Karl-Ernst Sasse (* 5. Dezember 1923 in Bremen; † 12. November 2006 in Potsdam-Babelsberg) war ein deutscher Komponist und Dirigent. Er galt als einer der bedeutendsten Filmkomponisten der DDR. Sein Lebenswerk als Komponist umfasst zahlreiche Bühnenmusiken sowie mehr als 500 Filmvertonungen für diverse DEFA-Filme.vgl. DDR-Filmkomponist gestorben auf Spiegel Online; abgerufen am 27. Juni 2007 In den 1960er und 1970er Jahren komponierte er die Musik zu mehreren DEFA-Indianerfilmen und Stummfilmklassikern, die ihn bekannt machten. Von 1959 bis 1964 war er Chefdirigent DEFA-Sinfonieorchesters Potsdam-Babelsberg und von 1964 bis 1967 des Staatlichen Sinfonieorchesters Halle.
Leben Frühe Jahre Karl-Ernst Sasse wurde 1923 als Sohn des Musikpädagogen und Dirigenten Ernst Sasse und seiner Frau Herta, einer chemischen Assistentin, in Bremen geboren. Schon als Kind wurde er künstlerisch von seinen Eltern massiv gefördert. Im Alter von sieben Jahren erhielt er Privatunterricht und erlernte so bereits früh das Spielen diverser Musikinstrumente wie Klavier, Flöte, Bratsche und Saxophon. Mit zehn Jahren komponierte er erstmals eigene Stücke und beschäftigte sich autodidaktisch mit Musiktheorie.
Seine Schullaufbahn startete er in Bückeburg, wo er von 1934 bis 1936 das Gymnasium Adolphinum besuchte. Anschließend wechselte er für vier Jahre ans Gymnasium Athenaeum Stade und ein weiteres Mal nach Sondershausen, wo er 1942 sein Abitur ablegte. Im April 1942 wurde er als Soldat in die Wehrmacht eingezogen und zur Luftwaffe versetzt, wo er zunächst in einem Musikkorps in Nordhausen spielte und später ein Orchester an der Flugzeugführerschule in Schlesien gründete.
Karrierebeginn Nach Kriegsende studierte er vom 1. Oktober 1945 am Konservatorium Sondershausen im Fachbereich Dirigieren, Komposition, Klavier, Bratsche und Gesang. Parallel zu seinem Studium arbeitete Sasse als Korrepetitor und Operndirigent am Landestheater Sondershausen. 1948 wurde er erster Opernkapellmeister und 1950 Musikalischer Oberspielleiter. Dem folgte seine Tätigkeit als Solorepetitor und Kapellmeister am Landestheater Meiningen (1948–1951).Vera Grützner: Musiker in Brandenburg vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Jaron, Berlin 2004, ISBN 3-89773-507-5, S. 220. Des Weiteren baute er als Städtischer Musikdirektor (1951–1956) das Städtische Orchester in Wernigerode auf, leitete in der Folgezeit diverse Sinfonie- und Kurkonzerte. Als Kapellmeister und zweiter Dirigent unter Horst Förster wechselte er an das Staatliche Sinfonieorchester Halle (1956–1958).
Am 1. Januar 1959 übernahm Sasse die Leitung des DEFA-Sinfonieorchesters Potsdam-Babelsberg und vertonte im Laufe seiner Karriere eine Vielzahl von Filmen für die DEFA-Studios. Anfänglich überwachte er lediglich die Einspielung der Kompositionen, später erschuf er auch eigene Stücke für eine Vielzahl von Filmgenres. Während der Arbeit für die DEFA und das Fernsehen der DDR wurde Sasse 1964 Chefdirigent des Staatlichen Sinfonieorchesters Halle und führte in dieser Funktion u. a. das „Solidaritätslied“ auf.
Werk Der Fernsehfilm Monolog für einen Taxifahrer von Günter Kunert und Günter Stahnke, für den er 1962 seine erste Musik schrieb, wurde verboten und erst 1990 aufgeführt. Sein erster Kinofilm war Das Geheimnis der 17, ein Kinderfilm aus dem Jahr 1963. Ein Jahr darauf hatte er mit der Musik zu Alaskafüchse sein Spielfilmdebüt. Ab 1967 arbeitete Sasse freischaffend und avancierte zum meistbeschäftigten Komponisten der DEFA, der bis zur Auflösung der ostdeutschen Filmproduktionsgesellschaft ca. 550 Filmvertonungen kreierte. In den 1960er und 1970er Jahren komponierte er die Musik für mehrere DEFA-Indianerfilme mit Gojko Mitić in der Hauptrolle (Spur des Falken, Weiße Wölfe, Ulzana, Blutsbrüder und Der Scout). In den 1970er Jahren steuerte er die Musik zu mehreren Stummfilmklassikern bei (Der Golem, wie er in die Welt kam, Das Cabinet des Dr. Caligari, Von morgens bis Mitternacht und Die Austernprinzessin). In den 1990er Jahren schrieb er die Musik zu rekonstruierten Stummfilmen, u. a. Der letzte Mann im Auftrag der Friedrich Wilhelm Murnau-Gesellschaft, zudem komponierte er die Musik zu dem Film Der Einstein des Sex (1999) von Rosa von Praunheim.
Neben seiner Filmarbeit komponierte Sasse Bühnenmusiken für verschiedene ostdeutsche Theater in Potsdam, Brandenburg und Berlin. Daneben schuf er diverse Lieder, Musicals, Chansons sowie das Kinderballettwerk Hase und Igel, das 1969 in Buna uraufgeführt wurde.
Familie Karl-Ernst Sasse war seit 1949 mit der Soubrette Inge Burg verheiratet. Er starb am 12. November 2006 in Potsdam-Babelsberg.
Auszeichnungen 1980: Theodor-Fontane-Preis für Kunst und Literatur 1986: Nationalpreis der DDR II. Klasse für Kunst und Literatur im Kollektiv von Künstlern des Fernsehfilms Ernst Thälmann („für die hervorragenden filmspezifischen Leistungen im Fernsehfilm ‚Ernst Thälmann‘, durch die ein bewegendes politisches und künstlerisches Erlebnis vermittelt wurde“)Hohe Auszeichnungen verliehen. In: Berliner Zeitung, 8. Oktober 1986, Jg. 42, Ausgabe 237, S. 4.
Werke (Auswahl) Kompositionen Vier Lieder (Christian Morgenstern) für Sopran und Kammerorchester, 1955 Das Jahr im Wald (Hans Möskenthin). Kantate für Sopran, Tenor, gemischten Chor und Kammerorchester Requiem für die unbekannten Toten von Hiroshima (Eugen Jebeleanu) für 6-stimmigen gemischten Chor a-cappella, 1972 „Sequenzen“ für großes Orchester, 1976 Nocturnes für großes Orchester, 1982 Die Zeit, sie zerrt am Zügel (Larissa Wassiljewa, Textnachdichtung: Sarah Kirsch). Vier Lieder für Sopran, Flöte, Violine, Cembalo, 1976 „Notenbüchel für zwei“ für Flöte und Tuba, 1981 Serenade für Oboe, Klarinette und Fagott, 2001 „Kirmes“ für 2 Klarinetten, Alt- und Bassklarinetten, 2001 „Syrinx“ für Klarinette solo, 2001
Filmmusik 1962/1990: Monolog für einen Taxifahrer (Fernsehfilm) 1962: Blüte und Insekt (Dokumentarfilm) 1963: Carl von Ossietzky (Fernsehfilm) 1963: Geheimnis der 17 1964: Alaskafüchse 1965: Tiefe Furchen 1965: Lots Weib 1965: … nichts als Sünde (Arrangement) 1966: Hamida 1966: Die Reise nach Sundevit 1967: Der Revolver des Corporals 1968: Mord am Montag 1968: Spur des Falken 1968: Hauptmann Florian von der Mühle 1969: Weiße Wölfe 1969: Im Himmel ist doch Jahrmarkt 1969: Seine Hoheit – Genosse Prinz 1969: Verdacht auf einen Toten 1970: Signale – Ein Weltraumabenteuer 1970: Unterwegs zu Lenin 1970: Junge Frau von 1914 (Fernsehfilm) 1970: Wir kaufen eine Feuerwehr 1971: Rottenknechte 1971: Anlauf (Fernsehfilm) 1971: Du und ich und Klein-Paris 1972: Der Dritte 1972: Euch werd ich’s zeigen 1972: Laut und leise ist die Liebe 1973: Die klugen Dinge 1974: Die eigene Haut (Fernsehfilm) 1974: Der nackte Mann auf dem Sportplatz 1974: Kit & Co 1974: Ulzana 1974: Wahlverwandtschaften 1975: Lotte in Weimar 1975: Blutsbrüder 1975: Polizeiruf 110: Ein Fall ohne Zeugen (TV-Reihe) 1976: Konzert für Bratpfanne und Orchester 1976: Im Staub der Sterne 1976: Das Licht auf dem Galgen 1977: Der Golem, wie er in die Welt kamBirgit Kahle-Hanusa: Der Golem – Die Filmmusik. In: Karl-Ernst Sasse: Der Golem. Delta Music, Königsdorf 1996. Best.-Nr. 10467. S. 7. 1977: Gefährliche Fahndung (TV-Serie) 1978: Oh, diese Tante (TV) 1978: Ursula (TV) 1978: Sabine Wulff 1979: Abschied vom Frieden (TV) 1979: Polizeiruf 110: Heidemarie Göbel 1979: Gelb ist nicht nur die Farbe der Sonne (TV) 1979: Karlchen, durchhalten! (TV) 1979: Hochzeit in Weltzow (TV) 1979: Für Mord kein Beweis 1979: Der Baulöwe 1979: Lachtauben weinen nicht 1979: Chiffriert an Chef – Ausfall Nr. 5 1979: Plantagenstraße 19 (TV) 1980: Polizeiruf 110: In einer Sekunde 1980: Alma schafft alle (TV) 1980/1990: Der Staatsanwalt hat das Wort: Risiko (Fernsehreihe) 1980: Die Verlobte 1980: Der Direktor (Fernsehfilm) 1980: Gevatter Tod 1980: Don Juan – Karl-Liebknecht-Str. 78 1980: Am grauen Strand, am grauen Meer (Fernsehfilm) 1981: Gesine (Fernsehfilm) 1981: Die Stunde der Töchter 1981: Suturp – Eine Liebesgeschichte (Fernsehfilm) 1981: Polizeiruf 110: Auftrag per Post 1982: Der lange Ritt zur Schule 1982: Bahnwärter Thiel 1982–1985: Sachsens Glanz und Preußens Gloria (TV-Mehrteiler) 1983: Der Scout 1983: Automärchen 1983: Das Luftschiff 1983: Martin Luther 1983: Moritz in der Litfaßsäule 1984: Isabel auf der Treppe 1984: Ach du meine Liebe (Fernsehfilm) 1985: Es steht der Wald so schweigend 1985: Weiße Wolke Carolin 1986: Die Weihnachtsklempner 1986: Hilde, das Dienstmädchen 1986: Polizeiruf 110: Gier 1987: Polizeiruf 110: Unheil aus der Flasche 1988: Der Geisterseher 1988: Präriejäger in Mexiko 1988: Polizeiruf 110: Still wie die Nacht 1988: Schlacht am Bild 1988: Polizeiruf 110: Flüssige Waffe 1988: Schwein gehabt 1988: Hannes (Fernsehfilm) 1989: Zwei schräge Vögel 1989: Ich, Thomas Müntzer, Sichel Gottes 1989: Verflixtes Mißgeschick! 1989: Polizeiruf 110: Der Wahrheit verpflichtet 1989: Der Staatsanwalt hat das Wort: Millionenerben 1989: September, Oktober. Geschichten von J. K. (Dokumentarfilm) 1990: Der Hut 1990: Polizeiruf 110: Der Tod des Pelikan 1990: Erster Verlust 1990: Polizeiruf 110: Warum ich … 1990: Spreewaldfamilie (TV-Serie) 1991: Stein 1992: Tandem (Fernsehfilm) 1992: Die Tigerin 1994: Der Menschenfresser (Fernsehfilm) 1999: Der Einstein des Sex
Literatur Gabriele Baumgartner: Reuter, Rolf. In: Gabriele Baumgartner, Dieter Hebig (Hrsg.): Biographisches Handbuch der SBZ/DDR. 1945–1990. Band 2: Maaßen–Zylla. Nachtrag zu Band 1, K. G. Saur, München 1997, ISBN 3-598-11177-0, S. 755. Hans-Michael Bock: Karl-Ernst Sasse. In: Ders. (Hrsg.): CineGraph Kompakt. Kompakt-Lexikon zum deutschsprachigen Film. Edition Text & Kritik, München 1984. Vera Grützner: Musiker in Brandenburg vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Jaron, Berlin 2004, ISBN 3-89773-507-5, S. 220. Wolfgang Klaue, Christiane Mückenberger (Hrsg.): Film A–Z. Regisseure, Kameraleute, Autoren, Komponisten, Szenographen, Sachbegriffe. Henschel, Berlin 1984. Karl-Ernst Sasse – „Ich bin sozusagen ein Bestellkomponist“, Interview mit Mike Beilfuß, in: Cinema Musica. Ausgabe 5/Juli 2006, S. 22–29
Weblinks
Karl-Ernst Sasse beim Filmmuseum Potsdam
Einzelnachweise
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