Gustav Johann KillianLandeskunde entdecken online. Für Baden-Württemberg (* 2. Juni 1860 in Mainz; † 24. Februar 1921 in Berlin) war ein deutscher Mediziner (Hals-Nasen-Ohrenarzt), Laryngologe (Kehlkopfspezialist) und Begründer der von ihm 1898 der Fachwelt vorgestellten (direkten) Bronchoskopie.

Jugendzeit und medizinische Ausbildung Sein Vater Johann Baptist Cäsar Killian (1820–1889),Thorsten Dette, Lutz Schneider: Studentische Disziplin und akademische Gerichtsbarkeit in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts Namensregister zu den in den Disziplinargerichtsprotokollen der Universität Giessen aufgeführten Studenten. GIESSEN UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK (1997) S. 90, online (PDF; 6,1 MB) in Mainz geborener Sohn eines städtischen Wegeaufsehers,Franz Kössler (Hrsg.): Register zu den Matrikeln und Inscriptionsbüchern der Universität Gießen WS 1807/08 – WS 1850. GIESSEN UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK (1976), S. 92, online (PDF; 12,4 MB) war ein Doctor philosophiae und Gymnasialprofessor in Mainz und später in Bensheim. Seine Mutter Apollonia (1833–1865), eine geborene Höpfel, verstarb früh mit 31 Jahren an Cholera, ebenso wie drei seiner Geschwister. Nur er und sein älterer Bruder Johann August Killian überlebten. Sein Vater soll darüber „melancholisch verdüstert und reizbar“ sowie alkoholkrank geworden sein.Hans Killian: Hinter uns steht nur der Herrgott. Ein Chirurg erinnert sich. Herder, Freiburg/Basel 1984, ISBN 3-451-01779-2, S. 12. Sein Bruder wurde später niedergelassener HNO-Arzt in Worms.Hans Killian: Gustav Killian sein Leben – sein Werk. Dustri-Verlag, Remscheid-Lennep 1958, S. 13–15.

Killian besuchte zunächst die Volksschule und wechselte dann, nach vorgeschriebener Zeit, an das Großherzogliche Realgymnasium zu Mainz. Da sein Vater im Jahre 1873 nach Bensheim an der Bergstraße versetzt wurde, besuchte er dann das dortige Gymnasium. Nach dem Abitur im Jahre 1878 begann Gustav Killian in Straßburg mit seinem Medizinstudium, dort bestand er am 14. Juli 1880 die ärztliche Vorprüfung nach vier Semestern als Jahrgangsbester. Die weiteren klinischen Semester studierte er in Berlin, Freiburg und Heidelberg. Dort erlangte Gustav Killian am 9. Dezember 1884 seinen Abschluss. Am 17. Dezember 1884 fand die Verlobung mit Helene Hein statt. Er hatte die Tochter eines Großkaufmanns während seiner Studienzeit kennengelernt. Im Anschluss begann er, ab dem 1. Mai 1884, seine klinische Ausbildung am Städtischen Krankenhaus Mannheim, auf der äußeren Abteilung des Allgemeinen Krankenhauses in Mannheim. Hier blieb er bis zum 1. Oktober 1884, hiernach wurde er zur Armee als Einjährig-Freiwilliger beim 5. Badischen Infanterie Regiment 113 in Freiburg einberufen. Die Wehrdienstzeit dauerte vom 15. Oktober 1884 bis zum 15. Oktober 1886.

Im Jahre 1885 wurde er an der Universität Straßburg mit der Arbeit Zur Anatomie der Parovarialcysten promoviert. Danach wechselte er nach Frankfurt am Main, wo er eine Assistenzarztstelle bei Sanitätsrat Johann Georg Alexander Knoblauch im dortigen BürgerhospitalBis zum Jahre 1907 lag das Bürgerhospital an der Hinter der Schlimmen Mauer und Ecke Radgasse (heute Stiftstraße 30) in der Nähe des Eschenheimer Turms. annahm.John A. Nakhosteen, Barbara Khanavkar, Kaid Darwiche, Andreas Scherff, Erich Hecker, Santiago Ewig: Atlas und Lehrbuch der Thorakalen Endoskopie: Bronchoskopie, Thorakoskopie. Springer Verlag, 2008, ISBN 978-3-540-79939-9, S. 2–6.

Die Zeit in Mannheim, Freiburg und Berlin Mannheim (1887) Am 17. Januar 1887 ließ er sich als Spezialist für Hals-, Nasen- und OhrenkrankheitenHans Killian: Hinter uns steht nur der Herrgott. Sub umbra dei. Ein Chirurg erinnert sich. Kindler, München 1957; hier: Lizenzausgabe als Herder-Taschenbuch (= Herderbücherei. Band 279). Herder, Freiburg/Basel/Wien 1975, ISBN 3-451-01779-2, S. 12–19. in Mannheim nieder und heiratete am 2. Juni desselben Jahres Helene Hein.

Freiburg Als Wilhelm Hack 1887 verstarb, übersiedelte Killian nach Freiburg im Breisgau, wo man ihm die provisorische Leitung der Hackschen Poliklinik für Rhinolaryngologie übertrug und Killian dem Lehrkörper der Universität angehörte. Im Jahr 1888 habilitierte sich Killian für Rhinologie und Laryngologie und konnte so die Nachfolge von Wilhelm Hack antreten. Killian war auch hier für das damals noch dem Bereich der Inneren Medizin zugerechnete Gebiet der Hals-, Nasen- und Kehlkopferkrankungen zuständig, während die Ohrenheilkunde von einem anderen Dozenten ausgeübt wurde. Sein Schaffen dort über fast ein Vierteljahrhundert war äußerst produktiv. 1897 publizierte er seine Untersuchungen über directe Bronchoskopie, also der Spiegelung der Trachea und der Hauptbronchien mittels eines Kirstein-Laryngoskops, benannt nach dem Berliner Internisten Alfred Kirstein (1863–1922).M. Reinhard, E. Eberhardt: Alfred Kirstein (1863–1922) – Pionier der direkten Laryngoskopie. In: Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther. 30(4), 1995, S. 240–246.Alfred Kirstein: Autoskopie des Larynx und der Trachea (Laryngoscopia directa, Euthyskopie. Besichtigung ohne Spiegel). In: Arch Laryngol Rhinol. 3, 1895, S. 156–164.

Im Jahr 1890 habilitierte er sich in Freiburg mit einer Arbeit Ueber die Bursa und Tonsilla pharyngea. Im Jahre 1892 ernannte man ihn zum Professor und Extraordinarius. Die Familie wohnte 1892 am Fahnenbergplatz, wo auch sein erster Sohn Hans geboren wurde (später erfolgte ein Umzug in die Kaiser-Joseph-Straße).Hans Killian: Gustav Killian sein Leben – sein Werk. Dustri-Verlag, Remscheid-Lennep 1958, S. 58. Häufige Gäste im Haus der Familie Killian waren die Dichter Emil Strauß und vor allem Emil Gött.

Im Jahre 1897 entfernte Killian erstmals einen bronchialen Fremdkörper. Er extrahierte ein Stück Schweineknochen aus einem Bronchus eines 63-jährigen Mannes, ohne diesen zuvor tracheotomiert zu haben. Im Mai 1898 referierte er auf einem Medizinerkongress in Heidelberg über die Entfernung drei weiterer Fremdkörper mit diesem von ihm entwickelten Verfahren der Bronchoskopie. Daraufhin suchten Patienten aus ganz Europa und teilweise auch Übersee Hilfe bei Gustav Killian.

Sein besonderes Interesse lag in der Verbesserung der Diagnostik und Therapie im Fachgebiet der HNO, so seine Verbesserung der Laryngoskopie, der Kehlkopfspiegelung nach Killian, im Jahre 1902 dann die Radikaloperation der Stirnhöhle.Norbert Stasche: Flexible und starre Endoskopie der Luft- und oberen Speisewege. (PDF; 134 kB). MEDIZIN (52) In: Deutsches Ärzteblatt. 96, Heft 4, 29. Januar 1999. Ein Schüler aus dieser Zeit, Juni 1903, war der japanische Arzt und Pionier der japanischen Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde Kubo Inokichi, der seinen Lehrer zum Abschied mit einem echten Samuraischwert als „Ritter im Kampf gegen den Tod“ ehrte.

Berlin Killian beschloss, sich bei Arthur Hartmann, dem Chefarzt der rhino-laryngologischen, als für Hals-, Nasen- und Kehlkopferkrankungen zuständigen, Abteilung des Rudolf-Virchow-Krankenhauses in Berlin, und Bernhard Fränkel, dem ersten Chefarzt der Hals- und Nasenklinik an der Berliner Charité, zum Rhinolaryngologen ausbilden zu lassen.Wolf Lübbers: In: HNO-Nachrichten. 2, 2009. (PDF; 235 kB) Er arbeitete als Assistent unter dem dirigierender Arzt Arthur Hartmann in der im Jahre 1907 neugegründeten HNO-Abteilung des Rudolf-Virchow-Krankenhauses in Berlin. Durch die Initiative von Rudolf Virchow errichtete man im Norden Berlins (Bezirk Wedding) in den Jahren zwischen 1898 und 1906 ein viertes Städtisches Krankenhaus.

Nach wechselvoller Geschichte der Abteilungen für Hals- und Nasen- sowie Ohrenkranke an der Charité wurde im Jahre 1897 von dem preußischen Ministerialdirektor Friedrich Althoff, welcher im Preußischen Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten tätig war, ein Umbau und Erneuerung der nunmehr gemeinsamen Klinik für Hals-Nasen- als auch die Ohrenkranken geschaffen. Am 4. Mai 1901 konnte das neue Gebäude eröffnet werden. Das Klinikgebäude war so strukturiert, dass sich die Patientenzimmer zur Südseite hin ausgerichtet fanden, während die Operationssäle aus Gründen der Lichtverhältnisse an der Westseite lagen. Im Parterre wurde die Poliklinik mit jeweils getrennten Eingängen von der Luisenstraße aus eingerichtet, hinzu kam noch ein kleiner Hörsaal. Killians Verdienst war es auch, das in den Jahren 1907 bis 1908 in der Ziegelstraße Nr. 18-19 begründete Gutzmannsche Ambulatorium für Sprachstörungen in seine Poliklinik an der Charité einzugliedern. Killian legte großen Wert darauf, dass alle seine Assistenten turnusgemäß die Gutzmannsche Abteilung durchliefen.

Mit Killian kamen Maximilian Weingärtner und Walther Albrecht aus Freiburg nach Berlin.

mini|Gustav Killian führt in Links-Seitenlage nach von Mikulicz eine Ösophagoskopie durch. Nach wissenschaftlich bahnbrechenden Arbeiten auf seinem Fachgebiet berief man ihn unter Verleihung des Titels Geheimer Medizinalrat nach Berlin (Charité), wo er im darauffolgenden Jahr zum Vollordinarius erhoben wurde. Sein Vorgänger Bernhard Fränkel teilte ihm am 25. Mai 1911 mit, dass er ihn als Nachfolger vorgeschlagen hat. Trotz verschiedener opponierender Intrigen und Machenschaften wurde er am 1. Oktober 1911 auf den Lehrstuhl für Rhino-Laryngologie berufen. Der Wechsel Killians nach Berlin soll auch dazu geführt haben, dass das Unternehmen zur Herstellung von Medizininstrumenten F. L. FischerBis 1984 selbständige Firma – u. a. für stereotaktische Instrumente – ab dann Teil des US-amerikanischen Unternehmens Stryker Corporation aus Freiburg eine Zweigniederlassung in der Luisenstraße 64 direkt gegenüber der Charité eröffnete.Hans Behrbohm: S. 23. (PDF; 5,5 MB) Der Instrumentenmacher Fischer war zur Besprechung neuer Instrumente auch Gast im Hause Killian. In dieser Zusammenarbeit wurden viele Instrumente konstruiert, so das Speculum nach Killian oder der Septumhohlmeissel nach Killian-Claus. mini|350px|Gustav Killian in der Runde seiner Mitarbeiter in der Charité im Jahre 1912. Im schwarzen Anzug Hermann Gutzmann sen., daneben Gustav Killian (PDF; 2,7 MB)

Die Fränkelsche Hals-Nasenklinik und die Trautmannsche Ohrenklinik, deren Nachfolger Carl Adolf Passow war, blieben, obgleich räumlich nahe zueinander untergebracht, organisatorisch voneinander getrennt. Schon zwischen den beiden Klinikdirektoren, dem Sanitätsrat Bernhard Fränkel und dem Geheimen Medizinalrat Carl Adolf Passow, bestanden erhebliche Rivalitäten. Auch als 1911 Gustav Killian den Lehrstuhl von Bernhard Fränkel übernahm, kam es zu keiner weiteren Annäherung der Kliniken und ihrer Direktoren. Zahlreiche Anekdoten belegen die damaligen Zwistigkeiten.Karl Max Einhäupl, Detlev Ganten, Jakob Hein: 300 Jahre Charité: im Spiegel ihrer Institute. Walter de Gruyter, 2010, ISBN 978-3-11-020256-4, S. 121.

Dennoch muss man die Zurückweisung des Ansinnens von Carl Adolf Passow, so in seinem Vortrag „Otologie und Laryngologie – Vereinigung oder Trennung“ aus dem Jahre 1908, hinsichtlich einer Vereinigung der beiden Fachdisziplinen wahrscheinlich aus dem historischen Kontext heraus verstehen, war doch die Laryngologie gerade erst zu einem anerkannten Fach herangewachsen und sollte nicht in einem größeren Ganzen womöglich auf- bzw. untergehen.

Er erhielt von der US-amerikanischen Oto-Rhino-laryngologischen Gesellschaft, The American Laryngological, Rhinological and Otological Society, eine Einladung zur Teilnahme an den großen nationalen, nordamerikanischen Kongressen und gesonderten Vorträgen. Im Jahre 1907 brach er mit der Kaiser Wilhelm der Große des Norddeutschen Lloyds zu dieser insgesamt fast dreimonatigen Reise auf. Sie führte ihn von New York, über Washington, Pittsburg, Cincinnati, Chicago, Buffalo, Montreal, Boston, Albany und wieder nach New York zurück.Hans Killian: Gustav Killian sein Leben – sein Werk. Dustri-Verlag, Remscheid-Lennep 1958, S. 143.

Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg