Der Münchner Nordring ist eine Eisenbahnumgehungsbahn am nördlichen Rand der bayerischen Landeshauptstadt München. Sie hat hauptsächlich im Güterverkehr Bedeutung, auch weil der Rangierbahnhof München Nord an der Strecke liegt.

Geschichte

Erste Aufbaustufe Die erste Eisenbahnstrecke, die später im Münchner Nordring aufging, wurde am 1. Oktober 1901 eröffnet. Es handelte sich um eine Lokalbahn nur für den Güterverkehr vom Bahnhof Moosach bei München an der Bahnstrecke München–Regensburg über Milbertshofen nach München-Schwabing.

Am 5. Juni 1909 wurde die Lokalbahn München-Ost–Ismaning eröffnet. Von Johanneskirchen, einem Bahnhof an dieser Strecke, nach München-Schwabing wurde zeitgleich eine weitere Lokalbahn für den Güterverkehr in Betrieb genommen. Der Münchner Nordring war damit in einer ersten Ausbaustufe geschlossen.

Elektrifizierung und Ausbau Am 1. Februar 1924 wurde eine 3,96 km lange, eingleisige Verbindungsstrecke vom Bahnhof Feldmoching an der Bahnstrecke München–Regensburg zum Bahnhof Milbertshofen in Betrieb genommen. Am gleichen Tag wurde ebenfalls die eingleisige Bahnstrecke Milbertshofen–AW Freimann eröffnet. Somit war es nun möglich auch Züge in bzw. aus Richtung Norden auf den Nordring zu leiten.

Mitte der 1920er Jahre begannen im Bahnknoten München umfangreiche Elektrifizierungsarbeiten. So wurde am 23. August 1926 der elektrische Betrieb zwischen Moosach und München Ost Rangierbahnhof über Milbertshofen und Daglfing aufgenommen. Am gleichen Tag wurde auch die Verbindung von Milbertshofen nach Feldmoching elektrifiziert.

In den 1930er Jahren begannen Planungen für eine umfangreiche Umgestaltung der Eisenbahnanlagen in München. Dabei sollten die beiden vorhandenen Rangierbahnhöfe München-Laim und München Ost durch einen neuen Hochleistungsrangierbahnhof im Münchner Norden ersetzt werden. Anfang 1939 begann die Deutsche Reichsbahn mit dem Bau des neuen Rangierbahnhofs. Zur Anbindung des Rangierbahnhofs nahm die Deutsche Reichsbahn zum 2. Oktober 1939 im Westen die eingleisige Bahnstrecke zwischen dem Abzweig Steinwerk an der Bahnstrecke München–Buchloe über Olching nach Milbertshofen in Betrieb. In Olching am Abzweig Olching Ost wurde eine eingleisige Verbindung zum Bahnhof Olching in Richtung Augsburg geschaffen. Zugleich wurden zwei eingleisige Verbindungsstrecken eröffnet, die bei Ludwigsfeld vom Nordring abzweigten und diesen mit Allach in Richtung Süden und Karlsfeld in Richtung Norden an der Bahnstrecke München–Treuchtlingen verbanden. Im Osten wurde zeitgleich die Strecke von Daglfing nach Trudering an der Bahnstrecke München–Rosenheim in Betrieb genommen. Die Strecke von Olching nach Milbertshofen, sowie die Verbindungsstrecke von Ludwigsfeld nach Allach war dabei von Beginn an elektrifiziert. Anfang 1940 wurde mit dem Bau des Bahnhofs München-Ludwigsfeld begonnen, in welchem Baustoffe für die geplante Umgestaltung München ankommen sollten. Um Güterzüge durchgehend elektrisch in Richtung Rosenheim fahren zu können, wurde 1941 schließlich noch der Streckenabschnitt Daglfing–Trudering elektrifiziert.mini|Teilstück zwischen Lassallestraße und Lerchenauer Straße von Westen nach Osten. mini|Ehemalige Bahnstrecke von Johanneskirchen nach Feldkirchen Am 1. Januar 1942 nahm die Deutsche Reichsbahn die Feldkirchner Tangente von der Abzweigstelle München Nordost (bei Johanneskirchen) nach Feldkirchen als direkte Anbindung des Nordringes an die Mühldorfer Strecke in Betrieb. Eine Verlängerung der Anbindung nach Zorneding an der Rosenheimer Strecke war geplant, wurde aber nicht fertiggestellt. Zeitgleich wurde auch zwischen Olching und Trudering der zweigleisige Betrieb aufgenommen. Aufgrund des Kriegsverlaufs wurden 1942 die weiteren Bauarbeiten u. a. des geplanten Rangierbahnhofs eingestellt.

Am 30. April 1945Leinthaler Brücke. In: nordostkultur-muenchen.de, abgerufen am 12. September 2017. sprengten deutsche Soldaten die Föhringer Eisenbahnbrücke über die Isar, wodurch der Münchner Nordring unterbrochen wurde. Durch Kriegseinwirkungen wurde 1945 die Strecke vom Abzweig Ingolstädter Straße nach Schwabing stark beschädigt und außer Betrieb genommen und 1947 endgültig stillgelegt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Verbindungsstrecke München Nordost–Feldkirchen nicht mehr bedient und 1949 stillgelegt. Zur Bedienung des städtischen Gaswerks Oberwiesenfeld wurde am 1. Januar 1946 der Bahnhof München Gaswerk in Betrieb genommen. Im Mai 1946 konnte ein Stahlträger der Föhringer Brücke wieder aus der Isar gehoben werden und ein eingleisiger Betrieb durchgeführt werden.Die Eisenbahn im Nordosten. In: nordostkultur-muenchen.de, abgerufen am 18. November 2020.

Der Abschnitt vom Abzweig Steinwerk bis zum Abzweig Olching Ost wurde bereits 1949 wieder stillgelegt und ist entwidmet.

1956 wurde das zweite Gleis zwischen Daglfing und Trudering wieder abgebaut. Im Rahmen der Elektrifizierung des Streckenabschnitts Dachau–Treuchtlingen wurde am 5. Mai 1960 auch die Verbindungsstrecke Ludwigsfeld–Karlsfeld elektrifiziert.

Mit dem Bau des Euro-Industrieparks nördlich des Nordrings zwischen Milbertshofen und Freimann wurde in den 1960er Jahren eine Reihe neuer Gleisanschlüsse in Betrieb genommen. Am 1. Januar 1964 wurde der elektrische Betrieb zwischen Milbertshofen und AW Freimann aufgenommen. Ebenfalls 1964 wurde das Heizkraftwerks Nord zwischen den Bahnhöfen Johanneskirchen und Freimann in Betrieb genommen, welches über einen Gleisanschluss mit Kohle versorgt wird.

Am 1. November 1970 wurde die neue Strecke vom Abzweig Oberwiesenfeld Ost zu dem im Bau befindlichen Bahnhof München Olympiastadion neu errichtet.

Neubau Rangierbahnhof München Nord Der bereits Ende der 1930er Jahre begonnene und 1942 wieder eingestellte Neubau eines Rangierbahnhofs wurde 1987 schließlich wieder neu aufgenommen. Im Rahmen dieser Arbeiten wurde der Bahnhof Ludwigsfeld zunächst als Baubahnhof genutzt und bis 1991 komplett stillgelegt.

Im Rahmen der Bauarbeiten wurden im Bereich des Rangierbahnhof Nord auch die Verbindungsstrecken zu den benachbarten Bahnstrecken neu gebaut. So wurde zwischen dem 25. August und dem 31. Oktober 1990 die Strecke zwischen Moosach und dem Abzweig Oberwiesenfeld sowie 1991 die Strecken von Allach, Karlsfeld und Feldmoching neu gebaut.

Der Rangierbahnhof München Nord wurde schließlich 1991 in Betrieb genommen.

Am 13. Dezember 1995 wurde das Streckengleis Milbertshofen–AW Freimann stillgelegt und fortan als Nebengleis weiterbetrieben.

Streckenbeschreibung

Verlauf mini|Teilstück des Nordrings vom Güterbahnhof Freimann nach Westen Richtung Moosach Bis nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Strecke in der Abzweigstelle Steinwerk bei Eichenau (an der Bahnstrecke München–Buchloe). Dieser Abschnitt bis zur ehemaligen Abzweigstelle Olching Ost ist heute noch in Grundzügen zu erkennen, Gleise liegen nicht mehr. Die Brücke über die Bahnstrecke München–Augsburg wurde erhalten und dient als Überführung für Fuß- und Radverkehr. Der Nullpunkt der Streckenkilometrierung ist weiterhin die ehemalige Abzweigstelle Steinwerk.

Eine Verbindungskurve beginnt im Bahnhof Olching und geht an der ehemaligen Abzweigstelle Olching Ost in die weitere Strecke über, die von dort nördlich von Gröbenzell zunächst bis zum Münchner Stadtteil Allach verläuft. Hier stoßen Verbindungsstrecken von der Bahnstrecke München–Treuchtlingen hinzu, ehe die Strecke dann den Rangierbahnhof München Nord passiert. Im Bereich der Ausfahrgruppe gibt es eine Verbindungskurve über den Bahnhof München-Moosach zum Bahnhof München-Laim. Ebenso wird von hier die Bahnstrecke München–Regensburg in nördlicher Richtung erreicht.

Östlich des Rangierbahnhofs verläuft die Strecke Am Oberwiesenfeld, am Nordrand des Olympischen Dorfes. Hier bestand früher eine Fahrmöglichkeit zum ehemaligen Bahnhof München Olympiastadion.

Im weiteren Verlauf der Strecke in Richtung Osten liegen zwei Bahnhöfe, die nur von Güterzügen durchfahren werden: München-Milbertshofen und München-Freimann. Westlich des Bahnhofs München-Milbertshofen beginnt das Anschlussgleis zum BMW Werk 1. Auf der Trasse des ehemals östlich davon abzweigenden Gleises zum Güterbahnhof München-Schwabing verlaufen heute die Gleise der Trambahnlinie 23. Er unterquert die Lilienthalallee und die A9. Östlich des Bahnhofs München-Freimann besteht ein Anschlussgleis zur Linie U6 der U-Bahn München, das zur Anlieferung von U-Bahnzügen genutzt wird. Nach der Querung der Isar über die Föhringer Eisenbahnbrücke fädelt die Strecke von München Flughafen ein, die sich im Bahnhof Daglfing als Verbindungskurve nach München Ost wieder von ihr abzweigt. Über einen eingleisigen Abschnitt, die Truderinger Spange, führt der Nordring dann weiter zum Bahnhof München-Trudering, wo er kurz darauf in die Hauptbahn in Richtung Rosenheim übergeht.

Sicherungstechnik Zwischen 1959 und 2022 wurde der Bahnhof Freimann von einem Drucktastenstellwerk der Bauform DrS2 gesteuert. Seit 2022 wird der Bahnhof durch das ESTW-A Milbertshofen ferngestellt. Der Bedienplatz des ESTW-A Milbertshofen befindet sich im Stellwerksgebäude des ESTW München Rangierbahnhof. In den 2030er Jahren sollen neue Stellwerke auf dem Nordring eingeführt werden.

Verkehr Güterverkehr mini|Blick von der Dachauer Straße aus auf den Rangierbahnhof Die Strecke wird von vielen nationalen und internationalen Güterzügen genutzt. Der Großteil des Güterverkehrs verkehrt hierbei auf aus Richtung Augsburg und Ingolstadt weiter in Richtung Rosenheim–Kufstein oder Salzburg. Hierzu gehörten bis zu ihrer Einstellung unter anderem auch die Züge der Rollenden Landstraße Manching–Brennersee.

Örtliche Bedienfahrten Im Bahnhof Milbertshofen findet insbesondere mit der Mineralölindustrie Güterverkehr statt. Von Milbertshofen aus wird außerdem der Werksverkehr von BMW abgewickelt.

Nur noch wenige Gleisanschlüsse hat der Bahnhof Freimann. Dazu gehört das Verbindungsgleis zur U-Bahn München, sowie Anschlüsse zu einem Recycling-Unternehmen und zur DB Systemtechnik. Im Euro-Industriepark sind alle Gleisanschlüsse inzwischen aufgegeben.

Nördlich von Johanneskirchen wurde bis Sommer 2024 der Block 2 des Heizkraftwerk Nord der Stadtwerke München mit Kohle-Ganzzügen bedient. Hier wurden jährlich ca. 350.000 t Steinkohle angeliefert. Im Sommer 2024 wurde der Block 2 auf Erdgas umgestellt.

Personenverkehr Zwischen 1. Oktober 1948 und 14. Mai 1949 verkehrten zwischen Moosach über Freimann nach München Ost Pbf Personenzüge.

Zu den Olympischen Spielen 1972 wurde der Nordring benutzt, um S-Bahnen und Sonderzüge sowohl von Westen (Moosach) als auch von Osten (Englschalking) aus zum eigens dafür errichteten Bahnhof München Olympiastadion zu führen. Nach der Olympiade wurde die Station nur noch sporadisch bei Veranstaltungen und nur noch von Westen her angefahren. Nach der Fußball-Europameisterschaft 1988 wurde die Station endgültig stillgelegt und aufgelassen.

Für Bahnmitarbeiter, die am Rangierbahnhof München Nord arbeiteten, gab es bis in die 1990er Jahre einen Pendelzug zwischen diesem Bahnhof und dem Halt München-Moosach. Dieser Zug wurde aus einem Uerdinger Schienenbus gebildet.

Außer einigen Nachtzügen und den auf dem Abschnitt Daglfing–Johanneskirchen verkehrenden S-Bahnen zum Flughafen findet planmäßig kein Personenverkehr auf dem Nordring statt. Bei einer Sperrung von Zulaufstrecken nach München Hauptbahnhof wird die Strecke abschnittsweise im Umleiterverkehr genutzt.

Ausbesserungswerk München-Freimann