Bei Fahrradvermietungen (umgangssprachlich auch Fahrradverleih) kann man zwischen zwei grundsätzlichen Modellen unterscheiden.
Die traditionelle touristisch orientierte Fahrradvermietung wird häufig von Fahrradläden oder Hotels betrieben.
Das neuere Modell des Fahrradverleihsystems besteht meist aus einem Netz von Selbstbedienungsstationen zur Fahrradvermietung. Letzteres schaffen die Stadtverwaltungen vor allem, damit alltägliche kurze Wege bequem, umweltfreundlich und bewegungsaktiv zurücklegt werden können. Damit soll – in Kombination mit dem öffentlichen Verkehr (ÖV) – eine nahezu schadstofffreie und kostenarme oder -lose Alternative zum zunehmenden Autoverkehr (MIV) geschaffen werden, um in den Städten die Luft- und Lebensqualität zu verbessern und gleichzeitig den Fahrraddiebstahl als wichtiges Nutzungshindernis für Fahrräder einzudämmen.
Vergleich verschiedener Formen mini|Touristischer Fahrradverleih
Vergleichskriterien der FahrradvermietungenTouristisch orientiertBewohnerorientiertes Netz von Fahrradmietstationen Zugang Personaldokument als Pfand Kundenkarte bzw. (Mobilfunk-)Telefon nach Anmeldung Fahrradmodell handelsüblich Spezialanfertigung Mietdauer eine Stunde bis mehrere Tage wenige Minuten bis wenige StundenÖffnungszeitenbegrenzt24 hNetzcharakterneinjaRückgabeortgleich Ausgabeortbeliebige Station innerhalb des NetzesPersonal benötigtbei Ausgabe, Rückgabe und Wartungbei Wartung und DistributionZielgruppeTouristenBewohner und deren AlltagswegeBezahlungvor allem NutzerWerbung, Parkgebühren, Maut, geringer Teil vom Nutzer
Touristisch orientierte Fahrradvermietungen sind weit verbreitet. Veranstalter von Freizeit- und Sportaktivitäten, Fahrradläden, Hotels oder Touristen-Informationen bieten diesen Service häufig an. Auch gibt es sie in Deutschland abgerufen am 4. September 2019. und Holland sowie in der Schweizrentabike.ch: Fahrradvermietung in der Schweiz an vielen Bahnhöfen und werden oft vom Betreiber der Bahn angeboten. Das System Rent a Bike in der Schweiz ist insofern einmalig, als es die Rückgabe der Fahrräder an einem anderen Mietbahnhof und somit Radtouren durch die ganze Schweiz erlaubt. Zusätzlich gibt es in der Schweiz in fast allen großen Städten touristische Vermietungsangebote, die dort jedoch über Werbung am Rad und Wiedereingliederungsprogramme finanziert werden und somit kostenlos für den Nutzer sind.
Netz öffentlicher Fahrradmietstationen mini|City Bike Stockholm
Beim Netz öffentlicher Fahrradmietstationen handelt es sich um ein Netz von Fahrradstationen, die die einfache selbstständige Entnahme und Rückgabe von öffentlichen Mieträdern an abschließbaren Stellplätzen ermöglichen, meist mit Hilfe von elektronischen Kundenkarten. Diese Kundenkarten dienen sowohl zur Abrechnung als auch Identifizierung der Nutzer und beugen damit Vandalismus und Diebstahl vor.
Diese Fahrradstationen gehören häufig zum öffentlichen Personennahverkehr und sind geeignet, kurze und mittlere Distanzen in Städten zurückzulegen, die für den motorisierten ÖPNV oder das Auto zu gering, aber im Fußverkehr zu weit entfernt sind. Oft ist die erste halbe Stunde der Fahrradmiete kostenlos oder bereits in der jährlichen Gebühr enthalten. Das Verkehrsmittel Fahrrad ist öffentlich durch die Stadtverwaltung bestellt, obwohl es privates Firmeneigentum ist. Fahrradmietstationen sind eine öffentliche Dienstleistung im Umweltverbund, die in Städten als verkehrsberuhigenden Maßnahmen zur nachhaltigen Gestaltung von persönlicher Mobilität als umweltfreundliche, platzsparende und kostengünstige Alternative zum Auto und zum privaten Fahrrad angeboten werden. Durch dieses Angebot sinkt erheblich die Wahrscheinlichkeit, als Fahrradfahrer sein Gefährt durch Diebstahl zu verlieren. Zusätzliche Bedeutung erhält dieses Angebot durch die Pläne von Fahrverbotszonen für motorisierte Fahrzeuge nach der Feinstaubverordnung in verschiedenen deutschen Städten.
Funktionsweise Das Informationsangebot der Stationen wird vor allem internetgestützt bedient und abgefragt. Interessierte Personen können sich über eine Webseite des Anbieters oder direkt in einem Kundenbüro anmelden. Bei der Anmeldung, für meist eine Debit- oder Kreditkarte nötig ist, wird ein Kundenkonto eingerichtet, auf das der Kunde online zugreifen und seine Nutzungsdaten einsehen kann. Nach der Freischaltung kann er ein Fahrrad aus den Stationen entnehmen und dieses nachfolgend nutzen. Teilweise erhält der Benutzer eine Kundenkarte zur Identifikation bei der Ausleihe.
mini|Dublinbikes-Ausleihstation in Dublin
Das Angebot funktioniert über automatisierte Fahrradstationen, welche ein dichtes Netz in der Stadt haben, oft auch an Haltestellen des ÖPNV, oder mit frei stationierten Fahrrädern. Es sind jeweils abschließbare Stellplätze für die Fahrräder vorhanden, die informationstechnisch in Echtzeit mit einem Zentralcomputer verbunden sind. Jeder Stellplatz hat Öffnungen, in die die Bolzen des Fahrradrahmens eingeführt werden oder umgekehrt der Bolzen der Station in die entsprechende Öffnung des Fahrrades. Für die Entnahme eines Fahrrades muss der Nutzer sich mit seiner Kundenkarte/Kundennummer am „Service Access Terminal“ identifizieren und bekommt auf dem Display die Stellplatznummer angezeigt, von der er „sein“ Fahrrad entnehmen kann. Während er zum Stellplatz geht, öffnet sich eine elektromechanische Schließvorrichtung. Alternativ wird ein Schlüsselcode angezeigt, mit dem das Schloss entriegelt werden kann. Bei stationslosen Systemen (freefloater) können ausgeliehene Fahrräder stehengelassen werden; sie sind über GPS ortbar und die Anmeldung findet über das Mobiltelefon statt.
Gebühren und Finanzierung Während der Benutzung, die meist die erste halbe Stunde kostenlos ist, steigt die Gebühr mit der Zeit häufig überproportional, um den Nutzer nach der Benutzung zu einer raschen Rückgabe an einer Station zu motivieren. Nur so kann eine häufige Nutzung der Fahrräder sichergestellt werden. Für die überwiegende Anzahl der Benutzer endet die Fahrt jedoch nach einer halben Stunde kostenlos.
Die Finanzierung erfolgt entweder über städtische Umweltabgaben (zum Beispiel Einnahmen aus der Parkraumbewirtschaftung oder Innenstadtmaut) oder durch die Erlaubnis an den Betreiber zur Installation von Außenwerbung in der Stadt oder an den Fahrrädern selbst. Der Nutzer selbst zahlt oft nur eine sehr geringe jährliche Gebühr. Eine Ausnahme davon ist ausschließliche Bezahlung durch den Nutzer bei Call a Bike in einigen Städten. Die Kosten für den Betreiber schwanken je nach System zwischen 1500 und 3000 Euro pro Fahrrad und Jahr.
mini|hochkant|Die lokalen Verkehrsbetriebe TCRA betreiben den Vélopop-Fahrradverleih in Avignon mini|Fahrradverleih in Dortmund mini|Standort Museum in Dortmund mini|Citybike-Verleihstation in Wien mini|BikeMi-Verleihstation an der Corso Garibaldi in Mailand mini|StadtRAD-Hamburg-Verleihstation in Hamburg (2011) mini|Nextbike-Verleihstation in Frankfurt am Main (2011) mini|Fahrrad-Leihsystem „Düsselbike“ der Stadtverwaltung Düsseldorf, seit 2026 mit 2500 RädernFrank Büsdorf, Lisa Klasing: Fahrrad-Leihsystem „Düsselbike“ startet. Westdeutscher Rundfunk (WDR), Düsseldorf, 1. Juli 2026. Abgerufen am 20. Juli 2026.
Erfolgsfaktoren Notwendige Faktoren (elektronische) Identitätsfeststellung des BenutzersChristian Klaus, Bikesharing – ein Baustein für die zukünftige Mobilität? in: Verkehrszeichen – Für die Bewegung im Umweltverbund, 3/02, 18. Jg., Juli 2002, , S. 16. hohe Stations- und Fahrraddichte → spontane und Einwegfahrten qualitativ hochwertige und zuverlässige Fahrräder unkomplizierte und schnelle Inanspruchnahme der Dienstleistung Einzugsermächtigung vom Konto des Nutzers für Betreiber im Verlustfall des Fahrrades deutlicher Preisvorteil zu anderen öffentlichen und privaten Verkehrsmitteln für Kurzstrecken Spezialanfertigung von Rahmen und Komponenten im Vergleich zu handelsüblichen Rädern Anpassungsfähigkeit an Größe und geschlechtsspezifische Kleidung unterschiedlicher Personen
Unterstützungsfaktoren verkehrsberuhigte Infrastruktur (Fahrradwege, Tempo-30-Zonen, Gemeinschaftsstraßen) suboptimales Angebot im öffentlichen Nahverkehr Klima Orografie mit geringen Höhenunterschieden (Steigung <4 %) erstmaliger Starttermin zu Beginn der Warmwetterperiode Benutzungszeitbegrenzung durch Progressionstarif oder Zeitbeschränkung
Überregionale Förderung und Evaluierung Radverleihsysteme werden unter anderem durch das österreichische Programm klima:aktiv mobil gefördert.
Eine Analyse und Bewertung europäischer Bike-sharing-Systeme wird im Rahmen des europäischen Projekts Optimising Bike Sharing (OBIS) unternommen.
Umweltpolitische Bedeutung Die zum Betrieb notwendige Energie der muskelkraftbetriebenen Fahrräder stammt zu 100 % aus nachwachsender Biomasse („Müslimotor“). Der Energie- und Rohstoffaufwand für die Fertigung eines Fahrrades ist wesentlich geringer als bei motorisierten Verkehrsmitteln.
Fahrräder sind ein effektives Mittel, um den Modal Split im Personennahverkehr einer Stadt zugunsten der nachhaltigen Verkehrsträger zu verschieben. Volkswirtschaftlich betrachtet sind die sehr geringen Kosten pro eingesparter Menge Schadstoff interessant (Vermeidungskosten). Laut einer Schätzung der Stadtverwaltung von Lyon, vermeidet jedes dieser Mietfahrräder etwa 500 Kilogramm Kohlendioxid pro Jahr oder 0,19 kg CO2/kmThe Washington Post: Paris Embraces Plan to Become City of Bikes, 24. März 2007. während in Barcelona etwa 0,16 kg CO2/km angegeben wird.
Vergleiche Fahrräder können spontan genutzt werden, auch wenn man für den Hinweg öffentliche Verkehrsmittel, Auto oder Inlineskates genutzt hat. Die Verkehrsmittelwahl des Hinwegs bestimmt nicht das Verkehrsmittel des Rückwegs.
Für Pendler ist ein sogenannter „Sandwich-Verkehr“ möglich, das heißt die Anreise mit dem Mietrad oder eigenen Rad bis zu einer Haltestelle des ÖPNV, die Weiterfahrt mit Bus oder Bahn und nach Ankunft an der Haltestelle in der Stadt die Weiterfahrt mit Hilfe von Fahrradmietsystemen zum Bestimmungsort.Mobilitätsdienstleistung für den Fahrradverkehr, Diplomarbeit von Christian Klaus am FB Geographie (Monheim) der Universität Trier, Oktober 2001. Die Verfügbarkeit eines Fahrrades ist jedoch nicht sichergestellt. Ebenso muss am Zielort die Möglichkeit der Rückgabe bestehen.
Mit dem Angebot von Fahrradmietsystemen bietet die Stadt auch die Möglichkeit zur aktiven Bewegung anstatt des nur passiven Bewegtwerdens in Bus, Bahn und Auto. Diese körperliche Aktivität ist gesundheitsfördernd und kann Bewegungsmangel und Übergewicht entgegenwirken.
Im Idealfall werden die Mieträder von professionellem Personal gepflegt und gewartet und sind deshalb verkehrssicher (Bremsen, Licht). Bei einer Panne kann ein anderes Rad genommen werden.
Vergleich Fahrradmietsystem – öffentlicher Personennahverkehr Bisher wurden die Fahrradmietsysteme meist durch die Stadtverwaltung bestellt. Eine Konkurrenz zum herkömmlichen öffentlichen Personennahverkehr sind die Fahrradmietsysteme nicht, da sie sich nicht für große Pendlerströme und Entfernungen eignen. Eher im Gegenteil, sie ergänzen die feinmaschige Erschließung eines Areals, bei dem Busse und Bahnen organisatorisch und finanziell überfordert wären oder wegen Umsteigezwängen unattraktiv sind. Die Mitnahme des eigenen Fahrrades kann im alltäglichen Pendlerverkehr aufgrund der beschränkten Kapazitäten der gut ausgelasteten Züge kaum als nennenswerte Alternative gelten (Ausnahme Falträder). Die TU Delft kam zu dem Ergebnis, dass bei optimaler Fahrradverfügbarkeit im Vor- und Nachtransport die Personenkilometer im überörtlichen ÖPV in den ohnehin schon fahrradbegeisterten Niederlanden noch einmal um 14 % gesteigert werden könnten. „Den größten Effekt hatte eine verbesserte Verfügbarkeit des Fahrrads auf dem Weg von der Haltestelle bis zum Ziel.“