mini|hochkant=2|Uckermärkische Bühnen Schwedt mini|Luftaufnahme, im Vordergrund die Odertalbühne Die Uckermärkischen Bühnen Schwedt (kurz ubs) sind als Eigenbetrieb der Stadt Schwedt/Oder ein nominelles Einspartentheater (Schauspiel und Musiktheater) mit erweitertem Gastspielbetrieb. Sie werden vom Land Brandenburg, der Stadt Schwedt/Oder und dem Landkreis Uckermark gefördert. 2017 wurden die Uckermärkischen Bühnen Schwedt (ubs) zu einem von zwei Brandenburgischen Landestheatern ernannt.Uckermärkische Bühnen Schwedt:
Geschichte mini|Kulturhaus Schwedt, 1978 Anfänge: Die Markgrafenzeit und das Schwedter Hoftheater
Das Gebäude der Uckermärkischen Bühnen Schwedt befindet sich an der Stelle des ehemaligen Schwedter Schlosses. Unter Kurfürstin Dorothea (1636–1689), der zweiten Gemahlin des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, und ihren Nachkommen entwickelte sich das vormalige Lehen Schwedt-Vierraden zur Residenzstadt der Markgrafen von Brandenburg-Schwedt. Die Kurfürstin ließ die Stadt durch Architekten aus Potsdam und Berlin umgestalten und an der Stelle des vormaligen Amtshauses den Mittelteil des Schwedter Schlosses durch den niederländischen Baumeister Cornelis Ryckwaert im Stil der Spätrenaissance errichten. Dieser wurde durch ihre Nachkommen zu einer dreiflügeligen Schlossanlage im barocken Stil erweitert.Arnold Koeppen: Die Geschichte des Schwedter Hoftheaters. In: Schwedter Heimatblätter. Beilage zum Schwedter Tageblatt, 7. Jahrgang, Nr. 9 vom 15. Mai 1935, S. 34. Nach dem Tod Friedrich Wilhelms im Jahr 1771, dem ältesten Enkel Dorotheas, der keine männlichen Nachkommen hinterließ, trat dessen Bruder Friedrich Heinrich von Preußen (1709–1788) als nunmehr 3. Markgraf von Brandenburg-Schwedt das Erbe an. Bereits kurz nach seinem Umzug in die Schwedter Residenz gründete Friedrich Heinrich eine Hofkapelle,Friedrich Heinrich, Prinz in Preußen, 3. Markgraf von Brandenburg-Schwedt, auf mwae.brandenburg.de die sich innerhalb kürzester Zeit einen ausgezeichneten Ruf erarbeitete.Ludwig Böer: Berliner Baumeister in Schwedt a. d. O. In: Zeitschrift des Vereins für die Geschichte Berlins, 51. Jahrgang, Berlin 1934, S. 97. In der Orangerie an der Westseite des Schlosses entstand zunächst eine behelfsmäßige Bühne. Dort fanden erste Aufführungen im Charakter eines „Liebhaber-Theaters“ statt, bei denen Mitglieder der Kapelle, Hofbeamte, aber auch Schwedter Bürger und Bürgerinnen als Laien Rollen übernahmen.Arnold Koeppen: Die Geschichte des Schwedter Hoftheaters. In: Schwedter Tageblatt, 7. Jahrgang, Nr. 9, 15. Mai 1935, S. 34. Zwischen 1773 und 1774 betraute der Markgraf den preußischen Architekten Georg Wilhelm Berlischky mit dem Umbau der Orangerie zu einem Theatergebäude mit 400 Plätzen, dem Schwedter Hoftheater.Auflistung der am Schwedter Theater engagierten Schauspieler und Schauspielerinnen in Arnold Koeppen: Die Geschichte des Schwedter Hoftheaters. In: Schwedter Heimatblätter, Beilage zum Schwedter Tageblatt, 7. Jahrgang, Nr. 10 vom 31. Mai 1935. Schwedt zählte mit einer festen Spielstätte nun zu den ersten Theaterstädten Deutschlands.Arnold Koeppen: Die Geschichte des Schwedter Hoftheaters. In: Schwedter Tageblatt, 7. Jahrgang, Nr. 9, 15. Mai 1935, S. 37. Architektonisch orientierte sich der Bau am Gebäude des 1766 errichteten Leipziger Alten Theaters.Arnold Koeppen: Die Geschichte des Schwedter Hoftheaters. In: Schwedter Tageblatt, 7. Jahrgang, Nr. 11 vom 12. Juni 1935, S. 41. Über dem Eingang ließ der Markgraf die programmatische Inschrift „Dem Vergnügen und der Sitte“ anbringen, anspielend auf den unterhaltenden aber auch den erzieherischen Wert der Schauspielkunst im Sinne der Aufklärung. Zehn Jahre später, 1783, veranlasste der Markgraf einen weiteren Umbau. Der mit den Arbeiten betraute Architekt Georg Friedrich von Boumann setzte dem Bau ein zusätzliches Stockwerk auf und versah den Innenraum mit einer neuen, zurückgesetzten Bühne und einem Amphitheater-ähnlichen Einbau, damit konnte der bisherige Theaterraum räumlich erweitert werden. Mit der Etablierung des Hoftheaters ging eine zunehmende Professionalisierung des Theaterbetriebes einher. Zu den ersten, am Schwedter Theater engagierten Berufsschauspielern zählten Johann Carl Löwe (1730/31–1807) und dessen Frau Katharina Magdalena, Begründer einer bedeutenden Schauspielerdynastie im 19. Jahrhundert. Beide waren vom Sommer 1773 bis Ostern 1784 in Schwedt tätig, Löwe übernahm die Leitung des Theaters, ihm waren zeitweise bis zu 16 Laiendarsteller unterstellt. In der Folge wurden zahlreiche weitere Berufsschauspieler am Theater engagiert. Die Vergütung der fest engagierten Musiker und Schauspieler unterschied sich nur unwesentlich von derjenigen der am Hof angestellten Beamten. Mit der Erweiterung des Spielplans – zur Aufführung gelangten neben Singspielen jetzt auch Trauer- und Lustspiele – wuchsen die Anforderungen an die Theaterleitung. Ab Juni 1780 wurde der Schauspieler und Dramatiker Heinrich Ferdinand Möller zum Direktor des Schwedter Hoftheaters berufen. Zu den herausragenden Ereignissen in der Geschichte des Schwedter Hoftheaters zählte die Gedächtnisveranstaltung zum Tod von Gotthold Ephraim Lessing. Deutschlandweit gab es insgesamt fünf, unabhängig voneinander organisierte Gedenkveranstaltungen zum Tode Lessings.Schwedt an der Oder im Landkreis Uckermark, auf in-berlin-brandenburg.com Die Gedenkfeier in Schwedt war die einzige vom Adel initiierte Trauerfeier für den Dichter.Wolfgang Jansen: Theatralische Gedächtnisfeiern nach Lessings Tod 1791. Protagonisten – Spielstätten – Kontexte. In: Lessing Yearbook / Jahrbuch XLV 2018. Göttingen 2018, S. 127. Eine Beschreibung des Ablaufes der Trauerfeier siehe ebd., S. 117–121. Nach dem Tod Friedrich Heinrichs ohne Erben fiel die Herrschaft 1788 an die preußische Krone zurück, das Theater wurde auf königlichen Befehl geschlossen.Jörg Krämer: Deutschsprachiges Musiktheater im späten 18. Jahrhundert: Typologie, Dramaturgie und Anthropologie einer populären Gattung, Tübingen 1998, S. 77
DDR-Zeit: Das Kulturhaus Schwedt und das Prenzlauer Theater
Im Zuge der Kämpfe des Zweiten Weltkrieges stand Schwedt als Brückenkopf an der Oder unter Befehl des berüchtigten SS-Kommandeurs Otto Skorzeny, bis zuletzt lehnte die deutsche Seite Kapitulationsaufforderungen der Roten Armee ab.Vgl. Philipp Springer: Verbaute Träume. Herrschaft, Stadtentwicklung und Lebensrealität in der sozialistischen Industriestadt Schwedt, Berlin 2006, S. 31. Im Frühjahr 1945 wurde die Stadt durch russischen Granatbeschuss schwer beschädigt und bis zu 85 % zerstört. Besonders betroffen war die Innenstadt Schwedts mit ihren historischen Bauten, den Kirchen und dem Schloss. Die Ruine des Schlosses wurde vom Institut für Denkmalpflege aufgrund der kulturhistorischen Bedeutung unter Denkmalschutz gestellt. Bis zum Ende der 1950er Jahre war nicht eindeutig geklärt, was mit der Schlossruine letztlich geschehen sollte, auch ein Wiederaufbau mit einer neuen Nutzung als Kultureinrichtung wurde diskutiert.Vgl. Springer 2006, S. 265 ff. Die Entscheidung, die Ruinen zu beseitigen, wurde dann ziemlich brüsk mit dem Besuch Walter Ulbrichts im Juli 1962 vor Ort in die Tat umgesetzt. Ab Oktober 1962 wurden die Reste des Schwedter Schlosses in mehreren Etappen gesprengt und abgetragen.Vgl. Springer 2006, S. 272 f.Video zur Sprengung: Vor 50 Jahren: Das Schwedter Schloss wird gesprengt (rbb), auf yuotube.de, abgerufen am 10. Juli 2024.
Von Krieg, Zerstörung und Abwanderung gezeichnet – das war das Bild, das Schwedt Mitte der 1950er Jahre bot.Vgl. Springer 2006, S. 36 f. Das änderte sich erst, als sich die Stadt mit der Ansiedelung von bedeutenden Industrieanlagen und dem damit einhergehenden Zuzug von Arbeitskräften zu einer der damals jüngsten Städte in der DDR entwickelte. Lebten in den 1950er Jahren nur 6500 Einwohner in der Stadt, erhöhte sich deren Zahl bis in die 1970er Jahre auf über 50.000.Vgl. Springer 2006, S. 161 Mit der Errichtung der Papierfabrik und des VEB Petrolchemischen Kombinats (PCK) begann ein einzigartiger Aufbauprozess, der nach jungen Fachkräften verlangte. Verbunden mit dem Zuzug von jungen Facharbeitern und deren Familien war auch eine verstärkte Nachfrage nach kulturellen Angeboten vor Ort. Besonders im Zuge des „Bitterfelder Wegs“ sollte die Arbeiterschaft verstärkt an Literatur, bildende Kunst, Schauspiel und klassische Musik herangeführt werden.Vgl. Springer 2006, S. 648 In der Folge entstanden eine Vielzahl an betriebsinternen kulturellen Einrichtungen.Vgl. Springer 2006, S. 653 f. Auf Wunsch des Rates der Stadt nach einem eigenen, dem Wachstum der Stadt entsprechenden Kulturhaus wurde schließlich an der Stelle des Schlosses ein Kulturhaus errichtet, das heute die Uckermärkischen Bühnen beherbergt.
Der Baubeginn verlief nicht ganz regelkonform.Vgl. zum Bau des Kulturhauses: Springer 2006, S. 507 ff. 1973 lagen die Ausführungszeichnungen des betreuenden Architekturbüros vor, der Baustart stand an. Aus Berlin wurde jedoch eine Verschiebung der Arbeiten angeordnet.Vgl. Birgit Bruck: Ein Theaterwunder in der Provinz ODER Im Osten geht die Sonne auf. Hrsg. von den Uckermärkischen Bühnen Schwedt, Schwedt/Oder 2015, S. 15. Probleme im Bauwesen und der Abzug von Kapazitäten zugunsten des Berliner Palastes der Republik führten immer wieder zu Bauverzögerungen.Vgl. Christoph Dielitzsch: Das Konzept zur Umgestaltung des Kulturhauses zum Tagungs- und Veranstaltungshaus der Uckermärkischen Bühnen Schwedt. In: Nationalparkstadt Schwedt/Oder. Aufbruch und Wandel. 1945 bis 2020, hrsg. von der Stadt Schwedt/Oder, 2021, S. 160. Um einen Baustopp zu verhindern und den Beginn der Baumaßnahmen unumgänglich zu machen, wurde von Schwedter Verantwortlichen das Ausheben der Baugrube auf eigene Faust organisiert. Damit wurden Tatsachen geschaffen, die nicht mehr rückgängig zu machen waren. Tatsächlich erfolgte am 15. März 1974 schließlich die offizielle Grundsteinlegung.
Pläne, ein eigenes Theater in Schwedt zu etablieren, wurden mit der Entscheidung, das Prenzlauer Theater nach Schwedt umzusiedeln, in die Tat umgesetzt. Das Prenzlauer Theater wurde 1960 als „Staatliches Dorftheater Prenzlau“ gegründet und realisierte ohne eigene Spielstätte regelmäßig Theatergastspiele an verschiedenen Aufführungsorten in der gesamten Region.Vgl. Wolfgang Jansen: Das Staatliche Dorftheater Prenzlau. Vom „Bitterfelder Weg“ auf dem Lande. In: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte. 72. Bd. Hrsg. im Auftrage der Landesgeschichtlichen Vereinigung für die Mark Brandenburg e. V. (gegr. 1884), Berlin 2021, S. 209. In Prenzlau selbst spielte das Ensemble im Filmtheater der Freundschaft und in einem 1965 errichtetem „intimen theater“, aber auch dort immer nur mit Gaststatus.Vgl. Birgit Bruck: Ein Theaterwunder in der Provinz ODER Im Osten geht die Sonne auf. Eine Veröffentlichung der Uckermärkischen Bühnen Schwedt/Oder. Schwedt/Oder 2015, S. 18. Immer wieder hatte es Diskussionen über die Zukunft des Theaters und eine Verlegung des Standorts gegeben.Vgl. Wolfgang Jansen: Das Staatliche Dorftheater Prenzlau. Vom „Bitterfelder Weg“ auf dem Lande. In: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte. 72. Bd. Hrsg. im Auftrage der Landesgeschichtlichen Vereinigung für die Mark Brandenburg e. V. (gegr. 1884), Berlin 2021, S. 237 f. Vor dem Hintergrund der baldigen Fertigstellung des Schwedter Kulturhauses und des wirtschaftlichen Aufschwungs der Stadt wurde Ende 1977 die Verlegung des Prenzlauer Theaters nach Schwedt beschlossen.Vgl. Jansen 2021, S. 238 ff. Das Ensemble und sein Intendant Helmut Frensel erfuhren erst im Nachgang von dieser Entscheidung.Vgl. Bruck 2015, S. 18 f. Vgl. Jansen 2021, S. 239 f.