Schlesien alt=|164x164px|Wappen Schlesiens 150px|rand|Flagge Wappen und Flagge Basisdaten größte Stadt: Breslau (Wrocław) Karte Fläche: 40.319 km² 310px|Das alte Schlesien mit den heutigen Staatsgrenzen. Lage der preußischen Provinz Schlesien in den Grenzen von 1815 (gelb umrandet) bzw. des österreichischen Schlesiens bis 1742 (türkis umrandet) in den Grenzen seit 1993 (rot) mini|Wappen Schlesiens (Abbildung aus dem 15. Jahrhundert)
Schlesien (schlesisch Schläsing, schlonsakisch Ślůnsk bzw. Ślōnsk, obersorbisch Šleska, , , ) ist eine Region in Mitteleuropa beiderseits des Ober- und Mittellaufs der Oder und erstreckt sich im Süden entlang der Sudeten und Beskiden. Schlesien liegt nach der Teilung Oberschlesiens im Jahr 1922 und infolge des Potsdamer Abkommens 1945 heute zum größten Teil in Polen. Ein kleiner Teil im Westen der früheren preußischen Provinz Niederschlesien gehört zu Deutschland, das Hultschiner Ländchen im südlichen Teil von Oberschlesien sowie der größte Teil des früheren Österreichisch-Schlesien zu Tschechien.
Lage und Geographie mini|Physische Karte von Schlesien im Jahr 1905 mini|links|180px|Die Sudeten im Süden Schlesiens mini|Die Oder bildet das Rückgrat Schlesiens. mini|Auch Schlesiens Hauptstadt Breslau liegt an den Ufern der Oder.
Schlesien liegt in Mitteleuropa am Ober- und Mittellauf der Oder, die hier die ausgedehnte Schlesische Tiefebene durchströmt. Im Süden grenzt Schlesien an Böhmen und Mähren, im Westen an die Oberlausitz, im Nordwesten an die Niederlausitz und an das Land Lebus, im Norden an Großpolen und im Osten an Kleinpolen.
Die Region stellt insofern einen Raum mit natürlichen Grenzen dar, als sie das Einzugsgebiet der Ober- und Mitteloder nahezu vollständig umfasst. Lediglich das in Mähren liegende Quellgebiet des Stroms und das zum Teil in Großpolen liegende Zuflussgebiet der Bartsch (Barycz), eines rechten Nebenflusses der Oder, befinden sich außerhalb der Grenzen Schlesiens. Weitere wichtige Nebenflüsse der Oder in Schlesien sind die Olsa (Olza), die Glatzer Neiße (Nysa Kłodzka), die Lohe (Ślęza), die Schweidnitzer Weistritz (Bystrzyca), die Weide (Widawa) sowie der Bober (Bóbr) und der Queis (Kwisa). Die Bober-Queis-Linie bildet zugleich die Abgrenzung Schlesiens gegen die sich westlich anschließende Lausitz. Darüber hinaus liegt in den Schlesischen Beskiden im Südosten Schlesiens das Quellgebiet der Weichsel (Wisła).
Den Norden Schlesiens und den Süden Großpolens durchzieht der Trebnitzer Landrücken, eine altglaziale Endmoräne mit Höhen bis zu , deren Mittelabschnitt Katzengebirge genannt wird. An den Beskiden, einem Teilgebirge der Karpaten an der Grenze zu Kleinpolen, hat Schlesien nur geringen Anteil, während das Hauptgebirge Schlesiens die Sudeten sind, ein Mittelgebirge mit einigen subalpinen Bereichen an der südlichen Grenze zu Mähren und Böhmen. Im Riesengebirge liegt die Schneekoppe, die mit höchste Erhebung Schlesiens. Isergebirge, Waldenburger Bergland, Eulengebirge, Heuscheuergebirge und Glatzer Schneegebirge sind weitere Teilgebirge der Sudeten in Schlesien.
Die Großstadt Breslau ist als bedeutendste schlesische Stadt traditionelle Metropole der Region.
Geschichte Frühzeit mini|Der aus der Tiefebene aufragende Zobtenberg (Ślęża) spielte in der Frühgeschichte Schlesiens eine wichtige Rolle.
In der zweiten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. (späte Bronzezeit) gehörte Schlesien zur Lausitzer Kultur. Deren Träger werden von einigen tschechischen und polnischen – weniger dagegen von deutschen – Wissenschaftlern als Vorfahren der Slawen angesehen. Diese Wissenschaftler stehen damit quer zur üblichen Annahme, die Slawen seien im 5. und 6. nachchristlichen Jahrhundert aus den Gebieten zwischen Dnepr und Bug nach Westen gewandert. Um die Zeitenwende wurde Schlesien von Silingen, Vandalen, Lugiern und anderen germanischen Völkern besiedelt. Für diesen Zeitabschnitt sind Schriftzeugnisse antiker Autoren fassbar, die das Gebiet in ihre Berichte über den als Germania magna bezeichneten Siedlungsraum zwischen Rhein und Weichsel einbezogen.
Die Meinungen nach der Herkunft des Namens Schlesien (lateinisch Silesia) gehen in zwei Richtungen: Er gehe auf den vandalischen Stamm der Silinger zurück. Nach dem Abzug oder Untergang der Silinger im Zuge der Völkerwanderung im 5. Jahrhundert besiedelten nach 500 westslawische Stämme aus dem Osten Schlesien erneut, von denen die Namen der Golensizen, Opolanen, Slensanen, Dedosizen, Trebowanen und Boboranen überliefert sind. Er gehe auf den Namen des Flusses Ślęza beziehungsweise des Berges Ślęża (genannt auch Sobótka), Ort eines altslawischen Kultes, zurück. Der Berg Ślęża (deutsch Zobten) liegt zentral in Schlesien; der Name selbst bezieht sich auf das Wort „ślęg“, „śląg“, was nasses, mooriges Terrain, Sumpfgebiet bedeutet. Eine Kombination beider Meinungen wird in der modernen Forschung vertreten: Der Name der Landschaft gehe auf den des Berges zurück, dieser wiederum auf den der Silinger.
Mährisch-Böhmische Zeit (879–992) Im Jahr 880 (nach manchen Quellen auch vor 879) wurde ganz Schlesien von Svatopluk I. dem Mährerreich angeschlossen, was unter anderem von Gerard Labuda und Idzi Panic bestritten wurde.Piotr Bogoń: Na przedpolu Bramy Morawskiej – obecność wpływów południowych na Górnym Śląsku i zachodnich krańcach Małopolski we wczesnym średniowieczu. Katowice 2012, S. 41. Sicherlich stiegen jedoch die mährischen Einflüsse in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts, und man kann aus archäologischer Sicht über eine Art von gemeinsamer kultureller Region sprechen, die Böhmen, Mähren, die Slowakei, Kleinpolen, den größeren Teil von Schlesien und das südöstliche Elbeland damals umfasste.Jacek Poleski: Wczesnośredniowieczne grody plemienne i państwowe w polskiej części Karpat Zachodnich [Early Mediaeval Tribal and Statehood Strongholds in the Polish Part of the Western Carpathians]. In: Wczesne średniowiecze w Karpatach polskich. red. Jan Gancarski. Krosno 2006, ISBN 83-86588-83-7, S. 208 (polnisch). Mit dem Zerfall dieses Reiches nach 906 dehnten die Přemysliden ihre Macht auch über Schlesien aus. Dies erfolgte wohl schon zu Zeiten des ersten böhmischen Herzogs Spytihněv I. und wurde durch seinen Nachfolger Vratislav I. fortgeführt. Vratislav erweiterte seinen Herrschaftsbereich über das Land der Golensizen hinaus um die mittelschlesischen Gebiete links der Oder. Zum Schutz der Grenze gründete er die Burg „Vratislavia“ (Breslau, polnisch: Wrocław, tschechisch: Vratislav). Diese entwickelte sich später zum Zentrum Schlesiens als Herzogs- und Bischofssitz, und Nimptsch, der Hauptort des Gaues Slenzane, verlor seine Bedeutung. Fürst Boleslav I., dem die Gründung der Burg Boleslavecz (Bunzlau) zugeschrieben wird, konnte seinen Machtbereich noch deutlich erweitern. Neben dem Land der Boboranen und Opolanen besaß er wahrscheinlich in den Jahren 950 bis 963 auch die Gebiete der Wislanen mit der Stadt Krakau sowie der Dedosizen.
Schlesien zwischen Böhmen und Polen (von etwa 900 bis 1137) mini|Das Reich Bolesławs I. des Tapferen (um 1025) mini| mini|Herzogtum Schlesien in den Gebieten Polens unter Herzog Bolesław III. Schiefmund (um 1138)
Mit der Ernennung zum Herzog durch Kaiser Otto entstand zwischen Warthe, Weichsel und Pilica das erste polnische Piastenherzogtum unter Mieszko I. Mit Unterstützung Kaiser Ottos II., dem eine Machtbeschränkung des Prager Fürsten Boleslav II. willkommen war, begann Mieszko I. eine intensive Südexpansion und eroberte Mittelschlesien mit der strategisch wichtigen Burg Nimptsch (Niemcza), nachdem er bereits nach 970 das Land der Dedosizen an der Mündung des Bober in die Oder besetzt hatte. Auch von Westen her sollte die Macht der Přemysliden in Schlesien beschränkt werden. Dem im Jahr 968 errichteten Bistum Meißen hatte Kaiser Otto I. den Zehnt des Dedosizenlandes überlassen, einer Durchführung dieser Ostausdehnung kam jedoch Mieszko I. zuvor. Im Bunde mit Kaiser Otto III. führte Mieszkos Sohn Bolesław I. der Tapfere die Christianisierung Schlesiens fort und gründete im Jahr 1000 das Bistum Breslau, das als Suffraganbistum bis zum 19. Jahrhundert mit dem polnischen Erzbistum Gnesen verbunden blieb.
Bolesław I. eroberte um 990 oder nach anderen zwischen 1012/13 die Gebiete der heidnischen Opolanen, Golensizen und Wislanen und konnte dadurch ganz Schlesien einschließlich Teilen der Lausitz sowie Kleinpolen in sein Herzogtum territorial vollständig eingliedern. Damit erreichte die erste polnische Herrschaftsphase über Schlesien ihren Höhepunkt.
Als König Bolesław I. der Tapfere im Jahr 1025 starb, setzte ein rapider Zerfall des Königreiches Polen ein. Die Macht in Polen und somit auch in Schlesien ging an lokale Führer über. Als im Jahr 1037 in weiten Teilen Polens ein heidnischer Aufstand gegen die christliche Kirche ausbrach und die Breslauer Bischöfe nach Schmograu (Smogorzów) und auf die Ritschen (Ryczyn) verjagt wurden, nutzte Herzog Břetislav I. von Böhmen 1038 die Gunst der Stunde und eroberte im Böhmisch-Polnischen Krieg Schlesien zurück. 1054 gelangte Schlesien wieder zum Herzogtum Polen, nachdem Kaiser Heinrich III. im Frieden von Quedlinburg Břetislav I. zum Verzicht auf Schlesien hatte bewegen können und Kasimir I. der Erneuerer im Gegenzug zur Zahlung eines Tributs an Böhmen bereit gewesen war. Dieses Übereinkommen wurde zum Anlass mehrerer kleinerer Kriege zwischen Böhmen und Polen, nachdem sich die polnischen Herrscher seit König Bolesław II. dem Kühnen geweigert hatten, die schlesische Pacht zu bezahlen. Erst der 1137 geschlossene und 1138 bestätigte Pfingstfrieden von Glatz legte eine dauerhafte Grenzziehung zwischen Polen, einschließlich Schlesiens, sowie Böhmen und Mähren fest. Dabei verblieb das umstrittene Glatzer Land ebenso wie Teile des Golensizenlandes südlich des Flusses Zinna und das Troppauer Land, bei Böhmen bzw. Mähren.
Das Königreich Polen wurde im Rahmen der im Jahr 1138 eingeführten polnischen Senioratsverfassung in mehrere Herzogtümer aufgeteilt, das Seniorat Polen, von denen eines das Herzogtum Schlesien unter Seniorherzog Władysław II. dem Vertriebenen war, der damit die Linie der Schlesischen Piasten begründete. Ab 1138 setzte aber auch ein Bruderkrieg ein, der zur Absetzung Władysławs II. und einer Zersplitterung Polens führte.
Die Herrschaft der Schlesischen Piasten (1137–1335) mini|Hedwig von Andechs, Herzogin von Schlesien, und Familie mini|links|Deutsche Kolonisation der slawischen Gebiete ab etwa 1200 (Kartenausschnitt aus: F. W. Putzgers: Historischer Schul-Atlas, 1905) mini|Territoriale Entwicklung des Herzogtums Schlesien in der Zeit 1185–1201
Im Streit mit seinen jüngeren Brüdern suchte Herzog Władysław II. von Schlesien 1146 mit seiner Familie Zuflucht im Heiligen Römischen Reich und ersuchte seinen Schwager, den römisch-deutschen König Konrad III., um politische Unterstützung, indem er sich und sein verlorenes Herzogtum der Oberhoheit des Kaisers unterstellte. Sowohl König Konrad als auch sein Nachfolger Kaiser Friedrich I. führten in den Jahren 1146 bzw. 1157 Feldzüge gegen Polen an. Seniorherzog Bolesław IV. „Kraushaar“ von Masowien und Kleinpolen sagte zwar die Rückgabe des Herzogtums Schlesien an Władysław den Vertriebenen zu, zögerte diese aber bis 1163 hinaus. Erst unter Androhung weiterer kriegerischer Handlungen händigte Bolesław IV. Schlesien den drei Söhnen Władysławs II. aus. Der ältere, Bolesław I. der Lange († 1201), erhielt Mittel- und Niederschlesien als Herzogtum Schlesien (ducatus Silesiae) mit dem Zentrum Breslau. Der mittlere, Mieszko IV. „Kreuzbein“ († 1211), bekam die oderaufwärts gelegenen Gebiete Ratibor und Teschen. Konrad I. († um 1180/90) wurde Herzog von Glogau. 1201 wurden die Gebiete Mieszkos um Oppeln erweitert und zum Herzogtum Oppeln (ducatus Opoliensis) zusammengefasst. Dadurch entstand der Oppelner Zweig der Schlesischen Piasten.