Eygelshoven () ist ein Dorf im Südosten der Niederlande. Eygelshoven liegt in der Provinz Limburg und ist heute der nördlichste Stadtteil der Grenzstadt Kerkrade.

Bis zur Gemeindegebietsreform (gemeentelijke herindeling) im Jahre 1982 bildete Eygelshoven eine eigenständige Gemeinde. Im Jahr 2024 betrug die Einwohnerzahl Eygelshovens ungefähr 2115 im Ortskern. Inklusive der umliegenden Weiler und Siedlungen Hopel, De Kom, Op de Bossen sowie Waubacherveld zählt Eygelshoven 5350 Einwohner.

Geographie Geologie/Morphologie Im Süden stehen geschieferte Karbonschichten an, die nördlich der Feldbiss-Störung übergehend in Sedimentschichten des Holozän. Die nach Norden zum Teil steil einfallenden Schichten des Karbon führen diverse Steinkohlenflöze, welche regelmäßig die Fortsetzung der aus dem benachbarten Wurmrevier bekannten Flöze bilden.

Eygelshoven liegt mitten in einem grenzübergreifenden städtischen Verdichtungsraum (Agglomeration), der sogenannten Parkstad Limburg, zu der die Großgemeinden und Städte Heerlen, Kerkrade, Landgraaf, Brunssum, Voerendaal, Schinnen und Onderbanken zählen. Eygelshoven hat jedoch seinen dörflichen Charakter zu einem guten Teil bewahren können. Gemeinsam mit dem Egelzer plat, dem lokalen Dialekt, der sich deutlich vom Dialekt der Stadt Kerkrade unterscheidet, ist dies ein Indiz für die frühere Selbstständigkeit des Ortes. Über die Grenzen bis weit ins Rheinland hinein ist Eygelshoven seit den 1950er Jahren für seinen Wochenmarkt bekannt, der jeden Samstag tausende Besucher aus den Niederlanden, Deutschland und Belgien anlockt.

Eygelshoven liegt im Wurmtal im Mündungsbereich des Amstelbaches und des Dentgenbaches in die Wurm. Im Nordwesten entlang der Wurm grenzt der Ort an Deutschland, im Norden und Osten an Landgraaf. Mittlerweile ist der Ort mit den benachbarten Siedlungen der Stadt Kerkrade zusammengewachsen, zum einen in östlicher Richtung entlang der Veldhofstraat/Meusersraat mit dem Ortsteil Hanrade und zum anderen in südlicher Richtung westlich des Kerkradersteenweg/Eygelshovergracht mit dem Ortsteil Chevremont. Von diesen war Eygelshoven ursprünglich durch Wälder getrennt. Diese fielen teilweise dem Bergbau und teilweise neuen Wohnsiedlungen zum Opfer. Dies wird allerdings an anderer Stelle durch Anlegen einer Parklandschaft auf stillgelegten Landwirtschafts- und Industrieflächen ausgeglichen. Überdies ist das Tal des Amstelbachs (nl. Anselderbeek) – dieses wird als Groene Long (Grüne Lunge) bezeichnet – und des Dentgenbaches südwestlich des Ortes ein sehenswertes Naherholungsgebiet. Dies gilt ebenso für das Wurmtal.

Ausdehnung des Stadtgebiets Die historische Gemeinde Eijgelshoven entsprach weitgehend dem heutigen Stadtbezirk Kerkrade-Noord. Im Norden grenzt Eygelshoven an die Gemeinde Landgraaf, Ortsteil Rimburg. Im Nordosten trennt die Wurm den Ort vom deutschen Herzogenrath/Ortsteil Hofstadt bzw. Worm/Wildnis. Im Westen liegt der Kerkrader Ortsteil Haanrade bzw. aan de Baan. Im Süden grenzt Eygelshoven an den Ortsteil Chevremont, die „Grüne Lunge“ (ndl. groene long) sowie im Südwesten und Westen an die Gemeinde Landgraaf (Gewerbegebiet Dentgenbach bzw. Ortsteil Schaesberg).

Eygelshoven bzw. Kerkrade-Noord besteht heute aus dem Ortskern um den Markt und den beiden Kirchen. Südlich daran schließt sich westlich des Amstelbaches (Anselderbeek) die Siedlung „de Kom“ inklusive der ehemaligen Zechenkolonie „Kommerveld“ an. Von dieser, durch die Magistrale zwischen Kerkrade-Nord und Kerkrade-West (Laurastraat) getrennt, befindet sich das Neubaugebiet Lauradorp und daran anschließend die denkmalgeschützte und restaurierte Zechenkolonie de Hopel. Dort befindet sich die Station Eygelshoven (auch: Hopel) der Niederländischen Bahngesellschaft Nederlandse Spoorwegen. Auf einer bewaldeten Kuppe östlich des Amstelbaches und südöstlich des Ortskerns entwickelte sich zunächst als Bergarbeiterkolonie der Ortsteil „Op de Bossen“ (dt. Über dem Wald), welche durch eine Erweiterung heute mit dem Ortsteil „Vink“ zusammengewachsen ist, der daher historisch unkorrekt aber geographisch sinnvoll und administrativ fixiert, heute zu Eygelshoven zählt.

Geschichte Das Dorf wurde im Jahre 1131 erstmals unter der Bezeichnung Eigelsowen urkundlich erwähnt in den Annales Rodenses, der Chronik der nahe gelegenen Benediktinerabtei Rolduc. Eine Römerzeitliche Besiedlung des Ortsgebietes ist anzunehmen. Bei Bauarbeiten im Ortsbereich, genauer im Bereich der Flur „Holtskuil“, wurden Reste eines römischen Landhauses wie es in dieser Region zahlreiche weitere gab, entdeckt. Frühere Funde deuten ebenfalls auf eine Besiedlung im ersten nachchristlichen Jahrhundert hin.

Ursprünglich war der Ort ein Bauerndorf und landwirtschaftlich ausgerichtet. Bescheidenes Handwerk und Handel ergänzten das Bild. Dies sollte sich infolge von Prospektionsarbeiten deutscher Ingenieure zu Beginn des 20. Jahrhunderts jedoch grundlegend ändern.

Vor der napoleonischen Expansion gehörte Eygelshoven als nördliche Exklave der Herrschaft Heyden (auch Heydener Ländchen genannt) zum Herzogtum Jülich. Nach der Annexion durch Napoleon kam Eygelshoven zum Département Meuse-Inférieure. 1815, nach den Befreiungskriegen und der Restitution Europas auf dem Wiener Kongress, fiel der Ort an die Niederlande.

Allerdings waren es wiederum zwei Deutsche, die für die Eygelshoven ganz besondere Bedeutung erlangen sollten. 1870 führten der aus dem benachbarten Herzogenrath stammende Mühlenbesitzer Anton Wackers mit seinem Schwager Gustav Schümmer Probebohrungen nach Steinkohle im Gebiet der damaligen Gemeinde Eygelshoven durch, wo bereits einige Jahre zuvor Steinkohle gefunden worden war. Auf Grundlage der Explorationsergebnisse wurde bald darauf die Konzession Laura vergeben. Diese wurde bald darauf mit der älteren Konzession Vereeniging zusammengelegt. 1901 und 1902 wurden die beiden Schächte des nun entstehenden Bergwerks „Laura“ abgeteuft. Zum Leidwesen der Konzessionsinhaber stellte sich alsbald heraus, dass das Konzessionsgebiet durch eine geologische Störung, den sogenannten Feldbiss, der sich auch im benachbarten Wurmrevier als störend bemerkbar machte, in zwei Hälften geteilt wurde. An eine Durchtunnelung der Bruchzone war seinerzeit noch nicht zu denken. Der Feldbiss-breuk setzt sich quer durch Limburg fort und ist Teil einer noch immer aktiven Bruchzone am Nordrand des rheinischen Schiefergebirges. Daher musste zum Abbau im nördlichen Teil des Kohlefeldes eine weitere Zeche errichtet werden. Dies geschah mit der Errichtung des Bergwerkes Julia unmittelbar nördlich des Ortes, direkt an der Bahnstrecke Herzogenrath-Heerlen. Dieses Bergwerk galt, nachdem sich der Förderbeginn bis 1926 hinausgezögert hatte, trotz teils ungünstiger Lagerverhältnisse unter Tage, bis zu seiner Schließung Ende 1974 als eine der jüngsten und modernsten Bergwerke Europas. Angeschlossen war zuletzt neben Kohlenwäsche und Verladung, Werkstätten etc. auch ein Kraftwerk, das erst einige Jahre nach Schließung der Zeche vom Netz ging.

Der Bergbau veränderte Eygelshoven durch die Zuwanderung aus anderen Teilen der Niederlande, aus Deutschland und zum Teil auch aus Osteuropa (Schlesien und Böhmen), die als Arbeiter auf den beiden Bergwerken benötigt wurden. Eine Bevölkerungsexplosion und rege Bautätigkeit waren die Konsequenzen. Von der Jahrhundertwende bis etwa 1925 hatte sich die Einwohnerzahl verzehnfacht. Nachdem anfänglich versucht wurde, die Bergleute und ihre Familien in Kolonien außerhalb des Ortes anzusiedeln (zum Beispiel „de Hopel“), wuchsen diese dennoch rasch mit dem Ortskern zusammen und ergaben grob das heutige Ortsbild. Die Bergwerksschließungen infolge der Nota den Uyll bedeutenden einen tiefen Einschnitt in die Geschichte, die Struktur und in die Gesellschaft Eygelshovens. Zwar wurde versucht, im Rahmen der sogenannten herstruktureering Ersatzarbeitsplätze zu schaffen, jedoch ging es nach der Schließung der Zechen Laura & Vereeniging (1968) und Iulia (1974) wirtschaftlich mit Eygelshoven zunächst deutlich bergab. Dies dokumentieren entlang der Veldhovstraat etliche vielfach vom Zerfall bedrohte, teils unbewohnte Häuser mit Ladenlokalen im Erdgeschoss. Vor allem die Gastronomie, aber auch weite Teile des Einzelhandels und des Handwerks gingen stark zurück. Die Iulia war das letzte Steinkohlenbergwerk, das in den Niederlanden Steinkohle förderte, als die Förderung am 31. Dezember 1974 eingestellt wurde. Das Terrain des Bergwerks Julia im Norden Eygelshovens ist seither zum Industrie- und Gewerbepark umgewidmet, während das Terrain der Schwesterzeche Laura bis heute nach und nach mit Wohnbebauung und einem zentralen kleinen Park Teil zur Wohnsiedlung Lauradorp entwickelt wurde.

Ein Kennzeichen der Geschichte Eygelshovens ist die Tatsache, dass das wirtschaftliche Wohl des Ortes bald nach Entdeckung der Kohlevorkommen die meiste Zeit in „fremder“ Hand gewesen ist. So kamen die Anteilseigner lange Zeit aus Brüssel. Es war die S.A. Générale, ein Industriekonglomerat, aus der auch andere Konzerne, wie etwa jüngst die Fortis Bank, hervorgingen. Von Mai 1940 bis September 1944 war Eygelshoven unter nationalsozialistischer Herrschaft, bis amerikanische Truppen das Dorf im Rahmen der Operation „Market Garden“ befreiten.

Heute weitgehend unbekannt ist, dass im Ortsbereich auch Braunkohle abgebaut wurde, allerdings endete diese eher unbedeutende Episode bereits Mitte des 20. Jahrhunderts.

Am 31. Dezember 1981 wurde Eygelshoven nach Kerkrade eingemeindet. Nur kleinere Ortsteile (Waubacherveld) kamen zur neu geschaffenen Gemeinde Landgraaf. Seither werden größere Städte anhand von physiognomischen und raumplanerischen Gesichtspunkten in Stadtbezirke, sogenannte Wijken, gegliedert. So formt Eygelshoven mit den unmittelbar angrenzenden Siedlungen die Wijk Kerkrade-Noord. Seit 2005 befinden sich an den Ortseingängen nach Norden und Osten offizielle blaue Ortsnamenstafeln, die nicht wie bis dahin den Gemeindenamen Kerkrade, sondern den Namen Eygelshoven führen und zwar einmal in der niederländischen Schreibweise als „Eijgelshoven“, und einmal in der Limburgischen Version als „Egelse“. Eijgelshoven (mit IJ) war vor 1982 die übliche Schreibweise.

Religionen Die bedeutendste Religion in Eygelshoven ist das römisch-katholische Christentum, einerseits bedingt durch die Lage im traditionell katholisch geprägten südlichen Limburg (Bistum Roermond), andererseits auch durch die überwiegend katholische Zuwanderung im frühen 20. Jahrhundert aus Osteuropa. Daneben gibt es zahlreiche Protestanten und Muslime. Dabei gehen erstere im Wesentlichen auf niederländische Binnenwanderung aus dem Norden infolge der Expansion staatlicher Institutionen in der ehemaligen Wachstumsregion des Landes zurück, während die Muslime auf Immigranten aus Indonesien sowie auf Gastarbeiter aus der Türkei und Marokko zurückgehen. Weitere Glaubensrichtungen spielen kaum eine Rolle.

Politik Gemeinderat Für Eygelshoven bzw. Kerkrade-Noord ist ein Bezirksmanager (nl. Wijkmanager) als Ansprechpartner der Kommunalverwaltung vor Ort tätig. Derzeit ist dies Herr Wil Franssen. Im Übrigen werden die kommunalen Geschicke seit der Fusion 1982 von Kerkrade aus gelenkt.

Bürgermeister Ehemalige Bürgermeister der früher selbstständigen Gemeinde Eygelshoven waren: 1919–1928 Willem M. Loyson 1928–1934 J. H. Martin 1934–1969 H. J. Boijens 1969–1975 J. G. A. Janssen 1975–1982 J. H. Ch. Persoon; (er war der letzte Bürgermeister von Eygelshoven)

Wappen Das Eygelshovener Wappen ist gespalten. Rechts: In Gold stehend ein schwarzer Löwe mit roter Zunge. Dieser symbolisiert die frühere Zugehörigkeit des Ortes zum Herzogtum Jülich („Jülicher Löwe“). Links: das linke Obereck blau und die linke Flankenstelle golden, über beide Stellen hinweg ein silbern und rot geschachter Querbalken. Den Wappenfuß bildet ein silbernes Dreieck, darin in schwarz Schlägel und Eisen als Symbole für den früheren Steinkohlenbergbau.

Städtepartnerschaft