mini|hochkant|Gordon Brown (2008) James Gordon Brown CH,Who's in the King's birthday honours list 2024?, The Times, 15. Juni 2024 PC (* 20. Februar 1951 in Glasgow) ist ein britischer Politiker. Er war von Juni 2007 bis Mai 2010 als Nachfolger von Tony Blair Premierminister des Vereinigten Königreichs und Parteichef der Labour Party. Seit 2012 ist er Sondergesandter der Vereinten Nationen für Globale Bildung. Im Mai 2026 wurde er von Premierminister Keir Starmer zum Sondergesandten des Vereinigten Königreichs für globale Finanzen und Zusammenarbeit ernannt.

Seit 1983 gehörte er dem Unterhaus als Abgeordneter für den Wahlkreis Dunfermline East an, seit einer Umstrukturierung der schottischen Wahlkreise im Jahr 2005 vertrat er bis 2015 den Wahlkreis Kirkcaldy and Cowdenbeath in der Grafschaft Fife. Brown war von Mai 1997 bis Juni 2007 Schatzkanzler im Kabinett von Tony Blair und damit der am längsten amtierende Schatzkanzler seit Nicholas Vansittart (1812–1823).

Leben Studium und akademische Laufbahn miniatur|Innenhof der Universität von Edinburgh Gordon Brown, dessen Vater John Ebenezer Brown Pfarrer der (reformierten) Church of Scotland war Biografie in der Encyclopædia Britannica (englisch), Stand: 16. Juni 2016, besuchte die Kirkcaldy High School. Gordon Brown wurde als zweiter Sohn 1951 in Glasgow geboren; seine Familie zog nach Kirkcaldy in Fife um, als der junge Gordon fünf Jahre alt war. Sein Vater prägte seinen Kindern das Ideal eines christlichen Sozialismus ein.Giles Radice: Trio: Inside the Blair, Brown, Mandelson Project. IB Tauris, London 2010, S. 16. Nach dem Besuch einer Grammar School wurde er mit nur 16 Jahren an der Universität Edinburgh zugelassen;Giles Radice: Trio: Inside the Blair, Brown, Mandelson Project. IB Tauris, London 2010, S. 17. zu Ende seiner Schulzeit in Kirkcaldy traf ihn bei einem 15er-Rugbyspiel ein Tritt an den Kopf und er erlitt eine Netzhautablösung. Er ignorierte das Problem zunächst über mehrere Wochen, was die Symptome verschlimmerte. Nachfolgend erblindete er trotz mehrerer Operationen auf dem linken Auge und musste dann mehrere Monate in einem abgedunkelten Raum liegen, um zumindest das zweite Augenlicht zu retten.Giles Radice: Trio: Inside the Blair, Brown, Mandelson Project. IB Tauris, London 2010, S. 17 f. Danach war er in den Augen verschiedener Historiker noch entschlossener und zielstrebiger.Giles Radice: Trio: Inside the Blair, Brown, Mandelson Project. IB Tauris, London 2010, S. 18. Bereits während des Studiums begann er, sich politisch zu betätigen und wurde Editor einer Universitätszeitung.John Campbell: Pistols at Dawn: Two Hundred Years of Political Rivalry from Pitt and Fox to Blair and Brown. Vintage Books, London 2009, S. 348. 1972 graduierte er als Master of Arts in Geschichte und blieb weiter an der Universität, um zu promovieren. Er schrieb über die Geschichte Labours. Als Postgraduierter wurde er von seinen Mitstudenten zum Rektor in der Geschichte der Universität Edinburgh gewählt.Giles Radice: Trio: Inside the Blair, Brown, Mandelson Project. IB Tauris, London 2010, S. 8. Parallel dazu verwendete er viel Zeit und Energie darauf, in der schottischen Labour-Partei seinen Weg zu suchen, die in dieser Zeit im Vergleich zu ihrer Schwesterorganisation in England weniger militant-radikal war.John Campbell: Pistols at Dawn: Two Hundred Years of Political Rivalry from Pitt and Fox to Blair and Brown. Vintage Books, London 2009, S. 349 f. 1975 veröffentlichte er eine Serie sozialistischer Essays (als „The Red Paper on Scotland“ betitelt), in denen er unter anderem mehr Verstaatlichung, forderte und für die Devolution eintrat.

1982 erhielt er den Doktorgrad. Browns Doktorarbeit befasste sich mit der Geschichte der schottischen Labour Party in den Jahren 1918 bis 1929. Er lehrte an der Glasgow Caledonian University, bevor er als Journalist zu Scottish Television (Teil des ITV-Netzwerks) wechselte. 1986 veröffentlichte er eine Biografie über den Labour-Politiker James Maxton.

Politische Karriere Bei der Unterhauswahl 1979 kandidierte Brown für den Wahlkreis Edinburgh South, der als sicherer Wahlkreis für die Konservative Partei galt. Er verlor gegen den Konservativen Michael Ancram. Danach hatte Brown die Chance auf einen sicheren Wahlkreis für Labour (im schottischen Hamilton), zeigte aber in den Augen von Historikern mit einer Mischung aus Loyalität für Edinburgh South und Zögerlichkeit zum ersten von vielen Malen trotz Ehrgeiz und Ambitionen einen signifikanten Mangel an politischer Rücksichtslosigkeit. Beim zweiten Anlauf bei der Unterhauswahl 1983 wurde Brown als Abgeordneter von Dunfermline East ins Unterhaus gewählt. Die Wahl war ein Fiasko für Labour unter ihrem Parteivorsitzendem Michael Foot: Sie erhielten 209 Unterhaussitze nach 268 bei der Wahl 1979 und 319 bei der Wahl im Oktober 1974. Als einer der wenigen neuen Abgeordneten für Labour teilte sich Brown mit Tony Blair ein Unterhaus-Büro. Beide wurden in dieser Zeit enge Freunde.John Campbell: Pistols at Dawn: Two Hundred Years of Political Rivalry from Pitt and Fox to Blair and Brown. Vintage Books, London 2009, S. 349. Brown wurde 1985 Sprecher der Opposition für Handel und Industrie. Ab 1987 gehörte er dem Schattenkabinett an, zunächst als Schattenchefsekretär der Treasury, dann ab 1989 als Schattenminister für Handel und Industrie und ab 1992 als Schattenschatzkanzler.

Nach dem plötzlichen Tod des Labour-Vorsitzenden John Smith im Mai 1994 wurde Brown als potenzieller Nachfolger gehandelt, verzichtete zugunsten von Tony Blair aber auf eine Kandidatur. Blair machte Brown im Gegenzug weitreichende politische Zugeständnisse, so avisierte er, Brown die Kontrolle über die Wirtschaftspolitik zu geben und nach einer gewissen Zeit zurückzutreten, damit Brown selber Premierminister werden konnte. Diese Vereinbarung wurde auch „Granita Deal“ genannt.John Campbell: Pistols at Dawn: Two Hundred Years of Political Rivalry from Pitt and Fox to Blair and Brown. Vintage Books, London 2009, S. 359 ff. Die Zusammenarbeit zwischen Blair und Brown spielte eine zentrale Rolle für die Entwicklung von New Labour.

Als Schatten-Schatzkanzler arbeitete Brown daran, Labour als kompetente Partei in Sachen Finanzen zu porträtieren. Der Wirtschaft und der Mittelklasse wollte er die Kompetenz von Labour in Wirtschaftsfragen und bei der Inflationsbekämpfung beweisen. Prudence („Besonnenheit“) wurde Browns Schlagwort. Er trat dafür ein, den Ausgabenplan der Konservativen für zwei Jahre nach der Machtübernahme zu übernehmen.

Schatzkanzler Nachdem Brown im Mai 1997 das Amt als Schatzkanzler angetreten hatte, gewährte er der Bank of England uneingeschränkte Freiheit in der Geldpolitik und somit die Verantwortung für die Festlegung der Zinssätze. Die Konservativen waren gegen die Maßnahme, da sie diese als ersten Schritt zur Abschaffung des Pfund Sterling und den Beitritt zur Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion betrachteten. Die Liberaldemokraten hingegen sahen eines ihrer Hauptanliegen erfüllt. Tatsächlich wird Brown als weniger Euro-freundlich angesehen als die meisten Mitglieder der Blair-Regierung, und es wurden Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und den Euro-Befürwortern in der Regierung wie z. B. Peter Hain und Jack Straw deutlich.

mini|Gordon Brown mit Brasiliens Präsident Lula da Silva am Weltwirtschaftsforum 2007 in Davos Unter Brown sanken die Einkommensteuern und die Unternehmenssteuern merklich. Sobald der Ausgabenplan der Konservativen abgelaufen war, setzte Brown ab 2000 größere Ausgaben in den Bereichen Gesundheit und Bildung durch. Von 1997 bis 2006 betrug laut OECD das durchschnittliche jährliche Wirtschaftswachstum 2,7 Prozent, rund 0,6 Prozent höher als in der Eurozone. Die Arbeitslosenquote sank von 7 auf 5,5 Prozent. Die gestiegenen Einnahmen verwendete Brown auch, um mehr Geld für den NHS bereitzustellen.

Am 15. Juni 2004 wurde Brown der am längsten ununterbrochen amtierende Schatzkanzler seit Nicholas Vansittart (1812–23).

Das Verhältnis mit Blair blieb konfliktbelastet; nach zahlreichen Konflikten wurde am 6. November 2003 die 1994 getroffene Übereinkunft im Admiralty House neu verhandelt, mit John Prescott als neutralem Zeugen und Schiedsrichter.Jon Davis, John Rentoul: Heroes or Villains: The Blair Government Reconsidered. Oxford University Press, Oxford 2019, S. 32. Blair sagte Brown zu, im Sommer des nächsten Jahres abzutreten, verlangte im Gegenzug jedoch Browns volle Unterstützung bei der Umsetzung seiner Reformagenda. Blair gab allerdings im Herbst 2004 bekannt, dass er als Spitzenkandidat auch bei der nächsten Wahl antreten und die ganze nächste Legislaturperiode im Amt bleiben wolle.Jon Davis, John Rentoul: Heroes or Villains: The Blair Government Reconsidered. Oxford University Press, Oxford 2019, S. 35 ff. Damit war die 2003 getroffene Übereinkunft im Admiralty House zerbrochen.Jon Davis, John Rentoul: Heroes or Villains: The Blair Government Reconsidered. Oxford University Press, Oxford 2019, S. 41 f.John Campbell: Pistols at Dawn: Two Hundred Years of Political Rivalry from Pitt and Fox to Blair and Brown. Vintage Books, London 2009, S. 391 ff. Im September 2006 kam es zu einer parteiinternen Revolte; Juniorminister Tom Watson sowie zahlreiche Berater traten zurück und forcierten so Blairs Ankündigung, im nächsten Jahr abzutreten.

Premierminister und Parteichef

mini|Gordon Brown (2. v. r.) und seine Frau Sarah (links) mit George W. Bush und dessen Frau Laura im Juni 2008 Brown erhielt am 17. Mai 2007 die Unterstützung von 313 der 353 Unterhausmitglieder seiner Partei.

Daraufhin designierte ihn das Labour-Exekutivkomitee offiziell zu Blairs Nachfolger. Zunächst übergab Blair am 24. Juni auf einem Sonderparteitag in Manchester das Amt des Parteiführers an Brown. Seit dem 27. Juni 2007 führte Brown als Premierminister die Regierungsgeschäfte. Er war damit nach Ramsay MacDonald und Blair erst der dritte Schotte in diesem Amt.

Labour initiierte zu Beginn seiner Amtszeit die Kampagne Not Flash, Just Gordonein Wortspiel. Flash Gordon ist eine fiktive Comic-Figur im Science-Fiction-Genre., in der er sich von Blairs New Labour teilweise distanzierte. Brown verwendete das Schlagwort New Labour bei öffentlichen Auftritten kaum noch. Brown veröffentlichte sein manifesto for change (Manifest des Wandels), in dem er versprach, den National Health Service weiterhin als seine Top-Priorität anzusehen, weiterhin ein rigoroses Vorgehen gegen Korruption versprach und eine Neugewichtung des Verhältnisses zwischen Zentralmacht und Lokalverwaltung in Aussicht stellte. Danach gab es Spekulationen über eine Vorgezogene Neuwahl; Brown gab im Oktober aber bekannt, es werde keine Neuwahlen geben. Labour fiel in den Umfragen bald hinter die Tories um David Cameron zurück und verlor wichtige Nachwahlen.

Im September 2007 geriet das Finanzunternehmen Northern Rock in Schwierigkeiten, was zum ersten Run auf eine britische Bank seit Menschengedenken führte.John Campbell: Pistols at Dawn: Two Hundred Years of Political Rivalry from Pitt and Fox to Blair and Brown. Vintage Books, London 2009, S. 400. Insgesamt wurde Browns Amtszeit von der Finanzkrise ab 2007 überschattet. Nachdem Brown als Schatzkanzler eine Reputation für hohen ökonomischen Sachverstand erworben hatte, wurde sein Name mehr als bei anderen Premierministern mit der Finanzkrise verbunden. Brown schnürte ein Bankenrettungspaket in Höhe von 500 Milliarden £. Großbritanniens Wirtschaft erholte sich sehr langsam und die Umfragewerte von Labour wurden nicht besser.

Vor der Britischen Unterhauswahl 2010 gab es das erste TV-Duell zwischen den Parteivorsitzenden Brown, Cameron und Clegg.