Bergheim ist der südwestlichste Stadtteil von Augsburg mit etwa 2600 Einwohnern und einer Fläche von rund 22,08 km².
Ortsteile Weiler Bannacker mit dem Gut Bannacker (im Südwesten an der Gemeindegrenze zu Bobingen) Bergheim (Hauptort) Neubergheim (nordöstlich des Hauptortes) Radegundis (im Nordwesten an der Gemeindegrenze zu Stadtbergen) Wellenburg (Ort und Schloss, zwischen Hauptort und Radegundis)
Gewässer Der Diebelbach, ein Grundwassergraben mit geringem Gefälle meist nur geringer Wasserführung, durchfließt die Gemarkung Bergheim von Gut Bannacker im Südwesten bis zur Brandsiedlung im Nordosten und mündet dort in die Wertach. Zwischen den Ortsteilen Bergheim und Neubergheim befindet sich der Bergheimer Baggersee.
Angrenzende Gebiete Im Osten wird die Gemarkung Bergheim von der Wertach und den Augsburger Ortsteilen Inningen und Göggingen begrenzt. Im Norden schließt sich das Gemeindegebiet von Stadtbergen (Ortsteil Leitershofen) an. Die südliche Grenze bildet das Gebiet der Stadt Bobingen, während im Westen der Naturpark westliche Wälder anschließt.
Geschichte Frühgeschichte Die Besiedlung der Gegend um Bergheim reicht vermutlich fast 3000 Jahre zurück, wie Hügelgräber aus der Hallstattzeit zwischen Radegundis und Bannacker belegen. Besonders bekannt ist das sogenannte Wagengrab bei Wellenburg, aus dem Tongefäße, Goldblech und Teile eines Wagens geborgen wurden. Im Kirchhof von St. Remigius wurden 1818 Überreste eines Grabmonuments des Römers Marcus Buccinius Tacitus entdeckt. Auch Münzfunde mit Darstellungen des römischen Kaisers Augustus weisen auf eine römische Präsenz hin. Die Siedlung Bergheim entstand vermutlich im 8. oder 9. Jahrhundert n. Chr. in der Waldrodung einer früheren Römerstätte.ARGE Bergheim (Hrsg.): Festschrift 850 Jahre Bergheim. Industrie-Druck Haas GmbH, Augsburg, 2022, Seite 8. Es wird angenommen, dass Bischof Embriko einen Vorgängerbau der heutigen Kirche St. Remigius um 1069 in der Siedlung errichten ließ.
Mittelalter mini|Das Schloss Wellenburg (um 1890) „Berchain“ wurde erstmals 1172 in einer Urkunde des Klosters St. Stephan erwähnt.ARGE Bergheim (Hrsg.): Festschrift 850 Jahre Bergheim. Industrie-Druck Haas GmbH, Augsburg, 2022, Seite 10. In dieser Zeit tauchten für den Ort auch die Namen „Perckhaim“, „Berham“ und „Berckha“ auf. Ebenfalls in diese Epoche fällt die Entstehung von Wellenburg, während die Grundherrschaft Bannacker ihren Ursprung im Jahr 1249 hat.ARGE Bergheim (Hrsg.): Festschrift 850 Jahre Bergheim. Industrie-Druck Haas GmbH, Augsburg, 2022, Seite 12. Anfang des 14. Jahrhunderts wurde Bergheim Teil der Markgrafschaft Burgau und 1376 fand der Ort Radegundis erstmals Erwähnung. Der Name geht auf die Magd Radegund zurück, die dort nach ihrem Tod bestattet wurde.
1458 bestand Bergheim aus 17 Hofstätten. Vier Jahre später ließ Herzog Ludwig von Bayern den Ort niederbrennen. 1463 wurde das Schloss in Wellenburg erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahr 1595 erwarben die Fugger die Herrschaft Wellenburg und wurden damit auch Grundherren von Bergheim.ARGE Bergheim (Hrsg.): Festschrift 850 Jahre Bergheim. Industrie-Druck Haas GmbH, Augsburg, 2022, Seite 18 ff.
Neuzeit Während des Dreißigjährigen Krieges, insbesondere in den Jahren 1635 bis 1640, wurden der Ort und die Kirche von durchziehenden schwedischen Truppen verwüstet. Im Jahr 1690 entstand der heutige barocke Kirchenbau und 1773 folgte der Neubau des Pfarrhofs.ARGE Bergheim (Hrsg.): Festschrift 850 Jahre Bergheim. Industrie-Druck Haas GmbH, Augsburg, 2022, Seite 20 ff.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ereignete sich in Bergheim eine verheerende Brandkatastrophe, bei der mehr als 16 Häuser zerstört wurden. Mit dem Ende des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation wurde Bergheim 1806 Teil des Königreichs Bayern und zählte knapp 400 Einwohner.ARGE Bergheim (Hrsg.): Festschrift 850 Jahre Bergheim. Industrie-Druck Haas GmbH, Augsburg, 2022, Seite 26 ff. 1819 wurde das erste Schulhaus errichtet und 1875 folgte die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr. Im Jahr 1881 ließ sich das Franziskanerinnenkloster Maria Stern in Bergheim nieder. Bereits ein Jahr später war die Einwohnerzahl – einschließlich Wellenburg, Radegundis und Bannacker – auf über 460 angewachsen.ARGE Bergheim (Hrsg.): Festschrift 850 Jahre Bergheim. Industrie-Druck Haas GmbH, Augsburg, 2022, Seite 33.
1906 entstand ein neues Schulhaus (seit 1971 Kindergarten). 1912 erreichte der Ort eine Einwohnerzahl von 500 und wurde in diesem Jahr erstmals mit Strom versorgt. Die zentrale Trinkwasserversorgung folgte 1961 und ein Jahr später entstand der Ortsteil Neubergheim. Gleichzeitig wuchs der Hauptort durch die Entwicklung zweier Wohnbaugebiete nördlich der Dorfmitte und eines Gewerbegebietes im Osten. Zwischen 1963 und 1965 wurde eine Kanalisation gebaut und 1966 erfolgte im Anschluss daran der Ausbau der Hauptstraße, die damit staubfrei gemacht wurde. Der Abbau des hierfür benötigten Kieses auf Gemeindeflur führte zur Entstehung des Bergheimer Baggersees.ARGE Bergheim (Hrsg.): Festschrift 850 Jahre Bergheim. Industrie-Druck Haas GmbH, Augsburg, 2022, Seite 52 ff. mini|Wappen von Bergheim (1967 bis 1972) Bis zur Gemeindegebietsreform 1972 war Bergheim eine eigenständige Landgemeinde. Per Eilgesetz wurde der Ort am 30. Juni 1972 trotz großer Widerstände in der Bevölkerung nach Inningen eingemeindet. Bereits am folgenden Tag kam Inningen zusammen mit Göggingen und Haunstetten zur Stadt Augsburg. Mit der Eingemeindung wurde auch das erst 1967 verliehene Wappen der Gemeinde wieder eingezogen. Es nahm Bezug auf die drei Berge im Gemeindegebiet (Maierberg, Simbertsberg und Langenberg) und erinnerte mit den gekreuzten Morgensternen an die Herren von Bannacker und mit den Farben Gold und Blau an die Herrschaft der Fugger.ARGE Bergheim (Hrsg.): Festschrift 850 Jahre Bergheim. Industrie-Druck Haas GmbH, Augsburg, 2022, Seite 9.
In den 1980er-Jahren entstanden am südlichen und nordöstlichen Rand von Bergheim neue Wohngebiete. Gleichzeitig wurde eine Flurbereinigung durchgeführt und eine Mehrzweckhalle errichtet. Gegen Ende des Jahrzehnts bezogen die Klosterschwestern ihr neues Klostergebäude. Um die Jahrtausendwende wurde am Westlichen Dorfrand ein weiteres Baugebiet ausgewiesen, wodurch der Ort weiter wuchs.ARGE Bergheim (Hrsg.): Festschrift 850 Jahre Bergheim. Industrie-Druck Haas GmbH, Augsburg, 2022, Seite 60 ff.
Im Zuge der Stadtteilentwicklung fand im November 2015 eine Informationsveranstaltung unter Bürgerbeteiligung statt. Drei Monate später wurde außerdem eine sogenannte Bürgerwerkstatt organisiert, bei der 84 Teilnehmer gemeinsam mit Vertretern der Stadt Augsburg und Mitarbeitern eines Planungsbüros über die Zukunft des Ortes diskutierten. Ziel der Ortsentwicklung sind die Neugestaltung des Dorfkerns im Bereich der Hauptstraße und die Bewertung verschiedener Flächen zum Bau neuer Wohngebiete.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Pfarrkirche St. Remigius mini|Pfarrkirche St. Remigius Die katholische Pfarrkirche St. Remigius ist dem heiligen Remigius geweiht und ein bedeutendes Baudenkmal von Bergheim. Der Saalbau mit Zwiebelhaube vereint Bauelemente aus verschiedenen Jahrhunderten. Die heutige barocke Gestaltung entstand zwischen 1690 und 1693 durch die beiden Stifter Äbtissin Margarethe Theresia von Bodman und Graf Anton Josef Fugger unter der Leitung von Valerian Brenner, ergänzt durch klassizistische Fresken von Johann Josef Anton Huber im späten 18. Jahrhundert.
Zu den bedeutenden Kunstwerken gehören ein Altar von Johann Georg Bergmüller aus dem Jahr 1828 und eine Steinmeyer-Orgel von 1874. 1818 wurden im Kirchhof Reste eines römischen Grabmals entdeckt, was auf die lange Geschichte des Ortes hinweist. Die Kirchenglocken mussten in beiden Weltkriegen abgeliefert werden und wurden zuletzt 1951 ersetzt. St. Remigius ist ein kultureller und religiöser Mittelpunkt von Bergheim.
Pfarrhaus mini|Pfarrhaus Das Pfarrhaus wurde 1773 unter der Leitung von Johann Martin Pentenrieder erbaut und gilt als Beispiel barocker Baukunst. Der zweigeschossige Walmdachbau mit volutengerahmtem Zwerchgiebel ist als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen.
1982 sollte das Gebäude aufgrund seines schlechten Zustands zunächst verkauft werden, doch durch die Initiative der Kirchengemeinde konnte es umfassend saniert werden. Die Fassade erhielt dabei eine Scheinmalerei mit Eckrustika und Fensterfaschen. 1985 wurde das Pfarrhaus nach den Sanierungsarbeiten feierlich eingeweiht und blieb als prägender Teil des Bergheimer Ortsbildes erhalten.
Schloss Wellenburg mini|Blick auf das Schloss Das Schloss Wellenburg liegt auf einem bewaldeten Geländesporn über dem Tal der Wertach im Weiler Wellenburg nördlich von Bergheim. Die Anlage wurde im 12. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt und entwickelte sich über Jahrhunderte durch Umbauten und Erweiterungen. 1595 ging das Schloss in den Besitz der Fugger über, die es bis heute bewohnen. Besonders prägend war der neugotische Umbau in den Jahren 1857/1858, bei dem der Hauptflügel umgestaltet, der Osttrakt neu errichtet und der Treppenturm erhöht wurde.
Gut Bannacker mini|hochkant|St.-Leonhard-Kapelle An der südwestlichen Ecke der Gemarkung Bergheim liegt das Gut Bannacker. Das Mitte des 13. Jahrhunderts entstandene (und mehrfach baulich veränderte) Gut befindet sich heute in Privatbesitz. Neben dem Gutshof gibt es eine Kapelle aus dem Jahre 1748, die dem heiligen Leonhard geweiht ist. Jedes Jahr findet ein Leonhardiritt vom Hauptort zum Gut Bannacker mit heiliger Messe und Pferdeweihe statt. Das seit ca. 300 Jahren bestehende Wirtshaus wurde vor einigen Jahren geschlossen.
Baumdenkmal Das Baumdenkmal für die Deutsche Einheit im Bürgerwald wurde am 17. November 2014 gepflanzt.
Weitere Bauten
mini|166x166px|Stadl mit Weichselbaum Die Abschnittsbefestigung Spitalwald ist ein Bodendenkmal. Im Süden des Dorfes befindet sich an einem Stadl ein Weichselbaum unter dem traditionell jedes Hochzeitspaar den ersten Kuss nach der Kirche vollzieht.
mini|Schwesternheim Im Jahr 1881 erwarb das Kloster der Franziskanerinnen von Maria Stern ein Haus in Bergheim, das als Erholungsort für kranke Schwestern dienen sollte. 1890 wurde an das Gebäude eine kleine Kapelle angebaut. Nach 1904 konnte das Klostergrundstück erweitert werden, was den Bau eines zusätzlichen Hauses ermöglichte. Nach der Zerstörung des Mutterhauses in Augsburg im Bombenkrieg von 1944, fanden die Schwestern im Bergheimer Kloster Zuflucht. In den Jahren 1985 bis 1987 wurde die Anlage umfassend umgebaut und erweitert, um modernen Anforderungen gerecht zu werden. Weitere Baumaßnahmen folgten 2019/2020. Seither dient die Einrichtung als Schwesternheim mit Pflegeabteilung und bietet Platz für rund 40 Bewohnerinnen.ARGE Bergheim (Hrsg.): Festschrift 850 Jahre Bergheim. Industrie-Druck Haas GmbH, Augsburg, 2022, Seite 32 ff.
Die Mariengrotte der Familie Schorer wurde 1887 errichtet, nachdem Veronika Schorer ein Jahr zuvor an Kindbettfieber erkrankt war und eine Marienerscheinung hatte. In ihrer Vision versprach sie, eine Grotte zu Ehren der Muttergottes zu bauen, falls sie wieder gesund würde und für ihre Kinder sorgen könnte. Nach ihrer Genesung setzte sie dieses Versprechen um. Im Jahr 1950 wurde die Grotte in den hinteren Teil des Grundstücks verlegt. Sie dient bis heute als Ort der stillen Einkehr sowie als Anlaufstelle für Bitten und Dank.ARGE Bergheim (Hrsg.): Festschrift 850 Jahre Bergheim. Industrie-Druck Haas GmbH, Augsburg, 2022, Seite 34 ff.
Wirtschaft und Infrastruktur Gewerbe und Gastronomie