Die Anton-Wilhelm-Amo-Straße ist eine Straße im Berliner Ortsteil Mitte des gleichnamigen Bezirks. Der Straßenname ehrt den gleichnamigen Philosophen, der im 18. Jahrhundert der erste schwarze „Magister legens“ (Privatdozent) in Deutschland war.
Von ihrer Erbauung um das Jahr 1700 bis 2025 trug sie den Namen Mohrenstraße. Mit dem Argument, dass der Begriff „Mohr“ für schwarze Personen „heutzutage jedenfalls teilweise als anstößig empfunden“ werde,Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin vom 8. Juli 2025. rsw.beck.de wurde die Straße mit Wirkung vom 18. Juli 2025 umbenannt.
Geographie Die Straße verläuft in der historischen Friedrichstadt in ost-westlicher Richtung vom Hausvogteiplatz bis zur Wilhelmstraße und bildet an einem Teilabschnitt die südliche Seite des Gendarmenmarktes. Am westlichen Ende der Anton-Wilhelm-Amo-Straße liegt der gleichnamige U-Bahnhof der Linie U2. Die in der Straße zahlreich erhaltenen oder nach den Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg wiederaufgebauten Gebäude stammen weitgehend aus dem späten 19. oder frühen 20. Jahrhundert und stehen unter Denkmalschutz.
Entwicklung Die Straße entstand um das Jahr 1700 bei der Anlage der Friedrichstadt und endete im Westen ursprünglich an der Mauerstraße. Zusammen mit weiteren Straßen rund um den Hausvogteiplatz an ihrem Ostende bildete sie durch die dort ansässigen Konfektionsgeschäfte in den Jahrzehnten vor dem Zweiten Weltkrieg das Hauptzentrum der deutschen Textilkonfektion.Philipp Manes: Die deutsche Pelzindustrie und ihre Verbände 1900–1940. Versuch einer Geschichte. Band 4. Berlin 1941. (Durchschrift des Originalmanuskripts (Inhaltsverzeichnis)).
Joachim Ernst Berger (1666–1734), der von 1697 bis 1732 Prediger der evangelisch-lutherischen Gemeinde der Friedrichstadt war, schreibt in seiner Chronik der Friedrichstadt: „A Eodem im Ausgang besagten Monaths [Mai], bekahmen die Gaßen, dem publico zum besten, ihre Nahmen.“ Der von Berger genannte 9. Straßenname ist die Mohren-Straße.Joachim Ernst Berger: Kernn aller Fridrichs-Städtschen Begebenheiten, um 1730. (Staatsbibliothek Berlin, Handschriftenabteilung, Ms Boruss. Quart 124, S. 30.). Im ersten Stadtplan der königlichen Haupt- und Residenzstadt Berlin aus dem Jahr 1710 ist die Mohrenstraße ebenfalls bereits enthalten.
1946 befanden sich an der damaligen Mohrenstraße die Redaktionsräume der Zeitschrift Die Weltbühne, die 1946 von Maud von Ossietzky im v. Ossietzky-Verlag neu herausgegeben wurde.Ursula Madrasch-Groschopp: Die Weltbühne. Porträt einer Zeitschrift. Ullstein Sachbuch, 1985, S. 470 ff. Mit Umgestaltung beziehungsweise Bebauung der einstigen Stadtplätze Zietenplatz und Wilhelmplatz (späterer Thälmannplatz) zu DDR-Zeiten wurde der Straßenabschnitt, der die Verbindung zur Wilhelmstraße herstellt, in die Mohrenstraße mit einbezogen.
Ausgewählte Bauwerke des 18. bis 21. Jahrhunderts Eigentümer vieler Häuser an der damaligen Mohrenstraße waren im 19. Jahrhundert vor allem Versicherungsunternehmer, Bankiers, Handwerksmeister oder wohlhabende Kaufleute. Die hier um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert zahlreich errichteten drei- oder viergeschossigen Gebäude dienten hauptsächlich als Verwaltungssitz für Versicherungen, Banken, Handelshäuser, Verlage oder ähnliche Unternehmen. Trotz starker Zerstörungen am Ende des Zweiten Weltkriegs sind viele Häuser erhalten geblieben oder wiederaufgebaut und Ende des 20. Jahrhunderts renoviert worden. Heute stehen zahlreiche dieser Gebäude unter Denkmalschutz.
Gebäude Geschichte Abbildung Anmerkung Anton-Wilhelm-Amo-Straße 1–5 Die Grundstücke Nr. 1–5 am damaligen Straßenanfang waren Teil des Baublocks zwischen seinerzeitiger Mohrenstraße, Mauerstraße, Kaiserhofstraße und Wilhelmplatz, der komplett vom 1876 eröffneten Hotel Kaiserhof eingenommen wurde. Außer dem Hotel mit Restaurant und mehreren Läden beherbergte das Gebäude auch das Stadtpostamt Nr. 50 mit einer Telegrafenstation. Anton-Wilhelm-Amo-Straße 6 / Ecke Glinkastraße 8 Im Haus Nr. 6 bezog im April 1850 Gottfried Keller bei seinem ersten Berlin-Aufenthalt ein „schönes Eckzimmer dicht neben der Dreifaltigkeitskirche.“ Als er 1853 nach Berlin zurückkehrte, lebte er in einer anderen Wohnung in der Mohrenstraße.Karl Voss: Reiseführer für Literaturfreunde Berlin. Vom Alex bis zum Kudamm. Ullstein, Frankfurt am Main / Berlin / Wien 1980, ISBN 3-548-04069-1, S. 78 f., Zitat S. 78.