mini|Deutsches Heer: bayerischer Jäger im Feldrock für Mannschaften mit Schirmmütze (1916) Dieser Artikel behandelt als Übersicht die militärische Ausrüstung der Infanterie im Ersten Weltkrieg.

Erst seit dem Burenkrieg (1899–1902) begannen sich Felduniformen in gedeckten Farben und mit funktionaler Gestaltung durchzusetzen, angeregt durch die Khaki-Uniform der British Army. Doch war der Stand der Umsetzung 1914 in den Ländern Europas sehr unterschiedlich. Im August 1914 dachte noch keine kriegführende Armee daran, einen Stahlhelm einzuführen. Doch schon kurze Zeit später erkannten zuerst die französischen Militärs, dass eine splitterabweisende Kopfbedeckung im Schützengraben Soldaten das Leben retten könnte.

Deutlich bemerkbar machte sich bei Kriegsbeginn in vielen Armeen weltweit der Einfluss altpreußischer Militärtraditionen in der Ausrüstung, die vielfach vom deutschen Heer ab 1871 übernommen worden waren. Auch waffentechnisch orientierten sich etliche Länder an den deutschen Entwicklungen der letzten 30 Jahre, wobei einige Nationen Waffen und Ausrüstung direkt aus dem Deutschen Reich bezogen oder nach eigenen Vorstellungen dort herstellen ließen. Der in Friedenszeiten aufgebaute international vernetzte Warenverkehr hatte jedoch für einige Länder, die sich ab 1914 miteinander im Kriegszustand befanden, spürbare Folgen. Teilweise fehlten ihnen nun wertvolle Rohstoffe oder es waren keine eigenen nationalen Produktionsstätten für spezielle kriegsnotwendige Bedürfnisse vorhanden.

Deutsches Kaiserreich

mini|Pickelhaube M1895 mit Überzug M1892 Die Felduniform der deutschen Infanteristen gehörte bei Kriegsbeginn zu den modernsten und brauchbarsten und war erst kurze Zeit zuvor eingeführt worden. Trotzdem blieb die preußische Militärtradition deutlich sichtbar. Die feldgrauen Uniformjacken (Waffenröcke) und Hosen waren 1907/10 eingeführt worden. Die Hose besaß zwei schräge Taschen, eine Uhrtasche und einen angenähten Gürtel zur Bundweitenverstellung. An der Außennaht befanden sich feine rote Biesen. Die Jacke wurde einreihig geknöpft. Das Material der Knöpfe und Prägungen sowie das Aussehen des Kragens und der Ärmelaufschläge unterschieden sich bei verschiedenen Regimentern (Gardeformationen). Die Schulterklappen waren abnehmbar und mit verschiedenfarbenen Paspeln eingefasst, welche das jeweilige Armeekorps anzeigten. Auf den Klappen selbst war die Regimentsnummer oder ein Monogramm eingestickt.

Im Laufe des Krieges wurde die Uniform immer weiter vereinfacht und zuletzt aus billigen Ersatzfasern hergestellt, die aufgrund ihrer geringen Haltbarkeit schon ab Werk mit verstärkten Knie- und Ellbogenpartien ausgegeben wurden. Diese Verstärkungen konnten aus Stoff oder Leder sein. Vom Waffenrock wurde bereits 1914, kurz nach Kriegsbeginn, eine vereinfachtere Version entwickelt. Das Modell sollte enger geschnitten und im Farbton nun dunkler und grüner sein. Auf die Armaufschläge (Wunsch der Truppe zur Unterbringung von Karten z. B.) und die Stoßtaschenklappen wurde aber nicht verzichtet.Kraus S. 152. Zudem gab es Änderungen bei den angebrachten Rangabzeichen. Die Schulterklappen waren wie beim Vorgängermodell in der Schulternaht eingenäht. Gleichzeitig wurde auch die Hose farblich überarbeitet. Ab August 1914 wurde eine steingraue Färbung eingeführt, aber erst im Herbst 1915 auch als M 1915 ausgegeben. Ansonsten blieb die Hose M1914 unverändert. Selbst die roten Biesen wurden zu diesem Zeitpunkt noch beibehalten, nach und nach verschwanden sie jedoch. Mit Einführung der Uniformhose M1917 kehrte die deutsche Armee zum feldgrauen Stoff der Vorkriegszeit zurück.

mini|links|Brustpanzer deutscher Maschinengewehrschützen, sie wurden ab Sommer 1917 an der Maasfront ausgegeben jedoch nur sehr selten verwendet

Im Rahmen der Neuuniformierung wurde mit AKO vom 21. September 1915 die Bluse M 1915 eingeführt (bei den bayerischen Kontingenten erst 1916), die ursprünglich alle Vorgängermodelle ersetzen sollte. Dies geschah aus kriegsbedingten Gründen jedoch nicht, da die vorhandenen Bestände erst aufgetragen werden mussten. Die Bluse war den Bedingungen des Stellungs- und Grabenkrieges angepasst. Die sechs Hornknöpfe, welche den Rock schlossen, waren nun durch eine Stoffleiste verdeckt. Der Klappkragen besaß jetzt einen resedagrünen Besatz (Bayern: feldgrau mit weiß-blauer Rautenborte eingefasst), der eine neue deutsche Militärtradition begründete (über Reichswehr, Wehrmacht, Bundesgrenzschutz und NVA gehörte dieser grüne Kragen bis 1990 zu deutschen Uniformen). Der Waffenrock besaß zwei knöpfbare Seitentaschen, die Schulterklappen waren nun schmaler als bei den Vorgängermodellen und konnten abgenommen werden. An Schützen- und Jägereinheiten wurde eine grünere Variante der Bluse M1915 ausgegeben. An der Bluse befanden sich nach wie vor Gardelitzen, wenn auch in verkleinerter, mattgrauer Form. Offiziere ließen sich (vorschriftswidrig) oftmals Brusttaschen aufnähen.Kraus S. 155. Diese Bluse blieb bis zum Kriegsende in Gebrauch, wenn auch bald jeder überflüssige Zierrat weggelassen wurde. Die zur Unterstützung der türkischen Truppen in den Nahen Osten entsandten preußischen und bayerischen Truppen sowie die Kolonialschutztruppen waren mit einer sandfarbenen Tropenuniform ausgestattet, zu der auch ein Tropenhelm mit Nackentuch gehörte.

Der stoffbespannte Holzrahmen des Tornisters M07/13 war mit Kalbfell (ab 1915 feldgrauem, wasserabweisenden Segeltuch, nur noch das Rückenteil war aus Kalbfell) überzogen, die Lederteile beließ man bis 1915 naturbraun. Ab 1917 durften nur noch anderweitige Felle verwendet werden. In ihm wurden die Halbstiefel M1901, Unterwäsche, Strümpfe, Hemd, Zeltausrüstung, Schuhputzzeug, Gewehrreinigungszeug, zwei Packungen mit je 15 Gewehrpatronen, das Krätzchen (Feldmütze aus Stoff und ohne Schirm), die „Eiserne Ration“, (die nur auf ausdrücklichen Befehl angerührt werden durfte), Näh- und Putzzeug und die Kaffeebüchse mitgeführt. Das schwarz, ab 1915 feldgrau gestrichene Kochgeschirr M1910 wurde mit zwei Riemen, abnehmbares Oberteil stets rechts, auf den Tornisterdeckel geschnallt. Um den Tornister konnte der graue Mantel M1907 (ab 1915 der feldgraue Einheitsmantel M15) und darüber die 1892 eingeführte beigefarbene (ab 1915 feldgraue) Zeltbahn mit drei speziellen Mantelriemen befestigt werden.

Der aus hellbraunem Stoff (seit Oktober 1914 feldgrau)Kraus S. 609. hergestellte Brotbeutel war bereits 1887 eingeführt worden. Mit zwei aufknöpfbaren Stoffschlaufen und einem Metallhaken konnte er am Koppel getragen werden. Zwei D-förmige Metallringe an der Rückseite des Beutels ermöglichten auch eine Trageweise mit einem Stoffriemen (Brotbeutelriemen) quer über die Brust. Auf der Brotbeutelklappe am Ansatz zur linken Stoffschlaufe befand sich ein D-Ring zum Einhaken der Feldflasche. Um diese mittels des Feldflaschenlederriemens noch fester fixieren zu können, befand sich auf der Klappe unterhalb des D-Rings eine angenähte Lederschlaufe, durch die der Feldflaschenriemen gezogen werden konnte. Im Brotbeutel wurden Verpflegung, persönliche Wertgegenstände und der Aluminiumbecher zur Feldflasche mit aufklappbaren Haltebügeln verstaut.

Die mit graubraunem Filz überzogene ovale Aluminiumfeldflasche fasste einen dreiviertel Liter und wurde mit einem Schraubverschluss aus Aluminium verschlossen. Um den Hals und längs um den Bauch der Flasche waren naturfarbene Lederriemen gezogen. Bei Kriegsproduktionen wurde auch auf den Bauchlederriemen verzichtet. Im Jahr 1915 wurde eine Feldflasche /M1915/17 eingeführt, die aus verzinntem Stahlblech bestand. Als Verschluss diente jetzt ein Korkpfropfen mit einer geriffelten Kapsel. Zu Umhüllung wurde feldgrauer Baumwollköper verwendet. Seit 1916 war die Flasche nur noch innen verzinnt, außen aber emailliert, der Baumwollüberzug durch braunen Cord ersetzt.Kraus S. 611. Sie hatte keinen Trinkbecher.

Das „Kochgeschirr für Fußtruppen M 1910“ ist, abgesehen von geringfügigen Änderungen, das gleiche, wie heute noch von der Bundeswehr genutzt wird. In Vorkriegszeiten noch aus Aluminium gefertigt, wurden diese Modelle jedoch wieder eingezogen und durch Blechversionen ersetzt. Am oberen Rand des Kessels wurde das einteilige und klappbare Essbesteck (Gabel/Löffel) aufbewahrt. mini|Marschstiefel M1866 in der geschwärzten Ausführung ab 1915 Die deutschen Soldaten waren mit den bewährten preußischen Marschstiefeln M1866 (Knobelbecher) mit Seitennaht ausgestattet. Er hatte eine Schafthöhe von 31 bis 35 Zentimetern und war auf der Sohle mit 35 bis 42 verzinkten Nägeln beschlagen. Am Absatz befand sich ein versenktes U-förmiges Eisen. Die Stiefel wurden in naturfarbenem Zustand gelagert und auch bei der Mobilmachung so ausgegeben. Nach den Bestimmungen der Neuuniformierung vom Herbst 1915 waren sie von da ab zu schwärzen.Kraus S. 198. Mit den zunehmenden Nachschubproblemen infolge der britischen Blockade sowie dem ständig wachsenden Ledermangel wurde spätestens ab 1917 vermehrt die billiger herzustellenden und auch sonst beliebteren genagelten Schnürstiefel M1901 bei der Fronttruppe getragen. Zu diesem knöchelhohen Schuhwerk wurden kniehohe Wickelgamaschen getragen, die aus allen verfügbaren Stoffen hergestellt waren und eine breite Palette gedeckter Farben zeigten. Da diese Gamaschen sich nach dem Nasswerden beim Trocknen jedoch zusammenzogen und so das Blut in den Beinen abschnüren konnten, wurde die allgemeine Einführung von Wickelgamaschen im Herbst 1915 von der Heeresführung abgelehnt. Der Trend ließ sich jedoch nicht aufhalten, da sich vor allem die Offiziere zunehmend damit ausstatteten. mini|Mauser Modell 98 mini|220x220px|Pistole 08 von Luger Zur Bewaffnung gehörte das Gewehr 98 (Stoßtruppen verwendeten das gekürzte 98a), Kaliber 7,92 mm, mit dem Bajonett M1898 (ab 1915 die verkürzte und verbreiterte Version M98/05, das bei den Briten so genannte Butcherknife) sowie bei Landsturmeinheiten noch teilweise das ältere Gewehr 88/05 vom selben Kaliber mit dem Bajonett (Seitengewehr) M1871. Pioniere trugen die Ausführungen mit Sägerücken. Das Bajonett (in der Armee offiziell als Seitengewehr bezeichnet) wurde zusammen mit dem Feldspaten M1887 links am Koppel getragen, wobei der verschließbare Riemen der ledernen Spatentasche zugleich die Bajonettscheide fixierte. Am ledernen Koppelschuh der Scheide sollte sich stets die Troddel befinden, deren Farbigkeit nach einer komplexen Reihenfolge (weiß – rot – gelb – blau – Eselsbrücke „Wir rauchen gerne Brasil“) für die einzelnen Kompanien eines Bataillons stand. Als zusätzliche Handfeuerwaffe kam die im Jahr 1908 entwickelte Pistole 08 von Georg Luger zum Einsatz.

mini|links|Deutsche Patronentaschen M1909|220x220px Zur Koppelausrüstung gehörte das Koppel M1895 aus naturfarbenem Leder mit einem landesspezifisch ausgestalteten Koppelkastenschloss aus Messing, später aus verzinktem Stahlblech. Dieses Koppel wurde ab 1915 schwarz, das Koppelschloss feldgrau gefärbt. Links und rechts des Koppelschlosses wurde je eine naturlederfarbene Patronentascheneinheit M1909 aus drei Einzeltaschen, die ab 1915 ebenfalls geschwärzt wurden, auf das Koppel gezogen. Jede dieser Taschen enthielt drei Ladestreifen zu je fünf Patronen (insgesamt 90 Schuss). Das Gewicht der Patronentaschen fingen auf dem Marsch die beiden Tornisterriemen, im Gefecht oder im Graben, wenn kein Tornister getragen wurde, der dann um die Schultern gelegte Brotbeutelriemen auf. Bei beiden Trageweisen wurden die an der Rückseite der Taschen angebrachten D-Ringe eingehakt.

mini|Stahlhelm M1916 mit Buntfarbenanstrich von 1918. Er gilt als bester Universalhelm seiner Zeit und wird heute in stark modernisierter Form von fast allen Armeen der Welt getragen