mini|hochkant=1.5| Villach [] (, , ) ist die siebentgrößte Stadt Österreichs und nach Klagenfurt am Wörthersee die zweitgrößte des Bundeslandes Kärnten. Außerdem ist sie ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für den Süden Österreichs und den Alpen-Adria-Raum. Die Statutarstadt ist mit ihren  Einwohnern (Stand ) die größte Stadt Österreichs, die nicht gleichzeitig Hauptstadt eines Bundeslandes ist.

Geographie und Klima Geographische Lage Das Stadtgebiet liegt am westlichen Rand des Klagenfurter Beckens am Zusammenfluss der Drau mit der Gail. Das Gemeindegebiet von Villach grenzt an bzw. umschließt mehrere Seen, darunter den Ossiacher See, Faaker See, Silbersee, Vassacher See, Grünsee, Magdalensee und Leonharder See.

Gliederung Der politische Bezirk Villach (Stadt) ist das Verwaltungsgebiet der Statutarstadt auf Bezirksebene.

Die Katastralgemeinden sind (mit Kennzahl): CodeKatastralgemeindeLink75406BogenfeldKarte75409DrobollachKarte75411FederaunKarte75415GratschachKarte75418HeiligengeistKarte75421JudendorfKarte75429Maria GailKarte75432PerauKarte75434PogöriachKarte75446SeebachKarte75441St. MartinKarte75442St. RuprechtKarte75452VassachKarte75454VillachKarte75455VölkendorfKarte75457Wernberg IIKarte75459WollanigKarte Villach umfasst zahlreiche Orte im Umland, von denen nur einige eigentliche Stadtteile bilden (in Klammern die slowenischen Namen):

Das Gemeindegebiet umfasst 58 Ortschaften (Einwohner Stand ):

mini|Burgruine Landskron

Berge und Höhenzüge Dobratsch (), Mittagskogel (), Dobrova (), Genottehöhe (), Gerlitzen (), Graschelitzen (), Kumberg (), Kumitzberg (), Landskron (), Nieschach (), Oswaldiberg (), Polana (), Tscheltschnigkogel (), Wollanigberg (), Buchberg ().

Klima

Geschichte mini|Blick von der Burgruine Landskron ins Gegendtal mini|Thomas von Villach

Frühe Geschichte Die ältesten Funde von menschlichen Spuren im Raum Villach stammen aus der späten Jungsteinzeit. Vielfältige Funde stammen aus der Römerzeit (ab 15 v. Chr.), in der in der Nähe des heutigen Villach ein Ort namens Santicum bestand. Er wird nahe den Thermalquellen von Warmbad im Süden vermutet. Eine zeitweilig ebenfalls bei Villach vermutete römische Zollstation Bilachinium lag dagegen tatsächlich im Kanaltal/Val Canale bei Camporosso/Saifnitz. Um das Jahr 600 wanderten slawische Stämme ein und gründeten das slawische Fürstentum Karantanien.

Um das Jahr 740 wandte sich Borouth, Herzog von Karantanien, an Herzog Odilo von Bayern um Hilfe gegen die Awaren. Diese wurde ihm auch gewährt, allerdings nur gegen die Anerkennung der bayerischen bzw. fränkischen Oberhoheit in Karantanien. Der Karolinger König Karlmann schenkte im Jahr 878 dem bayerischen Kloster Öttingen den Königshof Treffen. Dabei wurden die Villacher Brücke und der gleichfalls aus vorrömischer Zeit stammende Name Villach erstmals als ad pontem Uillach urkundlich erwähnt.

Im Jahr 979 wurde der Königshof Villach von Kaiser Otto II. an Bischof Albuin von Säben/Brixen als Lehen vergeben. Von 1007 bis 1759 war Villach im Besitz des Hochstifts Bamberg.

Hochmittelalter und Frühere Neuzeit Im Jahr 1060 erhielt Villach das Marktrecht, in der folgenden Zeit wuchs die Marktsiedlung zur voll entwickelten Stadt heran; als solche ist Villach spätestens seit 1240 urkundlich nachgewiesen. Bei Erdbeben am 25. Jänner 1348 und am 4. Dezember 1690 erlitt die Stadt schwere Schäden. Gegen die einfallenden Türken soll 1492 eine Schlacht bei Villach geschlagen worden sein, die historisch nicht belegt ist. Nachdem um das Jahr 1526 die Reformation Einzug in Kärnten gehalten hatte, wurde Villach zum Kärntner Zentrum des Protestantismus.Wilhelm Neumann: Die Reformation in Villach. In: 900 Jahre Villach. Neue Beiträge zur Stadtgeschichte. Geleitet von Wilhelm Neumann. Herausgegeben von der Stadt Villach, Villach 1960, , S. 411–446; Nachdruck des Aufsatzes: [Stadt Villach], [Villach] [1968?], . Während der Gegenreformation um das Jahr 1600 sind viele evangelische Villacher ausgewandert. Dies führte zu einem zeitweiligen wirtschaftlichen Niedergang der Stadt.

Im Jahr 1759 wurde Villach von Kaiserin Maria Theresia von Österreich zusammen mit allen anderen bambergischen Besitzungen in Kärnten gekauft. Die mit dem Hochstift Bamberg vereinbarte Kaufsumme betrug 1 Million Gulden. Entgegen einer verbreiteten Irrmeinung ist die Veranlagung und Zahlung des Kaufpreises genau erfolgt. Im Zuge der Theresianischen Reformen wurde Villach neben Klagenfurt und Völkermarkt zum Sitz einer Kreishauptmannschaft.

Während der napoleonischen Zeit (1809 bis 1813) war Villach Kreisstadt innerhalb der französischen Illyrischen Provinzen. Während dieser Zeit wurde die mittelalterliche Stadtbefestigung abgerissen. Die Stadt wurde im Sommer 1813 von Österreich zurückerobert, wobei es zu schweren Beschädigungen an Bauwerken der Stadt kam. Mit der Bürgergarde wurde im Jahr 1852 der Rest der ehemaligen städtischen Wehrorganisation aufgelöst.Stadtgeschichte. In: villach.at, abgerufen am 19. Dezember 2019. mini|Blick über Villach in östliche Richtung (um 1898) Im Jahr 1880 hatte die Stadtgemeinde Villach 6104 Einwohner. Davon waren 5475 deutsch- (90 %) und 30 slowenischsprachig (0,5 %).K.K. Statistische Central-Commission: Special-Orts-Repertorien der im Oesterreichischen Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder. Band V: Kärnten. Hölder, Wien 1883, , S. 73 (anderer Titel: Obširen imenik krajev na Koroško).

Seit dem 20. Jahrhundert mini|Blick auf die Draupromenade von der Bahnhofstraßenbrücke Während des Ersten Weltkriegs hatte Villach auf Grund seiner Nähe zum feindlichen Italien den Charakter einer Frontstadt; hier befand sich von 1915 bis 1917 der Sitz des Kommandos der 10. k.u.k. Armee.

Am 1. Jänner 1932 wurde Villach zur autonomen Stadt mit eigenem Statut. Gleichzeitig übernahm Villach die Aufgaben der Bezirksverwaltung.. In: villach.at, abgerufen am 3. Jänner 2017.

Nach dem Anschluss Österreichs kam es in der Reichspogromnacht auch in Villach zu Zerstörungen jüdischen Eigentums, Enteignungen, Vertreibungen und tätlichen Angriffen gegen Juden. Die Villacher Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime Heinrich Brunner, Valentin Clementin, Rosa Eberhard, Milan Jelic, Margarete Jessernigg, Maria Peskoller, Erich Ranacher und Josef Ribitsch wurden am 18. Dezember 1944 von Roland Freisler, dem Präsidenten des Volksgerichtshofes, zum Tode verurteilt und am 23. Dezember 1944 in Graz mit dem Fallbeil hingerichtet.

Im Zweiten Weltkrieg flogen die Alliierten 37 Luftangriffe gegen Villach. Durch den Abwurf von ca. 42.500 Bomben wurden 85 % der Gebäude der Stadt beschädigt. Villach zählte nach Wiener Neustadt zu den meistbeschädigten Städten Österreichs.

Im Rahmen der Alpenkonvention wurde Villach 1997 zur ersten Alpenstadt des Jahres gekürt und erhielt 2014 eine europaweite Auszeichnung für das Engagement in den Bereichen Umweltschutz und erneuerbare Energien.

Im Jahr 2014 wurde Villach der Ehrentitel Reformationsstadt Europas von der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa verliehen.Andreas Jandl: Auszeichnung. Villach im elitären Kreis der Reformationsstätte [sic!] Europas. Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen Europas vergab den Titel Reformationsstadt Europas an Villach. Anlass ist das 500-Jahr-Jubiläum der Reformation. In: kleinezeitung.at. 15. November 2014, abgerufen am 3. Jänner 2017. – Zur Bedeutung Villachs in der Reformationsgeschichte siehe auch das Stadtporträt des Projekts Reformationsstädte Europas: Reformationsstadt Villach. Österreich. In: abgerufen am 3. Jänner 2017, sowie das Stadtporträt des Projekts „Europäischer Stationenweg“:

Beim Messerangriff in Villach am 15. Februar 2025 wurde ein Mensch getötet und fünf verletzt.

Eingemeindungen Im Jahr 1905 wurde ein Teil des Gemeindegebiets von St. Martin eingemeindet. Im Jahr 1973 vergrößerte sich das Stadtgebiet durch die Eingemeindung der Ortschaften Landskron, Maria Gail und Fellach aufs Neue und hat damit die derzeitige Größe erreicht.

Bevölkerung Einwohnerzahl und Bevölkerungsentwicklung

Bevölkerungszusammensetzung Am 1. Jänner 2009 lebten in Villach 58.949 Personen, davon 6961 oder 11,8 % Ausländer.Statistik Austria und Österreichischer Städtebund (Hrsg.): Österreichs Städte in Zahlen 2009. Statistik Austria, Wien 2009, ISBN 978-3-902703-25-5, S. 117. Insgesamt 8898 Personen oder 15,1 % waren im Ausland geboren. Der Großteil der im Ausland geborenen Personen stammte aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawien (3940 Personen oder 6,7 % der Gesamtbevölkerung), die nächstgrößte Gruppe waren Deutsche (1642 Personen oder 2,8 % der Gesamtbevölkerung).Statistik Austria und Österreichischer Städtebund (Hrsg.): Österreichs Städte in Zahlen 2009. Statistik Austria, Wien 2009, ISBN 978-3-902703-25-5, S. 123 f.

Die Einwohnerzahl der Stadt Villach wächst und erreichte am 1. Jänner 2014 eine Bevölkerungszahl von 60.004 Einwohnern. Rund 10.000 Personen oder rund 17 % der Villacher Bevölkerung verfügen per Stichtag 1. Jänner 2018 über keine österreichische Staatsbürgerschaft. Insgesamt wurden 12.648 Personen (das sind 20,4 % der Villacher Bevölkerung) nicht in Österreich geboren (Anmerkung: „Bevölkerung mit Migrationshintergrund“ ohne in Österreich geborene Kinder).Statistik Austria: In: statistik.at, 1. Jänner 2014, abgerufen am 5. Jänner 2017.

Mit Stichtag 1. Jänner 2019 lebten 62.243 Personen in Villach, davon hatten 11.942 Bewohner keine österreichische Staatsbürgerschaft (das entspricht 19,2 %) und 13.050 Villacher wurden im Ausland geboren (das sind 21 % der Villacher Bevölkerung).20201 – Villach. (PDF; 202 kB). In: statistik.at, abgerufen am 21. Februar 2020.

Religionen Laut Daten des Villacher Meldeamtes, ergaben sich per Stichtag 31. Dezember 2016 aufgrund freiwilliger Angaben durch 55.591 Einwohner und Einwohnerinnen (Bevölkerungsstand laut ZMR vom 31. Oktober 2016: 61.833) der Stadt folgende Zahlen zur Religionszugehörigkeit: In: 5min.at, 14. April 2017, abgerufen am 3. Jänner 2019. Römisch-Katholisch: 28.877 (51,9 % der Auskunftswilligen) Evangelische Kirche A. u. H. B.: 6.681 (12,0 % d. A.) Islam: 4.656 (8,4 % d. A.) Ohne Bekenntnis: 15.377 (27,7 % d. A.)

In Villach befindet sich der Sitz der Evangelischen Superintendentur A. B. Kärnten und Osttirol.

Im Jänner 2017 waren, laut Kärntner Landesschulrat, 49 % der Pflichtschüler in Villach römisch-katholisch, 20 % muslimisch und 15,1 % evangelisch.Karin Hautzenberger: Jeder fünfte Pflichtschüler in Villach ist Moslem. In: kleinezeitung.at, 20. Jänner 2017, abgerufen am 3. Jänner 2019.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Hauptplatz mini|hochkant|Innenhof des Paracelsushauses, Hauptplatz Er ist ein großzügig angelegter Straßenplatz im Flächenverhältnis Eins zu Acht. Die Anlage datiert aus dem 12. Jahrhundert, mit leicht geschwungenen Baulinien und geschlossen wirkender Platzwand, unterbrochen durch schmale Gassen, letztere zum Teil mit Schwibbögen (Ankershofen- und Karlgasse). Zudem stehen zwei historisch bedeutende Gebäude am Hauptplatz, einerseits das Haus, in dem der Arzt und Philosoph Paracelsus eine Zeit lang gewohnt hat, andererseits das Geburtshaus von Anton Ghon. Beide Gebäude befinden sich auf der Westseite des Platzes.

Der Hauptplatz in Villach war auch Schauplatz eines Messerattentates, das weltweit für Aufsehen sorgte. Am 15. Februar 2025 stach ein 23 Jahre alter Mann aus Syrien kurz vor 16 Uhr am Hauptplatz nahe der Draubrücke wahllos mit einem Klappmesser auf mehrere Passanten ein. Dabei wurde ein 14-jähriger Schüler getötet und fünf weitere Personen erlitten teils schwere Verletzungen.

Pranger mini|Hauptplatz mit Pranger im Vordergrund