mini|500px|Verwaltungsgliederung auf Kreisebene am 1. Januar 1900
Die Geschichte der Kreisbildung in Deutschland erfasst die Bildung bzw. Gründung der Kreise, also der kreisfreien Städte (Stadtkreise) und Kreise (Landkreise). Innerhalb der Länder sind die Verwaltungsbezirke in alphabetischer Reihenfolge angegeben anstatt der, historisch bedingt, bisweilen von dieser abweichenden offiziellen Reihenfolge (wie es etwa bei den preußischen Provinzen oder bayerischen Regierungsbezirken der Fall war bzw. ist).
Anhalt Im Herzogtum Anhalt wurden 1863 sechs Kreise gebildet.
Kreise: Ballenstedt, Bernburg, Coswig, Dessau, Köthen und Zerbst Am 1. Januar 1866 wurde der Kreis Coswig in den Kreis Zerbst eingegliedert.
Baden
Bereits seit 1810 bestanden in Baden Kreise als Mittelinstanzen der staatlichen Verwaltung. Die den preußischen Kreisen eher vergleichbaren Behörden waren die Bezirksämter, die bis 1864 teilweise auch als Oberamt, Amt, Stadtamt, Landamt oder Stabsamt bezeichnet wurden. Mit dem Gesetz über die Organisation der Inneren Verwaltung vom 5. Oktober 1863 wurden in Baden mit Wirkung vom 1. Oktober 1864 vier Landeskommissärbezirke eingerichtet, die in insgesamt 59 Bezirksämter untergliedert waren. Gleichzeitig wurden die Gemeinden zu insgesamt elf Kreisverbänden zusammengefasst.Siehe Weizel S. 238–239 Internet Archive Landeskommissärbezirk Konstanz Kreis Konstanz Bezirksämter: Engen, Konstanz, Meßkirch, Pfullendorf, Radolfzell, Stockach, Überlingen Kreis Villingen Bezirksämter: Donaueschingen, Triberg, Villingen Kreis Waldshut Bezirksämter: Bonndorf, Jestetten, St. Blasien, Säckingen, Waldshut
Landeskommissärbezirk Freiburg Kreis Freiburg Bezirksämter: Breisach, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg, Kenzingen, Neustadt, Staufen, Waldkirch Kreis Lörrach Bezirksämter: Lörrach, Müllheim, Schönau, Schopfheim Kreis Offenburg Bezirksämter: Gengenbach, Kork (ab 1881 Kehl), Lahr, Oberkirch, Offenburg, Wolfach
Landeskommissärbezirk Karlsruhe Kreis Baden Bezirksämter: Achern, Baden, Bühl, Gernsbach, Rastatt Kreis Karlsruhe Bezirksämter: Bretten, Bruchsal, Durlach, Ettlingen, Karlsruhe, Pforzheim
Landeskommissärbezirk Mannheim Kreis Mannheim Bezirksämter: Mannheim, Schwetzingen, Weinheim Kreis Heidelberg Bezirksämter: Eppingen, Heidelberg, Sinsheim, Wiesloch Kreis Mosbach Bezirksämter: Adelsheim, Boxberg, Buchen, Eberbach, Mosbach, Tauberbischofsheim, Walldürn, Wertheim
Es wurden zum 1. Mai 1872 die Bezirksämter Kenzingen und Walldürn aufgelöst und das Bezirksamt Kenzingen auf die Bezirksämter Emmendingen und Ettenheim, das Bezirksamt Walldürn auf die Bezirksämter Buchen, Tauberbischofsheim und Wertheim aufgeteilt, die Bezirksämter Boxberg wurde in das Bezirksamt Tauberbischofsheim, Gengenbach in das Bezirksamt Offenburg, Gernsbach in das Bezirksamt Rastatt, Jestetten in das Bezirksamt Waldshut und Radolfzell in das Bezirksamt Konstanz eingegliedert. Am 1. Oktober 1898 wurde das Bezirksamt Boxberg aus Gemeinden des Bezirksamt Tauberbischofsheim wiedererrichtet. Am 1. April 1924 wurden 13 Bezirksämter aufgelöst. Bei einer weiteren Reform wurde am 1. Oktober 1936 die Zahl der Bezirksämter um 10 verringert, am 1. April 1937 wurde das Bezirksamt Ettingen in das Bezirksamt Karlsruhe eingegliedert und am 1. April 1938 wurden das Bezirksamt Schopfheim in das Bezirksamt Lörrach, das Bezirksamt Wertheim in das Bezirksamt Tauberbischofsheim und das Bezirksamt Wiesloch in das Bezirksamt Heidelberg eingegliedert. Am 1. April 1939 wurden die Bezirksämter in Landkreise umbenannt und am 29. Juni 1939 wurden die Städte Baden-Baden, Freiburg im Breisgau, Heidelberg, Karlsruhe, Konstanz, Mannheim und Pforzheim aus ihren Landkreisen ausgegliedert und Stadtkreise.
Bayern Zum 1. Juli 1862 wurden im Königreich Bayern die Landgerichte bzw. Landkommissariate der Pfalz zur Trennung von Justiz und Verwaltung in Landgerichte für die Justiz (ab 1879: Amtsgerichte) und Bezirksämter für die Verwaltung umgewandelt. Die acht Regierungsbezirke waren nun in Bezirksämter und unmittelbare Städte unterteilt. Die Bezirksämter waren die Vorläufer der heutigen Landkreise. Die Bezeichnung Landkreis führte man erst 1939 ein. Aus den kreisunmittelbaren Städten wurden 1939 dementsprechend kreisfreie Städte.
Kreis Mittelfranken:Bezirksämter: Ansbach, Beilngries, Dinkelsbühl, Eichstätt, Erlangen, Feuchtwangen, Fürth, Gunzenhausen, Heilsbronn, Hersbruck, Neustadt an der Aisch, Nürnberg, Rothenburg ob der Tauber, Scheinfeld, Schwabach, Uffenheim und Weißenburg in BayernKreisunmittelbare Städte: Ansbach, Dinkelsbühl, Eichstätt, Erlangen, Fürth, Nürnberg, Rothenburg ob der Tauber und Schwabach, ab 16. Juli 1863 Weißenburg in Bayern Kreis Niederbayern:Bezirksämter: Bogen, Deggendorf, Dingolfing, Eggenfelden, Grafenau, Griesbach, Kelheim, Kötzting, Landau an der Isar, Landshut, Mallersdorf, Passau, Pfarrkirchen, Regen, Rottenburg an der Laaber, Straubing, Viechtach, Vilsbiburg, Vilshofen, Wegscheid und WolfsteinKreisunmittelbare Städte: Landshut, Passau und Straubing, seit 1. Oktober 1879 Deggendorf Kreis Oberbayern:Bezirksämter: Aichach, Altötting, Berchtesgaden, Bruck, Dachau, Ebersberg, Erding, Freising, Friedberg, Ingolstadt, Landsberg am Lech, Laufen, Miesbach, Mühldorf, München links der Isar, München rechts der Isar, Pfaffenhofen an der Ilm, Rosenheim, Schongau, Schrobenhausen, Tölz, Traunstein, Wasserburg am Inn, Weilheim in Oberbayern und WerdenfelsKreisunmittelbare Städte: Freising, Ingolstadt und München, seit 1. April 1870 Rosenheim, seit 1. Juli 1876 Traunstein, 1. Juni 1877 Landsberg am Lech, ab 1. April 1929 Bad Reichenhall Kreis Oberfranken:Bezirksämter: Bamberg I, Bamberg II, Bayreuth, Berneck, Ebermannstadt, Forchheim, Höchstadt an der Aisch, Hof, Kronach, Kulmbach, Lichtenfels, Münchberg, Naila, Pegnitz, Rehau, Stadtsteinach, Staffelstein, Teuschnitz und WunsiedelKreisunmittelbare Städte: Bamberg, Bayreuth und Hof, seit 1. Januar 1889 Forchheim, seit 1. Januar 1890 Kulmbach, seit 1. Juli 1919 Selb, seit 1. Dezember 1919 Marktredwitz, seit 1. Juli 1920 bei Umgliederung nach Bayern Coburg, Neustadt bei Coburg und Rodach bei Coburg (alle ab 1. Juli 1920 bei Umgliederung nach Bayern) Kreis Oberpfalz und Regensburg:Bezirksämter: Amberg, Burglengenfeld, Cham, Eschenbach in der Oberpfalz, Hemau, Kemnath, Nabburg, Neumarkt in der Oberpfalz, Neunburg vorm Wald, Neustadt an der Waldnaab, Regensburg, Roding, Stadtamhof, Sulzbach, Tirschenreuth, Velburg, Vohenstrauß und WaldmünchenKreisunmittelbare Städte: Amberg und Regensburg, seit 1. Januar 1903 Neumarkt in der Oberpfalz, ab 1. Januar 1919 Weiden in der Oberpfalz, ab 1. Januar 1920 Schwandorf Kreis Pfalz:Bezirksämter: Bergzabern, Frankenthal, Germersheim, Homburg, Kaiserslautern, Kirchheimbolanden, Kusel, Landau in der Pfalz, Neustadt an der Haardt, Pirmasens, St. Ingbert, Speyer und ZweibrückenKreisunmittelbare Städte: seit 1. Januar 1910 Landau in der Pfalz, seit 1. Januar 1920: Frankenthal (Pfalz), Kaiserslautern, Ludwigshafen am Rhein, Neustadt an der Weinstraße, Pirmasens, Speyer und Zweibrücken Kreis Schwaben und Neuburg:Bezirksämter: Dillingen an der Donau, Donauwörth, Füssen, Göggingen, Günzburg, Illertissen, Kaufbeuren, Kempten (Allgäu), Krumbach (Schwaben), Lindau (Bodensee), Memmingen, Mindelheim, Neuburg an der Donau, Neu-Ulm, Nördlingen, Oberdorf, Sonthofen, Wertingen und ZusmarshausenKreisunmittelbare Städte: Augsburg, Donauwörth, Kaufbeuren, Kempten (Allgäu), Memmingen, Neuburg an der Donau und Nördlingen, ab 1. April 1872 Günzburg, ab 1. Januar 1878 Dillingen an der Donau, ab 1. März 1891 Neu-Ulm Kreis Unterfranken und Aschaffenburg:Bezirksämter: Alzenau in Unterfranken, Aschaffenburg, Brückenau, Ebern, Gemünden am Main, Gerolzhofen, Gersfeld, Hammelburg, Haßfurt, Karlstadt, Kissingen, Kitzingen, Königshofen im Grabfeld, Lohr am Main, Marktheidenfeld, Mellrichstadt, Miltenberg, Neustadt an der Saale, Obernburg am Main, Ochsenfurt, Schweinfurt, Volkach und WürzburgKreisunmittelbare Städte: Aschaffenburg, Schweinfurt und Würzburg, ab 1. August 1870 Kitzingen, ab 1. Januar 1908 Bad Kissingen
Braunschweig Das Herzogtum Braunschweig wurde mit Wirkung vom 1. Januar 1833 in Kreise eingeteilt.
Kreise: Blankenburg, Braunschweig, Gandersheim, Helmstedt, Holzminden und Wolfenbüttel
Am 1. April 1925 schied die Landeshauptstadt Braunschweig aus dem Kreis Braunschweig aus und wurde kreisfrei. 1939 wurden die Kreise zu Landkreisen. Durch einen Gebietsaustausch kamen am 1. November 1941 der Stadtkreis Goslar und der Landkreis Goslar von der preußischen Provinz Hannover aus dem Regierungsbezirk Hildesheim an das Land Braunschweig, die Stadt Goslar blieb kreisfrei. Der Landkreis Holzminden kam an die preußische Provinz Hannover.
Bremen Am 15. Juni 1817 wurden im Bremer Landgebiet neben der Stadt Bremen anstelle der vier Gohen zwei Landherr(n)schaften gebildet.
Landherrschaften: Landherrschaft am linken Weserufer, Landherrschaft am rechten WeseruferSelbstständige Stadt: Bremen
Am 18. Oktober 1851 wurde Bremerhaven, bis dahin ein bremisches Amt, zur selbständigen Stadt. Am 1. Januar 1852 wurde das Amt Vegesack ebenfalls zur selbständigen Stadt innerhalb des Stadtstaates Freie Hansestadt Bremen. Am 9. Februar 1874 wurden die beiden Landherrschaften am linken Weserufer und am rechten Weserufer vereinigt. Am 1. Januar 1879 wurde aus dem gesamten Landgebiet der Landkreis Bremen gebildet. Am 1. April 1938 wurde die selbständige Stadt Vegesack in den Landkreis Bremen eingegliedert. Am 1. November 1939 wurde die selbständige Stadt Bremerhaven aus dem Land Freie Hansestadt Bremen in die preußische Provinz Hannover in den Stadtkreis Wesermünde eingegliedert. Der Hafen Bremerhaven wurde in die Stadt Bremen eingegliedert. Gleichzeitig wurde die Stadt Bremen um Gemeinden der Landkreise Bremen, Osterholz und Verden (Provinz Hannover) vergrößert. Am 1. Dezember 1945 wurde der Landkreis Bremen in die Stadt Bremen eingegliedert. Am 19. Januar 1947 wurde die kreisfreie Stadt Wesermünde von Niedersachsen in das Land Bremen umgegliedert und anschließend in Bremerhaven umbenannt.
Elsaß-Lothringen Die Kreise Elsaß-Lothringens wurden 1872 unter Aufhebung der bisherigen französischen Arrondissements auf Grundlage der Kantone neu gebildet.
Bezirk Lothringen:Landkreis: MetzKreise: Bolchen, Château-Salins, Diedenhofen, Forbach, Saarburg, SaargemündStadtkreis: Metz Bezirk Oberelsaß:Kreise: Altkirch, Colmar, Gebweiler, Mülhausen, Rappoltsweiler und Thann Bezirk Unterelsaß:Landkreis: StraßburgKreise: Erstein, Hagenau, Molsheim, Schlettstadt, Weißenburg und ZabernStadtkreis: Straßburg
Mit dem Waffenstillstand am Ende des Ersten Weltkrieges am 11. November 1918 wurde Elsass-Lothringen Frankreich eingegliedert. Im Friedensvertrag von Versailles vom 28. Juni 1919 in Kraft getreten am 10. Januar 1920 wurde die Abtretung Elsass-Lothringens an Frankreich bestätigt.
Nach der deutschen Besetzung Frankreichs im Westfeldzug 10. Mai bis 22. Juni 1940 wurde im Waffenstillstand von Compiègne vom 22. Juni 1940 Elsass-Lothringen vom Deutschen Reich am 1. Oktober 1940 annektiert.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 wurde Elsass-Lothringen wieder nach Frankreich zurückgegliedert.
Hamburg Das Hamburger Landgebiet wurde seit dem 15. Jahrhundert in Landherrenschaften gegliedert, die man in etwa mit heutigen Landkreisen vergleichen kann: Landherrenschaft von Bill- und Ochsenwärder Landherrenschaft Hamburger Berg Landherrenschaft Hamm und Horn Landherrenschaft der Walddörfer. Hinzu kamen umfangreiche Besitztümer der Hamburger Klöster und Hospitäler, die seit der Reformation ebenfalls vom Hamburger Senat bzw. dem Kollegium der Oberalten kontrolliert wurden. Nach Neugliederungen 1830 und 1874 gliederte sich das Landgebiet im Staate Hamburg in vier Landherrenschaften:
Landherrenschaft Bergedorf Landherrenschaft der Geestlande Landherrenschaft der Marschlande und Landherrenschaft Ritzebüttel