mini|hochkant|Ludwig Levy (1886) mini|hochkant|Ludwig Levy (rechts) und sein Kollege Max Hummel (1855–1910) Ludwig Levy (* 18. April 1854 in Landau in der Pfalz; † 30. November 1907 zwischen Emmendingen und Offenburg) war ein deutscher Architekt und Hochschullehrer.
Leben Ludwig Levy wurde als sechstes Kind des jüdischen Textilhändlers Jonas Levy und dessen Ehefrau Barbara, geborene Machhol, geboren. Die Eltern führten ein Bekleidungsgeschäft in der Kronstraße 7 in Landau.Helmut Range, 1987, S. 118.
Nach seiner Schulzeit in Landau studierte er ab 1870 am Polytechnikum Karlsruhe Mathematik und Ingenieurwesen. In den Ferien arbeitete er jeweils in verschiedenen Bausektionen der pfälzischen Eisenbahnen mit. Sein älterer Bruder Heinrich war hier als Ingenieur beschäftigt. Nach diesen ersten Erfahrungen änderte Ludwig Levy sein Studienfach und begann, Architektur zu studieren. Levy übernahm nach beendetem Studium ab 1876 verschiedene Stellen bei Architekten, unter anderem bei Rudolf Opfermann.. Institut für Pfälzische Geschichte und Volkskunde – pfalzgeschichte.de. in Mainz und Mylius & Bluntschli in Frankfurt.Helmut Range, 1987, S. 119.Vor 150 Jahren: Ludwig Levy, ein bedeutender Architekt aus Landau, wird geboren, 10. Januar 2004. 1881 unternahm er eine Studienreise nach Italien. Im Frühjahr 1882 arbeitete er im Architekturbüro von Paul Wallot in Frankfurt und war dort beteiligt am Entwurf des Reichstagsgebäudes. Im August 1882 erhielt Ludwig Levy den Auftrag für den Bau der Synagoge in Kaiserslautern und eröffnete er dort sein eigenes Architekturbüro. 1886 wurde er als Lehrer an die Baugewerkschule Karlsruhe berufen (Antritt am 1. November 1886), wo er am 24. März 1888 zum Professor ernannt wurde. Er lehrte in den Bereichen Bauformen, Kostenberechnung und Bauordnung. Ab 1902 war er Bautechnischer Referent im Ministerium des Innern. In Anerkennung seiner Leistungen wurde er 1902 durch das Badische Innenministerium zum Baurat berufen.stille-zeitzeugen.de:
Ludwig Levy war seit dem 8. Oktober 1890Otto Böcher, 1992, S. 34. mit Flora Levinger (* 7. August 1869 in Karlsruhe) verheiratet. Aus der Ehe gingen die Kinder Marie Babette (* 5. August 1891) und Erwin Walter, Bauingenieur, (* 18. Juni 1896 in Karlsruhe; † 18. Juli 1919 in Karlsruhe) hervor.
Levy starb an einem plötzlichen Herzversagen, erst 53-jährig, am 30. November 1907 auf der Rückfahrt von einer Dienstreise von Freiburg zurück nach Karlsruhe. Sein Grab auf dem Hauptfriedhof Karlsruhe ist beseitigt worden, vielleicht noch vor 1945.
Seine Witwe Flora wurde am 22. August 1942 über Stuttgart nach Theresienstadt deportiert. Dort starb sie am 23. April 1943 im Alter von 74 Jahren. Ihre beiden Kinder waren zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben,Gedenkbuch der Stadt Karlsruhe (voriger Beleg): Sie schrieb 1939 einmal, dass ihre beiden Kinder „an den Folgen des Ersten Weltkriegs verstorben seien“. Enkelkinder gab es keine. Das beschlagnahmte Wohnhaus von Ludwig Levy in Karlsruhe wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, sein Nachlass blieb bis heute verschollen.
Bauten Levys Wirken konzentrierte sich vor allem auf Baden, die Pfalz, aber auch das Elsass, wo er vor allem Synagogen, Wohnhäuser, aber auch Vereinsheime plante.
Ludwig Levys Werk weist ihn als Stilpluralisten aus und damit als typischen Vertreter des Historismus. Er griff auf Formen des Orients, der Romanik, Gotik, der italienischen und deutschen Renaissance und des Barock zurück. Nur ganz vereinzelt ließ er bei Bauten nach 1900 auch florale Stilelemente des Jugendstils einfließen. Er trug damit dem Zeitgeschmack und den Vorstellungen seiner Auftraggeber Rechnung.
Profanbauten 1899–1911: Ministerialgebäude der Verwaltung der Reichslande Elsaß-Lothringen am Kaiserplatz (heute: Sitz der Direction régionale des Impôts, Place de la République) in Straßburg 1902–1903: Großherzogliches Bezirksamt (heute: Polizeipräsidium) in Mannheim als Nachfolger von Oberbaurat Adolf Hanser Heil- und Pflegeanstalt in Wiesloch, heute Psychiatrisches Zentrum Nordbaden 1904–1907: Laborgebäude der Landwirtschaftlichen Versuchsanstalt Augustenberg in Karlsruhe (heute zum Landwirtschaftlichen Technologiezentrum [LTZ] Augustenberg gehörig)
Sakralbauten Synagogen 1883–1886: Synagoge Kaiserslautern (im August 1938 zerstört)„‘Zierde ihrer Stadt‘ – Die Synagoge von Kaiserslautern (1886–1938)“Synagogen-Ausstellung der TU Darmstadt startet Tour durch USA 1892: Alte Synagoge in Pforzheim (1938 zerstört) 1893/94 Alte Synagoge in Luxemburg (1943 zerstört) 1894–1896: Synagoge in La Chaux-de-Fonds (erhalten) 1895–1898: Alte Synagoge in Straßburg (1940 zerstört) 1897: Alte Synagoge in Barmen (1938 zerstört) 1899: Synagoge Baden-Baden (1938 zerstört) 1900/01: Synagoge (Winnweiler) (1938 zerstört) 1902 Synagoge in Rostock (1938 zerstört) 1905: Neue Synagoge in Bingen (1938 zerstört) 1905: Synagoge in Rastatt (1938 zerstört) 1912–1913: Alte Synagoge in Thionville (1940 zerstört)
Kirchen 1884–1885: protestantische Kirche in Olsbrücken 1884–1885: protestantische Kirche in Weilerbach 1888–1889: protestantische Kirche in Bexbach die protestantische Kirche von Mittelbach 1905–1907: protestantische Kirche in Siegelbach sowie um 1885: katholisches Vereinshaus in Kaiserslautern 1904: Reformierte Kirche Queuleu (Metz)
Bauaufgaben im privaten Bereich Im Geburtsort Landau ab 1884 neun Privathäuser an der Straße An 44, unter anderem: Villa Ufer, das Drillingshaus Nr. 23–27 für den Schwiegervater Michael Levinger, die Villa des Postexpeditors Carl Heilmann (abgerissen) Häuser in der Badstraße 1 und 4 1887 das Haus Schlossstraße 8 für die Weinhandlung Leon Levy Söhne 1891–1892 Villa Mahla, Marienring 8, für den Rechtsanwalt Norbert Mahla 1893: Villa Streccius, Südring 20, für den Notar Heinrich Streccius, heute Sitz des Kunstvereins Landau 1899 Wohnhaus Ludowicistraße 11 für seinen Bruder Heinrich Levy
In seinem Wirkungsort Kaiserslautern und in der Pfalz um 1885: Villa Ritter in Kaiserslautern 1886: Villa Böhm in Neustadt an der Haardt (heute Neustadt an der Weinstraße) 1889: Levy-Tor in Kirchheimbolanden:Das sogenannte Levy-Tor ist ein schmiedeeisernes Tor, das sich an der Nordwestecke des Schlossgartens befindet. Das zweiflügelige, neobarocke Tor ließ der damalige Besitzer des Schlosses, Friedrich Brunck, nach einem Entwurf Levys in der Frankfurter Werkstatt des Kunstschmieds Franz Brechenmacher herstellen. Es ist aufwändig gestaltet mit Blumen und Früchten sowie Ranken und von zwei Sandsteinpfeilern mit bekrönenden Vasen getragen. 2009 wurde das Tor restauriert und mit einem Schutzanstrich versehen. 1890: Villa Lieberich-Merkel in Neustadt an der Haardt 1890: Burckshof in GimmeldingenHiltrud Funk: Von der Ziegelhütte zur "behaglichen" Villa - zur frühen Baugeschichte des Burckshofs in Neustadt-Gimmeldingen. In: Pfälzer Heimat. Band 73, 2022, S. 53–64.
In seinem späteren Wohnort Karlsruhe das eigene Haus in Karlsruhe Reinhold-Frank-Str. 69 (früher: Westendstraße) und Nr. 67 für die Schwiegereltern Michael und Justine Levinger.Karlsruher Denkmalliste: Reinhold-Frank-Str. 67 Dieses Haus steht noch, das eigene fiel dem Luftangriff zum Opfer.
Literatur
Christine Kohl-Langer: Ein Architekt, der Landaus vornehmes Stadtbild prägte. Ludwig Levy vor 140 Jahren geboren. In: Pfälzer Tageblatt, Nr. 89, vom 18. April 1994.
Jean Daltroff: La synagogue du quai Kléber de Strasbourg (1898–1941). I. D. L’Édition, Bernardswiller 2012, S. 15–31, 89 (französisch). Bernd Gölz: Auf dem Augustenberg: Der Laborbau und sein Architekt. In: Manfred Koch (Hrsg.): Blick in die Geschichte, Karlsruher stadthistorische Beiträge 2008–2013. S. 290–292.
Weblinks
Einzelnachweise
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