mini|hochkant=1.4|Klosterkirche Sainte-Foy mini|Chorpartie Die romanische Klosterkirche Sainte-Foy steht in Conques (Gemeinde Conques-en-Rouergue) im Département Aveyron in Frankreich. Das Gotteshaus und sein kleines Museum gehören zu den Höhepunkten der Kulturgeschichte des südlichen Frankreichs. Trotzdem ist der Ort wegen seiner abgelegenen Lage wenig besucht. Conques und seine Klosterkirche liegen an einem Berghang. Diese Lage drohte der Kirche einstmals zum Verhängnis zu werden.
Seit 1998 ist die Kirche als Teil des Weltkulturerbe der UNESCO „Jakobsweg in Frankreich“ ausgezeichnet.
Geschichte Die Kirche hat ihren Namen nach der heiligen Fides, im Französischen Sainte-Foy genannt. Fides war der Name eines Mädchens, das zur Märtyrerin geworden war. Sie war die Tochter eines angesehenen Bürgers von Agen und wurde am 6. Oktober des Jahres 303 im Alter von zwölf Jahren auf einem glühenden Rost gemartert und enthauptet. Das geschah auf Anweisung von Dacius, dem Prokonsul der Provinz Aquitania, nachdem sie sich geweigert hatte, die heidnischen Götter anzubeten. Sie war damit eine der ersten der vergleichsweise wenigen Märtyrer im römischen Gallien. Die religiöse Fantasie und die emotionale Erregung erfuhren noch durch ihr jugendliches Alter und ihre damit verbundene Jungfräulichkeit eine bedeutsame Steigerung. Ihre Gebeine wurden am 14. Januar 866 nach einem Raub feierlich nach Conques gebracht und werden seitdem hier verehrt.
Die Klosterkirche, die einen älteren karolingischen Bau ersetzte, wurde kurz nach 1041 begonnen und zu Beginn des 12. Jahrhunderts weitgehend vollendet. Damit steht sie in der Phase der Früh- und Hochromanik. Im Mittelalter gehörte sie zu einer Benediktinerabtei. Nach Saint-Philibert in Tournus in Burgund besitzt sie möglicherweise das älteste Tonnengewölbe großen Ausmaßes.
mini|Grundriss
Die Baugeschichte wird gängigerweise nach den Amtszeiten der Äbte als Bauherren eingeteilt:Tourisme-Conques: L'abbatiale de Ste. Foy – Construction= auf Englisch: Ste Foy Abbey church – Construction Odolric, 1031–1065, Chor und Chorumgang mit Apsiskapellen, Étienne II., 1065–1087, Ausbau nach Westen, Begon III., 1087–1107, Emporen der Kirche und Kreuzgang, Boniface, 1087– ca. 1125, wahrscheinlich Abschluss der Einwölbung, Westfassade. Die ältere Datierung der Mittelschiffsgewölbe auf 1060 ist wohl überholt. Manches spricht sogar dafür, dass in Conques die oberen Teile des Langhauses zeitlich nach der großen Kirche Saint-Sernin in Toulouse errichtet wurden, also ab etwa 1120, die Vierungskuppel sogar erst nach 1130. mini|hochkant|links|Chorumgang Die Klosterkirche hat die typische Form einer mittelalterlichen Pilgerkirche: ein geräumiger Innenraum und zahlreiche Nebenkapellen. Sie hat einen fünffachen Staffelchor beziehungsweise eine Kombination von Staffelchor und Kapellenkranz, eine der Vorformen des späteren Kapellenkranzes.
Als die Pilgerreisen nach Santiago de Compostela aufkamen, wurde Sainte-Foy zu einer der wichtigsten Stationen auf der Via Podiensis, dem ältesten Abschnitt des Jakobsweges in Frankreich. mini|Mittelschiff zum Chor
Nach der großen Zeit der Pilgerzüge gerieten Conques und seine Kirche in Vergessenheit und es begann ein langsamer Niedergang. 1537 wurde das Kloster säkularisiert, die Benediktinermönche wurden durch ein zwanzigköpfiges Kapitel von Stiftsherren ersetzt. Die Basilika brannte 1568 bei einem Angriff protestantischer Truppen zum Teil ab und blieb nur in Resten für den Gottesdienst nutzbar. Die Lage am Berghang machte sie für die Zerstörungskraft des Regenwassers und die Gefahr der Pfeilerverschiebungen besonders anfällig.
Nach der Revolution 1789 und der endgültigen Auflösung des Klosters blieb sie 50 Jahre lang vernachlässigt. Kupferstiche von 1840 zeigen die Kirche mit teilweise eingestürztem Dach und einer Apsis, die außen bis zum unteren Rand des Fensters verschüttet war. 1839 beauftragte die Gemeinde von Conques einen Architekten aus Rodez mit dem Abbruch der Kirche, die angeblich einzustürzen drohte. Auch das danebenliegende Kloster war gefährdet. Aber nur das Kloster wurde tatsächlich abgebrochen, ein kleiner Teil des Kreuzganges steht heute noch.
Prosper Mérimée kommt das Verdienst zu, dieses Wunder der Romanik, wie die Stadt Conques es heute nennt, gerettet zu haben. Prosper Mérimée (1803–1870) war eigentlich Schriftsteller, wurde aber 1831 Inspektor der historischen Denkmäler Frankreichs. Ihm und Viollet-le-Duc verdankt die französische Kunstgeschichte den Erhalt einer ganzen Reihe ihrer bedeutendsten Bauwerke. Bei einer Inspektionsreise zur Überprüfung historischer Denkmäler im Juni 1837 wandte er sich entschieden gegen die Zerstörung dieser Kirche und erreichte, dass sie unter Denkmalschutz gestellt wurde. Unverzüglich begannen die Restaurierungsarbeiten, die aber erst 1950 mit dem Einsetzen der Fenster ihren Abschluss fanden.
1875 wurde der Klosterschatz, der vergraben worden war, unter den Bodenplatten des Chorganges wiederentdeckt.
Innenraum mini|hochkant|links|Empore (Detail) mini|Laterne über der Vierung
Nach St-Philibert in Tournus war Sainte-Foy wohl die nächste große ganz gewölbte Kirche. Das Mittelschiff hat eine Höhe von 22 Metern bei einer Länge von 56 Metern. St-Sernin in Toulouse, 1075 bis 1119 errichtet und ebenfalls vor allem Wallfahrtskirche, ist im Mittelschiff mit 21,10 m wenig niedriger, hat als Stufenhalle aber höhere Seitenschiffe und Emporen. Sie ist ebenfalls vollständig gewölbt, aber 115 m lang bei 32,5 m breitem Langhaus. Die Maße der 1090 begonnenen und 1140 weitgehend vollendeten Prioratskirche von Paray-le-Monial sind denen von Sainte-Foy sehr ähnlich. Cluny III, 1088 begonnen, Vorbild und Mutterkirche für Paray-le-Monial, war etwas höher – und deutlich länger. Speyer II, der dritte vollständig gewölbte Großbau jener Zeit, wurde kurz davor 1082 begonnen und erreichte 33 Meter Höhe, bei 134 m Länge und 37,62 m breitem Langhaus.
Sainte-Foy de Conques ist eine Emporenbasilika. Die Emporen öffnen sich zum Mittelschiff mit jeweils einer Doppelöffnung. Die Emporen sollten den Seitenschub der Mittelschiffsgewölbe abfangen, wie bei St-Sernin. Von den großen normannischen Basiliken hat allerdings Ste-Trinité in Caen weder Emporen noch außen sichtbares Strebewerk, dafür doppelschalige Hochschiffswände. In den ersten gotischen Kathedralen in Sens, Noyon und Laon verwendete man ebenfalls Emporen, aber gleichzeitig schon Strebewerk. In Wallfahrtskirchen wie Sainte-Foy dienten die Emporen auch als Schlafraum für Pilger. Aber in Conques ist der Zugang zu den Emporen so unpraktisch angelegt, dass sie ganz offensichtlich ausschließlich zur Stabilisierung des Gewölbes dienten.
Die Bögen der Umgangs-, Seitenschiffs- und Emporenarkaden sowie der Vierung sind eher robust gestaltet, ebenso die Fenster von der Kapellen- und Seitenschiffs- über die Emporenetage bis zu den Obergaden. Davon stechen die Formen der Laterne über der Vierung ab; sowohl die Rundstäbe an den Fenstern als auch die fein modellierten Gewölberippen der Schirmkuppel sind typisch für Vorabend und Anfangszeit der Gotik.
Neben den Dimensionen des Innenraums sind die an vielen Kapitellen erhaltenen figürlichen Steinmetzarbeiten erwähnenswert.
Tympanon mini|Tympanon des Eingangsportals
Die Hauptattraktion der Klosterkirche von Conques ist das große Tympanon des Eingangsportals aus der Zeit vor 1130. Es ist eines der frühesten von insgesamt fünf erhaltenen romanischen Tympana dieser Reife; vielleicht etwas früher wurde das in Moissac (zwischen 1120 und 1130) geschaffen, wohl kaum später entstand das in Vézelay (zwischen 1120 und 1140). Es folgte das Portal in Autun (zwischen 1130 und 1146) und schließlich das schon frühgotische Chartres (um 1150).
Ursprünglich war dem Westportal von Sainte-Foy – wie in Vézelay – eine Eingangshalle vorgelagert. Der rötliche und gelbe Sandstein ist deswegen gut erhalten und nur hier haben sich nennenswerte Fragmente einer Farbfassung erhalten.
Das Bildprogramm der Portale beschränkt sich nicht allein auf biblische Szenen. Das Generalthema des Tympanons von Sainte-Foy ist das Jüngste Gericht. Ganze 117 Figuren bevölkern die Szene, in deren Mitte Christus in einer Mandorla thront (Majestas Domini). Gemäß der Matthäusvision vom Jüngsten Gericht, nach der Christus die Schafe zu seiner Rechten und die Böcke zu seiner Linken versammelt (Matthäus XXV, 33), teilt er mit seinen ausgestreckten Armen die Welt des Jenseits in das Paradies zu seiner erhobenen Rechten und die Hölle zu seiner nach unten weisenden Linken. Diese Teilung der Welt in Gut und Böse, die die gesamte christliche Kunst des Mittelalters beherrscht, ist bis in die Gegenwart kulturbestimmend wirksam.
mini|Christus in der Mandorla, darunter die Geretteten und die Verdammten
In der Mandorla sitzt Christus als höchster Richter mit einem Pallium bekleidet. Auf dem Kreuz im Nimbus hinter seinem Haupt steht JUDEX („Richter“). Mit der rechten Hand zeigt er den Auserwählten den Weg in den Himmel: „Kommt, ihr Gesegneten meines Vaters“, lautet die seitliche Inschrift; mit der Linken weist er die Verdammten zur Hölle: „Weichet von mir, Verfluchte“, heißt es dort.
Zu seiner Linken (also von vorne aus rechts von ihm) sind vier Engel zu sehen. Von den zwei Christus zugewandten Engeln hält einer das Buch des Lebens, der andere ein Weihrauchgefäß. Die beiden den Verdammten zugewandten Engel halten Lanze, Schild und Wimpel. Sie halten die Verdammten fern, wie auf dem Schild geschrieben steht: „Die Engel werden die Bösen von den Gerechten trennen“. In der Hölle wird jeder nach seinen Sünden bestraft. Die Qualen, welche hier den Verdammten auferlegt werden, beziehen sich auf die Todsünden. Man nimmt an, dass manche Figuren dieser furchterregenden Szene reale Personen darstellen.
Wie bei vielen mittelalterlichen Kreuzigungs- oder Weltgerichtsdarstellungen befinden sich links und rechts des Kreuzes die Personifikationen von Sonne (sol) und Mond (luna). Zu beiden Seiten des Kreuzes stößt jeweils ein Engel ins Horn, um die Menschheit zum jüngsten Gericht zu rufen. Das Kreuz steht im Mittelpunkt der christlichen Welt- und Erlösungsgeschichte. Auf dem Querbalken heißt es: „Dieses Kreuzzeichen wird am Himmel erscheinen, wenn der Herr kommt zu richten“ (Matthäus XXIV, 30).
mini|150px|Karl der Große und Odolric
Zur Rechten Christi, der moralisch „guten“ Seite, halten vier Engeln Spruchbänder mit den Kardinaltugenden Glaube, Hoffnung, Liebe und Demut. Darunter folgt eine Schar von Heiligen und Figuren, die voller Vertrauen Christus zugewandt sind: Jesus am nächsten die Jungfrau Maria, dann Petrus mit dem Schlüssel und einem Stab in den Händen, dann der Eremit Dadon, der Gründer des Klosters von Conques, gefolgt vom Abt Odolric, dem Erbauer der Basilika und ersten Abt des Klosters – unter dem Caritas-Spruchband. Er führt Karl den Großen an der Hand, dessen Freigiebigkeit den Bau oder die Fertigstellung einer früheren Kirche am gleichen Ort ermöglicht hatte. Um den Kaiser herum sind Mitglieder seiner Familie versammelt.
Der Kaiser hält eine kleine Figur in der Hand, vermutlich soll sie die heilige Fides von Agen (sainte Foy), die Schutzpatronin der Basilika, darstellen. Drei eine Stufe höher dargestellte Märtyrer erlitten mit der heiligen Fides um 300 den Märtyrertod. Am äußersten linken Rand steht Arosnidus, ein Mönch, der den „frommen Diebstahl“ beging, der Conques zu den Reliquien der Fides verhalf, die in Agen entwendet und nach – wie es heißt – „mancherlei Abenteuern“ nach Sainte-Foy gelangten.Ref?