mini|Logo von Polaroid
Polaroid ist eine traditionsreiche US-amerikanische Marke aus dem Bereich der Fotografie, die vor allem durch Sofortbildkameras internationale Popularität erlangte und somit zum Gattungsnamen für Sofortbildfotografie wurde. Zu den unter der Marke vertriebenen Produkten zählten zeitweise auch Sonnenbrillen und verschiedene Artikel aus der Unterhaltungselektronik. Unter dem Markennamen Polaroid werden weiterhin Sofortbildkameras und verschiedene Filmtypen vertrieben. Das 1937 von Edwin Herbert Land gegründete Unternehmen, die Polaroid Corporation, befindet sich seit 2009 im Besitz der „PLR IP Holdings, LLC“.
Unternehmensgeschichte Anfänge mini|Polaroid Land Camera Modell 95 von 1948 mini|Polaroid SX-70 (geöffnet)
Der Physiker Edwin Herbert Land entwickelte Polarisationsfolien, für die er 1933 ein Patent erteilt bekam. Diese Polaroid-Filter genannten Polarisationsfilter basierten auf einer gestreckten Polymer-Folie (Polyvinylalkohol) mit eindiffundiertem Jod.Polaroid-Filter. In: Polarisationszustand des Lichts. auf: uni-jena.de, S. 5. (PDF; 305 kB) Mit ihnen machte sich Land im weiteren Verlauf selbständig, indem er 1937 in Boston ein eigenes Unternehmen gründete, die Polaroid Corporation. Auch wurden die Folien unter diesem Namen angeboten, sie fanden sich unter anderem in Sonnenbrillen.
Sofortbild Am 21. Februar 1947 stellte Land auf der Versammlung der Optical Society of America einen neuartigen, Land camera genannten Fotoapparat in der Bauart einer Balgenkamera vor, der man kurz nach der Aufnahme ein fertiges Positivbild entnehmen konnte. Die eigentliche revolutionäre Neuerung jedoch lag weniger in der Kamera als vielmehr im dazugehörigen Film: Erstmals kam ein Schnellentwicklungsverfahren zum Einsatz, das noch an Ort und Stelle das belichtete Negativ auf ein Positiv übertrug.
Die erste Kamera (Typ 95) verkaufte am 26. November 1948 die Jorden Marsh Company in Boston. Handelte es sich zunächst nur um schwarzweiße, in den ersten Jahren genau genommen sepiafarbene Bilder, erschien 1963 der Polacolor genannte Farbfilm.
1959 kam mit dem Typ 3000 ein hochempfindlicher Film auf den Markt, so dass man bei Innenaufnahmen auf ein Blitzgerät verzichten konnte. 1961/62 folgte mit der Mehrzweckkamera MP 3 ein Gerät, mit dem man auch hochwertige Reproduktionen erstellen konnte, beispielsweise in Bibliotheken von alten Schriften. 1964/65 kamen mit dem Typ 413 ein infrarotempfindlicher Film und mit dem XR 7-System eine Röntgendiffraktionskassette für die Kristallographie auf den Markt. Ein spezielles Kamerasystem, genannt ID-2, erlaubte es, in zwei Minuten fälschungssichere Ausweise herzustellen.
Den größten Fortschritt erfuhr das Sofortbild mit dem Integralfilm: am 25. April 1972 demonstrierte Edwin Land auf der jährlichen Generalversammlung die Überlegenheit des SX-70-Systems, indem er innerhalb von zehn Sekunden fünf Bilder belichtete, die sich binnen vier Minuten selbst entwickelten. Es musste nicht mehr wie bisher das Positiv vom Negativ getrennt werden. Vor allem mit SX-70 erreichte Polaroid seinen Höhepunkt mit den Verkauf von 8 Mio. Kameras im Jahr 1978.
Einen gigantischen Flop erlebte das Unternehmen mit dem praktisch unverkäuflichen Sofortbild-Schmalfilm Polavision. Der nachfolgende Sofortbild-Diafilm PolaChrome stieß lediglich auf geringes Interesse.
Polaroid 600 brachte zur Jahreswende 1981/82 mehr Lichtempfindlichkeit und löste SX-70 ab, Polaroid Image parallel dazu ein Integralfilm im Seitenverhältnis 1 : 1,3. In den 1990er-Jahren versuchte Polaroid, mit den neuen Produktreihen Captiva und iZone Gelegenheitsfotografen bzw. die junge Generation anzusprechen. Das Bildformat war sehr klein, die Produkte wurden bald wieder eingestellt. Seit Februar 2008 stellt das Unternehmen Polaroid keine Sofortbildkameras mehr her. Am 17. Juni 2008 wurde die Produktion des letzten Polaroid-Films T600 im niederländischen Werk Enschede eingestellt.
Jüngere Geschichte 2001 meldete das Unternehmen erstmals Insolvenz an, es folgten mehrere Eigentümerwechsel und schließlich der Verkauf an die „Petters Group“. Am 18. Dezember 2008 beantragte Polaroid ein Insolvenzverfahren nach Chapter 11 des amerikanischen Insolvenzrechts. Als Grund wurde der Betrug des damaligen Geschäftsführers Tom Petters angegeben.Polaroid meldet Insolvenz an. In: heise online, 19. Dezember 2008. Tom Petters wurde im April 2010 zu 50 Jahren Gefängnis verurteilt, da er mit einem Schneeballsystem einen Schaden von über 3,5 Milliarden US-Dollar angerichtet hatte. Einer seiner Rechtsanwälte kündigte Rechtsmittel gegen das Urteil an.Milliardenbetrüger Petters muss 50 Jahre ins Gefängnis. In: Spiegel Online. 8. April 2010. 2009 wurde Polaroid dann an das Joint Venture „Hilco Consumer Capital LP of Toronto und der Gordon Brothers Brands LLC of Boston“ verkauft. Dadurch wurde die Polaroid Corporation eine gemeinsame Holding unter einer Muttergesellschaft mit dem Namen „PLR IP Holdings“, LLC.
Im Januar 2010 wurde auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas die Sängerin Lady Gaga medienwirksam als Creative Director von Polaroid vorgestellt.Lady Gaga Talks About The Polaroid Partnership With CNBC. In: youtube.com, 11. Januar 2010, abgerufen am 14. März 2026 (englisch). Im Januar 2011 präsentierten Polaroid und Lady Gaga auf der CES in Las Vegas das „Grey Label“. Es beinhaltete drei Produkte: eine neue Digitalkamera, einen mobilen Drucker und eine Sonnenbrille. Kamera und Drucker verwenden das schon im PoGo angewandte Thermodruckverfahren.
Nachdem das Unternehmen die Produktion von Sofortbildkameras und Filmen im Rahmen der Insolvenz eingestellt hatte, um sich voll auf den Handel von Produkten für die Digitalfotografie zu konzentrieren,Die Polaroid-Bilder feiern ihren letzten Geburtstag. In: Die Welt, 26. November 2008. wurde Anfang Mai 2010 mit der analogen Sofortbildkamera Polaroid 300 eine Fujifilm Instax Mini mit Polaroid-Schriftzug in das Vertriebsprogramm aufgenommen.
Das Unternehmen „The Impossible Project“ übernahm 2008 die ehemalige Polaroid-Filmfabrik in Enschede, Niederlande, um neue Filmmaterialien für die traditionellen Sofortbildkameras zu produzieren. auf der Website der Financial Times Deutschland. Da eine Reihe von ehemaligen Zulieferern notwendige Vorprodukte nicht mehr herstellen, musste die Zusammensetzung der Filme mit Unterstützung von Ilford zum Teil neu entwickelt werden. 2017 wurde das Unternehmen „The Impossible Project“ in „Polaroid Originals“ umbenannt. Seit 2020 heißt das Unternehmen nur noch Polaroid B.V.
Im Januar 2016 gab das Unternehmen auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas bekannt, in Zusammenarbeit mit dem britischen Unternehmen EBP (Environmental Business Products) einen eigenen 3D-Drucker auf den Markt bringen zu wollen. Der erste 3D-Drucker von Polaroid heißt „Polaroid ModelSmart 250“ und wird ab Mitte 2016 in 15 europäischen Ländern angeboten, unter anderem in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und den skandinavischen Ländern. Für die alten Polaroid-Trennbild-Kameras der Serien 100 bis 400 werden inzwischen unter dem Label New55 ebenfalls wieder Packfilme hergestellt.
2017 wurde die „PLR IP Holdings, LLC“ an eine Investorengruppe um den polnischen Unternehmer Wiaczesław Smołokowski verkauft. Dessen Sohn Oskar Smołokowski ist der CEO des niederländischen Unternehmens „Polaroid B.V.“. Geführt wird das Marken- und Produktgeschäft im US-amerikanischen Minnetonka sowie im niederländischen Enschede.Polaroid wird polnisch In: CE Today. 16. Mai 2017.
Filmtypen Trennbildfilm mini|links|hochkant|Schwarzweiß-Packfilm
Beim Trennbildverfahren werden die Bilder samt Film nach der Belichtung seitlich aus der Kamera gezogen, wobei der Film zwischen zwei Walzen hindurchlief, die wiederum die Entwicklerpaste zwischen Positiv und Negativ verteilten. Nach ungefähr 30 bis 90 Sekunden Entwicklungszeit kann man das fertige Positiv abziehen. Das Negativ lässt sich in der Regel nicht weiterverwenden, nur vereinzelte Schwarzweiß-Filmtypen (Polapan 55, 85, 665) lieferten ein nach spezieller chemischer Nachbehandlung (Abwaschen der Chemikalien mit Natriumsulfitlösung = „Klären“) weiter für Kopieren und Vergrößern verwendbares Negativ.
mini|links|hochkant|Polaroid Cold Clip, Hilfsmittel zur Entwicklung bei niedriger Temperatur
Generelle Schwachstelle der Filme war wie bei jedem fotochemischen Verfahren eine sehr hohe Temperaturempfindlichkeit: Belichtungs- und Entwicklungszeit mussten bei niedrigen Temperaturen stark verlängert werden. Aus diesem Grund wurde bei Kameras für Farbfilm eine entsprechende Vorrichtung an der Rückwand oder im Schwenkdeckel untergebracht, welche aus zwei Leichtmetallplatten bestand, die mit Klebeband an einer Seite verklebt waren. Diese Cold Clip genannte Vorrichtung wurde vor dem Entwickeln der Aufnahme in Körpernähe erwärmt (unter dem Arm, Brusttasche). Die der Kamera nach der Aufnahme entnommene Bildeinheit wurde sodann zwischen die vorgewärmten Platten gelegt, um die Entwicklungszeit zu verkürzen bzw. je nach Außentemperatur überhaupt zu ermöglichen.
Der Trennbildfilm ist in der Herstellung sehr aufwendig. Das Filmpack-Gehäuse besteht aus Metall und Kunststoff. In ihm sind die Bildeinheiten in zusammengelegter Form untergebracht. Beim Einlegen des Trennbildfilms werden die weißen Streifen so verlegt, dass diese nicht verklemmen. Die Rückwand der Kamera wird mit einem Klemmverschluss geschlossen. Nach der Aufnahme wird zunächst ein weißer Streifen aus dem seitlich angebrachten Ausgabefach gezogen. Ihm folgt etwas versetzt aus einem weiteren Schlitz ein bedruckter Handgriff aus Papier. Durch kontinuierliches Ziehen wird die Bildeinheit aus der Kamera entnommen, womit gleichzeitig der Entwicklungsprozess beginnt.
mini|Innenaufbau des Modells 80 für Rollfilm
Trennbild-Filme gab es in mehreren Ausführungen und Formaten. Die ersten Polaroidkameras verwendeten eine Art Rollfilm, mit der Polaroid Automatic 100 ging man 1963 aber auf Packfilme über. Auch noch heutzutage Verwendung finden vor allem Packfilme (8,2 cm × 10,8 cm und 8,2 cm × 8,6 cm), die u. a. in speziellen Polaroid-Rückteilen für diverse Mittelformatkameras zur Geltung kommen, sowie die etwas weniger verbreiteten Planfilme (10,2 cm × 12,7 cm und 20,3 cm × 25,4 cm), deren Einsatzbereich ausschließlich in der Großformatfotografie liegt (eigens auf dieses Filmformat zugeschnittene Polaroidkameras gibt es nicht).
Integralfilm mini|links|hochkant|Integralfilm Typ 600
Mit einer aufwendigen Entwicklung versuchte man, die Wartezeit und das Zwischennegativ zu umgehen. Die Kameras für den 1973 vorgestellten Filmtyp SX-70 schoben das gerade belichtete Bild stets motorisch unmittelbar nach der Aufnahme heraus; dann konnte man beobachten, wie sich das Bild in den nächsten Minuten entwickelte. Es handelte sich um einen Integralfilm, d. h. alle Filmbestandteile sind im ausgeworfenen Bild integriert – das Bild braucht nicht vom Negativ getrennt zu werden und hinterlässt somit keinen Abfall. Die Filmkassette enthielt zehn Farbbilder im Format 7,8 cm × 7,9 cm (Bildbereich), unter denen eine Polapulse genannte, besonders flache Batterie lag.
Vorgestellt wurde der Filmtyp SX-70 mit der faltbaren Spiegelreflexkamera Polaroid SX-70, für die Einsteiger-Modelle hielt man zunächst noch am Trennbildverfahren fest. Erst 1977 stellte man mit der Polaroid Land Camera 1000, für den internationalen Markt und der Polaroid Land Camera OneStep, für den amerikanischen Markt, ganz auf das neue System um. Für die in Deutschland der Schauspieler Hansjörg Felmy in einer groß angelegten Kampagne warb. Der SX-70-Film lieferte Fotos von ausgezeichneter Qualität, besaß aber nur einen geringen Belichtungsspielraum. Er musste infolgedessen sehr genau belichtet werden und verlangte deswegen bereits bei der billigsten Kamera nach einer Belichtungssteuerung.