfußen während des Bewegungslaufes Im Allgemeinen gilt die Korrektheit des Bewegungslaufes des Clydesdales als beispielhaft für ein gutes Zugpferd. Die Gangarten Schritt und Trab sind fördernd und aktiv, mit langen, dabei freien Schritten, großem Raumgriff und hochgelobter Aktivität der Hinterhand. Rassetypisch ist die hohe, schnelle Knieaktion. Die Züchter legen des Weiteren Wert darauf, dass die Pferde deutlich abfußen, d. h. dass die Unterseite des Hufes bei jedem Schritt deutlich zu sehen ist, und zudem darauf, dass die Sprunggelenke während des Laufens eng aneinander vorbeigeführt werden. Aufgrund der im Vergleich zu anderen Kaltblutpferden geringeren Körpermasse des Clydesdales in Relation zur Widerristhöhe bereiten ihm auch die schnelleren Gangarten weniger Anstrengung.
Interieur Clydesdales besitzen ein hohes, aufgewecktes und lebhaftes, aber ausgeglichenes Temperament und einen frommen, ehrlichen und menschenbezogenen Charakter sowie eine hohe Intelligenz. Bezeichnend ist ihr hoher Arbeitswille. Ihres willigen, sanftmütigen Temperaments wegen werden sie auch als „gentle giant“ (sanfter Riese) bezeichnet.