mini|Herforder Münster Das Herforder Münster ist die älteste und größte Kirche der Stadt Herford. Sie ist heute evangelisch-lutherische Pfarrkirche. Zusammen mit den beiden Innenstadtkirchen St. Johannis und St. Jakobi gehört sie innerhalb des Kirchenkreises Herford zur Kirchengemeinde Herford-Mitte-Land.

Geschichte mini|links|Mittelschiff nach Osten mini|Herforder Münster Südseite, Fenster von West nach Ost: romanisch, spätgotisch, frühgotisch, hochgotisch Die evangelische Münsterkirche mit der benachbarten Wolderuskapelle war die Kirche des Frauenstifts Herford, das vom 12. Jahrhundert bis 1802 (Angliederung ans preußische Ravensberg) reichsunmittelbar war. mini|Herforder Münster, Grundriss mini|hochkant|links|Nordwestpfeiler des mit Rippen ausgestatteten Zentraljochs Die spätromanisch begonnene Hallenkirche wurde vermutlich von 1220 bis 1250 erbaut und ist der erste Großbau einer Hallenkirche in Deutschland und heute mit Einschränkung die größte Hallenkirche in Westfalen (Der deutlich größere Paderborner Dom wurde mit einem basilikalen westlichen Chorjoch begonnen und anschließend ab 1231 als gotische Hallenkirche weitergebaut). Es handelte sich um einen dreischiffigen Bau mit Chorflankentürmen und Apsis. Um 1340 wurde südwestlich des Querschiffs der sog. „Krämerchor“ mit darunterliegendem Beinhaus errichtet. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurde schließlich der Chor um ein Joch verlängert und mit einem geraden Abschluss versehen. Gleichzeitig wird der südliche Flankenturm durch die zweistöckige, heute sogenannte „Beichtkammer“ ersetzt. Die westliche Zweiturmfassade entstand zwischen 1270 und 1280, wobei nur der Südturm über die Firsthöhe hinausgeführt wurde und erst 1490 eine Vollendung erfuhr.Johannes Beer: Die Herforder Münsterkirche. Herford 2000. mini|Fenster der Nordseite: Romanik und beginnende Gotik Der erste Vorgängerbau war als Marienkirche gegründet worden. Nachdem bereits im Jahre 860 die Reliquien der heiligen Pusinna aus Frankreich nach Herford überführt worden waren und als wundertätig verehrt wurden, stand die Kirche unter einem Doppel-Patrozinium und trug den Namen St. Marien und Pusinna. Später wechselte der Schwerpunkt der Marien-Verehrung allmählich zur Stiftberger Marienkirche.

Die Kirchengemeinde ist Eigentümerin der Münsterkirche. Seit der Säkularisation muss der Fiskus, also zunächst Preußen und später dessen Rechtsnachfolger Nordrhein-Westfalen für den baulichen Unterhalt aufkommenVgl.: Lfd. Nr. 19 im Patronatsverzeichnis der Bezirksregierung Münster vom Januar 1994. (Ministerium für Heimat, Kommunales Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen v. 15.03.2018) .

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche von direkten Bombentreffern verschont, erlitt aber Luftdruckschäden: Große Teile der Fensterverglasung wurden zerstört sowie die Maßwerke beschädigt. Da insgesamt etwa 2/3 der Dachfläche abgedeckt war, kam es zu einer Durchfeuchtung der Gewölbe. Nach einer Gesamtrenovierung 1956 war auch die Beseitigung der Kriegsschäden abgeschlossen.Mummenhoff, Karl Eugen: Die Baudenkmäler in Westfalen – Kriegsschäden und Wiederaufbau, Dortmund 1968, S. 84–85. 1981 wurde die Münsterkirche unter Denkmalschutz gestellt.Liste der Baudenkmäler der Stadt Herford (PDF-Datei; 78 kB)

Fenster Die stilistischen Unterschiede der Fenster lassen eine zeitliche Entwicklung erkennen: Einzelne Fenster sind noch romanisch-rundbogig, mehrere sind, wenigstens in den Außenstufen ihrer Laibungen, spitzbogig, aber noch ohne Maßwerk. Ebenfalls als frühgotisch sind die Kleeblattbögen aufzufassen. Zutaten aus Hoch- und Spätgotik sind die Maßwerkfenster. Das Südfenster wurde 1953 von dem bekannten Marburger Glasmaler Erhardt Klonk (1898–1984) zum Thema des barmherzigen Samariters geschaffen.

Siebensonnenfenster

Über dem Südportal der Kirche befindet sich ein frühgotisches Biforium, dessen Zwickel eine Rundblende mit sieben vergoldeten Sonnen ziert. Deren Gruppierung ähnelt den neun runden Glasflächen einiger romanischer und frühgotischer Rosenfenster.

Welche Symbolik die Herforder Blende ausdrücken sollte, ist unklar: Eine Legende behauptet: „Als die Herforder Äbtissin um das Jahr 1000 anstelle der dort stehenden kleineren Stiftskirche eine größere Kirche bauen wollte, stellte sich heraus, dass der Boden zu sumpfig war. Die Äbtissin und die Nonnen flehten daraufhin die Jungfrau Maria um Hilfe an. Am anderen Morgen erschienen sieben Sonnen statt einer am Himmel. Sie trockneten in kurzer Zeit den Sumpf aus, so dass die Kirche gebaut werden konnte. Zum Andenken an dieses Wunder brachte man über der Tür die sieben vergoldeten Sonnenzeichen an.“ Ausgrabungen haben allerdings ergeben, dass der Baugrund nicht sumpfig war. Und mehrere Sonnen auf einmal haben natürlich niemals geschienen.

Ein Erklärungsversuch nimmt an, wo heute die Kirche steht, sei vorher ein Hof gewesen, der „Das Haus zu den sieben Sonnen“ genannt wurde. Das setzt voraus, dass man schon im frühen 9. Jahrhundert so blumige Hofnamen verwendet habe.

Möglicherweise handelt es sich aber auch um die Darstellung der Plejaden, eines uralten keltisch-germanischen Symbols, das auch auf der Himmelsscheibe von Nebra aufscheint. Das Sichtbarwerden des hellen Sternhaufens der Plejaden um den 10. März markiert das Ende der (nassen) Winterzeit und den Beginn der Ackerbestellung. An vielen Kirchen karolingischen und ottonischen Ursprungs finden sich Symbole, die einen Hinweis auf entsprechende vorchristliche Heiligtümer geben.

Innenraum mini|hochkant|Rippen unten mit drei­eck­igem Profil, oben nur gemalt Die Rippen der Gewölbe weisen eine Hierarchisierung auf: das Joch westlich der Vierung ist als vollständiges achtteiliges Domikalgewölbe angelegt. Bei den Chorjochen sind die Diagonalrippen vollständig ausgeführt, die Scheitelrippen stehen in der Peripherie vor, verdämmern aber zur Jochmitte. In den Gewölben der Seitenschiffe sind die Diagonalrippen in den unteren Bereichen mit dreieckigen Profilen versehen, zu den Gewölbescheiteln hin sind sie nur aufgemalt.

Die Bögen um die Vierung und die Gurtbögen von Chor und Schiff haben halbrunde Unterzüge, die sich auf ebensolche Vorlagen stützen. Am östlichsten Gurtbogen im Chor fangen diese Vorlagen allerdings erst kurz unter den Kämpfern an, eine Entlehnung aus der Zisterziensergotik.

Die stilistische Entwicklung der Kapitelle verdeutlicht den Bauverlauf: Im Osten finden sich noch Kelchblockkapitelle romanischer Prägung. Im Langhaus und im südlichen Querschiff bestimmen kelchförmige Knospen- und Blattkapitelle das Bild.

Eine Besonderheit stellt der spätgotische Hochaltar aus der Zeit nach der Chorerweiterung dar: Von ihm sind heute nur Mensa und Predella erhalten. Ob es jemals ein zugehöriges Retabel gab oder ob das unmittelbar darüberliegende gewaltige Maßwerkfenster als „leuchtendes Altarbild“ dienen sollte, ist ungeklärt.Johannes Beer: Die Herforder Münsterkirche. Herford 2000, S. 10–11.

Bedeutendstes Stück der Ausstattung ist der Taufstein aus dem Jahre 1500 mit Heiligenstatuetten und sehr lebendig gestalteten biblischen Szenen in den Reliefs. Er steht in der kryptaähnlichen Taufkapelle unterhalb der sog. „Schlafhausempore“, in den einige Stufen links vor dem Chorraum hinabführen.

Orgeln Im Münster befinden sich insgesamt fünf Orgeln: die Hauptorgel auf der Westempore, eine Schwalbennestorgel und drei Orgelpositive. Organist und Kantor war von 2002 bis 2025 Stefan Kagl. Sie werden nicht nur für Gottesdienste genutzt, sondern auch für Konzerte, z. B. im Herforder Orgelsommer.

Hauptorgel Die heutige Hauptorgel wurde in den Jahren 1949–1951 durch die Orgelbaufirma Förster & Nicolaus (Lich) mit elektro-pneumatischen Kegelladen unter Verwendung alten Pfeifenmaterials aus dem Vorgänger-Instrument von Friedrich Meyer (Herford) erbaut und 1961 um ein zusätzliches Werk (Rückpositiv) auf einer elektrisch angesteuerten Schleiflade erweitert. Bei dieser Gelegenheit wurde auch der Prospekt nochmals vollständig erneuert.

Die Werkstatt Gustav Steinmann Orgelbau gestaltete 1992 das Brustschwellwerk durch die Einfügung neuer und den Ersatz alter Register völlig neu. 2006 wurde das Instrument umfassend überholt, umdisponiert, neu intoniert und um ein Solo-Werk, bestehend aus einer Hochdrucktuba (400 mm Winddruck) in 16′-8′-4′-Lage nach dem Vorbild des englischen Orgelbauers Henry Willis erweitert. Die gesamte elektrische Ausstattung musste erneuert und die ursprünglichen Manualumfänge von f3 durch Hinzufügung zweier Töne bis g3 ausgebaut werden. Die Disposition der vorhandenen Werke konnte im Zuge einer Neuorganisation verändert und um einige Register erweitert werden. Das an der Südwand der Orgelbühne frei, ohne Prospekt aufgestellte Solowerk erstellte Siegfried Schmid (Orgelbauer) (Immenstadt). Alle übrigen Arbeiten stammen von den Orgelbauern Michael Jocher (Peiting) und Edouard. Das Instrument hat heute folgende Disposition:Zur Geschichte und Reorganisation der mini|hochkant|Hauptorgel und Rückpositiv mini|hochkant|Solowerk mit Hochdrucktuba mini|hochkant|Spieltisch I Hauptwerk C–g3 1. Prinzipal 16′ 2. Prinzipal 8′ 3. Flûte harmonique 8′ (a) 4. Rohrflöte 8′ 5. Viola da Gamba 8′ 6. Oktave 4′ 7. Nachthorn 4′ 8. Quinte ′ 9. Oktave 2′ 10. Cornet V 8′ (c) 11. Mixtur V-VI 12. Bombarde 16′ (a) 13. Trompette 8′ (a) 14. Clairon 4′ (a) II Rückpositiv C–g3 15. Prinzipal 8′ 16. Holzflöte 8′ 17. Oktave 4′ 18. Rohrflöte 4′ 19. Gemshorn 2′ 20. Nasat ′ 21. Sesquialtera II ′ 22. Scharf IV-VI 23. Krummhorn 8′ 24. Schalmey 4′ Tremulant III Récit C–g3 25. Bourdon 16′ (a) 26. Geigenprinzipal 8′ (b) 27. Koppelflöte 8′ 28. Gamba 8′ (c) 29. Voix céleste 8′ (a) 30. Prinzipal 4′ (c) 31. Rohrflöte 4′ 32. Nasat ′ 33. Spitzflöte 2′ 34. Terz ′ 35. Mixtur IV (c) 36. Basson 16′ 37. Trompette 8′ 38. Hautbois 8′ (c) 39. Clairon 4′ Tremulant IV Echo C–g3 40. Holzgedeckt 8′ 41. Traversflöte 8′ (c) 42. Blockflöte 4′ 43. Quinte ′ 44. Sifflet 1′ 45. Zimbel III 46. Vox humana 8′ Tremulant IV Solo C–g3 47. Tuba magna 16′ (a) 48. Tuba mirabilis 8′ (a) 49. Tuba clairon 4′ (a) Pedal C–f1 50. BordunExtension Subbass 16′. 32′ 51. Prinzipal 16′ (d f) 52. Subbaß 16′ (d) 53. Quintbaß ′ (e) 54. Oktave 8′ (d) 55. Gedackt 8′ (d) Pedal (Fortsetzung) 56. Oktave 4′ 57. Rohrgedackt 4′ 58. Prinzipal 2′ 59. Nachthorn 2′ 60. Hintersatz IV Pedal (Fortsetzung) 61. BombardeExtension Posaune 16′. 32′ 62. Posaune 16′ (d) 63. Dulzian 16′ 64. Trompete 8′ 65. Clarine 4′ Koppeln: Normalkoppeln: II/I, III/I, IV/I, III/II, IV/III, I/P, II/P, III/P, IV/P Superoktavkoppel: III/I Suboktavkoppel: III/I Spielhilfen: 4000facher Setzer, Sequenzer, frei einstellbare Walze, Zungen ab, Tutti Anmerkungen: (a) neue Register 2006 (b) aus Lagerbeständen (c) Steinmann 1992 (d) Meyer 1869 (e) Meyer 1891, (f) Klassmeier 1920

Schwalbennest-Orgel Die Schwalbennestorgel (auch Heinrich-Schütz-Orgel oder Zuberbier-Ott-Orgel genannt) im Hochchor geht zurück auf ein einmanualiges Instrument, das 1756 durch Johann Andreas Zuberbier für die Pfarrkirche in Friedewalde gebaut worden war. Nach mehreren Umbauten und einer langen Vernachlässigung gelangten Prospekt und Windlade 1949 durch Arno Schönstedt nach Herford, wo sie 1953 durch Paul Ott in einen Orgelneubau mit 21 Registern einbezogen wurden. Dessen Hauptwerksdisposition basiert auf der überlieferten historischen Disposition: mini|hochkant|Schwalbennestorgel I Hauptwerk C– Rohrflöte 8′ Prinzipal 4′ Gedackt 4′ Nasat ′ Oktave 2′ Waldflöte 2′ Mixtur IV Trompete 8′ II Brustwerk C– Holzgedackt 8′ Blockflöte 4′ Prinzipal 2′ Terz ′ Quinte ′ Oktave 1′ Zimbel II Regal 8′ Tremulant Pedal C– Subbaß 16′ Prinzipal 8′ Nachthorn 2′ Fagott 16′ Clarine 4′

Glocken mini|hochkant|Bienenkorbförmige Kalandsglocke mini|hochkant|Die Gloriosa